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	<title>parallelgesellschaften &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/parallelgesellschaften/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "parallelgesellschaften"</description>
	<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 23:53:13 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Sunna: Im Gefängnis der Gewohnheit]]></title>
<link>http://schariagegner.wordpress.com/?p=185</link>
<pubDate>Tue, 05 Feb 2008 21:22:52 +0000</pubDate>
<dc:creator>schariagegner</dc:creator>
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<description><![CDATA[049 
سنة
Sunna: 
Brauchtum, Überlieferung.
Stumpfsinn und Trott 
geben Verlässlichkeit 
Die Leu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:silver;">049 </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:36pt;line-height:115%;font-family:Arial;">سنة</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Sunna: </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Brauchtum, Überlieferung.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">Stumpfsinn und Trott </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:120pt;text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">geben Verlässlichkeit </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:center;" align="center"><span style="font-size:24pt;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:silver;">Die Leute guter Tradition: </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:90pt;text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:48pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#eaeaea;">Ahl al-Sunna </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Sunna: Heiliges Gefängnis </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">bewährter Wiederholung </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:'Bookman Old Style';">Von Cees van de Duin (2008) </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">„Aus Gastarbeitern wurden Türken, aus Türken wurden Muslime“, so nennt Necla Kelek (Die fremde Braut) den Wandel in Fremd- wie Selbstbild „der“ Türken in Deutschland innerhalb der letzten vier Jahrzehnte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die von jedem Auswanderer weltweit zu leistende schwierige Lebensaufgabe des Schaffens einer neuen Identität im Pendelschlag zwischen Heimatsuche und Herkunftskulturpflege, sie wurde im Falle der kleinasiatischen Gastarbeiter und im Fortschreiten über die drei Stufen „Gastarbeiter – Türke – Muslim“ bald von den bürgerkriegsartigen kurdisch-türkischen Konflikten ersetzt und zuletzt, seit zwei Jahrzehnten, von einer bis heute andauernden und überwiegend ohne Murren hingenommenen Theokratisierung und Islamisierung (ab 1979, Iran) überlagert. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Gastarbeiter neben und mit staunenden Wirtschaftswunderdeutschen. Vorbei. Türken neben und mit wohlstandsverwöhnten Deutschen. Auch vorbei. Heute heißt es: Muslime neben und mit Nichtmuslimen. Nunja, Wohlstand vorbei.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Auf mancherlei Art ist dem Muslim sein Muslimsein nach 1979 und erst recht nach 2001 (nine‑eleven) etwas „Neues“, jedenfalls eine etwas anders betrachtete wie zu betrachtende Aufgabe als vor Ayatollah und al‑Qaida. Dieser Aufgabe der Entwicklung eines sprachfähigen Selbstbildes wie eines zugelassenen Fremdbildes werden sich unsere muslimischen Kollegen, muslimischen Nachbarn und muslimischen Mitbürger in baldmöglicher Zukunft offen stellen müssen, um Glaubwürdigkeit zu bewahren oder wiederzuerlangen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Denn in diesen Jahren bauen radikale islamische Gemeinschaften überall in Europa ihre fanatischen und gewaltbereiten Gegenkulturen auf, die die einstige „zweite Stadt“ (Kelek) der Hinterzimmerkoranschulen und Hinterhofmoscheen, der Dönerbuden und der dörflich geprägten Importbräute der achtziger und frühen neuziger Jahre künftig womöglich in ebenso salafistische wie dschihadistische Zonen der Gottesherrschaft, in Siedlungen antidemokratischen Separatistentums umzuprägen trachten. Dann werden die Deutschen beziehungsweise Alteuropäer oder jedenfalls Nichtmuslime dort „zweite Stadt“ sein; ortsweise sind sie es schon.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Von Hasspredigern eifrig unterstützt, bremst das fromme alte Brauchtum der agrarischen Bronzezeit oder der mittelalterlichen extrempatriarchalen Stadtkultur des Islams die Moderne und ihre Menschenrechte aus. Ob missbraucht oder einfach nur gebraucht: Sunna bewirkt Separatismus. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die nichtmuslimischen Europäer, die europäischen Ex-Muslime und längst auch eine kleine aufgeklärte muslimische Minderheit, sie alle erwarten von „den“ Muslimen Europas zu dem in einer schweren Krise des Gesellschaftlichen und Politischen, der Theokratie wie Theologie sowie einer Krise der Glaubwürdigkeit befindlichen weltweiten Islam endlich einmal kritisch Stellung zu beziehen. Die damit derzeit offensichtlich überforderten „geborenen Muslime“ können nichts anderes tun als zu schweigen. Sie kennen den Koran meist nicht und Islam ist für sie das Arrangieren von Ehen und das Abrichten der Kinder hinein in die (Scharia- und) Sunna‑konforme und übersteigert‑männliche oder unterwürfig‑weibliche Geschlechterrolle. Konvertiten zum Islam verstecken sich meist gleich im radikalsten erreichbaren Lager und mauern sich mit Hadithen und Fatwas regelrecht ein. Das Wortgefängnis der deutschen Neo-Muslime, dieser erbärmliche Kerker aus heiligen Schriften. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Muslime müssen lernen, in persönlichen Worten über ihre Religiosität zu reden: Ohne sich hinter irgendeinem Vordenker von der al‑Azhar zu verstecken oder einen Hadith oder Koranvers hervorzukramen. Das allerdings wird noch mindestens einige wenige Jahrzehnte dauern, und vorher ist die Einsicht zu gewinnen und das Bekenntnis zu leisten, dass „der“ Islam der Gegenwart für die kulturelle Moderne nicht gerüstet ist und dass Scharia- wie Fiqh-Islam die Demokratie bedrohlich angreifen. In der Zwischenzeit werden wir Demokraten aller Religion mit dschihadistischen, sprich militärischen paramilitärischen Angriffen auf unsere Lebensweise zu rechnen haben, was ein jedes aufrichtige Gespräch zwischen Christen und Muslimen, zwischen Säkularen und Orientalen spürbar irritiert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:48pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hinter diesen Irritationen liegt durchaus eine Absicht der terrorbefürwortenden islamistischen Radikalen wie auch der nicht gewalttätigen islamistischen Legalisten: Die Kluft zwischen Alteuropäern und zugewanderten oder konvertierten Muslimen um jeden Preis zu vertiefen. Diese Strategie aller Extremisten, auch der alteingesessenen nationalistischen Fremdenfeinde, sie gilt es zu durchschauen, ohne darauf zu verzichten, die grundsätzliche Demokratiefeindlichkeit des politischen Islams bei ihrem namen zu nennen. Ein politischer Islam der Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Säkularität weltweit und total vernichten will. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">Kann der Islam die Demokratie wollen? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Wir Demokraten gleich welcher Religion oder Ex‑Religion müssen von „den“ Muslimen erwarten, den islamischen Apostatenhass und Antisemitismus, die quasi rassistische sakrale Abwertung der Andersgläubigen (Dhimma, Dhimmitude) und die islamimmanente Frauenunterdrückung zum Thema zu machen. Auch die Unart, ein „koranisch rechtfertigbares“ Leben in permanenter neurotische Höllenangst oder ebenso überspannter Paradieserwartung zu leben, passt weder in die Moderne noch in die Demokratie, passt aber sehr wohl zum Polit-Islam und Jihadismus, passt zur Gegengesellschaft theokratischen Tugendterrors. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Zu solchen Forderungen wussten 2007 gute 90 % der mir persönlich bekannten Muslime nichts zu sagen, vielmehr spielten sie erschrocken oder waren dieses auch wirklich, zogen Strickmütze oder Kopftuch tiefer ins Gesicht und entzogen sich auf Wochen oder Monate jedem Gespräch (dabei war ich noch nicht mal beim geleugneten Völkermord an den Armeniern angekommen). Die radikalen Kräfte, inspiriert von Muslimbruderschaft, Salafiyya oder Milli Görüş, sie halten die absolute Mehrheit der Muslime an den vier Marionettenfäden von Sunna, Scharia, Kalifat und Paradies. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">So wird für nichtmuslimische Demokraten die Zeit für einen echten Dialog mit Muslimen „auf gleicher Augenhöhe“ an vielen Stellen in Europa noch nicht gekommen sein und bleiben die meisten der heutigen christlich‑islamischen Begegnungen Beschwörungs- und Beschwichtigungsprojekte „geisterhafter Wirklichkeitsverdünnung“ (Schwanitz). Es sieht ja so putzig aus: Imam und Pfarrer gemeinsam auf dem Bild in der Provinzzeitung. Differenz, Dialog, Diversity. Der künftige Dhimmi in klerikaler Soutane lächelt allerdings schon etwas gequält? Klare Worte, um Sunna und Scharia zu kritisieren oder die „Ehrenmorde“ und arrangierten Ehen der Stadt oder Region anzusprechen wird unser Pfarrer nicht finden. Er will ja nicht beleidigen, und Muslime sind ja sehr schnell beleidigt. Das ist interkulturell bekannt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Fromme Muslime müssen dulden, dass die islamische Alltagskultur der Gewalt in der Kindererziehung und der Ehe, ihre Praxis der arrangierten Ehen sowie ihre grundsätzlich und in problematischer Größe vorhandene islamische Demokratiefeindlichkeit kritisiert wird. Sie werden dulden müssen, dass ihre Folklore der „religiösen“ Kriecherei (bei jahrhundertelang eingeübter sofortiger und blutiger Verfolgung jedes Kritikers von Koran, Scharia, Fiqh oder Sunna) endlich weltweit thematisiert wird. Oder auch, wie im Falle der erfrischenden dänischen Karikaturen, künstlerisch bearbeitet oder auch verspottet wird. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:48pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die ersten nichtmuslimischen Europäer, so ärgern sich die verschiedenen, um Deutungshoheit rangelnden Kartelle islamischer Wortführer, sie maßen sich denn auch an, völlig unautorisiert über die Schönheiten der Dhimma, die Gerechtigkeit schaffendenden Todesfatwen und die frommen Apostatenmorde zu denken und zu schreiben. Indes wohl weit mehr als 90 % der europäischen Muslime nach wie vor auf der kulturell vormodernen und seelisch unreifen Haltung beharren, den Koran wörtlich nehmen zu dürfen und für letztlich jede persönliche Entscheidung im Hier und Heute, soll sie wirklich gottgefällig sein, sklavisch irgendeinen wiederholenden “Wissenden” nach einer rechtleitenden Fatwa zu fragen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">Kann der Islam die Demokratie wollen? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Es darf keine Neuerung geben. Novophobie sozusagen. Strenge Muslime berufen sich dabei etwa auf Imam Malik (Malik ibn Anas, Medinah), der jede Neuerung zum Verrat am Propheten erklärte, mehr noch: Der dem Neuerer vorwirft, gleichsam zu sagen, der Prophet habe den Glauben verraten. Frevel, Blasphemie, Ungeheuerlichkeit. Also keinerlei frevlerische Neuerung bitte sondern bei Brauchtum und Überlieferungen bleiben. Beharrlich bei der Sunna bleiben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Besser geht es nicht. Der wahre Islam ist die vollkommenste Lebensweise für alle Menschen, er allein stellt Gerechtigkeit her. Du bist doch nicht gegen Gerechtigkeit? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Am Nervengeflecht der Theokratie eine Ergänzung oder Abwandlung vorzunehmen wäre frevlerische „Neuerung“, wäre Bida’a (geschrieben auch Bida oder Bidaah). Da sei die Sunna vor. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Rätselhafterweise stehen rückwärtsgewandte oder sonstige fundamentalistische Milieus des radikalen Islams dem technologischen Fortschritt aufgeschlossen gegenüber. Ganz anders als etwa die jede moderne Technik eher ablehnenden christlichen Hutterer oder Amish. Die sich ergebende merkwürdig anmutende Gespaltenheit der Islamisten: Technische Neuzeit, spätantik-manichäisches Gottesbild und mittelalterliche Geschlechterrollen, sie lassen sich passend mit dem Begriff „halbierte Moderne“ (des meist überschätzten Ulrich Beck) beschreiben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Keine Neuerung, keine Bida’a. Der Hadith oder die Fatwa erspart das Nachdenken. Sehr energiesparend. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Andere Denker wie as‑Schafi’i (Muhammad ibn Ildris as‑Schafi’i) unterschieden zwischen guten und schlechten Neuerungen, wobei gut nur das war, was nicht gegen Scharia und Sunna stand. Nicht eben flexibel. Für Autofahren, Moscheelautsprecher und Handy-Klingeltöne gab es flugs die passende Fatwa. Damit das Textgefängnis wasserdicht ist. Damit keiner ausbricht. Nebenan schnurrt die Nähmaschine und näht sich die exdemokratische Neomuslima ihre rabenschwarze Burqa. Mit Niqab. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:48pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Eine türkische Frau irgendwo in Deutschland besucht die nichtmuslimische Nachbarin durchaus, wenn es sich denn nicht vermeiden lässt, nimmt aber dazu einen Beutel Zwiebeln mit, um ein Alibi zu haben. Als Müßiggängerin, die ihren Haushalt vernachlässigt, darf sie ja nicht dastehen, bei den im Vergleich zu Muslimen und aus der Sicht der Scharia rechtlich wie moralisch minderwertigen Dhimmis hat sie nichts zu suchen: Sie könnte ins Gerede kommen. Was für sie nicht ungefährlich ist und was vor allem den Wert ihrer Tochter mindert. Und das wäre etwa so wie der Börseneinbruch für den Aktienbesitzer. Eine muslimische Frau hat andere Frauen zum „sinnlosen“ Plausch oder Kaffeeklatsch nicht zu besuchen. „Ur-deutsche“ (Seyran Ateş) Frauen mögen eine gemeinsame Fahrradtour unternehmen oder sich in der städtischen Öffentlichkeit in ein Straßencafé setzen. Das ist für Türkinnen in Deutschland leider und skandalöserweise immer noch nicht möglich, sie würden von den vor Teestuben oder an Straßenecken wachenden Männern verraten und werden dann üblicherweise von ihren eigenen Mahrams (Männern der der Familie) brutal verprügelt. Natürlich halten diese Frauen die von ihnen erwarteten Rollen völlig freiwillig ein: Nur aus Liebe zu Allah, werden sie stets betonen, befolgen sie die strengen Lebensregeln der Kultur der Scharia. Nur um Hassanat zu sammeln. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:14pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">Hassanat sammeln </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hassanat sind die himmlischen Bonuspunkte. Hast du genug Hassanat, brutzelst du nicht im koranisch festgelegten Höllenfeuer. Hast du nicht genug Hassanat, kommst du nicht ins Paradies. Kurzum: Ob unter dem Niqab, dem Gesichtsschleier, gleich auch blaue Flecken verborgen bleiben: Die fromme muslimische Frau muss einen Glaubenseifer völliger Freiwilligkeit beweisen, denn auf die aufrichtige Niyya (geschrieben auch Niya), das ist die Absicht oder Intention, auf sie kommt es nun einmal an, damit die Hassanat, die Zahl der Pluspunkte, stimmt. Für Mutter oder Ehemann ist das praktisch, sie können ihre Tochter oder Frau verprügeln, wie sie es für angemessen halten, wenn es etwa um bedrohte Sittlichkeit, nicht eingehaltene Gebete oder fehlende Kopftücher geht: Es gibt ja keinen Zwang im Glauben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Kultur der Sunna. Ist sie nicht längst eine Gegenkultur geworden, ein islamistisch-antidemokratisches Milieu, in dem Schritt für Schritt und Straßenblock für Straßenblock die Selbstverständlichkeiten der Demokratie außer Kraft gesetzt werden, soweit letztere überhaupt jemals in den ungebildeten Einwandererfamilien wirksam gewesen sind? Auf gewisse Weise nämlich scheint es falsch, überhaupt von Einwanderern zu reden: Mental sind zwei Drittel der Türken niemals ausgewandert. Das sind keine Einwanderer nach Deutschland oder Europa, weder die gekauften „fremden Bräute“ (Necla Kelek) aus Anatolien oder aus dem Istanbuler Elendsviertel noch die neuerdings importierten bärtigen Salafisten aus Nordafrika oder die kitteltragenden radikalen Pakistanis: Die wollen nicht nach Europa! Die wollen ins Paradies. Dazu brauchen sie das Kalifat. Und dazu wiederum die islamische Pflichtenlehre, die Scharia. