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	<title>lupenblick &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/lupenblick/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "lupenblick"</description>
	<pubDate>Thu, 21 Aug 2008 05:07:00 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Kleine Glühwürmchen im Neon des Arbeitsalltags]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=340</link>
<pubDate>Fri, 08 Aug 2008 20:02:02 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Man übersieht sie schnell. Einige nehmen sie in der Eile nicht wahr, andere interessieren sich nich]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Man übersieht sie schnell. Einige nehmen sie in der Eile nicht wahr, andere interessieren sich nicht für sie, weil ihr Glanz wahrscheinlich nicht glitzernd genug ist. Sie sind die kleinsten Teilchen im Großen Ganzen der Arbeitsmaschine, aber ohne sie würde das Rad zum Stehen kommen. Ich begegne ihnen nun Tag für Tag in einem Warenhaus im Bezirk einer großen Stadt, wo sich viele Touristen verirren und die wohlhabende Bevölkerung regelmäßig einkehrt. </p>
<p>Die kleine WC-Dame.<br />
Sie kann kaum ein deutsches Wort über die Lippen bringen, verlangt aber gleich am ersten Tag 5 Euro für den Toilettengang, mit einem herzlichen Grinsen. Ich gehöre zwar zum Personal, habe ihr trotzdem ein paar Tage später ein paar Centstücke in die Schale gelegt, die sie mir gleich wiedergeben wollte. "War nur Scherz," stammelte sie leicht verlegen. Nein, aber ich wollte ihr etwas geben, wertschätzen für ihre kleine Arbeit und legte ein Lächeln obendrauf.<br />
Sie sitzt Tag ein, Tag aus auf ihrem kleinen Stuhl. Der zierliche runde Tisch, der zwischen den Damen und Männer Toiletten als Grenze agiert, beherbegt stets eine gelbe Thermoskanne, von oben donnert das harte Neonlicht auf ihr Haupt. Wo mag sie wohl herkommen? Bulgarien? Jugoslawien? Ich ertappe mich oft dabei, wie ich mich zu ihr setzen und ihre Lebensgeschichte hören möchte und stelle es mir wie ein Puzzlespiel vor… jedes einzelne Wort, das nicht grammatisch sitzt, würde ich an die richtige Stelle fügen und hätte am Ende bestimmt ein interessantes Bild. Dennoch zweifle ich daran, ob es überhaupt möglich wird, weil sie nach jedem Klogang in die Kabinen eilt und die weißen Brillen wischt auf denen vorher noch fremde, sich entladene Pobacken gesessen haben so sauber, das man sie ablecken könnte, vollkommen angstfrei vor irgendwelchen Keimen. Einmal kam sie mir mit einem verzerrten Gesicht entgegen und sagte: "Bäh, stinkt." Ein anderes war leider nicht frei und ich musste "Bäh, stinkt" wohl in Kauf nehmen und hielt die Luft an. Ich schätze sie, denn trotz der ganzen Scheiße lacht sie so oft aus tiefstem Herzen, da können sich einige Pradataschenträgerinnen eine große Scheibe davon abschneiden. </p>
<p>Der Müllmann.<br />
Wir kannten uns nicht mal einen Tag und er fragte mich: "Na wie geht es dir?" Das "Sie" hat er einfach übersprungen, wahrscheinlich kennt er es nicht. Seine Augen hinter der Brille wissen oft nicht, wo sie hinschauen sollen und ich ahne, dass er ein kleiner, einfach-gestrickter Mann ist. Zunächst stutzte ich ein wenig über seine offene Art, aber relativ schnell sah ich drüber hinweg und freue mich heute täglich über unsere Begegnung. Es scheint, als kennen wir uns ewig. Während ich auf den Personalfahrstuhl warte, kratzt er im Müll die richtigen Dinge zusammen. Er schweigt, doch ich höre das Stöhnen seiner Knochen deutlich zu mir vordringen, die Schweißperlen setzen sich an die Wände und warten auf den nächsten Luftzug. Ich frage mich, wie kann so ein unscheinbarer Mann mich täglich so glücklich machen? Ganz einfach, weil er er selbst ist und dabei noch nicht vergessen hat, was es heißt: Ein Mensch zu sein.</p>
<p>Sie sind kleine unscheinbare Wesen, irren oft in den dunklen Gemächern, hinterlassen dort kleine Funken und beherrschen das zwischenmenschliche Miteinander besser als viele andere, die viel höher stehen als sie. Für mich strahlen sie jeden Tag und ich werde sie niemals übersehen.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das traurige Mädchen mit dem Schokoriegel]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=336</link>
<pubDate>Tue, 05 Aug 2008 19:56:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Wenn ich heute an das Mädchen zurückdenke, überkommt mich eine Kälte wie sie nur an eisigen Wint]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich heute an das Mädchen zurückdenke, überkommt mich eine Kälte wie sie nur an eisigen Wintermorgenden herrscht. Und ich sehe noch etwas: Eine Träne, die sich zart an den starken Sonnenstrahlen festhält. Ich wollte sie auffangen, doch meine Arme waren zu kurz, mein Atem zu schnell, als das ich sie hätte in ein Land pusten können, das vor Freude erstrahlt. Ihre Traurigkeit berührte mich noch Stunden nach unserer Bewegung, wenn ich ganz ehrlich bin, selbst heute noch. Als ich mit meinem Liebsten freudig erzählend mit der S-Bahn in die City fuhr, spürte ich eine kalte Nebelwand zwischen ihm und mir, denn er saß genau neben ihr. </p>
<p>Das Mädchen hielt ihren Schokoriegel in den Händen, als wäre es ihr liebstes Stofftier, das sie schon seit ihrer Kindheit stets bei sich trägt. Ich dachte erst, es sei ein Straßenkind, doch beim genauen Hinsehen, sah ich wie makelos ihre Kleidung war. Alles sauber, keine Falte, fleckenlos. Lediglich ihr Gesicht erzählte mir die wahre Geschichte. Sie hatte es im Leben nicht leicht gehabt und ich sah ihr die Erschöpfung unter den Augen deutlich an. Die Haut erinnerte mich an kalte Asche, die mein Opa stets aus dem Ofen herausgekratzt hat, während draußen zarte Schneeflocken sachte an die Fenster klopften. Ihre Augen vergruben sich ganz hinten in den Höhlen und sehnten sich in Wirklichkeit nach Ruhe und Frieden. Dort existierte kein Leuchten, wie es bei jungen Leuten sonst der Fall ist. Das Mädchen war jünger als ich und schien älter als mein Opa. </p>
<p>Als wir die Bahn verließen, sagte mein Liebster leise, fast flüsternd:<br />
Sie hat mich eben ganz traurig angesehen. Das tut weh.<br />
Ich drückte seine Hand und verstand.<br />
Für einen Moment blieb die Zeit vollkommen stehen, die Menschen um uns verharrten in ihrer Bewegung und wir schauten der Bahn nach, die von einem seltsamen Schatten umgeben war.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der kurze Atem der Zeit]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=316</link>
<pubDate>Wed, 23 Jul 2008 19:09:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Meine Hände haben zehn Finger. Ich betrachte jeden einzelnen akribisch als wäre ich das Mikroskop ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Hände haben zehn Finger. Ich betrachte jeden einzelnen akribisch als wäre ich das Mikroskop höchstpersönlich und zähle sie durch. Zehn... eine 1 und eine 0. Die Zahl streift zaghaft mein Haar, verharrt dort zwei lange Atemzüge und wandert weiter am Hals entlang, in mein Ohr und fällt ins weiche rote Plüschsofa meines Herzens.</p>
<p>Es sind genau zehn Jahre her, dass ich endlich 18 Jahre geworden bin. Was habe ich damals dem Tag entgegengefiebert. Ich erinnere mich noch so genau, als wäre es gestern gewesen. Im Hintergrund höre ich meine Mutter sagen: "Warts nur ab, von nun an vergehen die Jahre wie im Fluge." Was habe ich schallend über die mütterliche Weisheit gelacht. War es wirklich Schadenfreude oder wollte ich die aufkommende Angst des kurzen Atems der Zeit überspielen?</p>
<p>Ich sprang mit einem Gesicht, das von Freudestränen eingeseift war, vom Felsen in das frische Nass der 18 und freute mich auf die Schätze, die der Meeresboden für mich bereit halten sollte. Als erstes schnappte ich mir das Wort Volljährigkeit und die damit verbundene Verantwortung. Hinter der nächsten Koralle versteckte sich der Führerschein und weiter dahinten mein Abi, etwas abseits lag eine neue Stadt und die erste eigene Wohnung. Hungrig war ich, als hätte ich wie eine Bärin bis dahin einen tiefen Winterschlaf gehalten und wollte nun alles auf einmal verschlingen. Alles kam langsam im Zeitlupentempo auf mich zu, aber verdaut wurde rasant und ich bemerkte es im Eifer nicht. Die Worte der Mutter lagen verborgen hinter gelesenen Bücherseiten und wisperten im Schatten ihr eigenes Lied. </p>
