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	<title>madchen-mit-der-knautschkommode &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/madchen-mit-der-knautschkommode/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "madchen-mit-der-knautschkommode"</description>
	<pubDate>Thu, 07 Aug 2008 22:20:23 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Eine starke Frau: Isa Vermehren wird 90]]></title>
<link>http://letterofintent.wordpress.com/?p=162</link>
<pubDate>Wed, 16 Apr 2008 12:46:30 +0000</pubDate>
<dc:creator>Wullenwever</dc:creator>
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<description><![CDATA[Sie verfügt ganz sicher nicht über den höchsten Bekanntheitsgrad in Deutschland, zumindest nicht ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"><a href="http://letterofintent.files.wordpress.com/2008/04/isavermehren1.jpg"><img class="alignleft alignnone size-full wp-image-163" style="float:left;border:0;margin:4px 10px;" src="http://letterofintent.wordpress.com/files/2008/04/isavermehren1.jpg" alt="Isa Vermehren heute" width="145" height="200" /></a>Sie verfügt ganz sicher nicht über den höchsten Bekanntheitsgrad in Deutschland, zumindest nicht im protestantischen Norden, obgleich sie von dort kommt – trotzdem ist Isa Vermehren eine der faszinierendsten Persönlichkeiten deutscher Zeitgeschichte. Am 21. April wird sie 90.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">1918 in Lübeck geboren und liberal erzogen, wird Vermehren 1933 aufgefordert, ihre Schule vor dem Abitur zu verlassen. Sie hatte sich geweigert, an den Übungen zum „Deutschen Gruß“ teilzunehmen. Mit ihrer Familie zieht sie nach Berlin und überlässt sich dort ihrem musikalischen Talent. Mit energischem Auftreten, ein wenig rotznasigem Gehabe und <a title="Original von der Wasserkante" href="http://www.youtube.com/watch?v=XCD5epe6OZk" target="_blank">frechen Texten</a> wird sie mit 17 Jahren als „Mädchen mit der Knautschkommode“ fester Bestandteil des Berliner Kabaretts „Katakombe“ von Werner Finck. Sie feiert Erfolge, spielt in zahlreichen UFA-Filmen mit, macht nebenbei ihr Abitur nach - und konvertiert, stets tief gläubig, zum Katholizismus.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Das Kabarett wird 1935 von Goebbels geschlossen. Obgleich es sich bereits gänzlich unpolitisch gerierte, entdeckten die Herren von der Gestapo hier und da (berechtigterweise) dennoch kleine Anspielungen auf das Regime und seine hohen Vertreter. Und obgleich auch Vermehren dem Nationalsozialismus höchst fremd gegenübersteht, wird sie mit Kriegsausbruch zur Truppenbetreuung eingesetzt. Hinter der Front unterhält sie – weiterhin nicht ganz unbekannt – die Soldaten mit ihren Liedern und Shows.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">1944 erst wird sie vollends von der NS-Maschinerie erfasst: Ihr Bruder wechselt die Fronten, läuft aus dem diplomatischen Dienst zu den Briten über. Sie selbst wird in Sippenhaft gesteckt – getrennt von ihrer restlichen Familie. Nun beginnt eine Zeit der Aufenthalte in Konzentrationslagern: Ravensbrück, Buchenwald, Dachau sind die Stationen. Meist als privilegierter Häftling, doch zumindest in Ravensbrück muss sie aufgrund eines Versehens auch eine Zeitlang die unmenschlichen Bedingungen im Lager ertragen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Sie verbringt ihre Zeit vor allem mit scharfer, oft von hintergründig formuliertem Humor gekennzeichneter Beobachtung, die sie in dem höchst lesenswerten Buch <a title="Isa Vermehren, Reise durch den letzten Akt" href="http://www.amazon.de/Reise-letzten-Ravensbr%C3%BCck-Buchenwald-Dachau/dp/3499240076" target="_blank">Reise durch den letzten Akt</a> bereits 1945 niederschreibt: So ihre Begegnungen mit dem großen Persönlichkeiten des Widerstands, wie Helmut James von Moltke, Julius Leber oder Martin Niemöller. Die Gegenüberstellung ihrer eigenen, höchst humanistischen Prinzipien mit dem totalitären Nihilismus der Nazis, der aus ihrer christlichen Sicht Täter und Opfer gleichermaßen in immer tiefere Abgründe des Verbrechens, der Unmenschlichkeit, der tierhaften Triebsüchte nach Gewalt, Machtausübung und Überlebenskampf treibt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Ihre Erfahrungen sind keine der Vernichtungslager. Kein Erleben einer Ghetto-Jüdin oder eines sowjetischen Kriegsgefangenen. Und gerade weil ihre eigenen Erlebnisse diesen nicht gleichen können, sind die von ihr angestellten Beobachtungen so fundamental gültig. Denn bereits in ihnen, in den Beobachtungen einer privilegierten Gefangenen eines unmenschlichen Systems, wird die Basis der Shoah deutlich: Das Abschaffen jedes Individualismus, die Missachtung von Respekt und Menschenwürde, von den Unterordnungsprinzipien der Schöpfung und des Sozialethos.