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	<title>neuer-atheismus &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/neuer-atheismus/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "neuer-atheismus"</description>
	<pubDate>Mon, 07 Jul 2008 12:12:42 +0000</pubDate>

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<item>
<title><![CDATA[Die neue Lust der Atheisten]]></title>
<link>http://brightsblog.wordpress.com/?p=1097</link>
<pubDate>Sat, 24 May 2008 11:44:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>nickpol</dc:creator>
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<description><![CDATA[ Von Alexander Kissler - Die Tagespost
Ob es die britische Erlaubnis zur Chimärenzucht ist, oder di]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://brightsblog.wordpress.com/files/2007/06/vormarsch.jpeg"><img class="alignright size-medium wp-image-248" style="border:1px solid black;float:right;margin:2px 10px;" src="http://brightsblog.wordpress.com/files/2007/06/vormarsch.jpeg?w=193" alt="" width="193" height="107" /></a> Von Alexander Kissler -<a href="http://http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=40387"> Die Tagespost</a><br />
Ob es die britische Erlaubnis zur Chimärenzucht ist, oder die deutsche Form des hedonistischen Atheismus – gemeinsam ist dieser neuen Phase des Kulturkampfes die völlige Aufgabe ethischer Normen. Auch der Boden ziviler Humanität weicht auf.</p>
<p>[...]</p>
<p style="text-align:justify;">Jüngstes Flaggschiff im Feldzug der Naturalisten ist ein unscheinbares Bändchen, klassisch gelb gewandet, wie es „Reclams Universal Bibliothek“ seit jeher zukommt. Stolz weist die Giordano-Bruno-Stiftung auf das Bändchen hin: „In der gelben Reihe des Reclam-Verlags ist soeben der erste Band des ,Kolleg Praktische Philosophie (Ethik zwischen Kultur- und Naturwissenschaft)‘ erschienen. Die Mehrzahl der Beiträge dieses Bandes wurde von GBS-Autoren verfasst.“ Es folgen fünf Namen. Schlägt man das Bändchen auf, so entdeckt man acht Beiträge, von denen genau die Hälfte auf das Konto der Bruno-Stiftung geht. Dass die Hälfte aber die Mehrzahl sei, ist eine Aussage, die nicht so recht in das zahlenbegeisterte Denken der Neoatheisten passen will.</p>
<p><span style="font-family:Arial,Arial,Helvetica;"></span></p>
<p class="grund" style="text-align:justify;"><!--more--><img class="alignleft" style="border:1px solid black;float:left;margin:2px 10px;" src="http://ecx.images-amazon.com/images/I/31ohhUKZ7PL._SL500_AA240_.jpg" alt="" width="240" height="240" />Das Autorenverzeichnis hält die nächste Überraschung parat. Einzig bei dem „freischaffenden Schriftsteller und Philosophen“ Michael Schmidt-Salomon („Wo bitte gehts zu Gott?“) ist dessen Vorstandstätigkeit innerhalb der Bruno-Stiftung angegeben. Die vier übrigen Autoren haben sich jeden Hinweises auf ihr weltanschauliches Sendungsbewusstsein enthalten. Warum? Soll hier nicht nur mit schlaffen Segeln, sondern auch unter falscher Flagge das Meer des Vorurteils durchpflügt werden? Eine solche Zurückhaltung ist schwer verständlich, wollen die Autoren doch laut Umschlagtext Antworten geben „auf die Frage, wie wir leben und handeln sollen“ – es sei denn, es ist ihnen sehr darum zu tun, eben diese Antworten nicht durch einen Hinweis auf das propagandistische Wirken der Bruno-Stiftung unter erhöhten Rechtfertigungsdruck zu setzen.</p>