<p>Heute krame ich sie hervor und habe wieder Tränen in den Augen - es sind jedoch andere, keine von Trauer durchtränkten, viel mehr Spuren der Rührung, Tränen einer erwachsenen Frau von 28 Jahren. Die naive Leichtigkeit dominiert jetzt nicht mehr allein. Gerührt bin ich über die Geburtstagskarte meiner Mama, die Worte so wahr, herzlich und rein. Jeden einzelnen Buchstaben habe ich herausgezogen, auf eine Leine gehangen und erfreue mich über das, was ich heute bin. Leider bin ich noch immer zu oft eine kleine Chaotin, die 12 Stunden des Tages mit dem Suchen beschäftigt ist. Gleichzeitig möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich enorm gewachsen in den zehn Jahren und es zu häufig übersehe. Ich habe wirklich keine Zeit vertan, wie du schreibst. Mama. Mein Rucksack, den ich schon mit 18 Jahren schnürte, trug ich stets bei mir. Einige Träume entpumpten sich als zerplatzte Seifenblasen, dafür kamen jedoch neue Perlen für meine Lebenskette hinzu. Ich habe viel riskiert, etliche Eimer an Tränen in die Blumentöpfe gegossen, Risse am Leibe erfahren, die heute in Form von Narben an jene schmerzhaften Ereignisse erinnern, mir dafür Stärke in die Knochen gebrannt haben. Meinen Weg bin ich aber unbeirrt, hartnäckig weitergegangen und manchmal hat mir meine kindliche Naivität weitergeholfen. Nicht darüber nachdenken, sondern einfach nur machen und an das Gute im Menschen glauben. </p>
<p>Ich bereue nichts, kein Umweg war mir zu lang, kein Berg zu hoch, keine Schweißperle zu nass, keine Träne zu feucht. Vielleicht habe ich an einigen Stellen den kurzen Atem der Zeit gelegentlich unterschätzt. Wie oft verschob ich Sachen auf Morgen, obwohl sie besser in die Gegenwart gepasst hätten? Wie oft habe ich an Dingen festgehalten, obwohl sie längst am Horizont verschwunden waren? Wie oft habe ich gegenwärtig über Sachen nachgedacht, die noch gar nicht an der Zeit waren? Irgendwann stieß ich durch einen Autor auf eine Kultur, die in der Moderne zwar ebenso eilt wie ich, doch parallel die Kunst des Anhaltens, des Verweilens beherrscht. Die Menschen dort lassen los, wenn es sein muss und beugen sich vor der Natur als wäre es der liebe Gott persönlich. Ich spreche von den Japanern und dem Buddhismus. Das fasziniert mich und hält mein Rad an, wenn es das Tempo überschritten hat.</p>
<p>Das Teufelchen sitzt auf meiner linken Schulter und grinst:<br />
"Siehst du, du wolltest damals nicht auf deine Mama hören. Nun hast du den Salat."<br />
"Salat? Wo ist Salat? Schau sie dir an, wie wunderbar sie geworden ist. Ihre Stärke, den großen Happen an Weisheit, den sie heute schon im Bauch liegen hat", entgegnet der Engel auf der rechten Schulter. "Sie ist ihren Weg gegangen und wird ihn weitergehen mit ihrem eigenen Atem und wenn sie die Zeit eines Tages einholt, dann hält sie diese fest und denkt an ihre Mama zurück. Sag, gibt es ein schöneres Gefühl als dieses?"</p>
<p>Sicherlich ist es schön, wenn es Zeitrahmen gibt, doch ich finde, man sollte für sich den eigenen Atem der Zeit finden und leben. Während ich das denke, tanzen meine zehn Finger den nächsten Jahren in ihrem eigenen Rhythmus entgegen.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die Philosophie des Schmerzes]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=311</link>
<pubDate>Fri, 13 Jun 2008 21:16:48 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Der Schmerz hat viele Formen, weißt du?
Nein, ich kenne nur den einen, wenn ich mich stoße oder hi]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Der Schmerz hat viele Formen, weißt du?</p>
<p>Nein, ich kenne nur den einen, wenn ich mich stoße oder hinfalle. Oder wenn ich krank bin und schrecklich Halsweh habe.</p>
<p>Da hast du Recht, auch der gehört dazu, aber ich meine noch einen anderen, wenn man traurig ist und einem selbst die liebste Limonade nicht schmeckt.</p>
<p>Das ist auch Schmerz?</p>
<p>Im gewissen Sinne ja, meine Liebe. Dann weint das Herz und dein Bauch füllt sich mit salzigen Tränen. </p>
<p>Ja, das kenne ich. Oh, wie weh das tut. </p>
<p>Aber auch das gehört dazu wie ein Jauchzen, das du vor Glückseligkeit herausschreist. Das sind die Zeiten eines Menschens, die schmerzhaft sind, man keinen Eingang und keinen Ausgang findet. Es scheint dann, als gäbe es nur Häuser mit geschlossenen Fenstern, ohne Türen.</p>
<p>Aber warum muss das so sein? Wenn es uns nicht gut geht dabei?</p>
<p>Weil uns solche Momente erden. Wir landen mit unseren Füßen wieder auf dem Boden, sehen uns, wie wir sind, was wir haben. Und ganz wichtig, solche Schmerzen machen uns am Ende stärker. Sicherlich dauert das, aber wenn du das überwunden hast, manchmal kann es nur einige Tage und ein anderes Mal Monate dauern, gehst du ganz anders in die große weite Welt hinaus. </p>
<p>Das ist anders, als wenn ich mich gestoßen habe, warum?</p>
<p>Weil es aus dem Inneren kommt, hier her, aus deiner Seele und deinem Herzen. Das ist viel tiefer als eine Schürfwunde. </p>
<p>Gehören also Glück und Unglück zusammen, ja?</p>
<p>Genau, sie bilden eine kleine Symbiose, also eine Einheit, der Eine kann nicht ohne den Anderen. Schau, wie der Tag und die Nacht. Allein wären sie langweilig… stell dir vor, wenn es immer hell wäre. </p>
<p>So was wäre echt total doof. Ohne Sonnenuntergänge und so. </p>
<p>Stimmt. </p>
<p>Das sind die Formen von denen du gesprochen hast?</p>
<p>Ja, nenn sie die Philosophie des Schmerzes.</p>
<p>Das hört sich irgendwie anders an, nicht so hart.</p>
<p>Fast zärtlich, so als würde ich dich wie jetzt streicheln.</p>
<p>Ja, so und nicht anders.</p>
<p>Also hab keine Angst, Kleines. </p>
<p>Jetzt nicht mehr. </p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Kein ganz gewöhnlicher Morgenlauf]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=303</link>
<pubDate>Sat, 07 Jun 2008 19:16:26 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Sport und Obdachlosigkeit - passt das zusammen? Ich weiß es nicht und wische eine Schweißperle von]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Sport und Obdachlosigkeit - passt das zusammen? Ich weiß es nicht und wische eine Schweißperle von meiner Stirn. Während ich noch darüber nachdenke, sehe ich ihn schon von weitem auf seiner Bank sitzen. Ich lächele kurz auf und denke, dass er irgendwie schon zu meinem täglichen Morgenritual gehört. Im nächsten Moment jedoch stocke ich bei dem wohligen Gedanken. Irgendwas stimmt nicht.</p>
<p>Der alte, graubärtige Mann sitzt wie gewohnt auf seinem Platz, auf der zweiten Bank am Ufer gegenüber vom Fluss. Seine Haare sind strähnig und hängen wie Staubfäden in seinem Gesicht. Neben ihm liegt wie ein treuer Hund sein großer erdenfarbiger Rucksack, an dem etliche Sachen baumeln. Ich erkenne kleine Schalen aus Alu und eine Trinkflasche, die still dort hängen und froh darüber sind, einen Platz gefunden zu haben. Der Mann strahlt eine Ruhe aus, wie ich sie selten bei Obdachlosen gesehen habe. Fast so, als hätte er sich mit seinem Schicksal angefreundet, vielleicht mit ihm Brüderschaft getrunken oder hat er sich vielleicht bewusst dafür entschieden? </p>
<p>Jedesmal, wenn ich an ihm vorbeilaufe, spüre ich wie sich ein fremder Geruch ganz schüchtern zwischen die assimilierenden Blätter und die seichten Wellen des Wassers schiebt. Diese Mischung erinnert mich an etwas, nur an was genau, mag mir einfach nicht einfallen. </p>
<p>Jedesmal, wenn ich an ihm vorbeilaufe, möchte ich mich neben den alten Mann setzen und ihn so vieles fragen. Er sieht tatsächlich aus wie ein Geschichtenerzähler, dem Kinder am offenen Kamin mit leuchtenden Augen zuhören. Im Winter trägt er bestimmt einen roten Mantel und erfüllt Wünsche.</p>
<p>Jedesmal, wenn ich an ihm vorbeilaufe, krampft sich mein Herz zusammen, als hätte sich ein Muskel eingeklempt. Ich atme dann stets so wie es mir meine Mama beigebracht hat, langsam ein, langsam aus - der Schmerz jedoch bleibt wie eine hässliche Klette an der Stelle sitzen und streckt mir die Zunge raus.</p>
<p>Jedesmal, wenn ich an ihm vorbeilaufe, denke ich über den Begriff Obachloser nach. Landstreicher hießen solche Menschen früher einmal, als noch Kutschen statt Autos fuhren. Ein viel schöneres Wort, finde ich, man sollte es wieder offiziell einführen und auf den Begriff Penner ein Bußgeld setzen. </p>
<p>Jedesmal, wenn ich an ihm vorbeilaufe, sitzt er da, vollkommen in sich versunken, blickt auf die Spree und ist nur mit seinem Körper anwesend. Ich möchte wissen, an was und wie er über die Welt denkt. </p>
