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	<title>predigten-andachten &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/predigten-andachten/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "predigten-andachten"</description>
	<pubDate>Mon, 07 Jul 2008 15:02:21 +0000</pubDate>

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	<language>en</language>

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<title><![CDATA[Positiv stressen - Predigt zu Exodus 18,13-27 sowie Matthäus 18,1-5 &amp; 1 Korinther 12,12-14.27-30]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=290</link>
<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 11:18:32 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Anmerkung vorab: Diese Predigt habe ich heute als Gastpredigt in der Evangelisch-methodistischen Kir]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.files.wordpress.com/2008/06/stress.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-291" src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/06/stress.jpg?w=240" alt="" hspace="5" vspace="5" width="240" height="213" align="left" /></a><em>Anmerkung vorab: Diese Predigt habe ich heute als Gastpredigt in der Evangelisch-methodistischen Kirche in Eisenach halten dürfen. Die Lesungen sind außerhalb der katholischen Lesereihe.</em></p>
<p><em>Grundlage der Predigt ist eine Andacht zu Exodus 18,13-27, die ich gestern bei einer wunderbaren musikalischen Vesper mit der bezaubernden Begleitung einer Altzither durch den Musik-Künstler Rainer Schmidt (Heidelberg) in der Evangelisch Michaeliskirche zu Erfurt halten durfte.<br />
</em></p>
<p><strong>Menschen wie Mose</strong></p>
<p>Wenn wir uns umschauen, können wir viele Menschen finden, die <strong>dem</strong> Mose ähneln, der uns zu Beginn des gehörten Textes <!--more-->aus dem Buch Exodus geschildert wird - und vielleicht gehören wir ja auch selber dazu oder haben zumindest Anteile davon: Menschen, die nahezu unersetzlich scheinen und sich vielleicht auch dafür halten. Leute, bei denen alle Fäden zusammenlaufen, und bei denen sich dadurch auch Macht und Einfluss bündeln. Personen, ohne deren „Ja“ oder „Nein“ sich andere schon fast nicht mehr zu entscheiden oder gar zu handeln trauen.</p>
<p>Solche Menschen sind oft genug geprägt von großem Mißtrauen gegenüber Dritten, trauen diesen nicht zu, richtig entscheiden oder handeln zu können. - Solche Leute können dadurch ganze Organisationen lähmen.<br />
Denn es geht solchen Menschen wie es dessen Schwiegervater Jitro bei Mose beobachtet: „Es ist nicht gut, was du da tust. Du bist völlig erschöpft, du und auch das Volk, das bei dir ist.“</p>
<p>Und wen sollte das auch wundern: Wenn alles von mir abgesegnet und entschieden werden muss, gerate ich ganz schnell an meine ganz persönlichen, menschlichen Grenzen: Dauernd in Hektik und Streß, ständig in Alarmbereitschaft, permanent klingelndes Mobiltelefon, immer erreichbar sein, keine ruhige Minute, ich bin zuständig, da hat niemand anders die Entscheidung zu treffen, nichts geht ohne mich - Herzinfarkt, nichts geht mehr, das Spiel ist vorbei.</p>
<p><strong>Sucht-Potential herausgehobener Stellung</strong></p>
<p>Alle etwas herausgehobenen Positionen - ob hauptberuflich oder ehrenamtlich - bergen ein gewisses Sucht-Potential in sich. Denn die Herausgehobenheit macht mich besonders, gibt mir Ansehen, Anerkennung, Bewunderung, schmeichelt meinem Ego. Je herausgehobener die Position ist, desto Sucht-Gefährdender ist sie.</p>
<p>Vielleicht sollte man daher zumindest bei so manchen Stellenanzeigen oder bei manchen Aufgabenbeschreibungen für ehrenamtliche Tätigkeit ähnlich wie bei Tabakprodukten einen Warnhinweis verpflichtend machen: „Dieser Job kann abhängig machen und Ihre Gesundheit gefährden.“</p>
<p>Es ist nun zwar nicht so, dass es solche Phänomene bei Kindern gar nicht gäbe. Erst gestern konnte ich beispielsweise beim Sportfest unseres Kindergartens beobachten, wie wichtig es Kindern sein kann, etwas besser zu können als andere, und sich so auch gegenüber den anderen auszuzeichnen.</p>
<p>Aber ich konnte auch beobachten, wie gelassen die meisten Kinder dann auch damit umgingen, wenn sie eben nicht auf Platz 1 landeten, oder irgendetwas nicht schafften. Mein vierjähriger Sohn beispielsweise war mit Begeisterung dabei, als es darum ging, einmal auf der Sandbahn das gesamte Stadion zu umrunden. Aber als er aber nach 2/3 der Strecke aus der Puste kam, bog er ganz einfach von der Bahn ab, um mit anderen Kindern im Sand der Weitsprung-Kiste zu spielen.</p>
<p>Jesus dürfte solche Unbekümmertheit von Kindern im Blick gehabt haben, als er sie seinen Jüngern als Vorbild empfahl, wie wir es in der Lesung aus dem Matthäus-Evangelium gehört haben. Die sich streitenden Jünger waren nämlich gerade dabei, das entsprechende Sucht-Potential zu entwickeln: „Wer wird der Größte sein?“, also: „Wer ist der Herausgehobenste, der Beste, der, dem die meiste Bewunderung gebührt?“ - Und mit ihrer Großmannssucht sind sie gerade dabei, der ganzen frohen Botschaft zu widersprechen und das Reich Gottes zu verpassen. Dabei sind sie schon so lange mit dem Nazarener unterwegs. Und noch immer haben sie so wenig verstanden.</p>
<p>Aber geht es uns selber nicht viel zu häufig auch so? Schon so lange mit dem Nazarener und seiner frohen Botschaft unterwegs, aber doch so viel noch nicht mit dem Herzen verstanden?</p>
<p>Manchmal braucht man daher jemanden von außen, der einen darauf aufmerksam macht, dass man dabei ist, nicht nur sich selber, sondern möglicherweise auch die ganze Organisation, für die und in der man sich engagiert, zu ruinieren.</p>
<p><strong>Subsidiarität</strong></p>
<p>In unserem Text ist dies der Schwiegervater des Mose, Jitro. Er führt hier mit seinem Vorschlag das so genannte Subsidiaritätsprinzip ein: Der Begriff kommt vom lateinischen „subsidium“, was man mit „Hilfe“ oder „Reserve“ übersetzten kann. Er bedeutet, dass Probleme und Aufgaben eigenständig auf der Ebene gelöst werden sollen, auf der sie gelöst werden können. Gleichwohl soll die jeweils kleinere Ebene nicht überfordert und daher im Bedarfsfall die übergeordnete Ebene unterstützend tätig werden.</p>
<p>Ich finde es erstaunlich, dass Mose diesen Vorschlag seines Schwiegervaters ohne jeglichen Widerstand sofort zu übernehmen scheint: „Und Mose hörte auf seinen Schwiegervater und tat alles, was er gesagt hatte.“ Denn Mose gibt dadurch natürlich auch Einfluss und Macht ab, und muss anderen vertrauen, dass sie schon das richtige tun und entscheiden werden. Das ist nicht leicht. Insbesondere nicht für Führungspersönlichkeiten.</p>
<p><strong>Gemeinsam am Reich Gottes bauen</strong></p>
<p>Aber ich finde das ein sehr gutes und grundlegendes Prinzip - für die gesamte Gesellschaft, aber auch für uns in den Kirchen. Denn wir Christinnen und Christen bauen alle <strong>gemeinsam</strong> am Reich Gottes. Und der Heilige Geist weht wo er will und setzt sich nicht nur auf heilige Stühle. - Die es ja in jeder Kirche gibt.<br />
Jede und jeder engagiere sich mit dem, was sie oder er zu tun und zu entscheiden vermag. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.</p>
<p>Keine Überforderung - aber auch keine Unterforderung. Denn nicht jeder Stress macht krank. Wir brauchen positiven Stress. Er macht das Leben lebenswert. Spannungen erzeugen Kraft, eben Spannkraft. Ohne ein gewisses Mass an Stress können wir nicht gesund sein. Allerdings sollte sich der Stress in Grenzen halten, und diese Grenzen sind bei jedem Menschen verschieden.</p>
<p>Paulus hat dieses Prinzip in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth, aus dem wir heute einen Abschnitt gehört haben, in dem berühmten Gleichnis vom einen Leib mit seinen vielen Gliedern beschrieben: Jede und jeder ist irgendwie besonders, einzigartig, einmalig, und es fehlt des gesamten Leib etwas wichtiges, wenn ein Glied fehlt. Aber alle Glieder dieses Leibes haben unterschiedliche Aufgaben. Und es gibt kein Glied, von dem wirklich alles alleine abhängt. Aber jedes Glied ist wichtig, damit der gesamte Leib mit all seiner Kraft wirken und Gottes Heil in dieser Welt zum Anbruch verhelfen kann.</p>
<p>Das sollten wir uns zu Herzen nehmen. Es wird uns dabei helfen, mit unserem ganzen Engagement bei der Sache Jesu zu bleiben - positiven Stress entwickeln. Und uns gleichzeitig nicht zu überfordern, sondern voll Gelassenheit und Ruhe zu wissen: Es hängt nicht alles nur von mir ab. - Gut, dass wir einander haben. In der Gemeinde, in der Kirche, in der Ökumene.</p>
<p>Und wir werden verfolgen können, wie das Reich Gottes anbricht mitten unter uns.</p>
<p><em>Foto: </em><em>danete εïз - Quelle: www.flickr.de</em><strong><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Sorget nicht!? - Predigt zu Matthäus 6,24-34]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=282</link>
<pubDate>Mon, 26 May 2008 09:38:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
<guid>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=282</guid>
<description><![CDATA[Wut machendes Evangelium
Als ich das Evangelium des heutigen Gottesdienstes zum ersten Mal bei der V]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.files.wordpress.com/2008/05/sorgen.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-283" src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/05/sorgen.jpg?w=240" alt="" hspace="5" vspace="5" width="240" height="135" align="left" /></a><strong>Wut machendes Evangelium</strong></p>
<p>Als ich das Evangelium des heutigen Gottesdienstes zum ersten Mal bei der Vorbereitung auf den heutigen Gottesdienst gelesen habe, hat es mich regelrecht wütend gemacht. Denn der Text des heutigen Evangeliums ist für viele Menschen eine echte Zumutung.</p>
<p>Ich denke dabei an das Viertel der Bevölkerung, welche nach dem in der vergangenen Woche vorgelegten Armutsbericht <!--more-->der Bundesregierung entweder in direkter Armut lebt oder unmittelbar davon bedroht ist. Sie dürften erhebliche Schwierigkeiten haben, wenn man ihnen diesen Text in ihrer Situation als „frohe Botschaft“, als Evangelium verkündet.</p>
<p>Und was sollen erst die Menschen in Birma und China dazu sagen, die von Naturkatastrophen unermesslichen Ausmaßes getroffen wurden - in Birma auch noch verknüpft mit einer Militärdiktatur, die aus Angst vor möglichen demokratischen Keimen, die einwandern könnten, bis letzten Freitag nahezu keine ausländische Hilfe ins Land und lieber die eigene Bevölkerung elendiglich zugrunde gehen hat lassen - und ob die ausländische Hilfe jetzt auch wirklich unproblematisch ins Land kommt, wie jetzt angekündigt, ist immer noch nicht wirklich klar.</p>
<p>Wie sollte ich denn von solchem Leid betroffenen Menschen etwas davon erzählen, dass sie sich nicht um Essen und Trinken oder um ihre Kleidung zu sorgen brauchen, weil doch der himmlische Vater sie schon ernähren und kleiden wird? Wenn ich das täte: Es wäre für mich an Zynismus schon fast nicht mehr zu überbieten.</p>
<p>Haben wir es hier daher vielleicht mit einem Fall jesuanischer Wirklichkeitsverdrängung zu tun? Warum fordert er die Armen schon fast zu einer vertröstenden Sorglosigkeit auf? Will der Nazarener in seiner berühmten Bergpredigt, aus der die heutige Passage entnommen ist, nicht wahrhaben, dass es Bedürftigkeit und reale Armut gibt, die sich auch durch noch so großes Vertrauen in Gott nicht beseitigen läßt?<br />
Oder bin vielleicht ich einer der erwähnten Kleingläubigen, und kann die göttliche Hilfe nicht erleben, weil ich zu wenig in Gott und seine Hilfe vertraue?</p>
<p><strong>Schwere Kost für Kapitalisten</strong></p>
<p>Doch nach längerem Nachdenken ging mir dann auch durch den Kopf: Nicht nur die Bedürftigen dürften ein Problem mit diesem Text haben. Sondern auch reichen und wohlhabenden Menschen wird dieser Text nicht gerade schmecken.</p>
<p>Denn diese Worte Jesu sind ein sehr deutlicher Aufruf dazu, nicht allzuviel Wert auf Besitz zu legen: Meine Aktien, mein Häuschen, meine Jacht. Hier wird davon erzählt, dass man mit allem Geld dieser Welt keine Schönheit kaufen kann, und dass selbst die Lilien auf dem Feld viel schöner gekleidet sind, als Salomo in seiner sprichwörtlichen Pracht es je gewesen sei.</p>
<p>Das stört. Diese Erkenntnis ist unangenehm, wenn man bislang eigentlich in dem Glauben gelebt hat, dass Geld die Welt regiere, dass Vermögen das ist, was einzig Sicherheit bietet, dass man sich mit dem nötigen Kleingeld alles, ja, wirklich alles kaufen kann.</p>
<p>Und solch ein Glaube ist in einer Marktwirtschaft ja durchaus weit verbreitet. Jedenfalls viel weiter als der Glaube an einen liebevollen und sorgenden Gott. Die Marktwirtschaft und der Kapitalismus in denen wir leben basieren notwendig auf diesem Glauben an die Regentschaft der klingenden Münze.</p>
<p>Eugen Drewermann hat es trefflich beobachtet: Wenn man in der Archäologie die Baudenkmäler von alten Kulturen ausgräbt, wird man im Regelfall vor allem Tempel oder religiöse Kultstätten als besonders herausragende Bauten entdecken. Wenn unsere Nachfahren einst die herausragenden Baudenkmäler unserer Epoche archäologisch herausarbeiten, werden sie vor allem die Reste unserer bevorzugten Kultstätten entdecken: die Fundamente von Banken und Versicherungen.</p>
<p><strong>Der Mensch ist geliebt und wertvoll</strong></p>
<p>Ich glaube daher, dass der Sinn des Textes nicht die Aufforderung zu einem naiven Vertrauen auf Gott ist. Der eigentliche Sinn des Textes ist der Aufruf, sich von der Religion des Geldes zu befreien, und statt dessen den Wert des eigenen, persönlichen Lebens wiederzuentdecken. Den Wert dessen wiederzuentdecken, den Gott mit jedem einzelnen Menschen erschaffen hat.</p>
<p>Der Mensch hat in den Augen Gottes einen Wert, der gegen jede Kapitalisierung verteidigt werden muss, und sich nicht in Cent und Euro, Aktien und Fondspapieren, Immobilien und Luxusjachten ausdrücken lässt.<br />
Die Alternative „Gott oder Mammon“ ist kein Aufruf zur Askese, sondern ein Aufruf zur Entscheidung zwischen Freiheit und Sklaverei. Wenn man sich für das Geld entscheidet, daran sein Glück hängt und seinen individuellen Wert vom eigenen Vermögen abhängig macht, wird man am Ende ein Skalve des Kapitals. Wenn man sich dagegen für Gott entscheidet, für die Arbeit an seinem Reich und für die Gerechtigkeit, dann entscheidet man sich für die Freiheit. Denn man entscheidet sich für den Menschen, den Gott geschaffen hat. Man entscheidet sich für sich selber, wo wie Gott einen gewollt hat. Wer so Gott dient, wird von diesem nicht versklavt.</p>
<p><strong>Die Angst, ein Nichts zu sein</strong></p>
<p>Das Geld bekommt eine wahnsinnige Macht über uns, wenn wir uns von ihm  ein Gefühl von Sicherheit vorgaukeln lassen, das Gefühl, dass wir mit Euro und Cent alle Werte dieser Welt einkaufen können.<br />
Vielleicht suchen wir solche Sicherheiten, weil wir uns vor Alter, Vergänglichkeit und Krankheit fürchten. Davor, nicht mehr geachtet zu werden, unwichtig zu werden, ein Nichts, ein Niemand. Ich glaube, ein solches Gefühl der Wertlosigkeit zu empfinden ist ganz einfach schrecklich.</p>
<p>Dabei muss der Mammon, den wir hier verehren, für den wir uns selber opfern, übrigens nicht unbedingt ein in Heller und Pfennig ausdrückbarer Wert sein. Das kann auch so etwas sein, wie immenses Engagement für eine Sache und das Ansehen, welches man dadurch erhält. Auch hier versucht man sich aus der Masse der Vielen herausheben und einen besonderen Platz einzunehmen, der einen zum einzigartigen Individuum macht, dessen Verlust eine nicht schließbare Lücke hinterlassen würde. Gerade auch der Stand eines Geistlichen in der Kirche, insbesondere in den katholischen Traditionen, birgt hier eine große Versuchung in sich.</p>
<p>Aber das, was wir im Endeffekt alle suchen, können wir weder mit noch so viel Geld noch mit übergroßem Engagement kaufen: Liebe. Echte Liebe. Die kann man nur geschenkt bekommen. - Und jeder, der liebevolle Eltern oder die Liebe einer echten Partnerschaft erleben durfte, weiß, dass diese Liebe selbst in den zerbrechlichen Gefäßen unserer menschlichen Herzen bedingungslos und überströmend sein kann.</p>