<p class="grund" style="text-align:justify;">Welche Antworten erhält der Orientierung suchende Leser, der ohne Kenntnis der Kontexte nach dem Büchlein greift, weil er genau das wissen will, wie er leben und handeln soll? Schmidt-Salomon liefert zuverlässig, wie es zu erwarten war, eine verwissenschaftlichte Fassung seiner These aus dem „Manifest des Evolutionären Humanismus“ (2006) und der „Enzyklopädie für freie Geister und solche, die es werden wollen“ (2007): Das Böse gebe es nicht, es sei eine aus religiöser Indoktrinationslust erfundene, „in der Regel schädliche Hypothese“. Legitimatorischer Glanz soll von den Berggorillas ausstrahlen. Bei diesen „fallen mehr als ein Drittel des Nachwuchses bis zum Alter von drei Jahren Kindstötungen zum Opfer“. Niemand käme nun auf die Idee, einen kindstötenden Gorilla böse zu nennen, „während diese moralische Kategorie auf menschliche Kindermörder in der Regel unhinterfragt angewandt wird. Wie erklären wir uns diese Unterschiede?“</p>
<p class="grund" style="text-align:justify;">Die Antwort, Tiere seien kategorial verschieden von den mit einer Würde ausgezeichneten und mit Vernunft begabten Menschen, mag Schmidt-Salomon ebenso wenig geben wie irgendeine andere Antwort. Er schlägt stattdessen vor, hinter jeder Handlung, auch der verwerflichsten, absurdesten, brutalsten, „schlichte Gesetzmäßigkeiten“ zu sehen, „biologische Prozesse“ und Interessenkonflikte. Auch diese Aussage kann man seltsam finden: Entdeckt gerade der materialistische Blick, dem alles Geistige suspekt ist, die Natur wieder als Gesetzgeberin? Sind die Gene und die Ganglien und nichts und niemand sonst die Souveräne allen Lebens? So ist es wohl gemeint.</p>
<p style="text-align:justify;">Ähnlich reduktionistisch fasst „GBS-Autor“ Gerhard Vollmer, Philosoph in Braunschweig und Changsha/China, die vermisste naturalistische Ethik in dem Satz zusammen, „überall in der Welt gehe es mit rechten Dingen zu“ – wobei notabene religiöse Praxen und unmaterialistische Phänomene nicht zu den „rechten Dingen“ rechnen. Auch Vollmer singt das Hohelied auf das „Prinzip der natürlichen Auslese“ und den „naturalistischen Erklärungsrahmen“ Darwins, der „die gesamte Biologie“ umfasse, und auch Vollmer lehnt „absolute Normen, Letztbegründungen, kategorische Imperative und Dogmen ab“.</p>
<p class="grund">[...]</p>
<p style="text-align:justify;">Der Dritte aus der Giordano-Bruno-Gilde ist Philosoph Bernulf Kanitscheider aus dem mittelhessischen Gießen. Seine Aversion gilt der Vernunftphilosophie, seine Zuneigung der Lust. Hedonist, der er sein will, preist Kanitscheider die beiden Sätze „Wir wollen das, nach dem die Menschen spontan streben, als obersten Wert, als das Gute setzen“, und „Die Lust ist gut“. Nur wo diese Sätze beherzigt werden, entwickele sich alles zum Besten: „In einer Gesellschaft, die auf die Wünsche der Menschen, ihre Lust zu verwirklichen, Rücksicht nimmt, werden alle, wie man an den Sitten des Sexualverhaltens der griechisch-römischen Antike sieht, glücklicher leben.“ Da das 21. Jahrhundert durch ein „Wiedererstarken der auf [...] Repression angelegten monotheistischen Religionen“ gekennzeichnet sei, empfehle sich mehr denn je „ein zeitgemäßer Hedonismus“ gemäß der Maxime: „Den Hedonisten interessieren die Folgen seiner Handlungen nur insofern, als sie ihm Hindernisse bei der Erreichung seiner Fernziele bereiten könnten.“</p>
<p style="text-align:justify;">Schweigen wir vom Vierten im atheistischen Bunde, einem Philosophen aus Schwäbisch Gmünd, und halten wir fest: Nicht dass Neoatheisten so reden, wie sie eben reden, nicht dass sie alles Nicht-Atheistische, Nicht-Relative, Nicht-Diskursivierbare verbannen wollen, ist das Brandneue dieser Tage – sondern dass sie es tun im geborgten Gewand klassischer normativer Philosophie und doch gerade diese und damit den Boden des gesamten abendländischen Denkens, den Boden auch der zivilen Humanität hinwegräumen wollen. Das ist nicht nur Camouflage, das ist auch Chuzpe und eine Prise Unlauterkeit. An einem aber herrscht nun kein Zweifel mehr: Der Kulturkampf tritt in eine neue Phase. Nicht die Gläubigen sind für diese Verschärfung verantwortlich. Sie wären aber dafür verantwortlich, wenn der Abschied von der bisherigen Welt so ganz geräuschlos gelänge.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Arbeit am selben Projekt]]></title>