<p>Jedesmal, wenn ich an dem alten Mann vorbeilaufe, bleibe ich am Ende des Weges stehen, zerpflücke mit meinem hechelnden Atmen eine Pusteblume und wünsche mir, dass es so etwas irgendwann nicht mehr geben wird.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das Karussell der Großstadt dreht sich unaufhörlich]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=298</link>
<pubDate>Mon, 26 May 2008 18:49:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Vor einigen Tagen saß ich in einem Café an einer großen Straße. Die Sonne stand an der höchsten]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen saß ich in einem Café an einer großen Straße. Die Sonne stand an der höchsten Stelle und nahm sich von der Erde, das was sie wollte. Sie bespuckte die Menschen frech mit Schweißperlen, einige hatten sie auf der Stirn, andere unter den Achseln. Ich trank im Schutze des Sonnenschirms einen kalten Eiskaffee und streckte der leuchtend gelben Madame über mir die gefrorene Zunge raus, die ein wenig wie ein dünner Schneemann aussah. Dabei blieben meine Augen im bunten Treiben um mich herum haften. Eigentlich wollte ich einen langen Liebesbrief schreiben; er war schon längst fällig, aber die Verführungen vor der eigenen Nase waren zu groß. Ich weiß auch nicht, aber ich kann mich in der großen Stadt einfach nicht satt sehen. Kaum ist man zur Ruhe gekommen, macht es wieder schwupps und man dreht mit dem eigenen Kopf flotte Runden, als wäre man selbst ein Pferd auf einem Karussell.</p>
<p>Nehmen wir doch mal den Typen links neben mir. Der sitzt schon eine Weile in der prallenden Sonne. Dicke Kopfhörer trägt er, die aussehen wie Tennisbälle, als wären sie irrtümlich an seinen Ohren hängengeblieben. Er schaut geradeaus und ich vermute, er ist gar nicht hier, nur seine Hülle. Der Geist, tja, wo mag er sich wohl gerade aufhalten? Bei einer schönen Frau zwischen den Beinen oder mit dem Mund auf ihren Lippen? Vielleicht pokert er aber gedanklich gerade und ist kurz vorm Gewinnen? Oder steht er im Fußballstadion neben Michael Ballack? Eigentlich sieht er mehr wie ein Skater aus als ein Kicker. Sein Kopf spielt Ping-Pong. Im Sekundentakt wippt er von vorn nach hinten. Ich starre ihn schon eine Zeit lang  an, beobachte ihn, und er bemerkt es tatsächlich nicht.  </p>
<p>Wumm! Auf der Straße gab es soeben eine Vollbremsung. Vor mir hält ein Lastwagen mit der Aufschrift: Mobiler Schlauchkurier! Was ist bitteschön ein Schlauchkurier? Ein Kurier, der Schläuche transportiert? Oder ein Kurier, der nur Briefe in Schlauchform von A nach B bringt? Gleich dahinter trötet auch schon ein Durstlöscher: <em>Keine Panik, trink Garick</em> - steht in großen Lettern auf seinem Bauch. Von dem Getränk habe ich bis dato nie etwas gehört, aber der große Wagen fährt ruhig an meinen fragenden Augen vorüber, seine Spiegel zwinkern mir frech zu und ich fühle mich ertappt.</p>
<p>Das Klappern eines alten Fahrrads holt mich aus meiner Gedankenspirale zurück und ich schaue auf zwei junge Männer, die händchenhaltend an mir vorbeischlenkern. Der eine trägt einen Hut, der an wilde Westernfilme erinnert und kurz denke ich, dass das an seinem rechten Arm kein Fahrrad, sondern ein brauner Hengst ist. Cold Mountain lässt grüßen. </p>
<p>Den Liebesbrief habe ich Stunden später noch geschrieben, abends im Bett, natürlich bei zugezogenen Fenstern, man weiß ja nie bei so einem neugierigem Geist wie meinem. Schwupps, eh man sich versieht, fliegt er duch den offenen Fensterschlitz und ich sitze am Ende da mit meinen flatternden Haaren, dem klopfendem Herzen, aber ohne Verstand. </p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein dunkler Schatten über mir]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=273</link>
<pubDate>Wed, 14 May 2008 17:23:51 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Es geschah an einem Montag, als die Sonne schon morgens fast am Zenit stand und versprach somit läc]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Es geschah an einem Montag, als die Sonne schon morgens fast am Zenit stand und versprach somit lächelnd den Erdenkindern, dass es ein wunderbarer Tag werden sollte. Ich setzte meine Sonnenbrille auf und lief zur S-Bahn. Oben angekommen, stach er mir sofort in die Augen. Er war kein gewöhnlicher Wartender, irgendetwas verwirrte mich, doch ich konnte nicht genau sagen, was es war. Sein Alter ließ sich schwer schätzen, aber eines sah ich sofort: Es musste ein intelligenter Mann sein, der vom Weg abgekommen war.</p>
<p>Als sich die S-Bahn-Türen schlossen, hörte ich von ganz hinten eine summende Stimme, in den Worten war so ein Singsang, den ich nicht einordnen konnte. Es kam immer näher und dann hörte ich: "Ich bin seit acht Jahren obdachlos, aber ich bin nicht so einer, wie Sie hier vielleicht denken und bitte lediglich um eine kleine Spende. Bitte." Ich schluckte und sah zu den anderen Fahrgästen. Einige stellten ihre Musik lauter, andere versteckten sich hinter ihren Zeitungen. Kurz dachte ich: Es ist eine schwere Zeit, jetzt obdachlos zu sein, wo die Menschen sowieso weniger Geld haben. Kaum einer kann wirklich davon existieren. 50 Prozent leben mit einem Jahreseinkommen von 25.000 Euro, wie die neue McKinsey Studie erst kürzlich veröffentlichte. </p>
<p>Vor die Sonne schoben sich düstere Wolken und ich kämpfte mit mir - mit meinem Gewissen. Der Teufel und der Engel lieferten sich eine regelrechte Schlacht, so sehr, dass ich mich fester halten musste, um nicht umzukippen. Er kam an mir vorbei, stieß mich an und ich guckte in seine Augen. So leer, verbraucht, doch ganz hinten sah ich einen zarten Hoffnungsschimmer, dass ich erschrocken das Atmen vergaß. Neben mir raschelte es und ich sah, wie ein Mann seine Geldbörse zückte. Ich atmete auf und spüre, wie sich die Stimmung plötzlich in der S-Bahn veränderte. </p>
<p>Hinterher fragte ich mich: Bin ich kalt? Feige? Aber ich habe nur wenige Cent-Stücke übrig und die gebe ich Leuten, die etwas vollbringen, entweder eine Zeitung verkaufen oder auf einem Instrument spielen, obwohl letztere schon wieder eine andere Kategorie darstellen. </p>
<p>Die Sonne schien tatsächlich den ganzen Tag, doch über mir bewegte sich ständig ein dunkler Schatten wie ein treuer Hund, der nicht von mir weichen wollte. </p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Zehn Fragen der 19.Woche ]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=250</link>
<pubDate>Sun, 11 May 2008 07:18:13 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[
Wichtig ist es, dass man nie aufhört zu fragen, sagte einst der schlaue Albert Einstein. Ich hatte]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/strauss1.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-252 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/strauss1.jpg?w=300" alt="" width="300" height="123" /></a></p>
<p><em>Wichtig ist es, dass man nie aufhört zu fragen, </em>sagte einst der schlaue Albert Einstein. Ich hatte erst Zweifel, ob ich wieder meine Fragen der Woche hier auftsellen soll, aber ich mache es einfach. Es gibt eben Dinge im Leben, bei denen man selbst nicht eine Antwort findet, aber es bleibt die Hoffnung, dass es andere vielleicht tun. Ihr habt mir so tolle Antworten beschert, dass ich einfach wieder welche stellen möchte.</p>
<p>1) Warum tragen derzeit so viele Frauen blaue Schuhe, die aussehen, als hätte man sie in ein Tintenfass getaucht?<br />
2.) Was sind das für komische Insekten vor meinem Fenster? Sie sehen größer aus als Mücken, sind viel langsamer (lassen sich also mit einer Leichtigkeit fangen) und summen auch so? Nur tauchen Mücken nicht erst im Sommer auf?<br />
3.) Wo kommt der schneeweiße Reisebus mit dem Anhänger her, der nachts um kurz vor 2 Uhr an der Ampel hält?<br />
4.) Wo hat der einsame, alte Mann im Rollstuhl vorm Einkaufszentrum seine Beine verloren? Und was zieht ihn täglich dort hin?<br />
5.) Grüntee oder Früchtetee?<br />
6.) Woher weiß ich, dass das genau das richtige Buch für mich ist?<br />
7.) Warum musste Raquel bei Germany Next Topmodel gehen?<br />
8.) Warum verlieren Menschen, die ins Showbusiness einsteigen, ihre Natürlichkeit (s. Gina-Lisa und Sarah die Woche bei Stefan Raab)<br />
9.) Wo haben die fetten Spinnen vor unseren Fenstern in der 5. Etage überwintert?<br />
10.) Wie lange brennt das Teelicht auf meinem Tisch?</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Freundschaften]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=240</link>