<p>Eine solche Liebe schenkt uns das Gefühl, nicht nebensächlich und beliebig zu sein auf dieser Welt, nicht ein austauschbares etwas. Geld kann uns eine solche Liebe nicht kaufen. Und Geld kann uns solch ein Gefühl nicht vermitteln. Ein Milliardär ist durch einen anderen austauschbar, denn nicht er wird geliebt, sondern sein Reichtum. Ein geliebter Mensch ist nicht austauschbar - er ist einzigartig.</p>
<p>Und genau diese Liebe schenkt uns Gott. Er hat uns als einzigartige, unverwechselbare, nicht austauschbare Lebewesen erschaffen, er hat - wie ich es in Anlehnung an Anselm Grün sehr gerne ausdrücke - mit jeder und jedem einzelnen von uns ein ganz einzigartiges Wort in diese Welt hinein gesprochen. Und er will, dass dieses Wort hörbar wird, dass wir den Menschen finden, den er mit uns gemeint hat - und wer hier jetzt das Wort „Berufung“ mit hört, der hört ganz richtig.</p>
<p><strong>Liebe will nicht verändern, Liebe will entdecken</strong></p>
<p>Genau das ist es nämlich auch, was echte Liebe ausmacht: Echte Liebe will den geliebten Menschen nicht verändern, sondern den Menschen entdecken, der das geliebte Gegenüber ist - mit allen Unterschieden, die es hier zu entdecken gibt.</p>
<p>Wenn wir uns für Gott entscheiden, dann können wir den Menschen finden, den Gott mit uns geschaffen hat. Dann können wir unsere Berufung finden.</p>
<p>Und das ist meistens ein längerer Prozess des Suchens und Findens, denn es gibt so viele Faktoren in unserer individuellen Entwicklung, die unsere Ohren für das Wort Gottes verstopfen, welches er mit uns gesprochen hat.</p>
<p>Wenn wir diesen Menschen auf Gott und seinen Heilswillen für uns vertrauend gefunden haben, wenn wir unserer Berufung folgen, heißt das aber dennoch nicht, dass wir keinerlei Schwierigkeiten haben, dass alles glatt geht, dass wir kein Leid erfahren werden. Das hat er uns, denke ich, in Jesus Christus selber, im Kreuz des Karfreitags, unmißverständlich gezeigt.</p>
<p>Aber wir werden unseren Weg mit Gott gehen und dürfen uns daran freuen, dass wir gerufen sind, an seinem Reich mitzubauen mit unserer Kraft. Und wir können darauf vertrauen, dass er im tiefsten Leid, in der größten Verlassenheit, immer bei uns sein wird.</p>
<p>Denn unser Gott ist immer nur ein Gebet weit entfernt.</p>
<p><em>Foto: viernullvier - Quelle: www.flickr.de</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ernst genommenes Herrenmahl ersetzt Fundraising - Andacht zu 1 Korinther 11,17-34]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=277</link>
<pubDate>Mon, 19 May 2008 18:23:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Paulus hat im Laufe seines Wirkens eine Vielzahl von Gemeinden gegründet, hat Senfkörner gelegt un]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.files.wordpress.com/2008/05/eucharistie.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-278" src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/05/eucharistie.jpg?w=240" alt="" hspace="5" vspace="5" width="240" height="178" align="left" /></a>Paulus hat im Laufe seines Wirkens eine Vielzahl von Gemeinden gegründet, hat Senfkörner gelegt und durfte feststellen, wie an vielen Orten in kurzer Zeit mächtige Bäume gewachsen sind. Gemeinden mit Mitgliedern aus allen sozialen Schichten. - Eine davon ist die Gemeinde in Korinth, von der wir heute die Antwort Pauli auf einen Konfliktfall im Zusammenhang mit der gottesdienstlichen Feier des Herrenmahles lesen und hören konnten.</p>
<p>Was war passiert? Das Herrenmahl <!--more-->hatte zu diesem frühchristlichen Zeitpunkt noch eine wesentlich engere Anbindung an das Pessach-Mahl, aus dem es sich heraus entwickelt hat. Deswegen fand, wie beim Pessach-Mahl, zwischen dem Segen über das Brot mit dem Teilen des Brotes als Leib Christi und dem Segen über den Wein mit dem Teilen des Weines als neuer Bund im Blut Christi ein Sättigungsmahl statt.</p>
<p>Viele der teilnehmenden Christinnen und Christen hatten für diese Mahlfeier etwas mitgebracht. Naturgemäß konnten die ärmeren Gemeindemitglieder sich lediglich bescheidene Kost leisten oder hatten auch gar nichts dabei, während die reicheren eher exquisite Speisen dabei hatten und sich wahrscheinlich auch beim Wein nicht unbedingt zurückhalten mussten.</p>
<p>Anscheinend hatte sich in der Gemeinde in Korinth nun bei den wohlhabenderen Schichten das Mißverständnis eingeschlichen, dass man zwischen den sakramentalen Handlungen mit Brot und Wein zu Beginn und Ende des Mahles und dem dazwischen liegenden Sättigungsmahl als einer rein profanen Geschichte klar trennen könne. Dazu kommt, dass in der Gemeinde von Korinth anscheinend ohnehin in den wohlhabenderen Kreisen eher die Ansicht vertreten wurde, es ginge beim christlichen Glauben darum, das Heil im Aufstieg des geistigen Selbst zur geistigen Welt des erhobenen Christus bei Gott zu suchen, also nicht diese Welt konkret zu verändern, sondern sie - zumindest schon mal spirituell - zu verlassen.</p>
<p>Die Folge war logisch: Die wohlhabenden Gemeindemitglieder sahen keinen Anlass, ihre mitgebrachten Speisen mit den bedürftigeren Gemeindemitgliedern zu teilen. So konnte es dann dazu kommen, dass - wie geschildert - die einen schon betrunken waren, während die anderen noch hungerten.</p>
<p>Einer solchen Auffassung tritt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth ganz entschieden entgegen: Denn solch ein Verhalten widerspricht diametral dem sakramentalen Zeichen des Herrenmahles, des Mahles, welches an den erinnert, der sich selbst für uns alle geteilt hat.</p>
<p>Das Verhalten der entsprechenden Schichten der Gemeinde in Korinth ist eine Zementierung der Verhältnisse dieser Welt, der sozialen Ungleichheiten, selbst beim Herrenmahl, mitten in der Kirche. Aber das Herrenmahl fordert notwendig echte Gemeinschaft, die sich auch darin ausdrückt, dass die Teilnehmenden das Mitgebrachte miteinander teilen. Jedes Missverhalten auf horizontaler Ebene, untereinander, in der Gemeinschaft, berührt den Bezug zu Christus. Wer also so handelt, wie es uns von den Wohlhabenden in Korinth geschildert wird, feiert das Herrenmahl unangemessen.</p>
<p>Ich bin immer wieder überrascht, wie aktuell die Texte der Schrift bis heute sind. Und noch viel mehr überrascht mich doch auch immer wieder, wie viel sie mit meinem spezifischen Arbeitsfeld, dem Fundraising, zu tun haben.</p>
<p>Denn auch wenn es uns hier für eine lokal begrenzte Gemeinde geschildert wird, handelt es sich doch um eine prinzipielle Grundeinstellung, welche wir auch auf regionale oder globale Ebene übertragen können. Und sobald ich so denke, befinde ich mich hier in Deutschland sehr schnell unter den Wohlhabenden, selbst wenn ich ein im deutschen Maßstab unterdurchschnittliches Einkommen haben sollte.</p>
<p>Dann ist die breite Masse der Menschen hier in Deutschland nicht nur diejenige, die angesichts der Reichtumsvermehrung des wohlhabenden Teils unserer Gesellschaft zu Recht mehr Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland einfordern. Sondern dann sind alle Menschen hier in Deutschland auch diejenigen, von denen angesichts der Wohlstandsverteilung auf diesem Erdenrund von armen und bedürftigen Ländern Verteilungsgerechtigkeit eingefordert werden kann.</p>
<p>Auch wenn wir in unseren Kirchen und Gemeinden Herrenmahl feiern, stehen wir daher m.E. immer vor der Frage, ob wir die uns von Gott geschenkten Gaben auch mit anderen zu teilen bereit sind, so wie Gott selbst sich für uns in Brot und Wein des Herrenmahles teilt. Sonst finden viele, viele Einzelmähler statt, aber kein Essen des Herrenmahles.</p>
<p>Das Essen und Trinken des Herrenmahles ist Verkündigung von Tod, Auferstehung und Gegenwart Jesu Christi. Und der Glaube daran bewahrheitet sich im Teilen während des Mahles und im Teilen über das Mahl hinaus.</p>
<p>Wenn sich diese Grundauffassung in den Kirchen und in der Gesellschaft festsetzen würde, können wir meine Stelle und die Stellen meiner Kolleginnen und Kollegen in den anderen Kirchen und den gemeinnützigen Organisationen gleich wieder einsparen. Denn dann braucht es niemanden mehr, der zum Teilen der von Gott gegebenen Gaben ermuntert. - Aber ich vermute, dass ich mir um ein Aufgabenfeld im Fundraising nicht so schnell Sorgen machen brauche.</p>
<p><em>Foto: Michael Scharf - Quelle: www.flickr.de</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Aufgeklärt begeistert - Predigt zu Apostelgeschichte 2,1-13]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=253</link>
<pubDate>Sun, 11 May 2008 21:16:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat einmal gesagt: „Alle reden von Kommunikation, aber]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.files.wordpress.com/2008/05/begeistert.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-254" src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/05/begeistert.jpg?w=240" alt="" hspace="5" vspace="5" width="240" height="180" align="left" /></a>Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat einmal gesagt: „Alle reden von Kommunikation, aber die wenigsten haben sich etwas mitzuteilen.“</p>
<p>Der Text, den wir gerade vorhin aus der Apostelgeschichte gehört haben, redet auch von Kommunikation. Aber <strong>diese</strong> Kommunikation <strong>hat</strong> etwas mitzuteilen. Denn sie ist inspiriert durch den Heiligen Geist. Die Jünger werden vom Gottes-Geist aus ihrem Versteck getrieben und müssen die frohe Botschaft von Jesus, <!--more-->von Gottes Wirken auf Erden weitererzählen. Sie können schon gar nicht anders.</p>
<p>Dieser Text wird daher auch häufig als die <a href="http://theolounge.wordpress.com/2008/05/11/pfingsten-geburtsstunde-der-kirche/">„Geburtsstunde der Kirche“</a> bezeichnet. Denn durch solch begeistertes Weitererzählen der frohen Botschaft haben sich Menschen auch selbst begeistern lassen, anstecken lassen von der Nachricht, dass Gott als Mensch unter den Menschen gelebt hat, und ihnen gezeigt hat, dass das Reich Gottes bereits angebrochen ist mitten unter uns.</p>
<p><strong>Das Wunder der Verständigung</strong></p>
<p>Das besondere an dieser Geschichte ist dabei, dass es den versammelten Jüngern gelingt, sich verständlich zu machen.</p>
<p>Und das nicht nur durch diese beneidenswerte Fähigkeit, dass sie durch den heiligen Geist begabt scheinbar auf einmal in fremden Sprachen zu reden vermögen und auf diese Weise von den vielen Menschen in ihren unterschiedlichen Sprachen verstanden werden.</p>
<p>Sondern darüber hinausgehend ja auch so, dass von zahlreichen der Anwesenden überhaupt die grundlegende Botschaft der Jünger verstanden wird: Die Botschaft vom auferstandenen Christus, der den Tod überwunden hat und nun in seinem heiligen Gottes-Geist mitten unter den Menschen wirkt.</p>
<p>Ich betrachte das nicht gerade als selbstverständlich, dass eine solche Kommunikation gelingt. Für mich ist das ein echtes Wunder einer begeisterten und begeisternden Kommunikation. Denn wenn ich es nüchtern betrachte, muss ich feststellen, dass dies den etablierten Kirchen, uns Christinnen und Christen heute viel zu häufig gar nicht mehr gelingt.</p>
<p>„Das gehörte Wort geht verloren, wenn es nicht vom Herzen verstanden wird“, hat Chrétien de Troyes, ein altfranzösischer Autor des 12. Jahrhunderts formuliert. Vielleicht ist dieser Satz einer der wichtigsten Schlüssel dafür, dass es uns so oft nicht recht zu glücken vermag, mit vielen der uns umgebenden Menschen so zu kommunizieren, dass sie vom Gottes-Geist entzündet werden.</p>
<p>Wir müssen unsere Botschaft nicht nur so vermitteln, dass sie die Ohren und das intellektuelle Verstehen der Menschen erreicht, sondern wir müssen sie so vermitteln, dass sie von den Herzen der Menschen verstanden werden kann. - Wir müssen versuchen, sie so zu vermitteln, dass sie be-geist-ert.</p>
<p><strong>„Hier kann ich Gott begegnen“</strong></p>
<p>Vielleicht haben die vom Geist entzündeten Jünger ganz einfach vermocht, eine Sprache zu sprechen, in der die Zuhörenden das Gefühl haben: Von diesen Menschen werde ich verstanden, die sprechen meine Themen an, die wissen, wie es mir geht, worum es mir geht. Bei diesen Menschen habe ich das Gefühl, dass ich bei ihnen Gott begegnen kann, dass Gott mit ihnen ist.</p>
<p>Dieser Wunsch, wirklich verstanden und angenommen zu werden, ist ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen. Der Wunsch vom Nächsten verstanden und angenommen zu werden. So wie es, selten genug, in einer gelingenden Partnerschaft passieren kann. Und darin verborgen im letzten der Wunsch, von Gott selbst verstanden und vorbehaltlos angenommen zu werden.</p>
<p>Und genau mit diesem Wunsch scheitern Menschen häufig sowohl bei der Institution Kirche als auch bei der Theologie.</p>
<p>Denn die Institution Kirche wirkt oft genug mehr wie ein bürokratischer Apparat, statt an den charismatischen Wanderprediger aus Nazaret zu erinnern, in dem Gott sich uns geoffenbart hat. Und wenn ich mir die Art und Weise anschaue, wie sich die Kommunikation in kirchlichen Zusammenhängen anhört, dann ist da manchmal sehr wenig Herzlichkeit und Liebe zu spüren, sondern eher die Kälte und Formalität eines Beamtenapparates.</p>
<p>Jesus hat das Reich Gottes verkündet. Gekommen ist die Kirche. Da ist was wahres dran. Und es muss uns beschämen, dies bei nüchterner Betrachtung so konstatieren zu müssen.</p>
<p>Und die Theologie? Als Jesus seine Jünger fragte: „Für wen halten mich die Leute?“, da antwortete einer von ihnen: „Du bist die Manifestation unseres eschatologischen Wesensgrundes, die Verkündigung, die sich kundtut im Konflikt, eine Person göttlicher Ontologie, verschlungen in der perichoretischen Einheit des trinitarischen Gottes.“ Und Jesus antwortete: „Äh? Wie bitte?“</p>
<p>Ich denke, diese Überspitzung trifft das, was ich sagen will: Wir Theologinnen und Theologen sind mit unseren philosophischen Gedanken vielleicht manchmal doch recht weit weg von der Realität der Menschen. Kommen die Menschen in unserer Theologie vor? Kommen sie in unseren Predigten vor? Können sich die Menschen wiederfinden? Begegnet ihnen Gott in unserem Reden und Tun? Oder sind wir nicht doch manchmal etwas sehr abgehoben?</p>
<p><strong>Mystik &#38; Rationalität</strong></p>
<p>Ich glaube, wenn wir als Menschen der Kirche die Menschen mit der Botschaft des Glaubens erreichen wollen, die auf der Suche nach Gott sind, dann müssen wir eine ähnliche Begeisterungsfähigkeit entwickeln, wie die pfingstliche Jüngerschar. Um darüber allerdings nicht den Boden unter den Füße zu verlieren, wird es wichtig sein, diese Begeisterung auch immer mit Rationalität zu verknüpfen.</p>
<p>Mir schwebt so etwas vor wie eine „aufgeklärte Begeisterung“, auch wenn es so klingt, als wäre es ein Widerspruch in sich selbst.</p>
<p>Auf der einen Seite eine mystische Kirche sein, eine Kirche von Menschen - um es mit Karl Rahner zu sagen - , denen man anspürt, dass sie etwas mit Gott erlebt haben, auch wenn sich das nicht rational erfassen lässt, sondern unbegreifbar bleibt. Eine Kirche, in der Gottesbegegnung möglich ist. Eine Kirche, in der nicht gleich alles erklärt und zerredet werden muss.</p>
<p>Aber gleichzeitig eine Kirche von Menschen, die sich selbst, die eigenen Traditionen, die eigene Denkweise immer wieder auch rational kritisch in Frage stellen. Eine Kirche von Menschen, die keine der Strukturen, die wir selbst uns gegeben haben, als absolut unverrückbar betrachten, sondern in dem Bewußtsein leben, dass wir auf dem Weg zum Reich Gottes sowohl als Individuen als auch als Gemeinschaft immer reformbedürftig sind und bleiben.</p>
<p>Und vielleicht sind wir mit unserer Gemeinde und mit unserer Kirche ja schon auf dem Weg dorthin.</p>
<p><em>Foto: hannelore hennahar - Quelle: www.flickr.de</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Einfalt und Vielfalt - Predigt zu Römer 8,26-30]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=243</link>
<pubDate>Sun, 04 May 2008 13:00:05 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Eine Gastpredigt, gehalten anlässlich des Kirchfestes der Evangelischen Gemeinde in Dorndorf/Rhön ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.files.wordpress.com/2008/05/vielfalt.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-244" src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/05/vielfalt.jpg?w=240" alt="" hspace="5" vspace="5" width="240" height="180" align="left" /></a><em>Eine Gastpredigt, gehalten anlässlich des Kirchfestes der Evangelischen Gemeinde in Dorndorf/Rhön und der Eröffnung der Ausstellung "<a href="http://frauen-heute.netzwerk-europa.de/">Frauen heute - auf den Spuren der hl. Elisabeth</a>":</em></p>