<link>http://naturalismuskritik.wordpress.com/?p=58</link>
<pubDate>Mon, 05 May 2008 07:01:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>BK</dc:creator>
<guid>http://naturalismuskritik.wordpress.com/?p=58</guid>
<description><![CDATA[Es musste ja früher oder später einmal so weit kommen: Zwar ist schon seit geraumer Zeit immer wie]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Es musste ja früher oder später einmal so weit kommen: Zwar ist schon seit geraumer Zeit immer wieder vom „neuen Atheismus“ die Rede, aber was das überhaupt ist und wie sich der „neue“ vom „alten“ unterscheidet, blieb stets unklar. Um Licht in dieses Dunkel zu bringen, fand unlängst eine Tagung „’Neuer Atheismus’ und moderner Humanismus“ statt, zu der die Humanistische Akademie Berlin in Zusammenarbeit mit der Giordano-Bruno-Stiftung geladen hatte.</p>
<ul>
<li>Vergangenheit und Zukunft des Atheismus</li>
</ul>
<p>In seinem Eröffnungsreferat klärte Frieder Wolf (Berlin) über den alten Atheismus auf, der keinesfalls die Frage nach Gott gestellt habe. Seine historische Spezifik verortete Wolf im Ancien Regime, also dem vorrevolutionären Frankreich, in dem die Priester eine von mehreren Säulen gewesen seien, auf die sich der König gestützt habe. Die Aufklärung habe sich deshalb gegen die weltliche und die geistliche Herrschaft zugleich gewendet, weil beide miteinander verschränkt gewesen seien. Freiheit, habe ein Zeitgenosse gesagt, sei erst dann erreicht, wenn der letzte Priester am Darm des letzten Adligen aufgehängt sei.</p>
<p>Die Aufgabe von heute sei es nun, den alten Atheismus in eine vollkommen veränderte gesellschaftliche Situation zu übersetzen. Die Priester hätten ihre Herrschaftsfunktion verloren, der Papst sei nicht mehr das ideologische Zentrum. Zwar lasse sich nicht leugnen, dass christliche Denkweisen noch vorhanden sind, allerdings sei es weitgehend marginalisiert. Kirchenkritik wie zu Zeiten der Aufklärung könne deshalb nicht mehr im Zentrum des Atheismus stehen, sondern der Bezugsrahmen müsse die kapitalistische Produktionsweise sein. Aber auch die habe sich gewandelt, seitdem Marx sein <a href="http://www.dober.de/religionskritik/marx1.html">berühmtes Diktum von der Religion als „Opium <em>des</em> Volkes“</a> ausgesprochen habe, schließlich laute die soziale Frage dieser Tage ganz anders.</p>
<ul>
<li>Glauben - unverstanden und verhasst</li>
</ul>
<p>Dass heute auch reflektierte, gebildete Menschen religiös sein können, war der Ausgangspunkt für die Überlegungen von Anna Ignatius (Freiburg). Sie vermutete, dass ihnen der Glauben Trost biete im Angesicht einer als grausam und teilnahmslos empfundenen Natur. Gläubige hätten Angst vor einem unberechenbaren und willkürlichen Gott, weshalb sie beteten und hofften, dass er ihnen nicht schade. Dieser als Deformation interpretierten Einstellung setzte Ignatius die - wie sie meinte - befreienden Erkenntnisse der Wissenschaft gegenüber. Die Naturgesetze seien schließlich berechenbar und könnten deshalb einen Orientierungsrahmen für das menschliche Handeln geben. Aufgabe der humanistischen Philosophie sei es, den Menschen als Teil der Natur begreiflich zu machen und zu zeigen, dass die Erkenntnisse über die Natur den Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben wiesen.</p>