<pubDate>Thu, 08 May 2008 00:15:49 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Ich schaue in das gefüllte Weinglas, stoße dabei auf einen kalten See aus zartgelbem Rebensaft, de]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich schaue in das gefüllte Weinglas, stoße dabei auf einen kalten See aus zartgelbem Rebensaft, der so rein ist und regelrecht dazu einlädt hineinzuspringen, kurz vorm Fallen halte ich jedoch inne, denn ich entdecke das verdrehte Fragezeichen in meinen Augen, das mich irritiert, während ich ihren Atem neben mir spüre.<br />
Es ist unser erster gemeinsamer Abend, allein, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, würde man sogar sagen, ich bin unsicher, versuche es mit einem Lachen zu überspielen, halte mich mit oberflächlichen Sätzen über Wasser und hüpfe unruhig im Kopf hin und her, als befände ich mich auf einer morschen Brücke, sie knarrt und raubt mir die Balance. Der Alkohol hingegen betäubt die Gedanken, schenkt mir die Leichtigkeit zurück, die ich am Eingang ihrer Wohnungstür abgelegt hatte.</p>
<p>Der Anfang wohnt dem Zauber inne, schrieb einst der schlaue Hermann Hesse, doch manchmal suche ich vergeblich danach, denn es überwiegen nicht selten die Nervosität, die Zweifel und Erwartungen. Sie baumeln wie reife, rote Äpfel vor meinem Herzen und versperren mir den Weg.<br />
Ich könnte mir schon wieder selbst an der Nase ziehen, weil ich den aufkommenden Gedanken zu viel Raum lasse, anstatt sie festzuketten, die Hütte dazu steht bereit, liebevoll mit warmen Decken ausgestattet. Es liegt nur an mir, höre ich eine Stimme flüstern, etliche Kilometer von mir entfernt.</p>
<p>Während ich mit meinem weindurchtränken Spiegelbild flirte, erhasche ich mich dabei, wie ich das Thema Freundschaft vorsichtig streife wie ein verbotendes Terrain, von dem ich mich heute fernhalten sollte. Erschrocken zucke ich zurück und höre die aufdringlichen Fragen an mir vorbeirauschen wie die S-Bahn, die täglich vor meinem Fenster entlang rattert.<br />
Wo fängt sie an? Wo hört sie auf? Woran erkennt man den richtigen Weg dorthin? Wo sollte man lieber kehrt machen? Wann ist man nur Kollege? Wann ist man eine Bekannte? Wann ist man eine Freundin?</p>
<p>Ab einem bestimmten Alter wird vieles schwieriger, dazu gehören auch Freundschaften. Zu Schulzeiten war es leicht, andere Leute kennenzulernen, mit den Freundinnen den Nachmittag am Strand zu verbringen, man selbst zu sein, abzulästern, zu jammern, zu weinen, zu lachen, Schultern zu spüren, die sich an die eigene anschmiegten. Und man denkt, es wird immer so bleiben, während man gemeinsam den Sonnenuntergang beobachtet. Zum Glück glaubt man das, sonst säße einem die Angst noch härter im Nacken als sie es sowieso schon tut; je mehr sich das Ende dieser Zeit mit großen Schritten nähert, um so schneller geht der Herzschlag. Irgendwie trennen sich nach der Zeugnisübergabe die Wege und jeder beteuert: "Wir bleiben im Kontakt, alles bleibt so wie es ist." Doch das ist eine Illusion, die uns eines Tages wie ein kalter Wind einholt. Der Fluss des Lebens spült einen an neue Ufer, wir treffen auf fremde Menschen, in der Hoffnung an dem anzuknüpfen, was man in der Heimat hat liegen lassen. </p>
<p>Als Schulkind erschien einem alles so einfach, selbstverständlich und mit zunehmendem Jahren gerät man schneller ins Stocken als einem lieb ist. Die Eigenständigkeit setzt sich auf die Schulter, navigiert den Alltag und im Hinterköpfchen pocht die Flucht vor der Einsamkeit. Der Mensch ist wie der Wolf ein Rudeltier und ein einsamer Gefährte gleichzeitig. Einerseits sucht man nach leeren Inseln, die dazu einladen, die sich hinzulegen, dem Gesang des Meeres zu lauschen, sich auszuruhen, durchzuatmen, zu sortieren. Andererseits schaut man nach Gleichgesinnten, mit denen er sich austauschen kann. Mit wem gelingt einem das besser als mit einer guten Freundin? Nur was ist, wenn die eines Tages nicht mehr nebenan wohnt?</p>
<p>Und dann ist er da, der Moment, auf dem man so lange gewartet hat: Die Begegnung mit einem Anderen, bei dem man denkt, das könnte mehr werden als nur eine Kollegin. Ohne es zu wollen, fühlt man sich dann wieder wie ein Teenager, der zum ersten Mal verliebt ist. Wie gehe ich es am besten an? Woher weiß ich, dass er oder sie auch so empfindet? Wie fange ich an? Was ist aufdringlich? Wo sind die Grenzen? Bis hier hin und wo weiter?</p>
<p>Der ganze Abend plätschert wie ein scheuer Nieselregen vor sich hin, als würden die Tropfen schüchtern die Rinne entlanglaufen. Nichts Halbes, nichts Ganzes. Als ich gehen will, steuere ich den Ort an, der mich schon die ganze Zeit anzieht und unsere Wellen treffen sich zum ersten Mal richtig, ich will noch mehr, doch die Uhr tickt und die letzte Bahn wird nicht auf eine einzelne Dame warten. </p>
<p>Ich muss nun los, leider, sage ich, drücke sie und dann antwortet sie: Wenn du magst, kannst du nächste Woche gern wiederkommen.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Der Kuss: Eine kleine wissenschaftliche Abhandlung]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=236</link>
<pubDate>Tue, 06 May 2008 16:35:15 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Am Wochenende entdecke ich in der Süddeutschen Zeitung auf der Wissenseite einen interessanten Beri]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Am Wochenende entdecke ich in der Süddeutschen Zeitung auf der Wissenseite einen interessanten Bericht übers Küssen, den ich so süß fand, dass ich die zehn Dinge, gern hier festhalten möchte. Wer dann keine Lust aufs Küssen bekommt, ist selbst schuld.</p>
<ul>
<li>Zwei Drittel aller Menschen neigen ihren Kopf nach rechts, während sie küssen. Ob es ein Küsser bevorzugt, den Kopf nach rechts oder links zu halten, steht schon bei der Geburt fest - diese Prägung entwickelt sich bereits im Mutterleib.</li>
<li>Küssen ist das bessere Zähneputzen. Der Speichelfluss wird angeregt, was Zahnbelag bekämpft. Die Sache hat nur einen Harken, beim Küssen werden auch Kariesbakterien ausgetauscht.</li>
<li>Den ersten Filmkuss in der Geschichte der bewegten Bilder tauschten May Irwin und und John C. Rice 1896 aus. Der Film dauerte 20 Sekunden und trug den schlichten Titel "The Kiss".</li>
<li>Jedes Jahr am 6. Juli wird der Tag des Kusses begangen.</li>
<li>Bei einem leidenschaftlichen Zungenkuss werden im Schnitt 60 Milligramm Wasser, 0,7 Milligramm Eiweiß und Fett sowie 0,4 Milligramm Salz ausgetauscht. Dabei bewegen die Küssenden bis zu 38 Gesichtsmuskeln und verbrauchen - bei einer Kussdauer von drei Minuten - je zwölf Kilokalorien.</li>
<li>Laut einer Legende haben die Menschen das Küssen nur deshalb gelernt, weil im alten Rom einst den Frauen der Genuss von Wein verboten wurde. Die Männer wurden angewiesen, die Einhaltung des Verbots zu prüfen, indem sie von den Lippen der Frauen kosteten - dabei kamen die Menschen auf den Geschmack.</li>
<li>Ein durchschnittlicher Mensch verbringt in 70 Jahren Lebenszeit etwa 110 000 Minuten mit Küssen. Das sind mehr als 76 Tage - am Stück</li>
<li>Louisa Almedovar und Rich Langley tauschten den laut Guinness-Buch der Rekorde den längsten Kuss der Welt aus. Er dauerte 30 Stunden, 59 Minuten und 27 Sekunden.</li>
<li>Die Bonobos, eine als promisk verschrieene Zwergschimpansenart, sind die einzigen Primaten neben den Menschen, bei denen bisher Zungenküsse beobachtet wurden.</li>
<li>Das Kiss-Syndrom steht für Kopfgelenk industrierte Symmetrie Störung. Es bezeichnet eine Fehlfunktion im Bereich der Halswirbelsäule.</li>
</ul>
<p>Der Autor dieser kleinen wissenschaftlichen Abhandlung: Sebastian Herrmann.<br />
Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 2. Mai 2008</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~ Gustav Klimts Interpretation zum Thema Kuss ~~~~~~~~~~~~~~<br />
<a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/kuss1.jpg"></a></p>
<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-medium wp-image-238 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/kuss1.jpg?w=200" alt="" width="200" height="300" /></p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das habe ich mich die Woche gefragt]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=227</link>
<pubDate>Fri, 02 May 2008 18:14:00 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[