<p>Liebe Schwestern und Brüder in Christus,</p>
<p>zunächst mal möchte ich mich ganz herzlich für die Einladung zu einer Gastpredigt anlässlich Ihres Kirchfestes hier in der Evangelischen Kirche in Dorndorf bedanken. Ich finde das <!--more-->ein schönes Zeichen für die guten ökumenischen Beziehung, die zwischen der Evangelischen Kirche und der Alt-Katholischen Kirche bestehen.</p>
<p>Außerdem darf ich Sie herzlich von dem Alt-Katholischen Pfarrer Ulrich Piesche grüßen, der ja hier in dieser Kirche geheiratet hat.</p>
<p>So, das war das Vorwort. Jetzt geht‘s zur Sache.</p>
<p><strong>Das Seufzen des Heiligen Geistes</strong></p>
<p>Als ich mir den heutigen Predigttext aus dem Brief des Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom durchgelesen habe, stellte ich mir die Frage, wie es sich wohl anhören mag, wenn der Geist Gottes unaussprechlich seufzt? Ist das ein fröhlicher Jauchzer? Oder hat das Seufzen vielleicht eher einen schwermütigen Ton? Hört man in diesem Seufzen Unverständnis darüber mit, dass die christlichen Kirchen manchmal so wenig begeistert, so wenig begeisternd sind? Und darüber, dass der Mensch anscheinend nicht in der Lage ist, Gottes Heil in dieser Welt Wirklichkeit werden zu lassen und Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung zu verwirklichen?</p>
<p>Betrachte ich die tagtäglichen Nachrichten von Hunger, Elend, Leid, Krieg und vielem mehr, so fällt es schon schwer, nicht von einem eher schwermütigen, bekümmerten Ton bei diesem Seufzen auszugehen. Denn Gott sieht das Heil, welches ihm für uns vorschwebt, und muss mit Seufzen zur Kenntnis nehmen, wie wenig wir manchmal von diesem Heil auf dieser Erde zu realisieren vermögen.</p>
<p>Die Beschreibung, dass wir nicht wüssten, worum wir in rechter Weise beten sollten, ist dann nicht so sehr der Tatsache geschuldet, dass uns nichts einfallen würde, sondern vielmehr dem Umstand, dass uns viel zu viel einfällt, und wir mit dem Beten gar nicht mehr nachkommen könnten. Und das wäre ja auch fatal: Denn permanent gefaltete Hände bergen die Gefahr in sich, dass sie manchmal recht schlecht anpacken können, um etwas an den Missständen in dieser Welt zu ändern, und so Gottes Heil in diese Welt zu bringen.</p>
<p><strong>Elisabeth von Thüringen - Glaube und Werk</strong></p>
<p>Elisabeth von Thüringen, an die wir uns heute bei diesem Kirchfest mit der Ausstellung „Frauen heute - auf den Spuren der hl. Elisabeth“ ganz besonders erinnern, hat uns hier in ihrer Form der Nachfolge Christi eines von vielen möglichen Vorbildern gegeben: Die ungarische Prinzessin hat Kontemplation und Aktion, Beten und Anpacken verbunden - denn das eine kann ohne das andere nicht sein.</p>
<p>Die Ausstellung, die nach dem Gottesdienst eröffnet wird, umfasst insgesamt 100 Frauen-Bilder. 40 davon sind meines Wissens in ihrer Ausstellung hier in Dorndorf präsent: Es sind fröhliche, ernste, forsche, zurückhaltende, herausfordernde, nachdenkliche, kecke, verschmitze, ältere und jüngere Gesichter, denen Sie dort begegnen werden. All diese Frauen befinden sich in der Nachfolge des Nazareners, und dies auf ihre je eigene Art und Weise, in ihrem je eigenen Kontext: als Ordensfrauen, als Professorinnen, als Musikerinnen, als Geschäftsführerinnen, als Hausfrauen, als Politikerinnen, als Lehrerinnen, ... Sie haben sich begeistern lassen von dem Mann aus Nazaret, von Gott selber.</p>
<p>Und bei vielen Bildern ist die Anwesenheit des Geistes Gottes - oder sollte ich gerade hier nicht viel besser das weibliche, hebräische Wort für Gottes Geist: „ruach“ verwenden? - also: die Anwesenheit der Geistin Gottes regelrecht spürbar, wenn man sich in sie versenkt.</p>
<p><strong>Bunte Vielfalt der Nachfolge Christi</strong></p>
<p>Es ist eine bunte Vielfalt unterschiedlicher Wege, welche diese Frauen in der Nachfolge Christi, entzündet von der ruach Gottes gehen. Verbunden im grundlegenden Glauben, dass in Jesus von Nazaret, dem Christus, Gott selbst Mensch geworden ist, unter uns gelebt hat, und Gott uns so geschichtlich greifbar, sozusagen Hand-Greiflich, nahe gekommen ist.</p>
<p>Die Christus-Nachfolge ist der Mittelpunkt, der Dreh- und Angelpunkt des Glaubens dieser Frauen. Die Christus-Nachfolge macht unser aller Christ-Sein aus. Das wird gerade hier in Ihrer Kirche auch dadurch deutlich, dass der Christuskopf - nun neu gemalt - in der Mitte der Kirche über dem Altar trohnt.<br />
Neben Christus selbst hat das Christentum noch eine zweite Quelle, der in der Tradition des westlichen Christentums vielleicht manchmal etwas zu wenig Gewicht beigemessen wurde: Die Erfahrung des Heiligen Gottes-Geistes. Ohne die Geist-Erfahrung gibt es keinen Glauben.</p>
<p>Ostern und Pfingsten sind zwei Ereignisse, die auf‘s engste miteinander verbunden sind. In dieser grundlegenden Frage dürften sich die Christ-Glaubenden alle einig sein.</p>
<p><strong>Unterschiedliche Glaubensauffassungen</strong></p>
<p>Und doch neigen wir Christinnen und Christen viel zu häufig dazu, den Glaubensweg des je anderen kritisch zu betrachten, wenn er nicht mit der eigenen Glaubensauffassung in Einklang zu bringen ist. Und ich schließe mich da durchaus nicht aus.</p>
<p>Aber das Ergebnis kann kaum im Sinne Gottes sein: Manche christliche Kirchen schließen einander aus, selbst innerhalb der Kirchen sind sich unterschiedliche Richtungen nicht grün, man streitet sich um zahlreiche Glaubenswahrheiten und verliert darüber allzuleicht das eigentliche Anliegen des Christentums: Gottes Heil in diese Welt zu bringen, aus den Augen.</p>
<p>Hier liegt, denke ich, einer der zentralen Punkte der uns eigenen „Schwachheit“ verborgen, von der Paulus schreibt. Wir sind manchmal nicht in der Lage zu akzeptieren, dass die Wirklichkeit sich im Regelfall nicht mit Hilfe von Schwarz-Weiß-Malerei darstellen lässt, sondern alle Farben des Regenbogens benötigt werden. Wir sind zu sehr überzeugt von den eigenen Wahrheiten, machen unsere Herzen eng, und vermögen nicht, die Perspektive des anderen einzunehmen. Oder, wie es die Bauingenieurin Andrea Hassan, eine der Frauen deren Bild in der Ausstellung zu sehen ist, ausdrückt: „Ohne die Bereitschaft, Menschen anderer Kulturen kennen zu lernen und zu verstehen, gibt es kein Miteinander.“</p>
<p>Ist es Angst, die uns starr sein läßt? Angst davor, dass unsere eigenen Wahrheiten vielleicht in Frage gestellt werden? Angst davor, dass wir darüber unseren Halt verlieren könnten?</p>
<p>Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung werden feststellen können: Die zahlreichen abgebildeten Frauen sind in ihrer Unterschiedlichkeit Zeichen einer bunten Verschiedenheit, die kein Mangel ist, sondern ein unermeßlicher Reichtum!</p>
<p><strong>Ökumene Ernst genommen</strong></p>
<p>Meines Erachtens lässt sich diese Erkenntis auch auf die Ökumene der Kirchen übertragen: Ernst genommene Ökumene heißt nicht, dass wir Christinnen und Christen uns in allem einigen müssen. Es ist nicht notwendig, dass wir unsere Glaubensauffassungen in einen Topf werfen und versuchen, daraus einen christlichen Einheitsbrei zu fabrizieren. Zumal ein solches Gericht dann für alle ungenießbar sein dürfte.</p>
<p>Echte Ökumene verwirklicht sich vielmehr im grundlegenden Schatz der Einheit in Christus, der sich in der Vielfalt der Kirchen entfaltet. Keine der Kirchen soll sich in einer solchen Einheit aufgeben, denn alle können sich gegenseitig bereichern, ohne die je eigene Identität zu verlieren. Es gilt, Brücken zueinander zu bauen, einander einzuladen, beieinander zu Gast zu sein und sich gegenseitig mit Hochachtung zu respektieren. - Und ich bin sicher, dass wir dabei auch jede Menge voneinander lernen können.</p>
<p>Denn jede der Kirchen der christlichen Ökumene hat Anteil an dem gemeinsamen Schatz. Jede Konfession hat ganz eigene Schmuckstücke, die sie besonders zum Glänzen bringt. Und der wichtigste Teil dieses Schatzes, der Glaube an den Gott, der selbst Vielfalt und Einheit in seiner Drei-Einigkeit in sich birgt, ist uns unaufgebbar gemeinsam.</p>
<p><strong>Berufen in Christus</strong></p>
<p>Der Schriftsteller und evangelische Theologe Heinz Zahrnt hat einmal gesagt: „Merkmal der wahren Theologie ist, dass sie nicht aufgeht. Der Schlussstein im Gewölbe darf nicht gesetzt werden, wenn der Himmel hereinschauen soll.“</p>
<p>Das Seufzen des Geistes Gottes ist ein Seufzen für uns. Er nimmt sich unserer Schwachheit an. Wir sollten daher nicht aus Angst vor der Vielfalt Scheuklappen anlegen und nur die eigenen Wahrheiten als Erkenntnismöglichkeit göttlicher Wirklichkeit definieren, sondern im Sinne von Zahrnt immer eine Lücke in unserem Glaubens-Gewölbe lassen, durch die der Himmel hereinschauen kann.</p>
<p>Wir sind <strong>alle</strong> berufen in Christus, und sollen an seinem Wesen und seiner Gestalt teilhaben, wie Paulus dies ausdrückt. Christus soll wir mit vollstem Herzen, vollster Seele und mit all unserer Kraft nachfolgen. Egal, welcher Kirche wir angehören.</p>
<p>Wenn wir auf Gottes Geist vertrauen, wird er uns helfen, trotz unserer Schwachheit den weiten Horizont des Lebens zu entdecken. Und wir werden dabei einen Blick auf Gottes Reich werfen können.</p>
<p>Dazu helfe uns Gott.</p>
<p><em>Foto: </em><span style="font-size:12px;"><em>choice.polarlicht69 - Quelle: www.flickr.de</em><br />
</span></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Geist und Ethik - Predigt zu Johannes 14,15-21, Apostelgeschichte 8,5ff. &amp; 1 Petrus 3,15-18]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=234</link>
<pubDate>Mon, 28 Apr 2008 18:03:17 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ethisches im Restaurant - oder: Wo fängt Ethik an?
Vor kurzem waren meine Familie und ich in einem ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.files.wordpress.com/2008/04/eis.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-235" src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/04/eis.jpg?w=240" alt="" hspace="5" vspace="5" width="240" height="182" align="left" /></a><strong>Ethisches im Restaurant - oder: Wo fängt Ethik an?</strong></p>
<p>Vor kurzem waren meine Familie und ich in einem Restaurant, in dem sehr viel mit Selbstbedienung läuft.</p>
<p>Bei den Getränken holt man sich beispielsweise eine Tasse oder ein Glas, bezahlt einmalig einen bestimmten Betrag und kann dann unbegrenzt gratis an einer Zapfstation nachfüllen.</p>
<p>Die neueste Errungenschaft <!--more-->in diesem Restaurant ist ein Softeis-Spender. An den Kassen kauft man sich eine Waffel für ein großes Eis zu 1 Euro oder eine Waffel für ein kleines Eis zu 50 Cent. Diese Waffel stellt man dann in den Automaten und der Automat füllt automatisch das Softeis hinein.</p>
<p>Ein Nachfüllen ist <strong>hier</strong> allerdings eigentlich nicht vorgesehen (sonst würden ja auch die zwei unterschiedlich großen und unterschiedlich teuren Waffeln gar keinen Sinn machen).</p>
<p>Da wir in der Nähe dieses Softeis-Spenders saßen, konnten wir beobachten, dass es durchaus einige Restaurant-Besuchende gab, die das „unbegrenzt gratis nachfüllen“ ganz einfach von der Getränke-Zapfstation auf den Eis-Automaten übertrugen. Einer davon war sogar so unverfroren, dass er den Inhalt der 50-Cent-Waffel nach der Befüllung unmittelbar in einen mitgebrachten Plastikbecher umfüllte, um sofort die dann wieder leere Waffel vom Automaten nochmals mit Eis befüllen zu lassen.</p>
<p>Als er schließlich kurze Zeit später erneut mit der wieder geleerten Waffel am Automaten auftauchte, konnte ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, dass er ja nun schon das dritte Mal die Waffel befülle und dass meines Wissens die Regel mit der Gratis-Wiederbefüllung ja eigentlich nicht für die Eis-Waffeln gelte.</p>
<p>Seine Reaktion: Er befülle nicht das dritte, sondern bereits das vierte Mal. Sprach‘s und ging.</p>
<p><strong>Kleinkariert?</strong></p>
<p>Mag sein, dass mich manche für kleinkariert halten, mag vielleicht auch sein, dass ich das bis zu einem gewissen Grad tatsächlich bin, aber ich empfinde solch ein Verhalten als Symptom einer kranken Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die sich mitten im Prozess der Aufweichung gemeinsamer Grundwerte, einer gemeinsamen Ethik befindet.</p>
<p>Sicherlich hat es eine solche in Reinkultur auch in unserem so genannten „christlichen Abendland“ wahrscheinlich nie gegeben. Aber ich hatte bislang den Eindruck, es gäbe doch einen gewissen ethischen Grundkonsens zu der Frage, was man tun darf, und was man doch lieber lassen sollte. Und ich werde das Gefühl nicht los, das dieser ethische Grundkonsens gerade verloren zu gehen droht.</p>
<p>Der Nazarener, dem wir nachfolgen, hat einmal gesagt: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12a). Diese Regel hat der Philosoph Immanuel Kant in seinem berühmten kategorischen Imperativ dann nochmals etwas anders und mit einem anderen Akzent formuliert: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“</p>
<p>Das sind heere Worte. Aber mein Innerstes sagt mir, dass sie eine Leitschnur sind, deren Befolgung es uns Menschen wesentlich erleichtern würde, miteinander zu leben, ja, heilsam miteinander umzugehen. Dennoch muss ich zur Kenntnis nehmen, dass ein weit verbreitetes Ethos sich wohl eher mit den Worten ausdrücken lässt: „Nimm, was Du kriegen kannst, ohne Rücksicht auf Verluste, und wenn es mehr ist, um so besser.“</p>
<p>Das fängt bei solchen Geschichten wie dem Eis in dem erwähnten Restaurant an, geht über Skandale wie die UNICEF-Affäre weiter, in der Fundraising-Berater Spitzenprovisionen aus Spendengeldern erhalten haben, und endet noch lange nicht bei extremen Niedriglöhnen von unter 5 Euro / Stunde, mit denen sich rund zwei Millionen Menschen in Deutschland begnügen müssen, oder bei der Tatsache, dass die Getreidepreise steigen und dadurch immer mehr Menschen hungern, nur weil der weltweite Fleischkonsum durch wachsenden Wohlstand eines Teiles der Weltbevölkerung steigt, Börsenhändler Getreide als Spekulationsobjekte entdeckt haben, und wir in den Industriestaaten zudem meinen, wir müssten aus Getreide Biosprit produzieren.</p>
<p>Und ich fürchte, wir sind hier mit einem weltweit sehr verbreitetes Ethos konfrontiert. Denn das gesamte Wirtschaftssysteme des Kapitalismus, welches nicht das Gemeinwohl sondern den Shareholder-Value, die Wertsteigerung für den Anteilseigner, im Blick hat, baut auf diesem egoistischen Zug des Menschen auf, und damit auch unser gesamtes Wohlstandssystem. - Wobei ich es überaus reizvoll und dem Gemeinwohl zuträglich fände, wenn das Wort „Value“ nicht mit „Wert“ übersetzt würde, sondern mit dem Wort „Moral“, was ja auch möglich wäre.</p>
<p><strong>Der Geist fehlt</strong></p>
<p>Woran krankt unsere Gesellschaft also? Was ist die Ursache für all diese Symptome? - Ich glaube, dass es der Menschheit schlicht daran mangelt, Gottes Geist lebendig und wirksam werden zu lassen. Und wahrscheinlich viel zu häufig durchaus auch bei uns in den Kirchen.</p>
<p>„Wer mich liebt, wird meine Gebote halten“, sagt Jesus im heutigen Text aus dem Johannes-Evangelium. Wenn ich Christus liebe, wenn ich Gott liebe, wenn Gottes Geist mich erfüllt, kann ich bestimmte Dinge nicht mehr tun. Denn sie widersprechen dem Heilswillen Gottes für die Menschen, wie er in Jesus Christus zum Ausdruck gekommen ist.</p>
<p>Diese nicht mehr zu tuenden Dinge wurden in der bisherigen Kirchen-geschichte gerne in ganz bestimmten Bereichen gesucht. Vor allem das große Themenfeld der „Sexualität“ war und ist dabei ein beliebtes Spielfeld. Aber ich glaube, eine solche Fixierung lenkt uns nur von den tatsächlichen Missetaten ab. Es gibt viel wichtigeres.</p>
<p>Diesen Mangel an Geist, wie ich ihn als Ursache für die beschriebene Entwicklung vermute, spüren meinem Eindruck nach auch zahlreiche andere Menschen. Und sie suchen nach Inspiration, nach Begeisterung. Das Phänomen des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama ist für mich ein Beleg dafür: Er vermag mit seinem Charisma und seiner Botschaft von „Hoffnung“ und „Veränderung“ viele Menschen zu begeistern. Und es sind vor allem Menschen, die die Nase voll haben von den alten Polit-Strategen. Es ist eine riesige Anzahl gerade von Klein-Spendern, die seinen Wahlkampf finanzieren. Die Leute wollen Veränderung, wollen „Change“, wollen, dass ein neuer Geist weht.</p>