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Gegenkultur Sunna. Bida’a-frei versteht sich. Für Konvertitinnen zum Islam mögen sich Scharia (gottgegebene Richtlinien) und Fiqh (menschliche Rechtsfindung) mit marxistischer Kapitalismuskritik, romantischer Zivilisationskritik und deutscher wie demokratischer Identitätsschwäche mischen, mit Schuldkult, Altruismus oder blinder Fremdenliebe. Sie tragen in diesen Jahren ihren nicht unerheblichen Teil zu Aufbau und Verfestigung von Strukturen der Scharia in Alltagsleben und Bewusstsein der Bewohnerschaft ganzer Straßenzüge bei, sie waren und sind beispielsweise Vorkämpferinnen an der Kopftuchfront. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Von wenigen Muslimas und Muslimen abgesehen ironisieren und untergraben die derzeitig verbreiteten Interpretationen von Sunna die Demokratie. Die Pakistanis in England, die Marokkaner in Holland, die Algerier und Frankreich und die Türken in Deutschland: Man schottet sich mit „Sunna, Brauchtum“ ab, wobei diese „Sunna halbierter Moderne“ attraktiv mit gegenkulturellem Charme kokettiert: Man ist antibürgerlich, antiwestlich, fremdenfreundlich, globalisierungskritisch, gemeinschaftsorientiert. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Goldziher (1850-1921) übersetzt einen Hadith wie folgt: </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;margin:0 0 24pt 35.4pt;"><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial;">„Fürwahr, die wahrhafteste Mittheilung (<em>a</em></span><em><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Tahoma;">ṣ</span></em><em><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial;">daq al-</span></em><em><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Tahoma;">ḥ</span></em><em><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial;">adith</span></em><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:Arial;">) ist das Buch Allah’s, die beste Leitung ist die Leitung Muhammed’s, das schlechteste der Dinge sind die Neuerungen, jede Neuerung ist Ketzerei und jede Ketzerei ist Irrthum und jeder Irrthum führt in die Hölle.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hadithe und Fatwen sind die Ketten, die jedes freie Denken fesseln. Die derzeitig mögliche Sunna aber ist der Beton der europäischen Parallelkultur oder vielmehr Gegenkultur, des werdenden Gefängnisses einer separatistischen islamischen Gesellschaft. Sie würde eine nachdemokratische Gesellschaft sein, jedenfalls eine außerdemokratische. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Der Gegenbegriff zu frommem Brauch ist frevlerische Neuerung. Das Antonym zu Sunna ist Bida’a. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Bleiben für Deutschlands und Europas Muslime die Rechtsgleichheit für Mann und Frau, die sexuelle und religiöse Selbstbestimmung, die Meinungsfreiheit oder die säkulare Demokratie nichts als ketzerische Bida’a? Wie kann und wie darf die Sunna aussehen, die Europas Muslime sich – und uns – aufbauen möchten? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die Differenzialisten (jene Schariafreunde, jene mit der Diversity) werden argumentieren, wir Islamkritiker würden uns in „fremde Angelegenheiten“ einmischen und die „Souveränität“ einer Religion einschränken. Bei Missmut folgt eine Prise an Rassismusvorwurf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Wir sehen durch den sakralen Stumpfsinn einer seit vierzehn Jahrhunderten versteinerten Sunna die universellen Menschenrechte gefährdet. In der bedrohlichen Vision von halbautonomen islamisierten Zonen, in theokratisch befreiten schariatischen Inseln innerhalb einer rechtlich wie territorial reichlich durchlöcherten Rumpfrepublik erscheint uns für Europa durchaus ein islamisches Umweltrisiko zu bestehen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;">
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Die erwähnte türkische Nachbarin mit den Zwiebeln, die mit den aus islamischer Sicht minderwertigen und überwiegend fürs Höllenfeuer bestimmten Deutschen ohne triftigen Grund nicht reden darf? Sie, in Deutschland geboren und aufgewachsen, ist um 1990 als sechzehnjährige Schülerin in den Sommerferien in der Türkei verheiratet worden, mit einem Mann, den sie gar nicht gekannt hat und der im folgenden Jahrzehnt Behörden durch körperliches Misshandeln seiner Frau und mancherlei Straftaten auffiel. Auch solche Zwangsehen und die ihnen zugrundeliegenden Leitbilder von sozialem Geschlecht (englisch: Gender) sind selbstverständliches und unhinterfragbares Sunna-Brauchtum. Ob ihre Tochter etwas mehr Freiheiten haben wird als sie selbst? Noch geht die Tochter zur deutschen Schule. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Nein, auch das Kind wird sich ihren Lebenspartner vermutlich nicht aussuchen dürfen. Unverheiratet zu leben oder gar gleichgeschlechtlich, das verstößt gegen Allahs Sunna, da gibt es ohne Frage entsprechende Hadithen von „beweiskräftigem Isnad“, das heißt von gesicherter Überlieferung. Wir werden erwarten müssen, dass sexuelle Selbstbestimmung einschließlich homosexueller Lebensweise als gottgefällige Sunna akzeptiert wird, mit oder ohne Hadithen. Weil sich dazu aber, sei es aus Kriecherei, Verbohrtheit oder aus Feigheit, kein islamischer Geistlicher durchringen kann, bleibt uns die Sunna als ein katastrophaler Abgrund erhalten, der die islamischen Gesellschaften von der kulturellen Moderne trennt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Im türkischen heißt Sunna „sünnet“ und es ist alles andere als Zufall, dass nicht nur Prophetenbiographie oder Hadithe Sünnet sind, sondern dass auch die im Islam leider immer noch obligatorische, auf sexualmagischen Gebärneid steinzeitlicher Jägerbünde (Bruno Bettelheim) zurück gehende Jungenbeschneidung