<p>Auch Michael Schmidt-Salomon (Trier) hielt den Gottesgedanken für abwegig, gar für ein Wahngebilde. Den Unterschied zwischen den alten und neuen Atheisten verortete er in der Konsequenz der Analyse und des Vorgehens bezüglich ihres Objekts der Kritik. Während der alte Atheismus defensiv sei und taktierend, greife der neue an, spreche Klartext. Er sei „kompromisslos aufklärerisch“ und verletze deshalb natürlicherweise auch die Gefühle der Gläubigen. Zurecht, wie er meinte, denn nicht jede Position verdiene auch Respekt. So lehne er nicht nur den Gottesglauben ab, sondern auch den Respekt vor dem Gottesglauben. Wenn die neuen Atheisten Anstoß erregten, dann allerdings vor allem deshalb, weil sie den Kern der Religionen benennten, den die meisten Gläubigen gar nicht mehr kennten. Als Beispiel nannte er <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Transsubstantiation">die Bedeutung der Wandlung</a> bei den Katholiken. Seine These lautete: „Die alten Atheisten sind nicht toleranter, nur ein wenig ignoranter als die neuen.“</p>
<p>Schmidt-Salomon wandte sich nicht jede Religion, sondern nur gegen solche, die einen personalen Gott kennen. Das sei eine größenwahnsinnige Vorstellung, denn eigentlich sei der Mensch bloß eine Trockennasenaffenart, die es eher zufällig an den Rand des Universums verschlagen habe. Die Auffassung, dass dem Menschen keine Sonderstellung zukomme, habe weiter reichende Konsequenzen für eine „Ethik für nackte Affen“, die er aus Zeitgründen aber nicht vorstellen wollte. In jedem Fall ruhe unter der Oberfläche des obsoleten Etiketts „Neuer Atheismus“ die Weltanschauung des „naturalistischen Humanismus“, dem die Vorstellung vom naturalistisch entzauberten Menschen zugrunde liege. Entscheidend sei, dass man endlich akzeptiere, dass die „Erkenntnisse der Wissenschaft“ die naturalistische Weltanschauung – wie er sagte – „erzwingen“.</p>
<ul>
<li>Trotz Differenzen: Der Kampf geht weiter</li>
</ul>
<p>Kontrovers wurde über die letzte Publikation des Rüpels Schmidt-Salomons diskutiert, das „Ferkel-Buch“. Diese Form der Auseinandersetzung mit Religion sei nicht produktiv und für Kinder nicht geeignet, wurde bemängelt. Im Lebenskunde-Unterricht in Berlin könne man es nicht einsetzen, meinte ein Teilnehmer. Durch die selektive Darstellung einzelner alttestamentarischer Geschichten werde vor allem die jüdische Religion diffamiert. Der Autor verteidigte sich: Er habe nur Originalzitate verwendet und nicht einmal die anstößigsten. „Das ist es, was die Religionen ausmachen“, rief er. Eine Teilnehmerin sprang dem Autor bei: In der religiös geprägten kleinstädtischen Umgebung, aus der sie stamme, sei das Buch gut angekommen.</p>
<p>Zum Ende der Tagung warfen Horst Groschopp (Berlin) und Wolf noch zwei Fragen auf, bei denen für sie Diskussionsbedarf angezeigt schien. Zum einen die nach der Grenze zwischen Religionskritik und Religionsfeindschaft, die insbesondere im Umgang mit dem Islam schärfer zu ziehen sei. Die notwendige Kritik am Islam dürfe nicht zu Islamophobie und zur Feindbildproduktion führen, vielmehr müsse man hier – wie bei allen Religionen – differenzieren und Bündnispartner suchen. Zum zweiten müsse der Naturalismusbegriff noch geschärft werden und der Unterschied zwischen theoretischen und weltanschaulichen Fragen beachtet werden. Wenn jemand die Kulturgeschichte des Menschen mit anderen als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Physikalismus">physikalistischen Methoden</a> erforsche, sei dieser noch lange kein Relativist.</p>
<p>Die Atheisten, Humanisten und Freidenker präsentierten sich auf ihrer Tagung als disziplinierte, relativ homogene Gruppe, die sich in der Welt zurecht finden will, ohne auf Gott Bezug zu nehmen. Gleichwohl ließen sich zwei unterschiedliche Strömungen identifizieren: Die eine wird vom Eiferer Schmidt-Salomon repräsentiert, der sein Weltbild um die, wie er annimmt, „Erkenntnisse der Wissenschaft“ aufbaut, unter die er alles weitere unterordnet. Sie ist die breitenwirksamere. Die andere verzichtet auf Diffamierungen der Religion, stellt fest, dass die Wirklichkeit doch recht komplex ist und weiß um die Gefahr, einem Wissenschaftsglauben zu verfallen. Sie ist die akademische Variante. Beide arbeiten am selben Projekt.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Thomas Schärtl: Neuer Atheismus -- wie ihn Theisten gerne hätten]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=238</link>