<p>Etwas ähnliches verspüre ich in Deutschland: Die vor wenigen Wochen vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Misereor herausgegebene Studie mit dem Titel „Wie ticken Jugendliche?“ hat m.E. deutlich gemacht: Auch die Jugendlichen hier in Deutschland wollen sich engagieren, lassen sich anstrecken von einer guten Sache und begeistern sich. Nur landet diese Begeisterung eben oftmals nicht bei der Kirche, sondern bei Amnesty International oder bei Greenpeace.</p>
<p>Dabei suchen viele dieser Jugendlichen durchaus auch nach Spiritualität, danach, sich Gott ganz nah zu fühlen. Aber die Spiritualität, die von ihnen gesucht wird, ist eher eine Spiritualität, die auch praktisch ist, die in ihrer Konsequenz Gesellschaft konkret verändert.</p>
<p><strong>Aktion und Kontemplation</strong></p>
<p>Wenn wir tatsächlich ein „christliches Menschenbild“ vermitteln wollen - ein Begriff, der viel zu häufig als Leerformel im Munde geführt wird - dann müssen wir diesen Begriff mit ganz praktischen Inhalten füllen, mit etwas, was die Menschen, die noch nicht vom Geist Gottes erfüllt sind, wirklich und wahrhaftig begreifen können. Damit sie sich anstecken lassen, in gewisser Weise von einem „göttlichen Virus“ infiziert werden. Und sich dieser Virus dann vielleicht gar wie bei einer Epidemie verbreitet.</p>
<p>Da ist Spiritualität dann nicht nur ein schöner Gottesdienst und festliche Liturgie, nicht nur mystische Tiefe und Gebet, sondern da umfasst Spiritualität, vom Geist, vom „Spirit“ erfüllt sein, auch gesellschaftliches Engagement. Da hat der Glaube mit der Realität des Lebens zu tun. Da wird Gott zum Tun-Wort.<br />
Genau wie Philippus in Samaria nicht nur Christus durch seine Worte verkündet hat, sondern auch durch seine Taten. Und dann können echte Wunder geschehen, böse Geister vertrieben werden, wie sie uns in Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit begegnen, Lahme wieder auf die Beine kommen, wo das Leben des Menschen in eine Sackgasse gekommen ist, und in das wo wir verkrüppelt sind, wo unsere Seele Schaden genommen hat, kann Heil einkehren.</p>
<p>Aktion und Kontemplation gehören zusammen, wie die beiden Seiten einer Medaille.</p>
<p>Als glaubende Menschen, brauchen wir immer wieder den Rückzug ins Gebet, die Versenkung vor Gott, um an unsere Kraftquellen zu kommen, um auftanken zu können, und um über dem Aktionismus, in den man sich schnell verstricken kann, das göttliche Korrektiv nicht aus den Augen zu verlieren. Gerade auch die Gemeinschaft des Gottesdienstes kann uns hier eine wichtige Hilfe sein.</p>
<p>Und wenn man uns fragt, was uns inspiriert, was uns die Motivation und die Kraft für unser Tun gibt, dann sollten wir unseren Glauben nicht verstecken, sondern sagen, dass es Gottes Geist ist, der uns erfüllt, uns Kraft schenkt und uns antreibt, dann sollten wir sagen, dass wir Jesus von Nazareth nachfolgen und daran glauben, dass Gott das Heil dieser Welt will, und wir seine Werkzeuge hier auf Erden sind, an diesem Heil mitzuwirken.</p>
<p>In Wort und Tat.</p>
<p><em>Foto: jusan - Quelle: www.flickr.de</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Kirchliche Glaubwürdigkeitslücke - Andacht zu 1. Petrus 3,8-12]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=213</link>
<pubDate>Thu, 03 Apr 2008 18:27:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[„Früher war das mit der Ökumene alles viel besser“, hat mir vor kurzem ein Ehepaar berichtet, ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/04/herz.jpg" title="herz.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/04/herz.thumbnail.jpg" alt="herz.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a>„Früher war das mit der Ökumene alles viel besser“, hat mir vor kurzem ein Ehepaar berichtet, welches den Alt-Katholischen Gottesdienst in Erfurt besuchte. Die Schwierigkeiten, die Abgrenzung der Kirchen voneinander und eine gewisse Neigung zur Rechthaberei hätten erst begonnen, als nach dem Fall der Mauer <!--more-->der gemeinsame Gegner einer realsozialistischen Regierungsclique verschwunden sei.</p>
<p>Ich habe es selber nicht erlebt, da ich im Westen groß geworden bin. Aber mir wurde deutlich: Das kommunistische Regime hatte die Kirchen zusammengeschweißt, und was an Differenzen vorhanden gewesen sein mag, war in dieser Situation ganz einfach unwichtig geworden.</p>
<p>Der Brief, den wir heute als Tages-Lesung gehört haben, ist in eine ähnliche Bedrängungs-Situation hinein geschrieben. Verfaßt etwa um das Jahr 90, geschrieben an die - auch das durchaus eine gewisse Parallele - weit verstreut und als Minderheit lebenden christlichen Gemeinschaften in Kleinasien.</p>
<p>Diese Christinnen und Christen erlebten Verfolgung, nur weil sie sich zu Christus bekannten. Sie galten als Staatsfeinde, als Gottlos, einem Aberglauben folgend, wurden anonym angezeigt und wie Mörder, Diebe oder Übeltäter vor Gericht abgeurteilt.</p>
<p>Und all das nur, weil sie auf eine Art und Weise dachten und lebten, welche ihre Zeitgenossen irritiert und befremdet hat. Denn diese frühen Christinnen und Christen verhielten sich nicht nach den Gesetzen der menschlichen Gesellschaft, sondern versuchten, das göttliche Gesetz der Liebe Realität werden zu lassen: Mitgefühl zeigen, Bösem und Kränkung mit Segen begegnen, den Frieden suchen.</p>
<p>Und sie taten das, weil ihnen bewußt war: Die Welt, wie man sie als Christin oder Christ wahrnimmt und kennt, ist nicht die eigentliche Heimat, in der man Geborgenheit und Erfüllung finden kann. Man lebt immer auch in der Fremde, selbst wenn man an dem Ort bleibt, wo man geboren wurde und aufgewachsen ist.</p>
<p>Als Christ bin ich nur Gast auf Erden und habe in Christus die Hoffnung, mit ihm gemeinsam aufzuerstehen aus der Nichtigkeit und Vergänglichkeit menschlicher Existenz zum ewigen Leben bei Gott. Damit bin ich der Welt und ihren Bedrängnissen zwar nicht enthoben, aber dieser Glaube kann mir Kraft geben, sie zu bewältigen.</p>
<p>Gott wird hier in dem Brief als der Segnende beschrieben. Und die Christinnen und Christen werden aufgefordert, deswegen ebenfalls zu segnen. Wer mit dem Segen Gottes beschenkt ist, müsste eigentlich gar nicht anders können, als selber diesen Segen weiterzuschenken. Es gilt Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern das Böse mit Gutem zu überwinden.</p>
<p>Wenn wir uns nun aber die Welt ansehen, wenn wir einen nüchteren Blick auch auf uns Christinnen und Christen, und auf die Kirchen werfen, dann müssen wir uns eingestehen, dass es da wohl noch viel zu tun gibt. Wir schaffen es - um den Bogen zum Beginn meiner Überlegungen zurück zu schlagen - ja noch nicht einmal, zwischen den Kirchen, ja im Regelfall nicht einmal innerhalb einer Konfession, das göttliche Gesetz der Liebe zum grundlegenden Maßstab aller Dinge werden zu lassen.<br />
Wenn uns der zusammenschweißende gemeinsame Gegner fehlt, ist es anscheinend auf einmal nicht mehr ausreichend erstrebenswert, unsere Energie darauf zu konzentrieren, eine Einheit in der Vielfalt zu gewinnen, sondern wir grenzen uns voneinander ab, ja grenzen einander oft genug sogar aus.</p>
<p>Wir kranken viel zu häufig an unserer eigenen Glaubwürdigkeit als Christinnen und Christen, an unserer eigenen Glaubwürdigkeit als Kirchen.</p>
<p>Müssen wir uns dann wundern, dass die Mitgliedszahlen nicht steigen, und dass - wie eine am Montag vorgestellte Studie dargelegt hat - gerade auch viele nach Werten, Sinn und Spiritualität suchende Jugendliche diese in den etablierten Kirchen nicht zu entdecken vermögen, und ihre Heimat eher bei Greenpeace, Amnesty International oder Attac finden, weil diese als wesentlich glaubwürdiger empfunden werden?</p>
<p>Ich würde mir wünschen, dass die Christenheit zur Besinnung kommt. Um der guten Nachricht willen. „Seid alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und geschwisterlicher Liebe, seid barmherzig und demütig.“</p>
<p><i>Foto: knispeline - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Aufstand gegen Tod - Predigt zu Mt 28,1-10, Ezechiel 37,1-14 u.a.]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=207</link>
<pubDate>Sun, 23 Mar 2008 17:03:58 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
<guid>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=207</guid>
<description><![CDATA[Das Leben siegt
Was für ein großartiges Bild, welches uns heute im Matthäus-Evangelium vor Augen ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/03/auferstehung2.jpg" title="auferstehung2.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/03/auferstehung2.thumbnail.jpg" alt="auferstehung2.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a><b>Das Leben siegt</b></p>
<p>Was für ein großartiges Bild, welches uns heute im Matthäus-Evangelium vor Augen gestellt wird: Das Leben lässt sich, trotz versiegelter Gräber, nicht einsperren. Die Hoffnung <!--more-->lässt sich mit keiner Wachmannschaft unter Arrest stellen. Der Tod hat nicht das letzte Wort.</p>
<p>Der Herr ist erstanden.</p>
<p>Er ist wahrhaftig auferstanden.</p>
<p>Das Leben siegt. Das Leben in all seiner Vielfalt.</p>
<p>Das könnte den Herren der Welt ja so passen<br />
wenn morgen erst Gerechtigkeit käme<br />
erst dann die Herrschaft der Herren<br />
erst dann die Knechtschaft der Knechte<br />
vergessen wäre für immer.</p>
<p>Das könnte den Herren der Welt ja so passen,<br />
wenn hier auf der Erde stets alles so bliebe,<br />
wenn hier die Herrschaft der Herren,<br />
wenn hier die Knechtschaft der Knechte<br />
so weiterginge wie immer.</p>
<p>Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden,<br />
ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle<br />
zur Auferstehung auf Erden,<br />
zum Aufstand gegen die Herren,<br />
die mit dem Tod uns regieren.</p>
<p>Ein Lied, welches an ein Gedicht des evangelischen Theologen und Dichters Kurt Marti angelehnt ist, und welches meine Vorstellung von „Auferstehung“ maßgeblich mit beeinflusst hat, seit ich es kenne.</p>
<p>Da ist die Auferstehung nichts weltfremdes, nicht ein mirakulöses Ereignis, welches vor 2000 Jahren in Israel, in der Nähe von Jerusalem stattgefunden hat. Da wird die Auferstehung hineingeholt in mein Leben, hat mit meinem ganz konkreten Alltag und Tun und mit dieser Welt zu tun.</p>
<p><b>Lebe ich im Wissen um die Auferstehung?</b></p>
<p>Und da stellt die Auferstehung Jesu vor 2000 Jahren auf einmal ganz konkrete Fragen an mich und an mein Leben: Verändert der Glaube an die Auferstehung Jesu mein Leben? Lässt er auch mich auferstehen, aufstehen, in den Zusammenhängen, in denen ich lebe? Lässt er mich protestieren gegen den Tod, in welcher Form auch immer er mir begegnet?</p>
<p>Hat der Glaube an die Auferstehung irgendeine Konsequenz für mich und mein Leben, meinen Alltag, meinen Glauben, mein Beten, mein Handeln?</p>
<p>Der Auferstandene ruft uns jetzt alle. Zum Aufstand. Zur Überwindung des Todes. Zum Sieg für das Leben.<br />
Wie ist unsere Reaktion auf diese Auferstehung? Fallen wir wie tot zu Boden aus Angst vor dem allmächtigen Gott, der Dinge tut, die wir nicht erwarten? So wie die römischen Wachen am Grab, von denen uns heute im Matthäus-Evangelium berichtet wird?</p>
<p>Oder fallen wir vor Christus auf die Knie nieder, jubelnd, glückselig über seine Auferstehung, darüber, dass die Sache Jesu nicht mit der Kreuzigung am Karfreitag endet, sondern weitergeht, sozusagen unausrottbar wie Unkraut? So wie Maria von Magdala und die andere Maria, von der heute im Evangelium berichtet wird?</p>
<p>Verbreiten wir, gesandt durch Jesus, begeistert von seiner Botschaft und seinem Leben, angestachelt davon, dass jeder Tod in Jesus besiegt ist, genau wie die beiden Marias als Gesandte Christi, als Apostelinnen und Apostel die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu?</p>
<p>Durch Wort und Werk, dadurch, dass wir davon weitererzählen und Jesus in unserem Leben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft nachfolgen und dadurch von einer neuen Weise erzählen, wie die Menschen miteinander und mit der Schöpfung leben und umgehen können. Dadurch, dass wir diese neue Weise vorleben, indem wir die Liebe zum Dreh- und Angelpunkt allen Denkens und Tuns werden lassen, ohne dass wir über der Liebe unseren Verstand verlieren.<br />
Oder verstehen wir den Ostergottesdienst nur als ein jährlich wiederkehrendes folkloristisches Ereignis, welches wir mitmachen, und aus dem wir als die gleichen Menschen hinausgehen, als die wir hineingegangen sind? Ohne, dass es uns irgendwie wirklich berührt hätte. Schöne Geschichten die nichts mit meinem Leben zu tun haben.</p>
<p><b>Der Zauber der verändernden Auferstehung</b></p>
<p>Wie faszinierend wäre es, wenn uns der Zauber der Veränderung, der Auferstehung vom Tod zum Leben, in diesem Gottesdienst, heute, hier, jetzt ergreifen würde! Wenn wir mitten in diesem Gottesdienst aufwachen nicht nur aus der Müdigkeit wegen der frühen Stunde, sondern in übertragenem Sinne auch aus den Nächten des Todes in denen wir immer wieder gefangen sind, verwandelt zu neuem Leben. Begeistert und begeisternd für ein Leben mit Gott, der uns vom Tod befreit und zum Leben führt.</p>
<p>Wir würden uns gegenseitig das Licht Christi weitergeben, so wie wir es gerade vorhin ganz real mit den Kerzen gemacht haben, und so die Nacht und die Welt erleuchten. Auf eine Art und Weise, die sich nicht in Lux ausdrücken lässt.<br />
Was aber heißt es konkret, wenn man vom Tod befreit zum Leben kommt? Was heißt es konkret, wenn wir davon sprechen, uns gegenseitig das Licht Christi weiterzugeben und die Welt mit diesem Licht zu erleuchten?</p>
<p>Die Auferstehung Jesu ist in vielfacher Hinsicht eine Revolution des Lebens gegen den Tod – den Tod, der nicht nur mit seinem Schrecken der Herr über unser biologisches Leben zu sein scheint, so unvermittelt, wie er manchmal dem Leben ein Ende setzt, sondern der auch Mitten in unserem Leben anwesend ist, auch wenn wir rein körperlich gesund und munter sind und der Tod des Lebens noch weit entfernt scheint.</p>
<p>Die Auferstehung ist eine Revolution gegen jeden Tod. Auch, aber nicht nur gegen den biologischen, der jede und jeden von uns einmal heimsuchen wird. Und sie ist eine Revolution gegen jedes todbringende Instrument. Insofern auch eine Revolution gegen den Irrsinn der Waffenproduktion, die vollkommen unnötig und sinnlos enorme Ressourcen verschlingt, die viel nötiger gegen den Hunger der Welt, für die Schöpfungsbewahrung oder für Friedenstiftende Maßnahmen eingesetzt werden könnten.<br />
Daher ist es nicht verwunderlich, dass die berühmten Demonstrationen für den Frieden und gegen Krieg und Gewalt, die Ostermärsche, gerade zu Ostern stattfinden. Denn Ostern, die Auferstehung, ist ein Aufstand gegen den Tod.<br />
Auferstehung konkret und heute</p>
<p>Wir überwinden die Tode und feiern schon jetzt Auferstehung, wo wir gegen den Hass und den Krieg, gegen Unverständnis und Intoleranz, für Frieden und Versöhnung arbeiten.</p>
<p>Wir überwinden die Tode und feiern schon jetzt Auferstehung, wo wir für Gerechtigkeit eintreten in den Verhältnissen dieser Welt, für einen fairen Handel der Völker untereinander, gegen Ausbeutung der Schwachen. Da, wo wir uns solidarisieren mit den Armen hier und in der sogenannten dritten Welt, und aufstehen gegen das Leid.</p>
<p>Wir überwinden die Tode und feiern schon jetzt Auferstehung, wo wir uns um die Schöpfung sorgen, die sich von selber im Regelfall nicht gegen den tödlichen Gewaltzugriff des Menschen erwehren kann. Da, wo Geld und Wohlstand hinter das Ziel der Bewahrung von Gottes wunderschöner Schöpfung zurücktritt, und wir es vermögen, uns auch mit weniger zu begnügen um der Umwelt willen.</p>
<p>Gott wird hier zum Tätigkeitswort.</p>