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Nichts soll da verharmlost werden. Gerade durch die Willkür des Systems musste auch Isa Vermehren jederzeit mit Erschießung oder Beseitigung rechnen, das wissen wir nicht nur heute, das ahnte auch sie damals. Um so beeindruckender ist es da, dass jede ihrer Schilderungen ganz von dem Versuch vereinnahmt sind, die Hintergründe der Motive ihrer Peiniger zu verstehen. Ganz gleich Hannah Arendt zeichnet sie dabei die Abbilder einer Banalität des Bösen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Die letzten Kapitel des o.g. Buches sind von der langsamen Emanzipation der Gefangenen von ihren SS-Aufsehern bestimmt. Im Rahmen der Suche nach neuen Lagermöglichkeiten in den letzten Kriegstagen erklärt sich die illustre Runde aus ehemaligen europäischen Regierungen, westlichen Kriegsgefangenen, Sippenhäftlingen und Mitgliedern des Widerstandes nach und nach zu Gewinnern des Kriegsendes, die SS verliert an Autorität: eine skurrile Situation. Später dann, nach der Befreiung der letzten Station in Südtirol durch die Amerikaner, wird Vermehren Zeugin einer Diskussion innerhalb der US Army über den zukünftigen Umgang mit Europa, die an dieser Stelle beispielhaft die Aktualität ihrer Schriften stehen soll:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<blockquote>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Soll Amerika Italien helfen oder nicht? Der eine Colonel sagte: „Was geht uns dieses Italien an, warum sollen wir gekürzte Rationen haben, nur weil diese Leute sich nicht selbst regieren können?“ Und als Beweis für die mangelnde Selbsthilfe, die er überhaupt unter den europäischen Ländern angetroffen habe, führte er folgendes an: „In den vergangenen Wintern haben die Pariser furchtbar gefroren und sich beklagt über das fehlende Heizmaterial. Warum, zum Teufel, fällten sie nicht die Bäume, die reihenweise vor ihrer Nase standen? Bloß, weil irgend so ein Louis darunter spazieren gegangen ist.“ (…) Hinter dieser Sentimentalität verschanze sich seiner Meinung nach nur die träge Unbereitschaft, sich selbst zu helfen, damit von anderer Seite geholfen würde. (…)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Arial;">Demgegenüber stand ein einfacher Sergeant, der ganz entflammt von begeistertem Ernst für die genau entgegen gesetzte Weise plädierte. Er sagte: „Wir müssen Italien helfen, und nicht nur Italien, wir müssen Europa helfen. Wir sind das reichste Land der Welt, sind mit unendlichen Schätzen und Gütern gesegnet, wir sind auch verpflichtet, denen davon zu geben, die weniger haben als wir. Es entspricht auch unserem Wesen, es zu tun. <span>We shall have a hell of a lot of fun helping them.“ </span>(…) </span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Die beiden erbitterten Gegner dieses Nachmittags, der Colonel und der Sergeant, fanden sich dann wieder im selbstzufriedenen Lob ihrer wohlgelungenen Demokratie, die es gestattete, dass selbst ein Colonel und ein Sergeant zweierlei Meinung sein konnten.</span></p>
</blockquote>
<pre style="text-align:right;margin:0;">aus: Isa Vermehren, Reise durch den letzten Akt</pre>
<p class="MsoNormal" style="text-align:right;margin:0;" align="right"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;">Nach dem Krieg entschied sich die fröhliche, lebensbejahende, ehemalige Kabarettistin Isa Vermehren dann zu einem Leben als Nonne. Sie studierte auf Lehramt, <a title="Schüler-Interview mit Isa Vermehren, 2004" href="http://www.youtube.com/watch?v=asiguiS7pd0" target="_blank">unterrichtete viele Jahrzehnte</a> und kam noch einmal zu einem gewissen Ruhm, als sie 1983-1995 das „Wort zum Sonntag“ in der ARD sprach.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;font-family:Arial;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin:0;"><span style="font-size:small;"><span style="font-family:Arial;">Wenn es ein Argument gegen ein laizistisches Deutschland geben kann, dann besteht es wohl in dem Beispiel der Isa Vermehren und ihrem theologischen Humanismus, sie ist eine der Persönlichkeiten, auf welche die deutsche Geschichte ganz und wahrhaftig stolz sein kann. Zu ihrem 90. Geburtstag möge man ihr viel weitere Lebenskraft und ihrem Buch noch Generationen von Lesern wünschen.</span></span></p>
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