<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 17:01:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
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<description><![CDATA[(zur Einleitung)
Im Zentrum Schärtls Auseinandersetzung mit dem Atheismus steht erst mal die Schubl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p align="justify"><i>(zur <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-%e2%80%93-eine-akademische-debatte/">Einleitung</a>)</i></p>
<p align="justify">Im Zentrum <a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/StdZ_03_08_Schaertl_147_161_HA.pdf">Schärtls Auseinandersetzung</a> mit dem Atheismus steht erst mal die Schubladisierung desselben. Das kann man machen, aber man muss mit den gefundenen Kategorien nicht übereinstimmen. Zumindest sollte man sich die drei Kategorien genauer ansehen. Schärtl unterscheidet drei Hauptrichtungen:</p>
<div align="justify"></div>
<div align="justify"></div>
<ul>
<li>Argumentativer Atheismus</li>
<li>Kultureller Atheismus</li>
<li>Denunziatorischer Atheismus</li>
</ul>
<div align="justify"></div>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Geschenkt sei an der Stelle, dass man, eine Richtung als denunziatiorisch zu bezeichnen, durchaus als Denunziation verstehen kann. Bedenklicher ist dann schon, dass die vorgebliche Trennung von argumentativem und denunziatorischem Atheismus argumentativ kaum belegt wird. Vielleicht musste allein deshalb schon der zumindest räumlich eine Trennung schaffende kulturelle Atheismus noch hinzugefügt werden, bei dem es sich kaum um wirklichen Atheismus zu handeln scheint. Es mag aber auch eine Vorliebe für Trinitäten eine Rolle spielen oder die Tatsache, dass eine reine Zweiteilung es vielleicht zu nahe gelegt hätte, dass hier nur zwischen genehmen und unangenehmen Atheismus unterschieden wird.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Der <b>kulturelle Atheismus</b> Schärtls ist über weite Strecken nur der säkulare Kapitalismus und Hedonismus.</p>
<div align="justify"></div>
<blockquote>
<p align="justify">Dieser Art des Atheismus ist ein Phänomen der Gegenwartskultur, das nichts weniger will, als das Christentum als kulturprägende Kraft zu vertreiben oder zu ersetzen.</p>
</blockquote>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Mithin geht es weniger um eine rationale Auseinandersetzung mit den theistischen Deutungsansprüchen, sondern um eine sie verneinende Leugnung im Praktischen. Es ist zumindest sehr fraglich, ob dahinter ein willentlicher Atheismus steckt oder nicht doch eher die unpersönlichen, weitgehend unreflektierten Strukturen des Kapitalismus. Am Rande gibt es sicherlich die atheistische Debatte um den Wert christlicher Normen, insbesondere die zentrale Stellung der Sünde im theistischen Begriffssystem. Aber die eigentliche Kraft dieser Bewegung ist nicht mal sich selbst bewusst. Sie will nicht Christentum ersetzen, sie hat, fast nebenbei, die christliche Deutungshoheit schon ersetzt. Sie interessiert sich genauso wenig für den Atheismus. Sie ist dem Alltag zu- und der akademischen Frage abgewandt. Das wird am deutlichsten, wenn Schärtl die Bildersprache der Webung bemängelt, die christliche Symbolik aufgreift und für ihre Zwecke vermarktet. Dass der Kapitalismus sich jeder Symbolik bedient und diese für sich besetzt, sofern sie ihm nützlich ist, ist doch eine kapitalismuskritische Binsenweisheit: selbst Kapitalismuskritik ist da nicht mehr als ein aufgreifbarer Slogan.