<p>Die Auferstehung erzählt uns davon, dass wir gegen den Zynismus dieser Welt, der sich in so vielen Dingen ausdrückt, die Liebe setzen können. Dieses Tun verändert unser ganzes Leben, beendet den Tod dort, wo er unser Leben bestimmten mag, und schenkt statt dessen neues Leben. Wir brechen aus aus der Sklaverei, wie Israel aus Ägypten ausgebrochen ist, legen die Fesseln ab, mit denen wir gebunden sind, und nehmen unsere Freiheit als Kinder Gottes wahr. Wir werden durch den Geist Gottes erfüllt von neuem Leben, wie es in der Lesung aus dem Buch des Propheten Ezechiel bildlich von den Knochen erzählt wird, die das Volk Israel symbolisieren.</p>
<p><b>Der Aufstand gegen den Buchstaben des Gesetzes</b></p>
<p>Und die Auferstehung ist im Endeffekt auch ein Aufstand gegen die Buchstaben der Gesetze, gegen die Gesetzlichkeit. Denn Jesus hat den Tod auch erlitten, weil er gegen die Gesetzlichkeit war, an die sich die Mächtigen angsterfüllt geklammert haben, da sie von ihnen dazu genutzt wurde, an ihrer Macht festhalten zu können.</p>
<p>Aber wenn man seinen Glauben vor allem als reinen Gesetzesgehorsam gegenüber dem Buchstaben lebt, dann droht Religion, die Religiosität, der Glaube, zu sterben. Denn dann kommt es nicht mehr darauf an, nach dem Sinn des Gesetzes zu suchen, ihn zu erfüllen zu trachten und auf der Suche nach Gott zu bleiben. Sondern dann wird Gott und sein Reglement fest und starr in Buchstaben gegossen, und man muss nur noch bestimmte Rituale erfüllen, nach denen Gott dann mit Wohlwollen antworten würde.</p>
<p>Wie eine tote Maschine, ein Mechanismus, in den man eine Geldmünze einwirft, und der Automat dann automatisch ein Bonbon auswirft. Da ist nichts mehr Lebendiges. Da ist die Religion, da ist selbst Gott, mitten im Leben tot. - Gegen solch einen Glauben hat sich Jesus nach meinem Verständnis der Evangelien immer wieder zur Wehr gesetzt.</p>
<p>Wenn wir so nur starr an Überliefertem um des Überlieferten willen, am Gesetz um des Gesetzes willen, am Ritual um des Rituals willen festhalten, und nicht mehr unser Herz dabei spricht, entscheiden wir uns für den Tod.</p>
<p>Mit der Auferstehung Jesu, mit der Auferstehung dessen, der gesagt hat: Der Mensch ist nicht um des Sabbats willen da, sondern der Sabbat um des Menschen willen, mit der Auferstehung dessen, der also das Gesetz um des Menschen willen hat Gesetz sein lassen, hat Gott im letzten deutlich gemacht und nochmals bestätigt, dass es nicht darum geht, das Gesetz um des Gesetzes willen zu halten, sondern dass es darum geht, den Sinn des Gesetzes zu begreifen, diesen Sinn zu verinnerlichen, so das Gesetz zu halten und in allem die Liebe zu leben.</p>
<p><b>Der Aufstand der Liebe</b></p>
<p>„Amo et fac quo vis“ hat dies der Kirchenvater Augustinus einst ausgedrückt: Liebe und dann tu, was Du willst.<br />
Diesem Anspruch müssen wir uns auch in den institutionalisierten christlichen Kirchen immer wieder stellen. Manchmal habe ich die Sorge, dass schon seit den frühen Tagen der jungen Kirche oftmals wieder auch bei uns viel zu viel Kleinkrämerei und Kleinkariertheit, viel zu viel Haarspalterei und vor allem auch Angst Einzug gehalten hat.</p>
<p>Wir müssen aufpassen, dass wir dadurch die Botschaft Jesu nicht ungewollt mehr verdecken, verstecken und zukleistern, statt sie in die Welt weiterzutragen, wie es unser Auftrag ist.</p>
<p>Auch hier, mitten in der Kirche, ist immer wieder die Auferstehung notwendig. Und wo sollte denn auch Auferstehung geschehen, wenn nicht hier? Ecclesia est semper reformanda - die Kirche ist immer eine reformbedürftige.</p>
<p>Fürchtet Euch nicht, sagt der auferstandene Christus zu den beiden Marias im heutigen Evangelium. Eine Botschaft, die wir in den Alltag auch unserer Kirchen mitnehmen dürfen. Keine Furcht haben. Denn wir sind in so vielem so oft voller Angst. Aber Gott ist mit uns. Wer sollte dann gegen uns sein können? Vertrauen wir auf ihn. Er ist auferstanden.</p>
<p>Wenn wir uns daher fragen, was ist das, ein glaubender Mensch im Sinne Jesu, ein „Christ“ in der Sprache der Überlieferung, dann müssten wir seit den Stunden des Ostermorgens, seit uns die apostolischen Frauen die Osterbotschaft gebracht haben, wohl sagen: Glaubende Menschen sind solche, die dem Leben des scheinbar Gescheiterten Jesus von Nazaret nachfolgen, dessen, der vorgelebt hat, wie das wahre Leben vor Gott aussehen kann.</p>
<p>Überall dort, wo jemand gegen die Kraft der Enttäuschung es wieder wagt, zu glauben an die Unzerstörbarkeit der Liebe, besiegt er die Verzweiflung dieser Welt und zeigt uns, dass noch immer die Auferstehung siegt über den Tod in dieser Welt. Es ist die Geschichte der rebellischen Liebe, die uns erweckt vom täglichen Tod.</p>
<p>Und vor uns bleibt, was möglich wäre noch.</p>
<p><i>Foto: momosu - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Biosprit: Hunger der Armen vs. Auto-Mobilität der Reichen - Andacht zu Markus 14,26-31]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=198</link>
<pubDate>Thu, 13 Mar 2008 12:45:06 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Da haben sie den Mund mal wieder zu voll genommen, die Herren der Schöpfung. Bezeichnend die schon ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/03/maiskolben.jpg" title="maiskolben.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/03/maiskolben.thumbnail.jpg" alt="maiskolben.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a>Da haben sie den Mund mal wieder zu voll genommen, die Herren der Schöpfung. Bezeichnend die schon pathetisch klingenden Worte des Petrus: „Und wenn ich mit Dir sterben müsste - ich werde Dich nicht verleugnen.“</p>
<p>Sowas kommt leicht über die Lippe. Es einzulösen ist dann aber immer eine andere Geschichte.</p>
<p>Später wird nach der Überlieferung des Evangelisten Markus nicht ein einziger der Apostel unterm Kreuz <!--more-->des Herrn stehen. Alleine die Frauen werden in der Nähe sein. Diejenigen, von denen vorher keine solch vollmundigen Versprechen und Schwüre zu hören waren.</p>
<p>Nicht die Worte sind das, was am Ende zählt, sondern die Taten.</p>
<p>Für mich wird hier ein allgemein menschliches Grundmuster deutlich, welches wir in der Politik, aber auch in der Kirche oder im persönlichen Umfeld, und nicht zuletzt auch immer wieder bei uns selber erkennen müssen. Es werden Dinge versprochen, auf Treu und Glaube zugesichert - aber wenn es dann zum Ernstfall kommt, lösen sich die Versprechen und guten Vorsätze in Wohlgefallen auf.<br />
Besonders nahe gegangen ist mir dieser Gedanke im Zusammenhang mit einem Bericht, den ich vorgestern in den Tagesthemen gesehen habe: Das Grundnahrungsmittel Mais ist in den letzten Monaten für die armen Menschen in Mexiko und auch anderen Ländern auf einmal erheblich teurer geworden.</p>
<p>Und der Grund liegt nicht darin, dass nicht genug Mais da wäre, um den Bedarf zu stillen, der als preiswertes Nahrungsmittel abgedeckt werden müsste. Sondern der Grund liegt darin, dass auf Grund des immer knapper und damit teurer werdenden Erdöls auf der einen Seite und aus Klimaschutzgründen auf der anderen Seite immer mehr Bio-Sprit aus dem Mais hergestellt wird. Bis 2020 soll beispielsweise hier in Deutschland erreicht werden, dass dem Treibstoff 20% Bio-Sprit beigemengt wird.</p>
<p>Die durch diese Entwicklung verursachte rasant gestiegene Nachfrage hat automatisch einen wesentlich höheren Preis nach sich gezogen. Der Preis für Mais hat sich über dieser Entwicklung in Jahresfrist fast verdoppelt.</p>
<p>In der Folge können beispielsweise die mexikanischen Bauern bereits jetzt keinen Mais mehr anbauen, weil sie sich schlicht das teure Saatgut nicht mehr leisten können. Und Entwicklungshilfe-Programme wie das UN-Welternährungs-programm sind auf einmal mit dem Problem konfrontiert, zusätzlich erheblich höhere finanzielle Unterstützung zu benötigen oder aber die bislang geleisteten Hilfeleistungen in Hungergebieten reduzieren zu müssen, weil sie sich nicht mehr so viel Mais leisten können.</p>
<p>Ich bin mir sicher: Jede und jeder von uns, vom hochrangigen Politiker bis zum kleinen Angestellten wird wohl mit voller Überzeugung sagen, dass alles erdenklich mögliche getan werden muss, um den Hunger auf Erden zu stillen und niemanden verhungern zu lassen.</p>
<p>Aber wer von uns, von Industrie und Politik, wird jetzt auch tatsächlich seine Auto-Mobilität einschränken, weil wir eben keinen Biosprit aus Nahrungsmitteln gewinnen dürfen? Ich fürchte, die Räder rollen weiter wie bisher.  Uns, der Industrie und der Politik fallen wahrscheinlich dann doch wieder tausende von Argumenten ein, warum das mit dem Biosprit doch eigentlich eine sehr gute Sache ist. Und sei es nur,  dass wir ja unsere Wirtschaft am Laufen halten müssen, damit wir im Vergleich zu anderen Ländern nicht ins Hintertreffen geraten. Ich bin überzeugt, dass es durchaus triftig scheinende Argumente sein werden, die uns da einfallen.</p>
<p>Aber wir müssen uns dann natürlich die Frage gefallen lassen, ob wir nicht genau das gleiche machen, wie es uns von Petrus und seinen Jüngern im heutigen Lesungstext vorgeführt wird. Auf der einen Seite den Mund voll nehmen, aber den Versprechen dann keine konsequenten Taten folgen lassen. Denn, um es ganz konkret und plastisch werden zu lassen: Um eine einzige durchschnittliche Tankfüllung mit Bio-Sprit vollzutanken, muß so viel Mais verbraucht werden, dass davon ein Kind ein ganzes Jahr lang leben könnte.</p>
<p>Jean Ziegler, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für das Recht auf Nahrung, hat diese Tatsache knapp auf folgende Formel gebracht: „Die hungernden Menschen bezahlen zu lassen für die Luxus-Mentalität im Transportsektor im reichen  Norden, das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“</p>
<p>Das Evangelium stellt uns in Frage. Immer wieder. Gott sei Dank.</p>
<p><i>Foto: GerdaB. - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
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</item>
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<title><![CDATA[Leichen im Keller - Predigt zu Johannes 11,1-45]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=191</link>
<pubDate>Sun, 09 Mar 2008 21:00:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der nicht endgültige Tod
Nach jüdischer Auffassung bleibt die Seele nach dem Tod eines Menschen no]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/03/grabkammer.jpg" title="grabkammer.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/03/grabkammer.thumbnail.jpg" alt="grabkammer.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a><b>Der nicht endgültige Tod</b></p>
<p>Nach jüdischer Auffassung bleibt die Seele nach dem Tod eines Menschen noch drei Tage in der Nähe des Leibes. Als Jesus endlich nach Betanien kommt, ist es aber bereits der vierte Tag, nachdem Lazarus gestorben ist.</p>
<p>Die Seele hat Lazarus also bereits endgültig verlassen. Der Zerfall, das Ende ist unaufhaltsam geworden. Nur der Leichengeruch <!--more-->würde sich noch ausbreiten, wenn man dieses Grab noch einmal öffnen sollte.</p>
<p>Zunächst scheint es auch so, als würde Jesus das akzeptieren. Der Evangelist Johannes erzählt, dass Jesus in die Trauer der anderen mit einstimmt und über den Tod seines Freundes Lazarus weint.</p>
<p>Doch dann wird uns nicht eine Geschichte erzählt, in deren Mittelpunkt die christliche Tugend des Mitleidens steht. Und wir werden auch nicht vorrangig damit getröstet, dass nach dem Tod irgendwann die Auferstehung von den Toten folgen und ein neues Leben beginnen wird. - Sondern die Auferstehung wird Gegenwart!</p>
<p>„Lazarus, komm heraus!“</p>
<p>Und das Wunderbare geschieht. Der Tod wird überwunden. Neues Leben beginnt.</p>
<p>--</p>
<p>Eine schöne Wundergeschichte, die vor etwa 1900 Jahren vom Evangelisten Johannes so aufgeschrieben wurde.</p>
<p>Sind das nur Mythos und Fiktion, die den Nazarener als einen ganz besonderen Menschen darstellen sollen? Als „Sohn Gottes“, wie es Marta, einem Glaubensbekenntnis gleich, in der heutigen Perikope ausdrückt?</p>
<p>Oder steckt in dieser Geschichte eine tiefe Wahrheit, die uns heute treffen kann, ganz unabhängig davon, ob diese Geschichte sich historisch so ereignet hat, wie von Johannes beschrieben oder nicht?!</p>
<p><b>Die Leichen im Keller</b></p>
<p>Wenn man jemandem unterstellt, das er eine „Leiche im Keller“ hat, dann meint man im Regelfall, dass es irgendetwas Ehrenrühriges in der Vergangenheit der betreffenden Person gibt, was noch nicht das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Und der Verwesungsgestank, der sich ausbreiten würde, wenn solche Leichen aus dem Keller geholt werden, wäre dann im Regelfall auch sehr abträglich für die berufliche Karriere oder das persönliche Ansehen der betreffenden Person.</p>
<p>Verlässt man den engen Begriff der Ehrenrührigkeit, landet man allerdings auch sehr schnell bei manchen Leichen, die so ziemlich jede und jeder mit sich herumschleppen dürfte: Verdrängte Konflikte, seelische Verletzungen aus der Kindheit oder auch Traumata auf Grund persönlicher einschneidender Erlebnisse, um nur einige wenige Beispiele zu nennen.</p>
<p>„Lazarus, komm heraus!“ - auch diesen Leichen gilt der Ruf Jesu!</p>
<p>Denn solche Leichen können einem, ohne dass man es vielleicht selber merkt, das ganze Leben vergiften und verdammt viel Unheil stiften.<br />
Wir reagieren sehr empfindlich, wenn jemand anders in die Nähe dieser geheimen Gräber kommt und die Gefahr besteht, dass sie entdeckt werden könnten - dies zumal dann, wenn nicht mal wir selber den Mut haben, uns diese Gräber genau anzuschauen oder sie gar als „nicht existent“ verdrängen.</p>
<p>Wir stolpern dann in den unpassendsten Augenblicken über die verborgenen Grabsteine und verstauchen uns ganz kräftig das Fußgelenk. Und dann haben wir nicht nur selber darunter zu leiden, sondern oft genug auch andere, die in Mitleidenschaft gezogen werden.<br />
Und das, ohne dass dem Gegenüber, oder auch uns selber, wirklich bewußt ist, warum wir jetzt so empfindlich und hypersensibel reagiert haben.</p>
<p>Häufig deuten unsere ganz persönlichen Verletzlichkeiten, das, womit man uns leicht treffen kann, auf solche Leichen hin.</p>
<p>Zwei Beispiele:</p>
<p>Wer als Kind nicht genügend Aufmerksamkeit und Wertschätzung erhalten hat, mag als Erwachsener ein starkes Bedürfnis danach entwickeln, im Rampenlicht zu stehen und Beifall zu erhalten. Dabei kann es sich um die Aufmerksamkeit für besonderes soziales oder ehrenamtliches Engagement genauso handeln, wie um die Aufmerksamkeit, die man als Industrie-Boß oder Politiker auf Grund der eigenen gesellschaftlichen Stellung erhält. Aber auch die Aufmerksamkeit, die man beispielsweise durch einen Amok-Lauf erhält, kann unter diese Kategorie fallen.</p>
<p>Wer unter übertriebener Autorität der Eltern oder eines Elternteils aufwachsen musste, mag später mit übertriebener Wut darauf reagieren, wenn er sich oder sein Tun ungerecht behandelt fühlt. Da kratzt jede Zurückweisung der eigenen Ideen gleich massiv am Selbstbewußtsein und man fühlt sich dumm und unfähig. Da wird man zornig und sehr, sehr schnell beleidigt, wenn das eigene Engagement nicht ausreichend gewürdigt wird.</p>
<p><b>Leichen ans Licht</b></p>
<p>Solche und ähnliche Leichen müssen ans Licht. Nicht unbedingt in Form eines Seelen-Striptease ans Licht der breiten Öffentlichkeit, aber auf jeden Fall ans Licht einer nüchternen Selbstwahrnehmung der eigenen Persönlichkeit. Man muss sich seine Leichen ansehen, vielleicht auch in seelsorgerlicher Begleitung, damit sie einer Auferstehung entgegengeführt werden können und uns nicht mehr vollkommen unnötig und störend belasten.</p>
<p>Es gilt, konstruktiv mit den eigenen Leichen umzugehen, um den Verwesungsgeruch zu vertreiben und den Tod zu entmachten.<br />
„Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf“, schreibt der Prophet Ezechiel dem Volk Israels die Worte JHWHs ins Stammbuch. „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig“, so heißt es im Buch Ezechiel weiter.</p>
<p>Es ist immer wieder eine Anstrengung, aus dem Tode aufzuerstehen hin zu neuem Leben. Es ist schon eine große Anstrengung, sich selber zu erkennen, die Leichen im eigenen Keller nicht mehr zu ignorieren, sondern konstatieren zu müssen, dass es in so manchem Eck in unserem Inneren eher aussieht wie in einer modrigen und stickigen Grabkammer, statt wie auf einer sonnigen satt-grünen Wiese, über die sanft ein Frühlingslüftchen weht.</p>