1. Wonach wählt mein IPod-Shuffle aus, was als Nächstes gespielt wird?
2. Was will die Dame hinte]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/fragen.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-228 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/fragen.jpg?w=300" alt="" width="300" height="111" /></a></p>
<p>1. Wonach wählt mein IPod-Shuffle aus, was als Nächstes gespielt wird?<br />
2. Was will die Dame hinter mir an der Kasse mit elf Schoko-Wölkchen?<br />
3. Wie heißt der Vogel, der in der Nacht da draußen sein zartes Lied singt?<br />
4. Welches Ziel hat wohl der ICE, der vor meinem Fenster vorbeifährt?<br />
5. Nehme ich Tulpen oder Magnolien?<br />
6. Wieviel Umdrehungen schafft meine elektrische Zahnbürste pro Minute?<br />
7. Fühlen sich alle Ballerinas beim Gehen an, als würde man barfuss laufen?<br />
8. Kaffee oder Espresso?<br />
9. Wo kommt der Pfennig in meinem Portemonnaie her?<br />
10. Welche Funktionen haben die kleine Borsten am unteren Gelände der Rolltreppen?</p>
<p style="text-align:center;">~~ Antworten nehme ich gern entgegen. ~~</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Germany's Next Topmodel - Wahnsinn oder Kult?]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=210</link>
<pubDate>Thu, 01 May 2008 09:09:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[
~~ Die Sucht ~~
Wann ist es passiert? Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber ich bin süchtig gew]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><img class="size-medium wp-image-212 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/gntm.jpg?w=300" alt="" width="300" height="97" /></p>
<p style="text-align:center;">~~ <strong>Die Sucht</strong> ~~</p>
<p>Wann ist es passiert? Ich kann es nicht mehr genau sagen, aber ich bin süchtig geworden nach meiner wöchentlichen Fernsehration am Donnerstagabend auf Pro7. Ich schüttele bedächtig mit dem Kopf, weil sich die Feststellung zu verrückt anfühlt. Normalerweise schalte ich die Flimmerkiste an, wenn ich einen schönen Film oder eine aufregende Dokumentation für mich entdecke. Privatfernsehen schaue ich schon gar nicht mehr. Zu platt und zu hohl erscheinen mir deren Hüllen, die übersendet werden. Fernsehen ist für mich keine Berieselung, sondern ein Erlebnis ähnlich wie ein gutes Buch oder ein spannendes Theaterstück. Was genau zieht mich also zu den Mädels von Heidi Klum, die jeden Donnerstag Millionen Deutsche unterhalten?</p>
<p style="text-align:center;">~~ <strong>Die Mode</strong> ~~</p>
<p>Erst einmal bin ich jemand, der sich sehr für Mode interessiert. Ich liebe die Vogue und freue mich täglich über Menschen, die das richtige Stilempfinden in sich verspüren. Dabei müssen es nicht unbedingt Pradataschen oder Miss Sixty Hosen sein, es kann sich auch um einfachste No-Name-Klamotten von C&#38;A oder H&#38;M handeln. Wenn die Kombination stimmt, ist alles perfekt und ich lächele, entweder durch die perfekte Abstimmung von Kleidungsstück und Accessoires oder durch das gesamte Erscheinungsbild. Bei GNTM macht es Spaß, in die glitzernde Welt der Mode einzutauchen, sich die gestylten Mädchen anzuschauen. Nicht selten sitzt man dann mit offenem Mund vorm Fernseher und ruft: "Oh, guck mal, wie hübsch die aussieht." Sobald einige beim Posen keine richtige Stellung einnehmen, plustert man sich auf und denkt: "Die ist ja doof, das ist doch so einfach." Natürlich hat man das noch nie gemacht, aber der Zuschauer weiß oft mehr als die Akteure.</p>
<p style="text-align:center;">~~ <strong>Die Identifizierung</strong> ~~</p>
<p>Und da sind da natürlich die Mädchen, die mich interessieren. Die Psychologin in mir kramt nach ihrer Brille, räuspert sich und sagt etwas von Identifizierung. Ich lausche brav und nicke. Im Laufe der Sendung findet man seine eigenen Favoritinnen und ich picke mir gern diejenigen heraus, die etwas unscheinbar sind. In der letzten Staffel war es die große Anja, die auf ihren langen Beinen nicht laufen konnte und dieses Mal sind es neben Jenniffer auch Raquel und Vanessa. Für die letzten beiden stehen die Chancen auf den Tiel nicht gerade rosig, denn die eine wird von keiner Agentur gebucht und die andere ist krank. Von Raquel habe ich sogar schon geträumt. Wir haben zusammen Kaffee getrunken und viel erzählt, Einzelheiten weiß ich heute nicht mehr. Manche Menschen mag man eben einfach.</p>
<p style="text-align:center;">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Vanessa und Raquel ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/vanessa31.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-220" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/vanessa31.jpg?w=210" alt="" width="210" height="300" /></a><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/vanessa41.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-221" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/vanessa41.jpg?w=170" alt="" width="170" height="300" /></a><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/kopie-von-raquel4.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-222" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/kopie-von-raquel4.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/raquel51.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-223" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/raquel51.jpg?w=201" alt="" width="201" height="300" /></a><br />
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p style="text-align:center;">~~ <strong>Wahnsinn oder Kult? </strong>~~</p>
<p>Und dann haben wir noch den Massenhype, der überall ausgebrochen. Erst kürzlich in der Firma outete sich ein Kollege mit den Worten: "Zack die Bohne!" Ich drehte mich um und fragte: "Du auch?" Ohne näher drauf einzugehen, wusste er genau, worum es geht. Gezwungenermaßen durch die Freundin, sagte er und natürlich auch so. Schöne Mädchen halt. Er grinste. Das Ablästern erhöht den Beliebtheitsfaktor zusätzlich. Wie aufgeregte Hennen und Hähnen regen sich die Zuschauer beispielsweise über die Heulsuse Giselle auf. Viele fragen entnervt: "Warum schmeißen sie die nicht endlich raus?" Die einen sagen: "Auf den Fotos sieht sie doch immer toll aus!" Andere meinen: "Die macht oft auf sexy und ist überhaupt nicht wandelbar." Mittlerweile kursieren im Kreise der GNTM-Fans neben den Mutmaßungen sogar Synonyme über die Namen der Kandidatinnen. Ich denke da an die stille Christina, die man - ähnlich wie damals Barbara Meier (die Siegerin der letzten Staffel) - eigentlich nicht wahrnimmt. Wähend man sich also über dieses Mädchen unterhält, fragen einige: "Wer ist Christina?" "Das Reh." "Ach so, die."<br />
Diejenigen, die vom dem GNTM-Fieber befallen sind, können tatsächlich jede neue Sendung kaum erwarten. So heißt es dann: "Nur noch einen Tag" oder "Nur noch vier Stunden, bis es soweit ist." Das sind Momenten, in denen man sich wünscht, man hätte die Zauberkraft, die Zeiger der Uhr vorstellen zu können. Ich möchte vorsichtig behaupten, dass dieses Event die Arbeitswoche verkürzt, denn man arbeitet nicht mehr auf den Freitag zu, sondern auf Donnerstag, tja, und danach folgt auch schon der Freitag, wie praktisch. Allmählich beginne ich mich allerdings zu fragen: Ist das ganze ein absoluter Wahnsinn? Oder hat die Sendung schon einen Kultstatus erreicht, den man später in den Geschichtsbüchern der Medien finden wird?</p>
<p>Nun ist es schon soweit, dass eine Freundin von mir dieses Medienspektakel in eine Studienarbeit integrieren möchte und sogar sagt: "Jetzt muss ich das ja regelmäßig gucken." Es gibt sie wirklich noch, einige Zuschauer schämen sich für diese kleine Obsession, nein nicht diese Freundin, aber nicht nicht selten erlebte ich, wie man hinter vorgehaltener Hand bestätigt, dass man das auch täglich schaue. Manchmal traut man sich nicht zu erwähnen, dass man sonntags extra früh aufgestanden ist, um die Wiederholung zu sehen, fast wie in Kindertagen. Während die halbe Welt noch schläft, sitzt man gebannt vorm Fernseher, überhört das Knurren des Magens und reibt sich die Müdigkeit der Augen weg.</p>