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Interessanter ist da schon der Umkehrschluss. Schärtl bemängelt in der Aneignung christlicher Symbolik, dass der christliche Transzendenzbegriff durch diesseitige, weltliche Bezüge ersetzt werde. Die Frage, die sich stellen sollte, ist da eigentlich, ob nicht das Christentum seinerseits Transzendenzansprüche durch geschickte Symbolik und PR ersetzt hat -- dass somit hier nicht Tiefgründiges als Schlagwort missbraucht wird, sondern die eine Verkaufsstrategie nur für ein neues Produkt Verwendung findet. Fast schon entlarvend ist, dass Schärtl dieser Art kultureller Umdeutung nur eigene PR entgegensetzen kann: Hoffnung sieht er in medienwirksamen Inszenierungen, wie sie sich beim Sterben des letzten Papstes wie von selbst ergaben. Es sei ihm erlaubt, hinter dieser Inszenierung mehr Wahrheit zu vermuten als hinter ökonomischen PR-Slogans; letztlich ersetzt er aber nur eine Inszenierung durch die andere.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Von den verbleibenden Kategorien findet die des <b>argumentierenden Atheismus</b> bei Schärtl praktisch nur Lob. Es handelt sich hier um akademischen, fast schon der Religionsphilosophie zuordenbaren Atheismus. Es fällt nicht schwer zu verstehen, was Schärtl an dieser Art der Auseinandersetzung schätzt: sie findet nur auf akademischen Niveau statt, sie greift Religion kaum an. Sie ist mithin ungefährlich für Schärtls jenseits der akademischen Debatte ausgelebten Glauben. In der Debatte mit dem argumentativen Atheismus kann sich der Theismus auf Augenhöhe bewegen; nicht, weil sie argumentativ gleichwertig wäre, aber weil er fernab der Öffentlichkeit stattfindet. Man kann auf diese Art des Atheismus eine theologische Einlassung produzieren und das Problem für erledigt halten: es wird sich niemand finden, der dem widerspricht, weil es eben keiner liest. Schärtl lobt fast schon explizit an dieser Art des Atheismus, dass sich an ihm Theologie abarbeiten könne, ja müsse. Atheismus als Stichwortgeber irrelevanter Theologen: müsste man vielleicht Planstellen an der theologischen Instituten für schaffen, wenn das so erwünscht ist.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Dass es gar nicht um die Form der Kritik, sondern vielmehr um die Harmlosigkeit dieses Atheismus geht, wird an zwei Stellen klar. Zum einen folgert Schärtl aus der Kritik des Neuen Atheismus das gleiche wie aus der des argumentativen: er nutzt diesen genauso für die Überlegungen, was Religion daraus für sich lernen müsse. Mithin scheint also auch der so denunzierte denunzierende Atheismus wichtige Punkte über das Selbstverständnis von Religion anzusprechen. Zum anderen scheint der grundsätzliche Unterscheidungspunkt zwischen argumentativem und neuen Atheismus der zu sein, dass ersterer historisch ist:</p>
<div align="justify"></div>
<blockquote>
<p align="justify">Der argumentative Atheismus ist ein Randphänomen geworden. Fast möchte man ihn zu den Lehrstücken der Philosophiegeschichte zählen, denen die Theologie eine Art Schärfung ihrer Sinne verdankt.</p>
</blockquote>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Deutlich wird das etwa daran, dass Bertrand Russell posthum in diesen theologisch akzeptierten Olymp der Religionskritik gehoben wird. Aber das ist unehrlich. Es dient nur dazu, moderne Atheisten von ihren Quellen abzuschneiden, die angeblich ganz anders gewesen seien. Russell war nicht Dawkins und schon gar nicht Hitchens; aber ihn heute als rationale, philosophische Überfigur darzustellen, dem Theologie viel verdankt, ist hinsichtlich seiner Religionskritik widersinnig. Russells einziger Vorteil ist der, seit über dreißig Jahren tot zu sein, um sich heute nicht mehr gegen die Banalisierung seiner Religionskritik wehren zu können. In seiner Zeit musste er sich mindestens so heftige Angriffe von Theologen, Gläubigen und Journalisten gefallen lassen wie heute Dawkins. Wer weiß, welche Geschichtsvergessenheit in fünfzig Jahren Theologen dazu bringen wird, Dawkins und Dennett als vorbildliche Atheisten zu loben. Tote Atheisten sind gute Atheisten.