<p>Und dann die Anstrengung, wenn wir die Gräber geöffnet haben: Jede Selbsterkenntnis führt zu Veränderung. Wenn wir erkannt haben, warum wir uns bisher so und so verhalten haben, warum wir bisher auf bestimmte Situationen oder Äußerungen anderer so empfindlich reagiert haben, werden wir nicht mehr die gleichen bleiben können, wie vorher. Im Extremfall kann es dazu führen, dass ich mein ganzes Leben umkrempeln muss, weil ich etwas erkenne, was bisher falsch gelaufen ist in meinem Leben.</p>
<p>Aber wir haben zum Eingang des Gottesdienstes gesungen: „Gott gab uns Atem, damit wir leben“. Damit haben wir zum Ausdruck gebracht: Gott selbst gibt uns in seinem Geist die Kraft und die Energie, die wir brauchen, um aufzuerstehen, lebendig zu sein und nicht starr, die Fähigkeit zu haben, uns zu ändern, um heilere, um heile Menschen zu werden. Darauf können und dürfen wir vertrauen.</p>
<p>Gott selbst ist an unserer Seite. „An unsren Kreuzen bleibt die Sehnsucht heil: Wir nehmen, Gott, an Deinem Leben teil. Schuld bleibt nicht Schuld, und Schmerz ist nicht mehr Schmerz“, wie dies unser Bischof Joachim in dem Lied ausgedrückt hat, welches wir gleich zur Gabenbereitung singen werden.</p>
<p>Gott möchte nicht, dass wir zu verzagten und verbitterten Grießgramen werden, die sich selbst nicht mögen. Vielmehr ermuntert er uns dazu, immer wieder neu anzufangen, immer wieder die Auferstehung zu wagen.</p>
<p><b>Oscar Arnulfo Romero</b></p>
<p>Wie konkret eine solche Auferstehung aussehen kann, hat uns der salvadorianische römisch-katholische Erzbischof Oscar Arnulfo Romero gezeigt.</p>
<p>1977 war er zum Erzbischof von San Salvador ernannt worden. Er zählte zu den konservativen Würdenträgern. Er war ein Liebhaber schöner Liturgien und korrekter Disziplin. Er traf sich gerne mit den damaligen Machthabern des dikatorischen Regimes. Daher distanzierte er sich auch deutlich von den jungen Priestern und Ordensleuten, die sich in seiner Diözese für den befreiungstheologischen Kampf für die Armen engagierten.</p>
<p>Der Mord an seinem Freund Rutilio Grande, einem Jesuitenpater, der sich für die Armen einsetzte, veränderte Romeros Blickwinkel und ließ ihn die in seinem Keller verborgene Leiche der widerspruchslosen Anpassung an die bestehenden Strukturen erkennen: Er wagte die Auferstehung aus einem Grab, in das er sich selbst bereits gelegt hatte. Er brach mit dem Regime und akzeptierte die Verhältnisse nicht mehr so, wie sie sind, sondern begann, alles zu hinterfragen.</p>
<p>Die Folgen, die er dann zog, sind nur konsequent: Er wandte sich gegen ungerechte Strukturen in seinem Land. Ungerechtigkeit, Wahlschwindel und die blutigen Auseinandersetzungen in El Salvador wurden Themen seiner Predigten. Er verurteilte die Gewalt, sowohl auf Seiten der Regierung als auch auf der der Guerillas. Er wurde unbequem.</p>
<p>Es war der 24. März 1980, als Romero vor nunmehr knapp 28 Jahren während eines Gottesdienstes von einem Mordkommando des Regimes am Altar niedergeschossen wurde.</p>
<p>Die Auferstehung, der er gefolgt ist, hat ihn in den Martyrer-Tod geführt. Er war sich dieser Gefahr bewusst.</p>
<p>Wie leicht sollte es uns angesichts solch eines Vorbildes sein, die Auferstehungen anzugehen, die möglicherweise den Leichen in unseren Kellern gilt. Denn uns droht im Regelfall nicht das Risiko des Martyriums, wenn wir uns an die Gräber in unseren Seelen heranwagen.<br />
Uns ist zugesagt, dass der Geist Gottes in uns wohnt. Dieser Geist kann uns lebendig machen, wie Paulus an die Gemeinde der Christinnen und Christen in Rom schreibt.</p>
<p>Gott schenke auch uns diesen Leben-Spendenden und alles durchdringenden Geist, die Ruach Gottes. Sie durchwehe mit Kraft unsere Seelen, damit jeder Modergeruch aus ihnen verschwinde und wir als heile Menschen in der Lage sind, an Gottes Reich mit zu bauen.</p>
<p>Dazu helfe uns Gott.</p>
<p><i>Foto: Paul Sippel - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Selbstlosigkeit der Gabe - Andacht zu Markus 12,41-44]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=140</link>
<pubDate>Wed, 20 Feb 2008 07:30:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Kennen Sie dieses Kärtchen? (Ich halte die &#8220;KirchenCard&#8221; hoch) Nein?
Das ist eine so ge]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/kircheundgeld.jpg" title="kircheundgeld.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/kircheundgeld.thumbnail.jpg" alt="kircheundgeld.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a>Kennen Sie dieses Kärtchen? (<i>Ich halte die "KirchenCard" hoch</i>) Nein?</p>
<p>Das ist eine so genannte „KirchenCard“. Es ist eine der Blüten, die mein Berufszweig des Fundraising so manchmal treibt.</p>
<p>Man kann diese Karte gegen eine "Spende" von mindestens 5,50 Euro pro Monat zuzüglich einer <!--more-->Verwaltungsgebühr von 2 Euro pro Monat bei der „Stiftung Gemeindespendenwerk“ im Kirchenkreis Hattingen-Witten, Evangelische Kirche von Westfalen, bekommen.</p>
<p>Der Besitzer einer solchen KirchenCard kann damit in über 27.000 Geschäften in ganz Deutschland Rabatte auf Waren erhalten. Teilweise bis zu 30%, wie beispielsweise beim Kauf eines Fiat Panda. Da kann man leicht mehrere tausend Euro sparen.</p>
<p>Was hat nun der eben gehörte Textabschnitt aus dem Markus-Evangelium mit dieser KirchenCard zu tun? Ich finde: Sehr viel. – Denn bei beiden geht es um das Thema „Selbstlosigkeit“.</p>
<p>Die von Jesus beobachtete Witwe zeigt ein Verhalten, wo mir der Begriff „Selbstlosigkeit“ recht leicht über die Lippen kommt. Zwar weiß ich nichts von den Beweggründen, welche die Frau zu ihrem Tun motivieren. Und vielleicht ist sie sich selber auch nicht unbedingt über alle ihre Motive bewusst. Aber egal warum: Sie gibt, und zwar ohne viel Aufhebens, ohne eine offensichtliche Gegenleistung zu erwarten, ja, sogar so viel, dass sie selbst sich einschränken muss, um diese Gabe spenden zu können.</p>
<p>Viele, auch von uns, könnten von ihrem Überfluss abgeben - und ein Teil tut nicht mal das. Hier aber gibt eine Frau nicht viel, und doch alles. Die erwähnten zwei Münzen sind ein sehr geringer Betrag, aber sie sind all das, was die Frau an diesem Tag für ihren Lebensunterhalt hat.</p>
<p>Die Qualität ihrer Gabe ist es, was sie auszeichnet, nicht die Quantität.</p>
<p>Bei der KirchenCard zahlt man neben der Verwaltungsgebühr einen als „Spende“ bezeichneten monatlichen Betrag, über den am Ende des Jahres auch eine Spendenquittung ausgestellt wird. Eine „Spende“ zeichnet sich nach der gesetzlichen Definition dadurch aus, dass sie „selbstlos“ gegeben wird. – Es wird Sie jetzt nicht wundern, dass es mir äußerst schwer fallen würde, bei dieser KirchenCard von „Selbstlosigkeit“ der Gabe zu reden, ohne dabei gleichzeitig rot zu werden.</p>
<p>Die Rabatte, die man mit dieser Karte einstreichen kann, sind so groß, dass die Aufwendungen, die für Spende und Verwaltung zu entrichten sind, schon gar nicht mehr ins Gewicht fallen. Und für den Spenden-Anteil dieser Aufwendungen erhalten die Nutzer dann sogar noch eine Spendenquittung, die sie steuerlich geltend machen können.<br />
Irgendwie geht mir die Selbstlosigkeit hier flöten.</p>
<p>Der Fairness halber sei noch hinzugefügt, dass es KirchenCard-Nutzern natürlich auch möglich ist, zu Gunsten des durch den Spendenanteil unterstützten Projektes auf ihre Rabatte zu verzichten. Dann kann man mit einem möglicherweise ohnehin anstehenden Kauf auch gleich noch etwas Gutes tun – und das in durchaus nicht unbeträchtlicher Weise. Und man erhält dann am Ende des Jahres immerhin eine Spendenquittung nicht nur über den Spendenanteil, den man für die Karte gezahlt hat, sondern auch noch über die Rabatte, auf die man zu Gunsten des Spendenprojektes verzichtet hat.</p>
<p>Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: „Und das Ding möchte ich einmal sehen, das die Kirche nicht segnet, wenn sich das für sie lohnt“.</p>
<p>So sehr ich Tucholsky mag: Wir sollten uns in diesem Fall verkneifen, ihm posthum mal wieder Recht zu geben.</p>
<p>Daher: So lange die mit der KirchenCard zu erzielenden Rabatte nicht obligatorisch den Spendenprojekten zukommen, sondern auch im Portmonee des KirchenCard-Nutzers verschwinden können, werde ich diese Karte wohl nicht in meinen Fundraising-Instrumentenkasten aufnehmen. Denn für mich hat sie momentan mehr mit „Schnäppchenjägerei“ zu tun, als mit Fundraising.</p>
<p><i>Foto: S. Hofschlaeger - Quelle: www.pixelquelle.de </i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Glaube bestimmt den Blick auf die Welt - Andacht zu Markus 12,13-17]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=182</link>
<pubDate>Fri, 15 Feb 2008 18:35:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
<guid>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=182</guid>
<description><![CDATA[„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Das kann leicht mißverstanden]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/muenzen-kfm.jpg" title="muenzen-kfm.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/muenzen-kfm.thumbnail.jpg" alt="muenzen-kfm.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a>„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ Das kann leicht mißverstanden werden: Auf der einen Seite der Glaube, die Religiosität, der Gottesdienst, meine Beziehung zu Gott, abgehoben, ohne, dass dies mit der Welt zu tun hätte - auf der anderen Seite die Welt, ihre Strukturen, Wirtschaft, Konkurrenzkampf, Ellebogen, nach oben buckeln, nach unten treten, mit dem Evangelium <!--more-->kann man keine Politik machen. Das Reich Gottes und das Reich dieser Welt - und der christlich glaubende Mensch als eine Parallel-Existenz in beiden Welten.</p>
<p>Für mich grenzt eine solche Einstellung an Schizophrenie. Und ich bin überzeugt, dass eine solche Haltung nicht dem entspricht, was Jesus zum Ausdruck bringen wollte.</p>
<p>Ich glaube eher, dass es Jesu Anliegen war, deutlich zu machen, dass Christinnen und Christen in und mit ihrem Glauben auch für die weltliche Gesellschaft in Dienst stehen. Auch die Menschen, die sich als Nachfolgende Jesu von Nazaret sehen, stehen nicht außerhalb der Welt. Sie leben in ihr und in ihren Strukturen, auch in den staatlichen Strukturen, die sich die Menschen geben: Damals in Jesu Kontext in Israel das Kaiser-Reich mit dem Cäsar an der Spitze, heute in unserem Kontext in Deutschland eine demokratisch gewählte Regierung mit einer Bundeskanzlerin.</p>
<p>Das darf eine gewisse Solidarität jeder Christin und jedes Christen auch gegenüber dem Staat erwarten, den wir in unserer demokratischen Struktur selber bilden, und gegenüber der Regierung, die wir uns gewählt haben. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“<br />
Aber Jesu Worte zeigen auch ganz klar eine Grenze für diese Solidarität auf. Denn die erwähnte Solidarität bedeutet nicht bedingungsloser Gehorsam oder fraglose Unterordnung. Sondern wir sind herausgerufen, als kritische Bürgerinnen und Bürger dieses Staates das unter die Lupe zu nehmen, was Politik, Verwaltung oder Wirtschaft uns zu verordnen meinen müssen. Jede und jeder ist dazu ermuntert, zu prüfen und selbst verantwortlich zu entscheiden, wo staatliche Vorschriften zu erfüllen sind, wo wirtschaftliche Entwicklungen gutzuheißen sind, oder wo man die Erfüllung solcher Vorschriften aus Gewissensgründen verweigern bzw. bestimmten wirtschaftlichen Entwicklungen Einhalt gebieten muss. - Wobei man allerdings Gewissensgründe nicht mit „gewissen Gründen“ verwechseln sollte, was auch oft genug passiert.</p>
<p>Unser Blick als Christinnen und Christen auf den Staat und seine Vorschriften sowie auf die Wirtschaft und ihre Strukturen ist immer geprägt durch den Blick auf das Evangelium, unseren Glauben an einen liebenden, solidarischen, barmherzigen Gott: „Gebt Gott, was Gott gehört!“</p>
<p>Eine solche Perspektive hat Auswirkungen. Wir werden schnell in Konflikte kommen. Denn wir alle bezahlen mit unseren Steuern auch den Wehretat, moderne Waffensysteme, die schnelle Eingreiftruppe. Darf ich das? Und kann ich einem Staat zustimmen, der noch immer zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört? In fast allen Kleinkriegen wird auf beiden Seiten mit deutschen Waffen gekämpft und gemordet. Sicherung deutscher Arbeitsplätze auf Kosten anderer.</p>
<p>Oder unser ganz normaler Einkauf im Supermarkt oder im Kaufhaus: Warum sind so viele Produkte so billig? Weil sie billig produziert werden. Man denke nur an manche Turnschuhe von Markenherstellern wie Nike, die in Sweatshops in Asien unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Hungerlöhne produziert werden, und hier mit großer Gewinnspanne verkauft.  Wer mehr wissen will, sollte das Buch „No logo“ von Naomi Klein lesen. Oder die vielen billigen Kleidungsstücke beim Discounter kik: Nur möglich wegen Billiglöhnen knapp über Hartz VI-Niveau und Aushilfen ohne bezahlten Urlaub und ohne Weiterbezahlung im Krankheitsfall.</p>
<p>Das sind alles Fragen auf dem Konfliktfeld zwischen dem, was dem Kaiser gehört, und dem, was Gott gehört. Vielleicht finden wir nicht alle zu der gleichen Antwort. Aber wir müssen uns als glaubende Christinnen und Christen immer die Frage stellen, welche Konsequenzen unser Glaube auf unser Leben und Verhalten im tagtäglichen Alltag hat - oder eigentlich haben müsste.</p>
<p><i>Foto: KFM - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Fastenzeit zur Auferstehung - Predigt zu Matthäus 4,1-11 u.a.]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=174</link>
<pubDate>Sun, 10 Feb 2008 20:21:39 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
<guid>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=174</guid>
<description><![CDATA[Der Mensch als Gott muss scheitern
In den Lesungen aus dem Buch Genesis und aus dem Evangelium nach ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/auferstehung.jpg" title="auferstehung.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/auferstehung.thumbnail.jpg" alt="auferstehung.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a><b>Der Mensch als Gott muss scheitern</b></p>
<p>In den Lesungen aus dem Buch Genesis und aus dem Evangelium nach Matthäus werden uns zwei Versuchungsgeschichten vor Augen geführt. Die Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Rom verklammert diese beiden Geschichten miteinander und bringt sie zueinander in Beziehung.</p>
<p>In der ersten Lesung geht es darum, welchen Versuchungen der Mensch ausgesetzt ist, und wie leicht <!--more-->er diesen Versuchungen erliegt. Der Wunsch, so zu sein wie Gott, sich selber an die Stelle Gottes setzen zu können. Eine Versuchung, die immer wieder virulent ist. Denken wir nur an den Bereich der Gentechnik, oder auch an den Bereich der Atomenergie.</p>
<p>Und es wird jedes Mal, wenn wir Menschen dieser Versuchung erliegen, und im Vertrauen darauf, dass wir für die seit Beginn vor Augen liegenden Probleme schon noch eine Lösung erdenken werden, genau so scheitern und zur entsetzten Erkenntnis der eigenen Nacktheit führen, wie es uns in Genesis geschildert wird.</p>
<p>In Sachen Atomenergie haben wir bereits Unmengen an Strahlenmüll produziert, den wir bis heute nicht in der Lage sind, für die notwendigen Jahrmillionen-Zeiträume wirklich absolut sicher zu verwahren. Und im Bereich der Gentechnik werden Pflanzen mit veränderten Genen in Freilandversuchen ausgesät, ohne dass wir wirklich wissen, welche Auswirkungen dies auf das für Menschen undurchschaubar komplexe Gefüge von Flora und Fauna hat.</p>
<p><b>Versuchungen widerstehen</b></p>
<p>Die Versuchungsgeschichte Jesu im Matthäus-Evangelium verläuft anders. Jesus weist die Versuchungen, denen er ausgesetzt ist, souverän zurück. Die Allmachtsversuchung: Aus Steinen Brot zu machen. Die Versuchung, die Natur zu beherrschen: Sich vom Tempel herabstürzen. Die Versuchung von Besitz und Herrschaft: Vor dem Teufel niederfallen.<br />
Der Evangelist zeigt uns mit seiner Darstellung dieser Versuchungen Christi, worauf es ankommt: Den Versuchungen, denen wir ausgesetzt sind - Allmacht, Herrschaft, Besitz -, zu widerstehen und statt dessen den Weg Gottes zu suchen, da nur dies der wahre Weg der Gerechtigkeit ist.</p>