<p style="text-align:center;">~~ <strong>Der Wermutstropfen</strong> ~~</p>
<p>Es liegt ein Zauber über dieser Sendung, der fast schon wieder lächerlich ist. Was mir aber bei der Staffel eindeutig fehlt, ist der liebe Bruce Darnell, die warme Seele, die Hand zum Festhalten und zum Schmunzeln.</p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Bruce Darnell - Du fehlst ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<br />
<a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/05/bruce.jpg"></a></p>
<p style="text-align:center;"><img class="alignnone size-medium wp-image-224 aligncenter" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/05/bruce.jpg?w=176" alt="" width="176" height="300" /></p>
<p>~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<br />
Sein Ersatz Wolf Scheider ist eine Lachnummer. Er tut so als wäre er ein waschechter Franzose, obwohl er ein Deutscher ist, der mal ein paar Jahre in Frankreich gelebt hat, für eine Modelsendung arbeit und überhaupt gar kein Stilempfinden besitzt. Heidi möchte ich am liebsten zurufen: Das war ein Griff ins Klo. Der Typ verfügt außerdem über kein Charisma oder eben eine andere Eigenschaft, die wichtig wäre, um die Sendung abzurunden. Und von der unterschwelligen Werbung will ich an der Stelle auch nichts sagen, das sind eben die dunklen Schattenseiten des Privatfernsehens. Wie ich diese Woche in der Süddeutschen Zeitung gelesen habe, kommt die Sendung Pro7 übrigens gerade zum richtigen Zeitpunkt, wo die Zuschauerzahlen schwinden und die Werbepartner abspringen.</p>
<p>Wer wird also Gernmany's Next Topmodel? Gibt es noch mehr, die dem Ganzen verfallen sind? Was fesselt euch an der Sendung? Ist das nur platt oder steckt mehr dahinter?</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Liebe zwischen den Waschmaschinen]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=161</link>
<pubDate>Tue, 08 Apr 2008 08:13:38 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[
Für jede Geschichte gibt es irgendwann den passenden Zeitpunkt. So wie für diese hier. Es ist kei]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:center;"><a href="http://monfiwi.files.wordpress.com/2008/04/waschsalon.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-162 alignleft" style="float:left;" src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/04/waschsalon.jpg" alt="" width="169" height="218" /></a></p>
<p>Für jede Geschichte gibt es irgendwann den passenden Zeitpunkt. So wie für diese hier. Es ist keine emotional aufgeladene Lovestory oder ein Abriss aus dem eigenen Gefühlshaushalt, sondern ein nüchterner Streifzug aus dem Leben eines kleinen Waschsalons.</p>
<p>Manchmal ist es nicht schlimm, ohne Waschmaschine zu leben. Ich weiß, für viele wäre es ein Graus, aber ich will mittlerweile keine mehr. Zu groß ist die Lust, jeden Dienstag in den Waschsalon zu fahren. Pardon, in DEN WASCHSALON, er selbst wurde das <em>Waschcafé</em> getauft.<br />
Von draußen sieht er nicht sehr einladend aus, ein bisschen steril, große Fenster, weiße Fassade, ohne Charme oder Geschmack, man würde ihn zwischen den Häuserzeilen an der Hauptverkehrsstraße sicherlich leicht übersehen. Direkt am Eingang steht ein Aufsteller, der alle Getränke aufzählt, die es in dem kleinen Waschsalon-Café zu trinken gibt: Espresso, Latte Machiato, Kaffee, Kakao, Bionade.</p>
<p>Wenn man reinkommt, hört man bereits das leidenschaftliche Routieren der Waschmaschinen, der Geruch von frischem Waschmittel mischt sich mit dem des Kaffees und leicht orientierungslos steht der Gast vor dem Automaten, der so viele Knöpfe hat. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Tag hier.<br />
“Haben Sie schon eine Maschine mit Wäsche gefüllt?” fragt eine Stimme neben mir aus dem Off. Ich drehe mich um und schaue einem kleinen rothaarigen Mann mit riesiger Sonnenbrille an.<br />
“Ja, die da hinten. Ähm, die Nummer 9.”<br />
“Gut, dann werfen Sie bitte 2.50 € rein oder brauchen Sie noch Waschpulver?”<br />
“Nö, das habe ich selbst. Ach, wo gieße ich das am besten rein. Da sind drei Löcher.”<br />
“In das Große, das Mittige.”<br />
“Vielen Dank.”<br />
“Papperlapapp, dafür bin ich ja da.”</p>
<p>“Guten Tag. Wieviele Maschinen brauchen Sie heute?” fragt der rothaarige Mann eine halbe Minute später zwei junge Männer, die kurz nach mir mit zwei großen Taschen den Salon betreten.<br />
“Zwei”, sagt der Kleinere von beiden.<br />
“Ja, dann kommen Sie mit. Hier hinten sind noch zwei frei. Wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hinbekommen.”<br />
Während er noch spricht, denke ich, ich habe eine Halluzination, denn am Eingang zum Café steht noch ein anderer rothaariger Mann, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht, gleiche Haare, gleiches Gesicht, ebenso in Anzug, doch ohne Sonnenbrille, dafür mit einem eleganten Hut.<br />
“Alles okay?” fragt dieser mich.<br />
“Ja”, antworte ich, “ich hätte gern einen Kaffee.”<br />
“Gern, dann komm mal mit. Was willst du denn für einen?”<br />
“Einen ganz normalen.“<br />
“Mit Milch?“<br />
“Genau.“<br />
Das Zwischenspiel von du und Sie erlebt man hier öfter, wie ich später herausfinde. Darin unterscheiden sich die beiden. Irgendwie reizend. Ich setze mich an einen der kleinen Tische und habe meine Maschine im Blickfeld.<br />
“Endlich ist der Laden wieder voll”, sagt er.<br />
“Wieso? Was war denn los?”<br />
“Na ja, der Streik. Da kamen kaum Leute. Das ist schon hart.”<br />
“Ich verstehe. Ja, echt doof.”<br />
Es rumpelt, pfeift und zischt hinterm Tresen. Die Espressomaschine spuckt erst Dampf und dann meinen Kaffee aus, der hier übrigens hervorragend schmeckt. Einige Fremdlinge, also Leute ohne Wäsche, kommen extra hier her,um den Kaffee zu trinken, meistens als Coffee to go<br />
“Weiß hier einer, was Holunder auf Englisch heißt?” fragt der Hutträger.<br />
“Berry… oder so?” stammele ich. Allgemeines Achselzucken macht sich in dem kleinen Raum breit, der bestimmt nicht mehr als 15 Quadratmeter misst und schlauchförmig ist - rank und schlank.<br />
Das englischsprachige Mädchen ist sich dann doch zu unsicher und nimmt ein schlichtes Wasser.<br />
“Holunder, Holunder…” murmelt der Hutträger und geht zu seinem Zwillingsbruder in den Salon.<br />
Die beiden Inhaber passen nicht in das Bild des Salons. Immer, wenn ich sie antreffe, sind sie schick angezogen, viel zu edel mit Anzug und Krawatte.<br />
“Wer hat die Nummer acht?” fragt der Sonnenbrillen-Mann und reckt seinen erhitzten Kopf ins Café.<br />
“Ach, das ist meine”, ruft ein junger Typ mit Zopf neben mir.<br />
“Können Sie die Maschine bitte ausräumen.”<br />
“Klaro.”<br />
Im Salon hat sich in der Zwischenzeit eine Menschentraube gebildet und auf der Stirn der beiden sammeln sich langsam richtige Schweißtropfen.<br />
“Geh du mal rüber ins Kaffee”, schubst der Hutträger seinen Bruder an.<br />
“Hast du das hier im Griff.?”<br />
“Wat für eine Frage.”</p>
<p>Ich nehme immer ein Buch mit in den Salon, doch zum Lesen komme ich selten. Das Umfeld lenkt mich zu sehr ab. Letzte Woche waren fünf italienische Mädchen mit ihren bunten Reisetaschen hier, und der eine Inhaber versuchte mit Händen und Füßen ihnen die Funktionsweise des Automaten zu erklären. Das Englisch der beiden gehört auch mehr zu den Schwächen wie oben zu lesen war und doch schaffen sie es mit ihrer drolligen Ausstrahlung, das Minus glänzend zu übermalen. Ich mache mich nicht lustig über sie, doch wenn man sie sieht, weiß man, was ich meine. Die beiden sind klein, gerade mal so groß wie ich, also 1.69 Meter, fuchteln oft charmant mit ihren Händen in der von Waschmittel durchtränkten Luft, laufen in ihren Anzügen hin und her, immer darauf bedacht, jeden Gast ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Sie sind aufmerksam, zuvorkommend und ihrer Art einzigartig. Manchmal erinnern sie mich an kleine hektische Hamster, die sich gegenseitig am Fell ziehen.<br />
Wahrscheinlich haben die Brüder irgendwo in der Stadt noch ein anderes Etablissement, denn vor einigen Jahren residierten sie mit ihrem Café in der Galerie Lafayette - anders kann ich mir ihr schickes Aussehen nicht erklären.<br />