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Bezeichnend für Schärtls ganzen Text sind aber die Konsequenzen, die er aus dem argumentativen Atheismus zieht, den er selbst ja als quasi historisch bezeichnet: Theologie müsste dies und sollte das. Wenn der Atheismus denn so alt und hilfreich war, warum hat die Theologie dann noch nicht? Sich an der Stelle zu wundern, dass heute ein neuer Atheismus aufkommt, der sich erneut mit denselben Problemen beschäftigen muss, weil nichts von der alten Kritik (außer zur Füllung wohlfeiler Aufsätze) verwendet wurde, mag der geschäftige Theologe dann mal für sich selbst beantworten, wenn ihm sein Alltagsglaube wieder Zeit für die Beschäftigung mit hochtheologische Abstraktionen lässt.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">An der darauf folgenden Darstellung des <b>Neuen Atheismus</b> ist nicht viel auszusetzen: sie ist weitgehend fair, wenn natürlich nicht vollständig und im Großen und Ganzen unbeantwortet. Natürlich erfolgt das alles im Stil gemäßigter Entrüstung über die Fundamentalkritik am Gottesglauben, die als grob und eben denunziatorisch beschrieben wird. Man ist das gewohnt, auch den Widerspruch, einerseits eine überlegene argumentative Position aus einer hochvernünftigen Theologie einzunehmen, andererseits sich aber persönlich denunziert zu fühlen, wenn jemand feststellt, Volksglaube und Esoterik seien dumm. Jeder geht halt innerlich die Allianzen ein, die einem gefallen. Und wenn die Kritik trifft, dann wohl, weil sie so daneben doch nicht ging.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify">    Eine kritische Betrachtung des Theologischen, was Schärtl gegen den Neuen Atheismus stellen will, folgt in <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/17/thomas-schartl-neuer-atheismus-die-machtlosigkeit-der-theologie-uber-den-glauben/">Teil II</a>.</div>
<div align="justify"></div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Thomas Schärtl: Neuer Atheismus –- eine akademische Debatte]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=237</link>
<pubDate>Sun, 16 Mar 2008 14:11:33 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
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<description><![CDATA[Eine im Vergleich mit vielen anderen Darstellungen schon wesentlich substanziellere Auseinandersetzu]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p align="justify">Eine im Vergleich mit vielen anderen Darstellungen schon wesentlich substanziellere Auseinandersetzung mit dem so genannten Neuen Atheismus findet sich in der aktuellen Ausgabe der <i><a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/">Stimmen der Zeit</a>: Die Zeitschrift für christliche Kultur</i> im Artikel von Thomas Schärtl <a href="http://www.stimmen-der-zeit.de/StdZ_03_08_Schaertl_147_161_HA.pdf"><i>Neuer Atheismus: Zwischen Argument, Anklage und Anmaßung</i></a> [pdf]. Strukturell geht es zuerst um eine Charakterisierung und Kategorisierung von Atheismus, dabei dann um die theologische, theistische Auseinandersetzung mit den Inhalten. Bei aller Kritik, die ich an dem Artikel anzubringen habe, muss man das doch auseinanderhalten von Diskursbeiträgen wie solchen von <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/13/die-unredlichkeiten-eines-historikers-und-journalisten-alexander-kissler-in-der-fas/">Alexander Kissler</a>, in denen es nicht um Verständnis sondern zuvorderst um publizistisch wirksames Missverstehen geht und die damit eigentlich nur die intellektuelle Armut ihres Theismus als gut verkaufbare Bankrotterklärung unter Beweis stellen.