<p>Weder bei dem Bericht aus Genesis noch bei der Erzählung aus dem Matthäus-Evangelium geht es dabei um historische Wahrheiten, wie man sie in einem Geschichtsbuch lesen könnte. Die Wahrheiten, die hier verborgen liegen, sind weit größer und weit wichtiger. Sie erzählen etwas über das alltägliche Erleben des Menschen, über die alltäglichen Versuchungen, denen wir ausgesetzt sind, und darüber, wie leicht wir dazu zu verführen sind, ihnen nachzugeben.</p>
<p>Die Frage danach, ob es nun einen leibhaftigen Teufel gibt oder nicht, ist für das Wesentliche der heutigen Texte daher auch vollkommen irrelevant. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass die Annahme eines leibhaftigen Teufels uns zu leicht in die Gefahr bringen könnte, die Schuld für alles Übel auf einen satanischen Sündenbock zu schieben, statt uns selber kritisch unter die Lupe zu nehmen und dabei das zu erkennen, was der Reformator Martin Luther kurz und knapp in die Worte zusammenfasste: Der Mensch ist zugleich ein Gerechter und ein Sünder (simul iustus et pecator).</p>
<p><b>Teuflische Strukturen der Welt</b></p>
<p>Unbestritten aber gibt es Strukturen und Ereignisse in dieser Welt, die ich ohne Hemmungen als teuflisch bezeichnen würde. Ich nenne nur zwei Beispiele:<br />
Der Hexenwahn des 15., 16. und 17. Jahrhunderts. Ihm fielen hundertausende Menschen, vor allem Frauen, zum Opfer. Alleine in Würzburg wurden um 1600 in einem Jahr mehr als 300 so genannte Hexen verbrannt. Zum Vorwurf wurde ihnen Zauberei oder der Bund mit dem Teufel unterstellt. Und das ging ziemlich schnell: Da brauchte nur eine Kuh keine Milch geben; sofort wurde nach einem Sündenbock gesucht. Gefunden wurde er oft genug in einer Frau aus der Nachbarschaft, der man dann Hexerei unterstellte. Die Dominikaner-Patres Jakob Sprenger und Heinrich Institoris schildern in ihrem 1487 erstmals gedruckten „Hexenhammer“ auch gleich ganz genau, wie die Hexen das mit der Milch anstellen: Die Hexen stecken ein Messer oder eine Axt in irgendeinem Winkel ihres Hauses in die Wand, legen die Hände so an den Schaft von Messer oder Axt an, als würden sie melken wollen und rufen den Teufel an; daraufhin nimmt dann der Teufel die Milch aus den Zitzen der Kuh in der Nachbarschaft und bringt sie an den Ort, wo die Hexe sitzt. Dort fließt diese Milch dann vom Schaft des Messers oder der Axt direkt in den Melkeimer. Und die so „gemolkene“ Kuh gibt dann natürlich beim „normalen“ Melken keine Milch mehr. – Wenn hier überhaupt etwas als teuflisch bezeichnet werden kann, dass ist es wohl kaum der unterstellte Umgang der beschuldigten Frauen mit einem leibhaftigen Satan, sondern eher die krude Phantasie der beiden erwähnten Mönche und die tödlichen Folgen, die diese Phantasie für eine Unzahl von Menschen hatte, die zunächst auf die unsäglichste Art gefoltert und dann bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.</p>
<p>Als teuflisch bezeichne ich auch die Kriege, die unendliches Leid über diese Welt gebracht haben und noch heute bringen; wie viele Tote haben alleine die Bombardierungen von Städten im so genannten Zweiten Weltkrieg mit sich gebracht: Guernica in Spanien, Coventry in Groß Britannien, Dresden in Deutschland, Hiroshima in Japan, um nur diese vier als pars pro toto von Unzähligen zu nennen. Gerade knapp 65 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges sollten wir das bedenken; gerade auch in Erinnerung daran, dass dieser Krieg von Deutschland ausging; und gerade auch Angesichts faschistisch-brauner Hetzparolen, von denen wir heute wieder in den Nachrichten hören müssen. Mit Rassismus, Ausländer- und Judenhass und Geschichtsverfälschung versuchen die Nazis immer wieder, Menschen hier in Deutschland genauso zu verführen, wie es uns von der Schlange im Buch Genesis und vom Satan im Matthäus-Evangelium berichtet wird. – Den Versuchungen einfacher und dummer Wahrheiten zu folgen, müssen wir uns erwehren. Das sind die Teufel, die uns umgeben.</p>
<p>Der vor wenigen Jahren verstorbene amerikanische Schriftsteller Arthur Miller hat diese teuflischen Strukturen, in denen wir Menschen leben, einmal knapp und ironisch auf den Punkt gebracht, als er sagte: „Wenn wir uns nicht gegenseitig ermorden würden, könnten wir eine ganz lustige Gattung sein.“</p>
<p><b>Eine Fastenzeit zur Auferstehung</b></p>
<p>Das alles zeigt: Wir müssen immer wieder zur Besinnung kommen, unsere Gedanken und Gefühle klären, uns unserer eigenen Motivationen und Beweggründe für unser Tun bewusst werden. Deswegen ist es auch gut, dass wir im kirchlichen Jahreskreis diese lange Besinnungszeit vor Ostern haben. Wir gehen in uns, um zu erkennen, was bei uns Tod ist oder zum Tod auf dieser Welt beiträgt, und wo daher Änderungsbedarf, Metanoia, Umkehr ansteht. Und an Ostern werden wir dann eine Auferstehung von den Toten feiern können, die uns nicht nur in eine religiöse Hochstimmung versetzt, sondern auch konkrete und praktische Auswirkungen auf unser Leben hat. Auswirkungen, die auf das Leben unserer Gemeinde, das Leben unserer Umgebung, das Leben unserer Stadt, das Leben unseres Landes, das Leben der ganzen Welt ausstrahlen können und sollen.</p>
<p>Der Brief an die Gemeinde in Rom spricht eine deutliche Sprache: Die Nacht des Todes, die Herrschaft der Sünde ist zu Ende. Jesus ist von den Toten erstanden. Das Licht der Aufersetzung leuchet allen Menschen!</p>
<p>Daran erinnern wir uns an jedem Sonntag bei der Eucharistiefeier. Daran erinnern wir uns ganz besonders in der vorösterlichen Fastenzeit und an Ostern.</p>
<p>Nehmen wir diese Auferstehung Jesu als eine Zusage, die uns anspornt und motiviert, auch aus den Toden, in denen wir existieren, aufzuerstehen hin zu neuem Leben.</p>
<p>Gott helfe uns dazu.</p>
<p><i>Foto: Johannes Becker - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Alt-Katholisch demnächst auf mdr]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=141</link>
<pubDate>Tue, 05 Feb 2008 20:26:14 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Wahrscheinlich wird die Alt-Katholische Kirche ab Mitte des Jahres Sendeplatz im Mitteldeutschen Run]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/radioonair2.jpg" title="radioonair2.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/02/radioonair2.thumbnail.jpg" alt="radioonair2.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a>Wahrscheinlich wird die Alt-Katholische Kirche ab Mitte des Jahres Sendeplatz im <a href="http://www.mdr.de">Mitteldeutschen Rundfunk (mdr)</a> bekommen - genau wie die beiden großen und viele der kleineren Kirchen. Voraussichtlich wird dann einmal im Jahr ein Alt-Katholischer Gottesdienst aus einer der Alt-Katholischen Gemeinden in Thüringen, <!--more-->Sachsen oder Sachsen-Anhalt im Fernsehen übertragen und eine Woche das "Wort zum Tag" von Alt-Katholikinnen &#38; Alt-Katholiken gesprochen.</p>
<p>Die teilweise sehr verstreut in den drei Bundesländern des mdr-Sendegebietes lebenden alt-katholischen Christinnen und Christen können häufig genug keinen Gottesdienst in räumlicher Nähe besuchen. Neben den Hausgottesdiensten, die deswegen an vielen Orten gehalten werden, werden die Radio- und Fernsehübertragungen daher eine wichtige Ergänzung darstellen.</p>
<p>Wann die erste Gottesdienstübertragung stattfinden wird, steht im Moment noch nicht fest.</p>
<p><i>Foto: Tim Heinrichs-Noll - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Christsein und Nazi sein ist unvereinbar - Predigt zu Markus 8,22-26, Deuteronomium 10,12-14.16-19 &amp; 1 Johannes 3,11-20]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/?p=168</link>
<pubDate>Mon, 28 Jan 2008 19:34:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Nächstenliebe verlangt Klarheit
Ähnlich, wie mit der liturgischen Farbe, bin ich heute auch mit de]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/01/banner3.jpg" title="banner3.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/01/banner3.thumbnail.jpg" alt="banner3.jpg" align="left" hspace="5" /></a><b>Nächstenliebe verlangt Klarheit</b></p>
<p>Ähnlich, wie mit der liturgischen Farbe, bin ich heute auch mit den Lesungen und dem Evangelium von der eigentlichen Ordnung abgewichen. Der Grund ist das Gedenken, welches wir heute begehen: Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus. Und wir erklären uns dabei solidarisch mit der Aktion „<i>Nächstenliebe verlangt Klarheit. Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus</i>“, welche von den beiden Evangelischen Landeskirchen<!--more--> von Thüringen und Sachsen-Anhalt heute mit Gottesdiensten in Halle und Jena gestartet wurde. Diese Aktion wird über das ganze Jahr dauern.</p>
<p>Gerade hier die Michaeliskirche, die im Stil einer Synagoge gebaut wurde, und im frühen Mittelalter der Ort war, an dem sich zum Christentum konvertierte Juden zum Gottesdienst versammelt haben, ist an diesem Tag ein besonderer Ort des Gedenkens - und dem aus diesem Gedenken erwachsenden Engagement gegen jede Art von Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus.</p>
<p>Der Verfasser des ersten Johannesbriefes hat es uns ins Stammbuch geschrieben: Christinnen und Christen sind dazu aufgerufen, nicht nur mit Wort und Zunge zu lieben, sondern in Tat und Wahrheit - Gedenken und das daraus folgende Engagement gehören untrennbar zusammen. Dietrich Bonhoeffer hat das für seine Situation und seine Zeit prägnant in einem Satz zusammengefasst: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch zu singen.“</p>
<p>Leider immer noch ein aktueller Satz:</p>
<ul>
<li>denn noch heute benötigen jüdische Einrichtungen permanenten Polizeischutz, wie man es beispielsweise in Berlin sehen kann,</li>
<li>noch immer werden Menschen mit ausländischen Wurzeln oder fremdländischem Aussehen von einem rasenden Mob durch die Straßen gejagt, wie letztes Jahr im sächsischen Mügeln geschehen,</li>
<li>und noch immer betreiben Personen in politisch hoch verantwortlichen Positionen mit populistischen und ausländerfeindlichen Parolen Stimmenfang, wie wir es derzeit leider in Hessen erleben müssen.</li>
</ul>
<p>Gerade mit letzterem können viel zu schnell die Geister der Vergangenheit gerufen werden, die man dann nur wieder schwer los wird.</p>
<p><b>Die braunen Wurzeln entwickeln noch immer Triebe</b></p>
<p>Die rechtsextreme Ideologie, die unser Land viel zu lange regiert hat, hat schon genug unendlich viel Leid und Schmerz über die Menschen gebracht. Über unsere Nachbarvölker, über die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Landes, aber im Endeffekt auch über die Einwohnerinnen und Einwohner dieses Landes selber. Viele - gerade auch hier in Deutschland  und leider auch in den Kirchen - hatten sich von dem gefährlichen Virus anstrecken lassen, der einem vorspiegelt, man sei eine besondere „Herrenrasse“ und allen anderen Völkern überlegen. Und leider können wir uns ihrer braunen Wurzeln heute immer noch nicht als wahnsinnige Kuriositäten der Geschichte erinnern, sondern müssen uns damit auseinandersetzen, dass sie immer wieder neue Triebe zeigt.</p>
<p>Selbst innerhalb der Gemeinschaft der Christinnen und Christen ist der braune Spuk noch nicht vorbei, wie hier in Thüringen ein für mich vollkommen widersinniger Arbeitskreis „Christen in der NPD“ zeigt, der sich derzeit mit der evangelischen Stadtkirchengemeinde Gotha streitet, weil diese ihm die eigenen Räumlichkeiten nicht für eine als Weihnachtsfeier getarnte Parteiveranstaltung zur Verfügung gestellt hat.</p>
<p>Der dortige Pfarrer Jürgen Schilling schrieb der NPD in seiner Absage sehr deutlich: „Ich muss zugeben, dass ich einigermaßen erstaunt bin, wie Sie mit Ihrer Anfrage ausgerechnet an uns als evangelische Stadtkirchgemeinde herantreten können. Sie müssten wissen, dass wir in unseren Häusern allen menschenverachtenden Bewegungen mit aller Deutlichkeit, die uns das Evangelium zumutet, entgegentreten. Deshalb sind Sie bei uns mit Ihren Parteiversammlungen (auch im Kleide einer Weihnachtsfeier) nicht willkommen.“</p>
<p><b>Christlicher Glaube und Extremismus schließen einander aus</b></p>
<p>Die Bibel bezieht eindeutig Stellung und müsste jedem, der sich damit auseinandersetzt, klar machen, dass christlicher Glaube und Extremismus - egal ob rechts oder links - einander ausschließen.</p>
<p>So haben sich beispielsweise in der Rechtsordnung Israels, wie wir sie in der Lesung aus dem Buch Deuteronomium gehört haben, aus der eigenen geschichtlichen Erfahrung des Exils, des Lebens in der Fremde, besondere Formen des Schutzes von Ausländern entwickelt. Die „Fremden“ werden den Einheimischen gleich gestellt, denn es wird deutlich gemacht, dass Gott auch die Fremden liebt, ihnen Kleidung und Nahrung gibt, und nicht nur den Israeliten.</p>
<p>Auch in unserer grundlegenden Rechtsnorm, dem Grundgesetz, spiegelt sich Geschichte: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so lautet deren erster Satz (Art 1 Abs 1). Und wenige Zeilen später kann man lesen: Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden. (Art 3 Abs 3). Das sind Normen, die klar in Abgrenzung gegen das unseelige nationalsozialistisch-diktatorische Regime entstanden sind. Für manche Politiker sollte man diese Sätze zur täglichen Pflichtlektüre werden lassen.</p>
<p><b>Einen klaren und nüchternen Blick behalten</b></p>
<p>Jesus Christus hat die Augen geöffnet. Davon erzählt das heutige Evangelium. Er verschafft dem Blinden wieder einen klaren Blick, heilt das Nicht-Sehen, entzündet ein Feuer im Dunkel unserer Nacht.</p>
<p>Wenn man die populistische Botschaft in die Gegend schreit, wir hätten zu viele kriminelle Ausländer, die Ausländer nähmen uns unsere Arbeitsplätze weg oder alle Muslime seien Terroristen, und dann auch noch behauptet, man wolle damit für einen klaren Blick sorgen, dann macht man in Wahrheit genau das Gegenteil, auch wenn man sich selbst als „christlich“ bezeichnet. Man verschmiert den Blick und schürt das Feuer der Fremdenfeindlichkeit. Man verschmutzt die Brillen der Menschen mit braunem Dreck aus der Gosse des Populismus, damit sie nicht mehr klar sehen, und das für wahr halten, was ihnen von Demagogen ins Ohr geblasen wird.</p>
<p>Als Christinnen und Christen sollten wir darauf nicht hereinfallen, auch wenn die Versprechungen und einfachen Erklärungsmuster, die hier angeboten werden, oftmals verführerisch sind. Die Wirklichkeit ist wesentlich komplexer, als einfache Wahrheiten suggerieren, und es braucht einen klaren Blick, so wie in Jesus und seine gute Nachricht uns schenken kann.</p>
<p>Wenn wir uns an ihm als Vorbild orientieren, seinem Beispiel nachfolgen, dann werden wir immun gegen die Verführer der Massen.</p>
<p>Das heutige Evangelium ist ein Symbol für diese gute Botschaft Jesu: Er öffnet mit seiner Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen und mit dem Kerngebot der Gottes- und Nächstenliebe die Augen, die verklebt sind von Engstirnigkeit, Hochnäsigkeit, Extremismus, Populismus und sonstigem Übel. Die gute Nachricht verschafft denen, die Ohren haben sie zu hören und Augen sie zu lesen, einen klaren Blick und wehrt der Blindheit.</p>
<p>Die Kirchen sollten hier im übrigen Vorbilder sein. Sie sollten ein Sakrament sein, ein glaubwürdiges und wirkmächtiges Zeichen christlichen Glaubens an einen Gott, der größer ist als unser menschliches Herz. Sie sollten der Gesellschaft vorleben, dass Gemeinschaft auch in der Vielfalt möglich und sogar bereichernd ist, statt einander auszugrenzen.</p>
<p>Vielleicht können uns die Brillenputztücher, die heute in Jena und Halle zu der Aktion der Evangelischen Kirchen gegen Rechtsextremismus verteilt wurden, und von denen ich Euch ein paar mitgebracht habe, dabei helfen, immer einen klaren Blick durch unsere Brillen zu behalten.</p>
<p>Dazu helfe uns Gott.</p>
<p>Amen</p>
<p><i>Foto: Privat (Banner der Aktion "Nächstenliebe verlangt Klarheit - Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus" am EKM-Kirchenamt in Eisenach)</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Umkehr des Herzens - Predigt zu Matthäus 3,13-17 &amp; Jesaja 42,1-9]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/2008/01/13/umkehr-des-herzens-predigt-zu-matthaus-313-17-jesaja-421-9/</link>
<pubDate>Sun, 13 Jan 2008 21:14:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
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<description><![CDATA[Wir feiern heute das Fest der Taufe Jesu.
