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	<title>john-r-searle &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/john-r-searle/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "john-r-searle"</description>
	<pubDate>Sat, 26 Jul 2008 18:04:19 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Freiheit, die wir meinen: John R. Searle und der Wille]]></title>
<link>http://kamenin.wordpress.com/?p=284</link>
<pubDate>Wed, 07 May 2008 15:24:40 +0000</pubDate>
<dc:creator>kamenin</dc:creator>
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<description><![CDATA[Bei Marc in der Wissenswerkstatt geht&#8217;s in die nächste Runde der Diskussion um die Freiheit d]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align:justify;">Bei <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/07/john-r-searle-ueber-konzepte-des-freien-willens-nachdenken-ueber-die-lernwirklichkeit-an-schulen-und-universitaeten-werkstatt-ticker-19/">Marc in der <em>Wissenswerkstatt</em></a> geht's in die nächste Runde der Diskussion um die Freiheit des Willens, diesmal anhand eines <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EE9B99337FC2B4260A00CCDA0854D43C5~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Interviews mit John R. Searle</a>. Das hatte ich damals zwar schon in der Printausgabe der FAS gelesen, war aber einerseits  zu der Zeit schon in eine langwierige philosophische Debatte verstrickt; andererseits schien mir der Artikel nicht wirklich viel Neues zu beinhalten. Searle erklärt über weite Strecken des Interviews, was ihm am <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kompatibilismus_und_Inkompatibilismus">Kompatibilismus</a> nicht gefällt, der Freiheit in etwa als Fehlen äußerer Zwänge auf den Menschen auffasst, selbst wenn dieser natürlich aus einer inneren Kausalkette heraus seine Entscheidungen treffe.</p>
<p style="text-align:justify;">Jetzt halte ich nicht viel von Searles spärlich gestreuten Argumenten und habe dazu schon auch was in <a href="http://www.wissenswerkstatt.net/2008/05/07/john-r-searle-ueber-konzepte-des-freien-willens-nachdenken-ueber-die-lernwirklichkeit-an-schulen-und-universitaeten-werkstatt-ticker-19/#comment-1881">Marcs Kommentarteil</a> geschrieben. Zum einen kann Searle sich nicht vorstellen, wie Menschen sich selbst als unfrei auffassen und damit weiter Entscheidungen treffen können -- was meiner Meinung nach nicht darüber hinausgeht, was Naturalisten eh sagen: dass Freier Wille ein von uns geschaffenes Konzept ist, das uns rein introspektiv inzwischen so sehr selbstverständlich geworden ist, dass wir es als gegeben annehmen, vielleicht sogar annehmen müssen. Etwa so, wie auch das <em>Ich</em> nur ein Konzept des Bewusstseins wäre. Dass ich nicht so einfach von der Vorstellung loskomme, frei zu entscheiden, und die gegenteilige Erkenntnis nur abstrakt formulieren kann, beweist kaum etwas. Dass ich einen Gedanken wie "ich entscheide" nicht ohne Rückgriff auf die Konzepte "ich" und "entscheiden" formulieren kann, mag linguistisch und kulturtheoretisch interessant sein, bestimmend für die Natur des menschlichen Entscheidungsprozesses ist es wohl eher nicht.</p>
<p style="text-align:justify;">Zum anderen empfinde ich Searles Einwände gegen diese Auffassung als hauptsächlich ästhetischer Natur und zudem als unzutreffend. Seine Vorstellung des Freien Willens ist diese:</p>
<blockquote>
<p style="text-align:justify;">Ist es der Fall, dass für alle meine Handlungen die vorausgegangenen Ursachen meiner Handlung ausreichend waren, um die Handlung zu bestimmen, oder gibt es Handlungen, deren vorausgegangene Ursachen nicht ausreichend waren, um sie zu bestimmen? Das ist die Bedeutung von freiem Willen, die ich interessant finde.</p>
</blockquote>
<p style="text-align:justify;">Alles, was sich gegen den so definierten Freiheitsbegriff wendet, wird von Searle auf die Ebene gestellt, wir seien dann nur Roboter, unser Leben, unser Streben und unsere Gefühle im Gesamtbild irgendwie sinnlos und zur Verantwortung für ihr Handeln könnten wir andere dann auch nur ziehen durch kompatibilistische Tricksereien. Jetzt glaube ich immer noch nicht, dass das Universum sich irgendwie dafür zuständig fühlt, unser Leben auch objektiv mit Sinn zu bereichern, von daher ist das Argument für mich ähnlich bedeutungslos wie ich dem Universum. Aber es geht auch am eigentlichen Alltagsempfinden vorbei: ein Gefühl, selbst eines der Verpflichtung und Liebe den eigenen Kindern gegenüber, mag keinen höheren Sinn haben, aber das macht es nicht weniger real und bedeutsam für den Menschen, der so fühlt.