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Natürlich stimme ich mit Schärtls Folgerungen nicht überein, aber das kann man anerkennen. Es gibt keinen Grund, eine eigentlich humanistische Ethik mit Häme zu überziehen, nur weil sie meint, eines begründenden Theismus zu bedürfen. Das nicht zu sehen, halte ich für ein Missverständnis, das Atheisten wie Theisten zu oft im Wege steht, sich über die eigentlichen ethischen und gesellschaftlichen Fragen zu unterhalten, in denen sie weniger trennt, als beide Gruppen manchmal vermuten. Gleichzeitig wird das auch dadurch gefördert, dass die theistische Kritik wohlfeil theoretisiert, aber an der notwendigen Kritik eigener Strukturen, wie sie sich in Kirchen realisieren, kraftlos abprallt: theistische Kirchenkritik erscheint immer wieder sorgsam durchdacht, akademisch, aber eher konsequenzlos. Da werden atheistische Kritiken bestätigt, sich angeeignet, aber es ändert sich eben nichts, auch nicht in der Identifikation der eigenen Position. Im Zweifelsfall steht einem der eigene Theismus immer näher als die wohlformulierte Theologie oder der eigene ethische Anspruch. Dass sich diese Art theistische Kirchenkritik eben nicht von Kirche lösen lässt und in der Öffentlichkeit unverhört verrauscht, wird anschließend den Atheisten vorgeworfen, die sich aus ihrem eigenen Anspruch heraus erst mal mit der Realität Kirche befassen müssen. Ja, würden doch Atheisten ihre Kritik nur argumentativ auf die Hochposition des Theologie beziehen... Dabei geht es dem Neuen Atheismus eben nicht mehr um die philosophische Auseinandersetzung mit philosophischen Theismus-Konstrukten. Erst mal geht es um gesellschaftliche Realitäten und Veränderungen. Sollen doch Theisten wie Schärtl endlich ihre Religion so umbauen, dass sie in der was zu sagen hätten -- auf die neue Debatte lassen Atheisten sich dann schon gerne ein. Aber so lange sie in der eigentlichen Debatte nur eine akademische Irrelevanz darstellt, wird das halt eher auf obskuren Blogs abgehandelt, und es wird nicht vorgetäuscht werden, dass sich irgendwas an den eigentlichen Verhältnissen dadurch ändert, dass man in fast ebenso obskuren Zeitschriften auch Hochtheologie vertreten kann.</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Diesen Einwand muss man voranstellen, weil auch Schärtl gleich mit der hübschen Legende von der angeblichen Wiederkehr der Religion beginnt. Das einzige, was für kurze Zeit wiederzukehren schien, war ein Erwachen im von Bild-Schlagzeilen gesteuertem Volksglauben, ein kurzes Rucken in der Matrix esoterischer und abergläubischer Vorlieben, die sich ob des Medienrummels um den Papst und des Aufschreckens über islamischen Terrorismus doch wieder mal zu katholischen und protestantischen Deutungsmustern zurücksehnte. Ansonsten war da nicht viel. Die einzigen, die heute noch dazugewinnen, sind die durch ihre Missionierungskrankheit getriebenen protestantisch-fundamentalistischen Gruppierungen. Die stellen aber das genaue Gegenteil der Hochtheologie dar, die Schärtl vertreten will; mithin sollte er dasselbe Problem mit ihnen haben wie Atheisten. Das dummdreiste Esoterikchristentum der Pfingstler und Evangelikalen wird nicht bei Rahner nachschlagen, was sie denken, anbeten und aus ihrem Glauben folgern sollen. Auch nicht in der <i>Stimmen der Zeit</i>.</p>
<p align="justify">&#160;</p>
<div align="justify"></div>
<p align="justify">Teil I: <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/16/thomas-schartl-neuer-atheismus-wie-ihn-theisten-gerne-hatten/">Schärtls Kategorisierung von Atheismus</a></p>
<p align="justify">  Teil II: <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/03/17/thomas-schartl-neuer-atheismus-die-machtlosigkeit-der-theologie-uber-den-glauben/">Schärtls machtloser Theismus</a></p>
<p align="justify">&#160;</p>
]]></content:encoded>
</item>

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