In dieser Taufe, wie sie uns von Matthäus im heutigen Eva]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/01/taufe.jpg" title="taufe.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2008/01/taufe.thumbnail.jpg" alt="taufe.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a>Wir feiern heute das Fest der Taufe Jesu.</p>
<p>In dieser Taufe, wie sie uns von Matthäus im heutigen Evangelium überliefert wird, hat sich Gott selbst zu Jesus von Nazareth als seinem Sohn bekannt. In dieser kleinen Szene komprimiert Matthäus alles, was Jesus für uns Christinnen und Christen ist: Die liebevolle und <!--more-->greifbare Anwesenheit Gottes unter uns Menschen auf Erden, der uns doch so oft fern und unbegreiflich scheint.</p>
<p><b>Die Johannes-Taufe und das Endgericht</b></p>
<p>Für Johannes den Täufer, von dem wir im heutigen Evangelium gehört haben, ist die Taufe ein vorweggenommenes endgültiges Gericht. In den beiden Versen, die dem heutigen Evangelium vorausgehen, drückt Johannes dies mit sehr klaren Droh-Worten aus: „Ich taufe Euch nur mit Wasser zum Zeichen der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit Heiligem Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“</p>
<p>Da verbindet sich eine massive Radikalität mit der Taufe. Da wird ein zornerfülltes Endgericht angekündigt, eine Trennung von Spreu und Weizen. Im Programm des Johannes geht es vor allem um das Abwaschen von Schuld. Bei Johannes werden die Menschen eingetaucht in die Atmosphäre eines Strafgerichts, das wie eine zweite Sintflut erscheint. Hier treibt die Angst vor dem strafenden Gott an den Jordan.</p>
<p>Die Weise, in der die Menschen lebten, war für Johannes in sich so zerstörerisch und verkommen, dass er nur denken konnte, sie verdiene von Gott her geradezu, sobald als möglich vernichtet zu werden. Wie in den Tagen des Noah sei es sich Gott in gewisser Weise selber schuldig, all die Frevel der Menschen auszutilgen, und die Erde in einer neuen Flut rein zu waschen. Symbolisch nahm Johannes diese Flut und die Reinwaschung mit dem Wasser der Taufe vorweg.</p>
<p>Ist uns dieser Gedanke des Johannes so fern? Gerade angesichts dessen, was wir tagtäglich mitbekommen?</p>
<ul>
<li>der Mangel an Zivilcourage, der notwendig ist, um einzugreifen, wenn andere angegriffen werden;</li>
<li>das egoistisches Streben nach Macht und Reichtum, welches im Bedarfsfall auch andere kalt stellt, wenn sie im Weg stehen;</li>
<li>die politischen Argumentationslinien, die nicht nüchtern um das Besten für die Gesellschaft ringen, sondern auch gerne mal populistisch im Trüben fischen, wenn es darum geht, Stimmung zu machen und Wähler mit Angstmacherei auf die eigene Seite zu ziehen;</li>
<li>die ungleiche Verteilung von Wohlstand und Armut auf unserem Planeten, wo ein reiches Drittel der Menschen auf Kosten der armen zwei Drittel leben - teilweise, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein;</li>
<li>das Weiter-Wirtschaften wie bisher auf Kosten der Schöpfung, obwohl wir doch schon längst wissen, dass wir mit einem Klimaproblem konfrontiert sind, welches bereits meiner Generation noch riesige Schwierigkeiten verursachen wird;</li>
</ul>
<p>... und die Liste ließe sich wohl ziemlich lange noch fortsetzen.</p>
<p>Dummheit, Verdrängung, übles Tun und falsches Verhalten der Menschen scheinen unausrottbar. Umkehr ist ein nicht abschließbares Thema. - Der Täufer Johannes mag angesichts dessen, was er zu seiner Zeit in seiner Welt sah, die Verhältnisse ähnlich verderbt empfunden haben.</p>
<p><b>Die Taufe Jesu und die innere Umkehr</b></p>
<p>Und doch entbrennt Gott nicht, wie Johannes es erwartet hatte, in einem heiligen Zorn, und wischt nicht mit einer allmächtigen Geste das gesamte Übel vom Angesicht der Erde. Der, den Johannes erwartet, erscheint nicht als der große Richter, der die Sünder vernichtet.</p>
<p>Sondern wider alle Hoffnung setzt Gott weiterhin seine Hoffnung auf den Menschen: Jesus tritt ein in die Reihe der Sünder, die auf die Taufe durch Johannes warten. Er reiht sich ein in die Reihe derer, die auf Heil hoffen. Er schreit nicht und lärmt nicht. Er löscht den glimmenden Docht nicht aus und zerbricht nicht das geknickte Rohr. - Wenn man die Redewendung „Den Stab über jemandem brechen“ kennt, weiß man, was das heißt: Gott verurteilt die Sünder nicht.</p>
<p>Vielmehr offenbart sich in Jesus von Nazareth, dessen Geburt wir vor wenigen Wochen gefeiert haben, unser Gott als ein liebevoller Gott, der um den Menschen wirbt und ihn immer wieder dazu ermutigt, die Umkehr zu wagen. Eine Umkehr auf dem Weg zum Reich Gottes, die in der Taufe ihr äußeres Symbol einer innerlich vollzogenen Wandlung des Menschen auf den Weg Christi findet.</p>
<p>Sicherlich: Auch dies birgt Radikalität in sich. Denn der alte Mensch soll mit seiner ganzen Wurzel ausgerissen werden, um zu einem neuen Menschen zu werden. Die sakramentale Symbolik der Taufe ist hier besonders eindrücklich, wenn die Taufe durch Untertauchen geschieht: Der alte Mensch ertrinkt symbolisch in dem Wasser, in das der Täufling eingetaucht wird. Alles Überflüssige und Unwesentliche, alles Unmenschliche wird abgewaschen. Die Taufe ist der Tod des alten Menschen und Auferstehung, die Geburt zu neuem Leben in einem.</p>
<p>Aber es gibt einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Jesus und Johannes: Jesus verbreitet keine Droh-Botschaft wie Johannes, die den Menschen nur aus Angst vor einem zornig-richtenden Gott sein Leben ändern lässt. Sondern Jesus lädt ein, die Froh-Botschaft von der Erlösung des Sünders von seiner Schuld zu vernehmen, den liebenden und liebevollen Gott zu entdecken. Er drückt den glimmenden Docht nicht aus, sondern entfacht die Glut zu einer neuen Flamme und ermutigt so zu einer inneren Umkehr, die von Herzen kommt.</p>
<p>Denn darauf kommt es ja eigentlich an: Auf die ständige Umkehr des Herzens und auf ein Leben im Geist der Einfachheit der Seligpreisungen. Und diese Umkehr ist kein singuläres Ereignis wie ein kurzes Strohfeuer, sondern ein Prozess, der immer wieder den Sauerstoff neuer Mediation über das je eigene Leben, Denken und Beten bedarf, um der Flamme der Neuausrichtung immer wieder Leben einzupusten.</p>
<p><b>Ungetauft verloren?</b></p>
<p>Wenn ich über die Taufe auf diesem Hintergrund nachdenke, ist auch die Frage danach unnötig, ob sich ein ungetaufter Mensch nach seinem Tod in der Gemeinschaft mit Gott befindet oder nicht. Denn es geht nicht um ein sakramentales Zeichen, sondern um eine innere Haltung.</p>
<p>Ich persönlich könnte eine Haltung, welche die Gemeinschaft mit Gott exklusiv - also ausschließend - an das gespendete Sakrament der Taufe bindet, nicht nachvollziehen. Ich finde, dass eine innere Wandlung des Menschen wesentlich wichtiger ist, als das äußere Symbol. Der Akt der Taufe selber ist ein festliches und feierliches Bekenntnis dazu, dass ich mich mit ganzem Herzen, ganzer Seele und meinem ganzen Leben der Sache Jesu verschreibe, den alten Menschen sterben lasse und neu geboren werde in Christus. Diesem Akt aber geht die eigentliche Bekehrung voraus. Und ich würde mich wundern, wenn Gott, dessen Liebe größer ist als unser Herz (vgl. 1 Joh 3,20), irgendjemandem die Gemeinschaft verweigern sollte, nur weil dieser nicht das äußere Zeichen der Taufe empfangen hat.</p>
<p>Auf der anderen Seite bin ich mir relativ sicher, dass es viele getaufte Menschen gibt, die in diesem Sinne innerlich eigentlich noch immer ungetauft sind, und sich in einer weit größeren Distanz zum Willen Gottes befinden, als so manche, die sich auf den Weg der Umkehr gemacht haben, aber äußerlich (noch) nicht die Taufe empfangen haben.</p>
<p><b>Die Fußspuren Jesu</b></p>
<p>Für seine eigene Taufe hat sich Jesus von Nazareth mitten unter die Sünder gestellt. Damit ist er in unsere Fußspuren getreten, die wir immer erlösungsbedürftig, die wir immer der Umkehr bedürftig sind. Für uns ist das eine Einladung, in seine Fußspuren zu treten. In die Fußspuren dessen, der nicht verurteilt, sondern die Schuld und Last die wir auf uns laden mit trägt, damit wir frei werden, und uns aufrichten können.</p>
<p>Nach seinem Vorbild können wir lernen, auch über andere nicht den Stab zu brechen, sie nicht auf ihre Schuld, auf ihr Fehlverhalten festzunageln, sondern ihnen immer wieder aufzuhelfen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, sich zu ändern und zur Umkehr der Herzen zu finden.</p>
<p>Wie Jesus in unsere Fußspuren tritt, so treten auch wir in die seinen, damit wir mit ihm den Weg zu den Menschen und zu Gott finden.</p>
<p><i>Foto: bardo - Quelle: www.pixelquelle.de</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Gott ist kein Marionetten-Spieler - Predigt zu Lukas 2,1-20]]></title>
<link>http://altkatholisch.wordpress.com/2007/12/26/gott-ist-kein-marionetten-spieler-predigt-zu-lukas-21-20/</link>
<pubDate>Wed, 26 Dec 2007 07:47:17 +0000</pubDate>
<dc:creator>oekumenisch</dc:creator>
<guid>http://altkatholisch.wordpress.com/2007/12/26/gott-ist-kein-marionetten-spieler-predigt-zu-lukas-21-20/</guid>
<description><![CDATA[Gott entäußert sich all seiner Gewalt
Ein Puppenspieler ist ein absoluter Herrscher über seine Ma]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2007/12/marionetten.jpg" title="marionetten.jpg"><img src="http://altkatholisch.wordpress.com/files/2007/12/marionetten.thumbnail.jpg" alt="marionetten.jpg" align="left" hspace="5" vspace="5" /></a><b>Gott entäußert sich all seiner Gewalt</b></p>
<p>Ein Puppenspieler ist ein absoluter Herrscher über seine Marionetten. Er bestimmt das Geschehen, er lässt leben und sterben, siegen und verlieren, lachen und weinen, er hat die Fäden in der Hand. – Die Puppen sind seinem Willen, seiner Willkür unterworfen. Aber er kann <!--more-->auch heil machen, kann reparieren, wenn etwas zu Bruch gegangen ist.</p>
<p>Die Marionetten haben im Endeffekt keine Wahl. Der Puppenspieler hat sie geschaffen oder gekauft und bringt sie dadurch zum Leben, dass er an den Fäden zieht. Und er kann mit ihnen machen, was er will.</p>
<p>Gott hat diese Welt und alles was auf ihr lebt erschaffen. Das glauben wir. Und wir glauben auch, dass Gott der Welt Gutes will. Das hat er uns nicht zuletzt dadurch bewiesen und greifbar vor Augen geführt, dass er selbst in Jesus von Nazaret Mensch geworden ist, das Leben eines Menschen gelebt hat, von der Geburt bis in den Tod, und dann diesen Tod durch die Auferstehung besiegt und so auch uns Zuversicht auf ein neues Leben nach dem irdischen Tod geschenkt hat.</p>
<p>Diese Menschwerdung Gottes feiern wir Weihnacht für Weihnacht.</p>
<p>Doch was ist das für ein Gott, den wir hier preisen und anbeten und dessen Geburt als Mensch wir heute feiern? „Entäußert sich all seiner Gewalt, wird  niedrig und gering, und nimmt an eines Knechts Gestalt“, so haben wir gerade vorhin im Gloria gesungen.</p>
<p>Lukas überliefert uns hier eine Geschichte, in der Gott in ärmlichsten Verhältnissen Mensch wird. Nicht in einem Palast, wie es einem Gott nach menschlichen Vorstellungen doch gebühren müsste. Sondern in einem Stall. In einer Futterkrippe, in der Stroh liegt.</p>
<p>Ob das nun historisch ganz genau so gewesen ist, wie es uns von Lukas überliefert wird, ist dabei völlig zweitrangig. Wichtig ist, was uns mit dieser Darstellung durch Lukas erzählt wird: Da ist nirgendwo die Rede von einer „stillen Nacht“ oder von einem „holden Knaben im lockigen Haar“, wie die Weihnacht durch ein beliebtes Weihnachtslied süßlich verkitscht wird. Krippe, Stroh, Stall und Windeln sind konkrete Signale aus einer Welt der Niedrigkeit und der Armut. Kein Platz in der Herberge. Obdachlos.</p>
<p><b>Gott ist ein Gott der Notleidenden und Machtlosen</b></p>
<p>Die Geschichte von diesem im Stall geborene Heiland der Notleidenden offenbart deutlich eine Parteinahme für die Namen- und Machtlosen, wie sie uns in den Hirten vorgestellt werden, gegen die mit Namen genannten Machthaber: den Kaiser Augustus und den kaiserlichen Statthalter Quirinius.</p>
<p>Diese Parteinahme deutet sich auch schon im Magnifikat der Maria an, welches bei Lukas kurz vor der heutigen Stelle von der Geburt Jesu steht. Maria sagt dort prophetisch über das Kind, welches in ihrem Leib heranwächst: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.“ Kämpferisch kündigt sich eine Umwertung der auf der gesamten Welt üblichen Rangordnung an.</p>
<p>Dennoch begegnet uns in diesem Kind in der Krippe kein Puppenspieler, keiner, der die Fäden in der Hand hält, an den Strippen zieht und nach dessen Willen alles geschieht. Ja, nicht einmal ein Revolutionär, dem sozusagen die Kalaschnikov schon in die Wiege gelegt wird, wie wir uns einen solchen Revolutionär vielleicht vorstellen würden, wenn wir die eben zitierten Worte von Maria im Ohr haben.</p>
<p>Ist das – trotz der prophetischen Weissagungen der Maria – ein „ohnmächtiger Gott“? Dieses kleine Baby in der Krippe, gerade frisch geboren, hilflos ohne die Zuneigung und Wärme seiner Eltern, genau wie jedes Kind.</p>
<p>Ja! Das ist unser Gott. Ein kleines, ohnmächtiges Kind. Ein verletzliches, verwundbares Leben. Und genau so stellt sich Jesus auch später als Erwachsener auf die Seite derer, die verletzt sind oder in deren Leben etwas verletzt wurde. Obwohl sie so häufig überhört zu werden scheint, ist seine Botschaft überdeutlich: Gott ist auf der Seite der Unterdrückten, der Verletzten, der Armen, der von der Gesellschaft ausgeschlossenen.</p>
<p>Und Gott ist auf der Seite dessen, was verletzlich ist: Liebe und Güte, Barmherzigkeit und Freiheit. Das sind sehr verletzliche Güter, die man wohl bewahren und pfleglich behandeln muss, weil sie sonst sehr, sehr schnell kaputt gehen. <b></b></p>
<p><b>Das Wunder des Alltags</b></p>
<p>Genau das erzählen uns auch die Wundergeschichten, die von diesem Kind bei seinem späteren Auftreten