Obwohl sie sehr nach Business aussehen, finde ich so großartig, wie sie sich um jeden Kunden bemühen, der mit seiner vollen Tasche eintrifft. Businessmänner mit dem Herzen an der richtigen Stelle.</p>
<p>Im Waschsalon selbst trifft sich alles, was lebt und zappelt, würde meine Oma sagen. Ob jung oder alt, fashion oder old fashion, ob schwarz oder weiß - hier gibt es Nichts, was es nicht gibt. Das Publikum ist international, so ist die englische Sprache hier oft dominierend. Wie selbstverständlich sich die Leute hier helfen, fast als wären sie die Zahnräder der Uhr, die immer richtig greifen. Alles tickt im gleichen Rhythmus, kein Harken, kein Aussetzen. Eben einfach ein wohlbekömmlicher Waschmaschinengroove.</p>
<p>Ich habe lange überlegt und nachgedacht, was mich dort zwischen den Maschinen hält. Vielleicht ist es ja die Nächstenliebe im Waschsalon, die mich so glücklich macht.</p>
<p>Wenn also noch jemand einen Waschsalon in Berlins Mitte sucht, dann kann ja <a href="http://www.waschsalon-berlin-mitte.de/angebot.html">hier</a> mal vorbeischauen.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Literatur-Kalender - Wolfgang Koeppen]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=115</link>
<pubDate>Tue, 11 Mar 2008 20:54:02 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[ Auch kein Glück zu haben kann, aus dem Himmel betrachtet, Glück sein. Glück war es für mich, j]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><em> </em><em>Auch kein Glück zu haben kann, aus dem Himmel betrachtet, Glück sein. Glück war es für mich, jeden glücklichen Moment zu genießen, selbst wenn ich mir über die Vergänglichkeit des Augenblicks bewußt war. Lassen wir die Banalitäten nicht aus dem Blick. Ich habe in den Zeitläufen zeitläufig gewohnt. Heute ist es ein Genuß orientiertes Essen für mich ein schöner Mittag oder Abend. Vielleicht eine Mahlzeit mit einem Gast. Wir speisen, wir glauben uns zu verstehen und wissen, wir werden uns nicht wiedersehen. Beide wollen wir es nicht. Aber dieser eine Abend war schön, vielleicht ein Symposion.</em> [Wolfgang Koeppen]<br />
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~</p>
<p align="center"><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/03/koeppen.jpg" title="koeppen.jpg"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/03/koeppen.jpg" alt="koeppen.jpg" /></a></p>
<p align="left">~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~<br />
Bereits vorhandende Literatur-Kalendereinträge: <a href="http://monfiwi.wordpress.com/2008/02/18/literatur-kalender/">Ingeborg Bachmann</a>, <a href="http://monfiwi.wordpress.com/2008/02/26/literatur-kalender-virginia-woolf/">Virginia Woolf</a>.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ein Arbeitskampf? Wo fängt er an? Wo hört er auf? ]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/?p=112</link>
<pubDate>Mon, 10 Mar 2008 20:24:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
<guid>http://monfiwi.wordpress.com/?p=112</guid>
<description><![CDATA[
An Tagen wie diesen weiß ich nicht so recht, wie ich zum Arbeitskampf stehen soll. Ich bin selbst ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana"><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/03/verdi1.jpg" title="verdi1.jpg"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/03/verdi1.thumbnail.jpg" alt="verdi1.jpg" /></a></font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">An Tagen wie diesen weiß ich nicht so recht, wie ich zum Arbeitskampf stehen soll. Ich bin selbst Mitglied einer Gewerkschaft aus verschiedenen Gründen, die ich hier nun nicht groß erläutern möchte. Zum ersten Mal komme ich jedoch arg ins Stolpern und finde keine Stange, an der ich mich festhalten kann. Stattdessen wehen mir weiß-rote Verdi-Fahnen vor die Augen. Also schiebe ich sie aus mein Gesicht wie meinen Pony, der zu lang ist und versuche durch Worte einen neuen Halt zu finden.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Gerechtigkeit in dieser Welt ist wichtig und der Kampf dafür. Keine Frage. Aber irgendwo gibt es Grenzen. Wo fangen sie an? Und wo hören sie auf? Ich gehöre derzeit leider zu den Arbeitnehmern, die unter dem anhaltenden Streik der BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) zu leiden haben. Ich wähle mit Absicht das Wort Leid. Denn es ist eine große logistische Herausforderung für die Berliner, dieses Dilemma einigermaßen zu überstehen. Für mich bedeutet das Ausmaß jeden Tag zwei Stunden mehr Zeit, um zur Arbeit hin und wieder zurück zu kommen. Bei Sturm und Schneegestöber bin ich, wie viele andere auch gezwungen, einen langen Fußmarsch in Kauf zu nehmen, da ich mir keine Taxifahrt leisten kann. Hinzu kommen überheizte und volle S-Bahn-Züge, die sich um Minuten verspäten. An Umsteigeknoten wie das Ostkreuz staut sich alles vor der morschen, abgenutzten Treppe, die zum oberen Bahnsteig führt und man verpasst schnell seinen Anschlusszug, was natürlich zur Folge hat, dass der nächste wieder überfüllt sein wird. In den Menschenmengen, die einen an Großstädte wie Tokyo erinnern, schiebt man sich nur schleppernd zum Ziel. Von vorn, von hinten, von der Seite dringen zusätzlich klagende Stöhnlaute ans Ohr. Manchmal entwischen dort kleine fluchende Wortgemetzel aus den nach unten gebogenden Mündern der Fahrgäste, die aber schnell geschlichtet werden bis sie wie schüchterne Schatten in den Ohren hängenbleiben.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Ich frage mich, was man mit den Streiks eigentlich erreichen erreichen will. </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"><br />
Die Großen treffen.<br />
Sie zu einer besseren Lösung bewegen. </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Wen der Arbeitskampf letztlich allerdings trifft, ist der kleine Mann. Der muss früher aufstehen, viel mehr Fahrtzeit in Anspruch nehmen und ist obendrein sehr gestresst. In einem gewissen Maße vertrete ich diesen Kampf, zwei Wochen jedoch finde ich zu lang. Doch, wer hört schon auf die zarte Stimme einer jungen Pendlerin? Natürlich habe ich nicht das Recht zu urteilen, was richtig und was falsch ist in diesen Tagen, denn ich bin keine Busfahrerin, die nachts mit der Angst fahren muss von angetrunkenen Fahrgästen geschlagen oder gar abgestochen zu werden. Ich bin auch keine Müllfrau, die sich mit niedrigen Gehältern herumplagen muss. Und ich bin ebenso keine Erzieherin, die hunderte Euro weniger verdient als ihre Kollegin aus dem Westen des Landes.</font><font size="2" face="Verdana"> </font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Mich beschleicht das Gefühl, das urplötzlich wie ein Vulkan der bedingungslose Streikwahn ausgebrochen ist. Es hat lange Zeit im Inneren gebrodelt, nun läuft die Lava dem Berg hinunter und verbrennt vielen die Finger. Ich finde es großartig, dass die Menschen für Gerechtigkeit auf die Straße gehen. Endlich schaffen die Deutschen ihrem Ärger Luft. Und wieder möchte ich eine Frage zwischen die Zeilen hier streuen: Warum musste man so viele Jahre verstreichen lassen? Wo ist der gewisse Biss wie wir es von unseren Nachbarn wie den Franzosen gewohnt sind? Haben die Gewerkschaften wie Verdi all die vergangenen Jahre geschlafen?</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana">Schaut euch doch da draußen die arbeitende Bevölkerung an. Kaum einer kann von seinem Lohn leben und alles wird teurer. So kletterte in diesem Monat erneut die Teuerungsrate 2,4 Prozentpunkte nach oben. Vergangene Woche sagte eine Berlinern in den Abendnachrichten des Lokalsenders: “Eigentlich müssten wir alle auf die Straße gehen.” Ja, es stimmt. Und genau da sollte sich die Bundesregierung mal an die Nase fassen, die sich täglich damit schmückt, dass es immer weniger Arbeitslose gibt. Dass aber ein Großteil über Zeitarbeitsagenturen angestellt sind, zu wenig zum Leben verdienen, verschweigt sie elegant. Andererseits wissen wir auch über den Machteinfluss der Wirtschaft auf die Politik. Das ist alles ein sehr komplexes Thema, das ich hier nicht mit Fakten belegen möchte.</font><font size="2" face="Verdana"> </font><font size="2" face="Verdana">Was ist das für ein Zustand, dass man heutzutage arbeitet und am Anfang des Monats noch so wenig Geld übrig bleibt? Wie viele Menschen nehmen heute für banale Dinge wie beispielsweise eine Urlaubsreise nach Ägypten einen Kredit auf? Und wie viele Hochschulabgängern müssen sich in niedrig bezahlten oder unbezahlten Positionen behaupten? Man möchte meinen, der Wert der Arbeit ist erheblich gesunken und lässt sich übrigens immer bestens mit handfesten Tatsachen begründen. Dazu nehme man die zwei Schlagwörter wie die Osterweiterung und die Globalisierung und fertig ist der Niedriglohnsalat.</p>