mit dem Wort Sünnet bezeichnet wird. Die durch die Assalaam-Foundation im indonesischen West-Java organisierten Massenbeschneidungen an (Jungen und) Mädchen werden dort auch ganz selbstverständlich unter Brauchtum, Sunna eben, verbucht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Sunna oder Sünnet wird innerseelisch unweigerlich mit dem Alltag von Dorf und Großfamilie verschmelzen: Mit der persönlichen Erinnerung an die eigene Kindheit, die wir Menschen in unserem Bewusstsein lebenslang und ungefähr so mit uns herum tragen, wie die Schnecke die kleinsten, ältesten Windungen ihres Schneckenhauses mit sich trägt. Für Muslime wird damit die Schwierigkeit, sich von der vormodernen derzeitigen Sunna zu emanzipieren mit darin liegen, Großeltern und Eltern als fehlbare Menschen zu erkennen, als Menschen, die aus Angst vor der Hölle, vor sozialer Ausgrenzung oder einfach aus Sorge vor Prügelstrafe nicht in der Lage waren und sind, Erziehungsstil und Lebensweise an die kulturelle Moderne anzupassen. Wie jeder sich über mehrere Generationen erstreckende Fundamentalismus „vergoldet“, verklärt das Dogma der Sunna Kindheit und Kinderstube und lässt irgendwelche ersten Zweifel in Bezug auf die oft mehr als fragwürdige „gute Absicht“ der Großeltern und Eltern, für den jungen muslimischen Menschen doch „stets nur das Beste“ gewollt zu haben, zumeist gar nicht erst aufkommen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial','sans-serif';">Sunna beziehungsweise Sünnet heißt: Weiterdenken verboten. Sunna ist die im weltweiten islamischen Fahrzeug eingebaute Fortschrittsblockade oder Entwicklungsbremse. Die es argumentativ wie strukturell anzugreifen gilt (etwa: Stundenweises Kopftuchverbot, Stunden koedukativen Lebens), für innerislamische Reformkräfte wie für islamkritische Nichtmuslime. Wir müssen das Brauchtumsgefängnis sprengen: Den Kerker der anti-individualistischen und antidemokratischen Sunna. Das sollte ich eigentlich dem örtlichen Imam mitteilen. Vielleicht liest er ja diese Zeilen und beginnt, nachzudenken. </span></p>
<p><span style="font-size:12pt;line-height:115%;font-family:'Bookman Old Style';">Cees van de Duin </span></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[029. Hatun Sürücü. Ihr Kampf für ein selbst bestimmtes Leben]]></title>
<link>http://eifelginster.wordpress.com/2007/11/29/029-fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/</link>
<pubDate>Thu, 29 Nov 2007 21:06:36 +0000</pubDate>
<dc:creator>Cees</dc:creator>
<guid>http://eifelginster.wordpress.com/2007/11/29/029-fur-ein-selbst-bestimmtes-leben-%e2%80%93-nicht-erst-im-paradies/</guid>
<description><![CDATA[029 
Patriarchat Parallelgesellschaft 
Hatun 
Sürücü 
Gegen die 
Unkultur des Schweigens 
Ümmüh]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:silver;">029 </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:120pt;text-align:right;line-height:115%;" align="right"><span style="font-size:16pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#ff9900;">Patriarchat Parallelgesellschaft </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:36pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#dddddd;">Hatun </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:60pt;text-align:center;line-height:115%;" align="center"><span style="font-size:24pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:silver;">Sürücü </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:18pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Gegen die </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:12pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:18pt;line-height:115%;font-family:'Arial Rounded MT Bold';color:#333399;">Unkultur des Schweigens </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:11pt;line-height:115%;font-family:'Bookman Old Style';">Ümmühan Karagözlü </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hatun Aynur Sürücü war das 5. von 8 Kindern der Familie Sürücü, das älteste Mädchen. Schon sehr früh war sie eine starke Persönlichkeit, die sich als Jugendliche das Recht nahm zu fragen, zu zweifeln und zu widersprechen. Ihr Vater behauptete, dass daran der demokratische Unterrichtsstil der Schule und der Kontakt zu den SchulkameradInnen schuld seien. Daher meldete er die erfolgreiche Schülerin in der 8.Klasse des Robert Koch Gymnasiums von der Schule ab, um sie bald darauf mit 16 Jahren an einen Cousin zwangszuverheiraten. Die Lehrer und die Schulleitung hinterfragten die Entscheidung, die Schulausbildung abzubrechen, nicht. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Das Paar lebte bei der Familie des Mannes im kurdisch geprägten Teil Nordanatoliens in der Türkei, das die ehemalige Heimat der Brauteltern war. Wenn Hatun Aynur auch aus einer ähnlich streng patriarchal-muslimisch orientierten Familie stammte, hatte sie in Berlin wenigstens noch die ehemaligen MitschülerInnen und das Großstadtmilieu einer Weltmetropole, um ab und an der familiären Enge zu entfliehen. Hier, in der dörflichen Abgeschiedenheit der kurdischen Steppe hingegen war der Alltag ausschließlich durch die harte Handarbeit im Haus und auf dem Feld sowie die traditionellen Genderbilder und die vormodernen Regeln des Clans bestimmt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Jeder Tag glich dem anderen, man sah immer die gleichen Leute, die aus den gleichen Familienstrukturen kamen, man redete immer über die gleichen Themen. Für eine sehr junge Frau, die an hektische Betriebsamkeit, technischen Fortschritt, bunte Schaufenster, pünktliche, öffentliche Verkehrsmittel, Begegnung mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und Lebenswelten sowie ständigen Wandel gewöhnt war, eine schier unerträgliche Monotonie. Zu allem Überfluss wurde die jungendliche Ehefrau schwanger, bevor sie auch nur eine geringe Chance gehabt hätte, sich einzugewöhnen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Es dauerte daher nicht lange, da hatte sie sich so sehr mit ihrem Ehemann und dessen Familie zerstritten, dass die von schrecklichem Heimweh geplagte  werdende Mutter allen Mut zusammennahm, sich trennte und fluchtartig zu ihrer Ursprungsfamilie nach Deutschland zurückkehrte. Kurze Zeit später brachte Hatun Aynur ihren Sohn Can zur Welt. Für sie begann nun ein völlig neuer Lebensabschnitt, weshalb sie sich selbst den zweiten Vornamen Aynur (Mondlicht, hell leuchtend wie der Mond) gab. Nach der Geburt lebte die junge Mutter für eine Weile gemeinsam mit dem Säugling im Haushalt ihrer Eltern. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Doch auch hier in Berlin schränkten die extrem traditionellen Ansichten über Familie, Mutterschaft, weibliche Lebensentwürfe und Geschlechterrollen die gläubige Muslima, jedoch selbstbewusste Persönlichkeit extrem ein. Besonders widerstrebte ihr die in diesen Familienstrukturen übliche Kontrolle unverheirateter Frauen. Konnte sie früher durch den Schulbesuch wenigstens zeitweise ausweichen, war sie jetzt, als ledige Mutter ohne Schutz ihres Ehemannes, den sie ohne einen von der Scharia erlaubten Entschuldigungsgrund verlassen hatte, sehr strengen Vorschriften ausgesetzt. Diese symbolischen Fesseln des Gefängnisses Familie konnte sie nicht auf Dauer ertragen, verließ auch ihre Ursprungsfamilie im Streit und zog mit ihrem Baby in ein Wohnheim für junge Mütter. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben wirklich frei von Überwachung und gängelnder Bevormundung, bemühte sich Hatun Aynur ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu organisieren. Brauchte sie zu Anfang noch psychologische und sozialpädagogische Unterstützung, gelang es ihr zunehmend besser, Eigenverantwortung zu übernehmen. Neuen Herausforderungen wie der Führerscheinprüfung stellte sie sich zunehmend selbstsicher, der bestandene Hauptschulabschluss, den sie nachgeholt hatte, war ein besonders wichtiger Meilenstein in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. War ihr langes, dichtes Haar sie zu diesem Zeitpunkt gänzlich bedeckt, lehnte sie von da ab das Tragen eines Kopftuches ab, verbannte die fußlangen Mäntel und unvorteilhaften Kittel in die Mottenkiste, kleidete sich modern, schminkte sich manchmal, schnitt die Haare kurz und tönte sie. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Nun fühlte sie sich stark genug, eine eigene Wohnung zu suchen, begann eine Lehre als Elektroinstallateurin und fand in dem von Männern dominierten Beruf schnell ihren Platz. Sie schloss die Lehre erfolgreich ab und stand Anfang 2005 sogar kurz vor ihrer Gesellenprüfung. Vier Jahre hatte sie trotz der zusätzlichen Belastung als berufstätige Hausfrau und allein erziehende Mutter durchgehalten, soviel Energie, Zielstrebigkeit und Lerneifer bringt nur jeder zweite Jugendliche trotz einfacherer Lebensumstände auf. Sie war so stolz auf sich, aus eigener Kraft ihr Leben zu meistern, dass sie auch ihre Familie an ihrer Freude Anteil nehmen lassen wollte und wieder Kontakt aufnahm, obwohl sie von Freunden gewarnt worden war. Es lag der mutigen Pionierin wirklich viel daran, von ihren Eltern und Geschwistern nicht als widerspenstige Rebellin und missratene Tochter/Schwester, sondern als eigenständiger, entscheidungsfähiger Mensch mit dem Anrecht auf eine individuelle Biographie akzeptiert zu werden. Sie ging daher das Risiko ein, die Schwestern hin und wieder zu sich einzuladen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Später gelang es ihr sogar, das Verhältnis zur Mutter zu bessern und sich mit ihr öfter in einem Cafe zu treffen. Sie hatte dann meist auch ihren Sohn mit. Nach einiger Zeit besuchte der Junge die Großeltern regelmäßig in deren Wohnung. Dass sie selbst, wenn sie Can brachte oder abholte nicht mit herauf kommen durfte, sondern vor der Tür draußen warten musste, kränkte sie zwar, doch nahm sie es hin und hoffte auf die Zukunft. Schließlich hatte sich in den letzten Monaten die Beziehung zu den Verwandten unerwartet positiv verändert, warum sollte da eine weitere Normalisierung ausgeschlossen sein? Diese Einschätzung war allerdings sehr optimistisch und ließ außer Acht, dass Menschen sich und ihre Einstellungen nur dann zu ändern bereit sind, wenn sie einen Gewinn darin sehen, sich die Mühe zu geben, Eingeübtes, leicht von der Hand Gehendes aufzugeben und Neues zu wagen. Hatun Aynurs Gewinn war Lebensqualität im Hier und Jetzt. Ein solcher, wie auch immer gearteter Bonus war für die Familie nicht sichtbar. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Can, mittlerweile fünf Jahre alt, war der stark an die Mutter gebundenen Kleinkindphase entwachsen. Seine Aufnahme in die ’muslimischen Männerwelten‘, symbolisiert durch das islamische Beschneidungsritual, die Sünnet, stand kurz bevor. Deshalb das starke Interesse der Familie an den Besuchen des Jungen, ein in diesem Moment besonders willkommenes Faustpfand für die Tradierung ihrer Lebenskonzepte. Das für konservativ denkende Muslime provokant individualistische Auftreten ihrer ältesten Tochter gefährdete die patriarchale Hierarchie und stellte die lebensfeindliche, ausschließlich auf die Freuden im Jenseits orientierte Auslegung des Islams in Frage. Die Gefühlskälte und Distanz, die ihr entgegen gebracht wurden, erleichterte einerseits den Umgang mit der Tochter / Schwester, die sie irgendwie doch liebten, andererseits resultierten sie aus der Verachtung ihrer Person. Zumindest der Vater und die älteren Brüder nahmen den häufigeren telefonischen und den meist auf die engsten weiblichen Verwandten beschränkten persönlichen Kontakt lediglich billigend in Kauf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Hatun Aynur hatte ihre Aufgabe als Söhnchenfabrik (Hirsi Ali) und Garantin einer natürlichen, gesunden psychischen und physischen Entwicklung des kleinen Can erfüllt. Als weiterhin wichtige Sozialisations- und Erziehungsinstanz ihres Sohnes und eventueller weiterer Nachkommen war die junge Frau nach Ansicht ihrer zahlreichen konservativen Verwandten denkbar ungeeignet. Die experimentierfreudige, junge Berlinerin weigerte sich selbstbewusst, die ihr im Clan verpflichtend zustehende Rolle in der kulturell-vormodernen, fundamentalistisch-religiösen Weise ihrer Eltern auszufüllen. Ohne traditionelle Rollenzuteilung, die ihrerseits dazu dient, überlieferte Verhaltensmuster und Handlungsoptionen weiterzugeben, eine damit nicht unwichtige Aufgabe jeder Frau im Patriarchat, war sie wertlos und sogar eine Bedrohung für die vormodernen Lebenskonzepte sowie deren Festigung. Sie war eine ständige Gefahr für die fetischisierte Familienehre. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die Sürücüs standen daher nicht nur durch den nordanatolischen Zweig ihres Clans unter hohem moralischem Druck. Ihr Selbstverständnis, das durch die Auslegung eines Islams, der das Leben nach dem Tod verklärt sowie durch die wörtlich umzusetzende Scharia geprägt wurde, hatte immens gelitten. Von der Richtigkeit und Allgemeingültigkeit ihrer fundamentalistischen Glaubensauslegung überzeugt, wiesen sie jede liberalere Deutung des Korans als Häresie weit von sich. Versetzt man sich in ihre Denkstrukturen, hätten sie tatsächlich in erzieherischer Hinsicht als Eltern und ältere Geschwister, auch die erziehen in muslimischen Familien, total versagt, aber auch als Gläubige, vor sich selbst, vor der muslimischen Gemeinde und vor Allah sich schwer versündigt. Es war ihnen nicht gelungen, die von ihnen gelebten Traditionen an ihre älteste Tochter weiter zu geben, damit die sie an ihre Kinder weitergibt. Da Frauen sowieso äußerst selten ins Paradies kommen, sie verbreiten Fitna und sind unrein, gefährdeten vor allem die Männer ihr ersehntes Ziel, das Paradies. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Als Hatun Aynur nach einer die Ehre beider Familien verletzenden, nicht durch die Scharia abgesegneten Trennung von ihrem Mann nun wieder in der Kreuzberger Community lebte, in der man die Eltern und Brüder natürlich gut kannte, und es wagte, nach der Geburt ihres Sohnes sich im Streit auch von ihnen, ihrer Ursprungsfamilie, zu trennen, um beruflich wie privat sehr neue  Wege zu gehen, erhöhte das die Unzufriedenheit und den moralischen Druck, dem die Familie sich selbst aussetzte, der aber auch von Außenstehenden an sie weitergegeben wurde. Hier war nicht nur die Ehre zweier Familien auf besonders respektlose Weise gekränkt worden, sondern die Ümmet (Umma), der Islam und damit Gott, ein Hadd-Vergehen, das laut Scharia die Tötung nach sich ziehen kann. Tatsächlich nahm spätestens mit der beginnenden Ablösung Cans aus dem alleinigen Schutz und Verantwortungsbereich seiner Mutter eine verhängnisvolle Entwicklung ihren kaum mehr aufzuhaltenden Ablauf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Vermutlich hat der Familienrat, veranlasst durch die kurz bevorstehende finanzielle Unabhängigkeit bei Überreichung des Gesellenbriefes an die zielstrebige, integrationswillige junge Frau, in einer heimlich abgehaltenen Sitzung den baldigen Tod der 23jährigen beschlossen, deren einziges ’Vergehen’ es war, als Deutsche kurdischer Abstammung, sie hatte die deutsche Staatsbürgerschaft, zu leben wie eine Deutsche. Üblicherweise sind bei Morden wegen Hadd-Vergehen mehrere Verwandte, meist die Brüder, beteiligt. Das verteilt die Schuld auf mehrere Schultern, stärkt die verschworene Gemeinschaft, den Männerbund, und … macht voneinander abhängig: jeder Einzelne ist durch den anderen erpressbar. Meist meldet sich ein Minderjähriger oder gerade Achtzehnjähriger ’freiwillig’, das Verbrechen durchzuführen, weil Jugendliche und in der Regel auch noch Heranwachsende (bis 21) wegen der als geringer einzuschätzenden Einsichtsfähigkeit nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden und mit weniger harten Strafen zu rechnen haben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Nach den Ermittlungen der Polizei und den Aussagen in der folgenden Hauptverhandlung lief wahrscheinlich auch in diesem Fall alles nach dem alt bekannten Schema ab. Danach hat der älteste Bruder, Mutlu, die Pistole besorgt, der mittlere stand wohl Schmiere, der jüngste, Ayhan, gerade achtzehnjährig, hat seine Schwester erschossen. Warum Ayhan seine Freundin Melek, die er heiraten wollte, in das Mordkomplott einweihte, ist unbekannt. Vielleicht belastete ihn die Vorbereitung der Tat so sehr, dass er mit jemandem reden musste, dem er vertraute, vielleicht war es Taktik, weil Ehefrauen nicht aussagen müssen. Er fragte Melek, ob sie bereit sei, ihn nach der Tat zu heiraten und mit ihm gemeinsam Can, Hatun Aynurs kleinen Sohn, aufzuziehen. Wie die junge Berlinerin im späteren Prozess aussagte, meinte sie sich verhört zu haben. Der vor einer Sekunde noch so vertraute, geliebte junge Mann erschien ihr plötzlich völlig fremd. Sie musste sich verhört haben. Doch da zeigte ihr Ayhan die Einschusslöcher in dem alten Blechmülleimer. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Ihr angebeteter zukünftiger Ehemann ein Mörder? War der attraktive junge Mann, den sie anhimmelte, ein potentieller Schwesternmörder? Wollte er ihr mit den Löchern im Eimer beweisen, wie ernst es ihm mit dem Mord war? Wollte er sie gar einschüchtern? In welche Familie war sie im Begriff einzuheiraten? Sie wusste, wie strenggläubig die Sürücüs waren, doch die eigene Schwester zu töten, weil sie vorzog, wie eine Deutsche zu leben? Wer in der Familie wusste Bescheid, war Hatun Aynurs kleine Schwester Arzu, die damals ihre beste Freundin war und durch die sie Ayhan erst kennen gelernt hatte, eingeweiht? Wie oft sagt man wütend, die oder den könnte ich umbringen, führt die Tat jedoch nicht aus! Glaubhaft, dass Melek nicht wusste, was sie denken sollte. Total verzweifelt beschloss die junge Frau mit niemandem zu reden. Auch wagte sie nicht, Azur ins Vertrauen zu ziehen, Natürlich hätte sie sofort bei der Polizei aussagen müssen. Sie schwieg. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Vielleicht sagte sie auch nicht aus, weil sie schreckliche Angst um ihr eigenes Leben hatte, immerhin war der achtzehnjährige junge Mann in Besitz einer Schusswaffe und plante einen Mord. Würde man ihr überhaupt glauben? Welche Beweise hatte sie? Einen durchlöcherten Mülleimer? Lächerlich! Den kann jeder als Zielscheibe benutzt haben. Sie hatte weder gesehen, dass ihr künftiger Schwager Mutlu die Waffe besorgt hatte, noch war sie Augenzeugin bei den Schießübungen. Selbst wenn Ayhan persönlich den Müllbehälter verbotener Weise für Zielübungen zweckentfremdete, eine Tötungsabsicht ließ sich damit allein sicher nicht beweisen. Wie hätten die Sürücüs reagiert, wenn sie, die als zukünftige Schwiegertochter galt, auf Grund eines vagen Verdachtes ihren Sohn, der ihr, Meleks, zukünftiger Ehemann werden sollte, angezeigt hätte? Sicher hätte der Ehemann ’in spe’ seine künftige Braut verachtet. Wäre die Polizei in der Lage, sie zu schützen, wenn der Verdacht sich als stichhaltig erweisen würde? Ähnliche Gedanken müssen ihr durch den Kopf gegangen sein. Sie muss sehr verzweifelt gewesen sein. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Am 7. Februar 2005, kurz vor 21 Uhr wurde Hatun Aynur Sürücü an der Bushaltestelle vor ihrer Wohnung auf offener Straße durch 3 Schüsse aus nächster Nähe von ihrem Bruder Ayhan niedergeschossen und getötet. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Man hatte alles bis aufs Kleinste geplant, wie wir wissen, war auch die Zukunft des kleinen Jungen geregelt. Am Tag nach dem Mord waren Ayhan und Melek verabredet. Wie die verzweifelte junge Frau, die vom gewaltsamen Tod Hatun Aynurs gehört hatte, später in der Verhandlung zugibt, habe sie zwar Böses ahnend, jedoch noch immer völlig ungläubig ihren Freund gefragt, ob er den Mordplan tatsächlich ausgeführt habe. Dieser gab die Tat zu. Nach der neuen goldenen Uhr gefragt, antwortete der Schwesternmörder, er habe den Wertgegenstand am Mordabend auf seinem Nachttisch gefunden. Was in diesem Moment in der jungen Frau vorgegangen sein muss, die um die Bedeutung eines solch kostbaren Geschenkes wusste, können wir nur ahnen. Sicher ist, dass sie noch größere Angst gehabt muss, weil sie immer noch nicht zur Polizei ging. Als sie wenige Tage nach dem Mord ihren damaligen Freund auf dessen Wunsch zur Polizei begleitete, wurde auch sie befragt. Sie sagte zunächst nicht alles, was sie wusste. Nur weil ihre Mutter, die Melek von der Polizei abholte, die, wie sie bei Gericht zu Protokoll gab, ihre Tochter noch nie in einem solch erbärmlichen Zustand, schneeweiß im Gesicht und total verstört, ausfragte, war die Jugendliche der emotionalen Belastung nicht mehr gewachsen und brach ihr Schweigen. Erst jetzt traute sich Melek, die volle Wahrheit auch der Polizei zu Protokoll zu geben. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">In dem anschließenden Prozess vor dem Berliner Landgericht sagte die ehemalige Freundin des Täters, geschützt durch eine kugelsichere Weste und drei Polizeibeamte in Zivil, als Hauptbelastungszeugin aus. Alles, was wir über Tatvorbereitung und Tatmotiv wissen, haben wir wieder einmal zwei Frauen zu verdanken, die, obwohl ihr Leben total aus den Fugen geraten ist und sie im Zeugenschutzprogramm leben, den Mut aufbrachten, die Mauer des Schweigens zu brechen. und uns Einblick in eine Welt geben parallel zu unserer Welt. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Solange die islamische Geistlichkeit nicht alternative Sichtweisen und sogar das Abtrünnig‑Werden aus der Religion ausdrücklich gestattet, so lange wird die islamische Wagenburg der Großfamilie ihren Kindern das Beschreiten eines eigenen Lebensweges untersagen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;">Die kulturelle Moderne muss universelle Menschenrechte durchsetzen und darf Niemandem, auch keinem Kollektiv, Sonderrechte gewähren. Internationale Frauentage und Aktionstage gegen häusliche Gewalt dürfen keine Schaufensterveranstaltung sein. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:18pt;text-align:justify;line-height:120%;"><span style="font-size:12pt;line-height:120%;font-family:'Bookman Old Style';">Ümmühan Karagözlü </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-bottom:24pt;text-align:justify;line-height:115%;"><span style="font-size:13.5pt;line-height:115%;font-family:Arial;"><span> </span><span> </span></span></p>
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