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">Der naturalistische Ansatz ist in etwa, dass wir uns aus der Komplexität unseres Empfindens heraus (das verwoben ist mit unserer Geschichte, der Natur, Mitmenschen, der Kultur, in der wir leben, und nicht zuletzt mit der Rückkopplung des Bewusstseins zu sich selbst) als freie Wesen verstehen: als Entitäten in einem Beziehungs-Netzwerk, die einerseits Träger von Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung sind und andererseits in gewissem Rahmen unabhängige Beiträge und Impulse geben, die sich nicht allein aus dem Netz ergeben. Jedenfalls sind die Beiträge nicht prinzipiell vorhersagbar, ohne zuvor eine vollumfassenden Beschreibung aller Komponenten fertiggestellt zu haben. Da das nicht möglich ist, schon gar nicht für das natürliche, naiv Beziehungen herstellende Bewusstsein selbst, wird diese fehlende Bestimmbarkeit als Freiheit verstanden.</p>
<p style="text-align:justify;">Einwände gegen diesen Ansatz sind zumeist, wie hier, ästhetisierender Art und scheinen eher durch die einhergehende Kränkung des Menschenbilds motiviert, aller geschichtlichen Erfolglosigkeit solcher Argumentation zum Trotz. Dazu baut man sich den Naturalismus, wie man ihn braucht, um bessere Angriffe auf ihn fahren zu können: anstelle des Menschen als weit jeden heutigen Verständnis liegenden und hochkomplexen Natur- wie Kulturwesens, wird die naturalistische Beschreibung zum "Mensch als Automaton" abgestuft. Searle gebraucht das Wort Maschine.</p>
<p style="text-align:justify;">Vor allem verstehe ich aber Searles Definition nicht, jedenfalls kann ich sie nicht mit Inhalt füllen. Es gelingt mir nicht zu durchdringen, worin dieser Freiheitsbegriff bestehen soll: ist es Magie, die wirkt, wenn alle Kausalität aufgehoben ist, und soll ich dann selbst noch diese Magie sein, wiewohl ich ansonsten nicht besonders magisch rüberkomme, nicht mal introspektiv? Wie würde das aussehen? Ich weiß jetzt schon von den allermeisten Entscheidungen nicht, warum ich sie treffe (nicht mal, dass ich sie treffe). Und die vorgeblich bewusst getroffenen Entscheidungen scheinen mir alles andere als unverursacht, obgleich ich selbst da sagen muss, dass die Geschichten, die unser Ich sich selbst zu ihrer Rechtfertigung erzählt, in den meisten Fällen Konstrukte zu sein scheinen, die mal mehr, mal weniger die tatsächliche Verursachung wiedergeben können.</p>
<p style="text-align:justify;">Ich verstehe also nicht: wie könnten wir überhaupt von einer Entscheidung sagen, dass sie im searleschen Sinne frei getroffen worden ist? Wie würden wir eine solche Entscheidung erkennen und von einer unterscheiden können, die nicht frei gefallen ist, deren Ursache wir aber nicht bis ins letzte Detail bestimmen können? Welchen Erklärungswert hat in dem Zusammenhang das Wort "frei" vor dem Wort "unbekannt"? Und wie könnten wir "frei" schließlich von "zufällig" unterscheiden, wenn Kausalitäten dabei nicht mehr gelten?</p>
<p style="text-align:justify;">Solange wir diese Fragen nicht beantworten können (ich kann es, vielleicht aus persönlicher Beschränkung, nicht), scheint es mir wenig Sinn zu haben, von einem Freien Willen zu sprechen im Sinne einer entitätischen Eigenschaft des Menschen, nicht nur als Konstrukt in seiner Selbstauffassung. Als letzterer ist er ein vollkommen gerechtfertigter kultureller Begriff, gerade im Sinne des Kompatibilismus. Searle hingegen beschreibt eine Begrifflichkeit, die letztlich nur darauf abzielt, Sinn zu spenden, die für unser kulturelles Bild von uns selbst möglicherweise relevant ist, ohne nachzuweisen oder auch nur anzudeuten, wie sie in der Natur verankert sein kann oder auch wie wir sie auch nur grundsätzlich erkennen könnten.</p>
<p style="text-align:justify;">Für einen Ansatz, der letztlich doch Wahrheit beschreiben will, ist mir das zu wenig.</p>
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;">
<p style="text-align:justify;"><strong>Weitere Beiträge zur Willensfreiheit:</strong> zu den <a href="http://kamenin.wordpress.com/2008/04/15/die-welt-des-willens-in-unserer-vorstellung/">Haynes-Experimenten</a> und zu den <a href="http://kamenin.wordpress.com/2007/11/25/kleine-missverstandnisse-der-gehirnforschung-verantwortlichkeit-und-strafrecht/">Folgen für das Strafrecht</a></p>
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