<p>Vielleicht ist die Streikwelle ja erst der Anfang eines großen Ganzen? Eine Revolution? Man stelle sich das mal vor: Alle Arbeitnehmer mit einem niedrigen Gehalt gehen auf die Straße! Ist das gut? Es ist klasse!! Dann geht nichts mehr und schön für den, der meint, ein Unternehmen sei dafür da, um Umsatz zu scheffeln. Aber ohne Mitarbeiter? Was macht eine Firma ohne seine Angestellten? In die Luft starren und ruhen.</p>
<p>Nächstes Jahr stehen wieder Wahlen an. Bis dahin werden sich alle Parteien mit Versprechungen schmücken. Ob sie am Ende des Tages eingehalten werden? Diesen Ausgang kennen wir ja zu gut. Also wehen weiterhin die Verdi-Fahnen vor den Nasen und erinnern uns an die Ungerechtigkeit in unserem Land, die heute leider noch mächtig über alles ist, das atmet.</p>
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<title><![CDATA[Isaak der Syrer über Selbstreflexion]]></title>
<link>http://monfiwi.wordpress.com/2008/02/29/isaak-der-syrer-uber-selbstreflexion/</link>
<pubDate>Fri, 29 Feb 2008 19:36:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Derjenige, der sich selbst gesehen hat, ist größer als der, der die Engel gesehen hat. 
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<content:encoded><![CDATA[<p align="center"><font face="2"><em>Derjenige, der sich selbst gesehen hat, ist größer als der, der die Engel gesehen hat. </em><br />
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<p align="center"><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/02/man_ray4_neu.jpg" title="man_ray4_neu.jpg"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/02/man_ray4_neu.jpg" alt="man_ray4_neu.jpg" /></a></p>
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<title><![CDATA[Tsugumi - Banana Yoshimoto]]></title>
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<pubDate>Tue, 19 Feb 2008 21:17:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[&#8220;Mit Fieber erscheint einem die Welt luftig-leicht. So bleiern sich der Körper auch anfühlt,]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><em>"Mit Fieber erscheint einem die Welt luftig-leicht. So bleiern sich der Körper auch anfühlt, die Seele schwebt schwerelos umher, und man konzentriert sich ständig auf Dinge, an die man sonst keinen Gedanken verschwendet."</em></p>
<p><a href="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/02/geisha4.jpg" title="geisha4.jpg"><img src="http://monfiwi.wordpress.com/files/2008/02/geisha4.jpg" alt="geisha4.jpg" /></a></p>
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<title><![CDATA[Diagnose: Social Broken]]></title>
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<pubDate>Tue, 22 Jan 2008 17:15:26 +0000</pubDate>
<dc:creator>monfiwi</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die Gesellschaft ist krank. Das Dumme daran ist nur, sie weiß es noch nicht. Stattdessen aalt sie s]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><font size="2" face="Verdana">Die Gesellschaft ist krank. Das Dumme daran ist nur, sie weiß es noch nicht. Stattdessen aalt sie sich freudig im Glauben, dass es dem ganzen Land besser geht. Gestern Morgen hielt ich ein Blatt von der Bundesregierung in den Händen, in dem Angie davon schwärmte, wie wenige Arbeitslose wir heute hätten. Wow, weniger als 1984! Gleich links oben drüber die Headline: Der Aufschwung hält weiter an! Mir wurde bei dieser ganzen Heuchlerei richtig schlecht. Da kam mir das Erbrochene von letzter Nacht am Bahnsteig sehr gelegen. Schwungvoll warf ich die fette stinkende Lüge in den braunen Matsch. Drei Meter weiter entdeckte ich einen Vater mit seinem knapp zehnjährigen Sohn, die gemeinsam aus dem Papierkorb gierig Pfandflaschen fischten wie hungrige Bären.</font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">So führt man beispielsweise während der Bambi-Verleihung traurige Kinder aus Afghanistan vor die Linse, versieht sie mit einem passenden Projekt, das sie längerfristig von Krankheit und Elend befreien soll. Natürlich ist es schrecklich und vor den Helfern ziehe ich respektvoll meinen Hut, aber was ist bitteschön mit unseren Kindern? In Deutschland leben fast 1,9 Millionen von Hartz IV. Sie gehen oft mit einem leeren Magen in die Schule und können kein richtiges Weihnachtsfest feiern, weil das wenige Geld gerade mal für eine Tüte Spekulatius für 69 Cent aus dem Plus reicht. In Berlin ist beispielsweise jedes fünfte Kind vom Sozialgeld abhängig, das sind in einer Klasse mit 25 Kindern schon fünf. Die Zahl muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Jawohl und wie das brennt als hätte man drei Chilischoten auf einmal gegessen. Warum müssen die Kameras in die Ferne schweifen, wenn es vor unserer Haustür stinkt? Ach, ich verstehe, dort waren die very important persons, Wirtschaftsbosse, die in den Zuschauerreihen neben den nominierten Schauspielern saßen. Das passte nicht in die glamouröse Veranstaltung. Dass der geliebte Aufschwung, der unzähligen Arbeitnehmer nicht mal ausreicht, um über die Runden zu kommen, eher eine hohle Blase ist, interessiert die Damen und Herren aus der oberen Liga auch wenig. Sie haben ja ihren Arsch gerettet und sitzen nicht Monat für Monat verzweifelt über dem Taschenrechner. Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben, sagte vor wenigen Wochen in einer Dokumentation ein Leiharbeiter und schaute dabei traurig in die Kamera. Jeder ist seines Glückes eigener Schmied, schrieb ein intelligenter Mann. Nur was ist, wenn nicht alle Menschen die gleiche Chance bekommen?</font><font size="2" face="Verdana"> </font></font><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">Der Fernseher ist jetzt aus. Doch es fackeln weiterhin die nüchternden Fakten, die es nicht in die Weihnachtspyramide schaffen.</font></font></p>
<p><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">Und wie sieht es noch da draußen aus?<br />
Aufsichtsräte der Deutschen Bahn, die pro Monat 140 000 Euro verdienen und sich bis vor kurzem verbogen, ihren Angestellten mehr zu zahlen.</font></font><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana"> </font></font><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">Teenager, die sich am Wochenende ins Koma saufen.</font></font><font size="2" face="Verdana"><font size="2" face="Verdana">Jugendämter, die den Durchblick verlieren und arme Kinder nicht retten können, die aus Verzweiflung Teppichreste essen.</p>
<p>Obdachlose, die in vollen S-Bahnzügen Weihnachtsgedichte aufsagen und keines Blickes gewürdigt werden.</p>
<p>Grundschüler, die sich zu Weihnachten Handys und mp3-Player wünschen, statt Astrid Lindgren Bücher.</p>
<p>Menschen, die massenweise am Sonntag in überheizte Einkaufzentren stürmen als stünde der Weltuntergang bevor und das alles dem gemütlichen Zusammensitzen bei Kerzenschein vorziehen.</p>
<p>Es ist etwas ganz Besonders verloren gegangen: Das Mitgefühl und das soziale Miteinander. Einfach so weggespült wie der Regen, der manchmal nachts heimlich die Straßen vom Dreck befreit.</p>
<p>Zurück bleibt Kälte, die kein Wollpullover erstickt. Eiskalt.</p>
<p>Und da soll man sich noch wundern, dass immer mehr Menschen vor dieser Welt flüchten wollen?</p>
<p></font></font></p>
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