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	<title>ivan-on-the-rocks &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "ivan-on-the-rocks"</description>
	<pubDate>Sat, 30 Aug 2008 11:42:43 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Die vergessene, aber nicht minder vernichtende Filmkritik: „Der Anschlag“]]></title>
<link>http://annanuehm.wordpress.com/?p=173</link>
<pubDate>Thu, 21 Feb 2008 14:06:20 +0000</pubDate>
<dc:creator>Anna Nuehm</dc:creator>
<guid>http://annanuehm.wordpress.com/?p=173</guid>
<description><![CDATA[Bedingt durch meine wochenlangen, sehr intensiven, sehr zeitraubenden, wenn auch insgesamt ziemlich ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Bedingt durch meine wochenlangen, sehr intensiven, sehr zeitraubenden, wenn auch insgesamt ziemlich nutzlosen Sonnen- und Mondbetrachtungen, vergaß ich leider folgende fulminante und sehr, sehr vernichtende Filmkritik einzustellen.<br />
Da vermutlich aber sowieso niemand den Film gesehen hat und somit auch vor Wochen keiner gewusst hätte, wovon ich rede, und weil ich gerade nix zu tun habe, Sie vermutlich auch nicht, denn was machen Sie sonst am hellichten Tag so im Internet?, ja?, was?, hier die Nachlieferung:</p>
<p>„Der Anschlag“ mit Ben Affleck.</p>
<p>Es geht dabei um einen Historiker, Ben Affleck, genau, der die Welt retten will, weil böse, böse Menschen die Russen gegen die Amis aufhetzen und damit die totale Weltzerstörung erreichen wollen. Was im Nachhinein betrachtet, mir schon wenige Wochen später auffällt: Was haben die Bösen denn davon, dass die Welt weg ist, dann sind sie ja selber weg? Aber diese minimale logische Schwäche tut der grandiosen Gesamtverfilmung natürlich keinen Abbruch.</p>
<p>Die Bösen sind dabei natürlich Nazis, die Amis sind alle nervös, kauen immer Kaugummi, spielen Baseball, während die Russen auf der Balalaika herumzupfen, schwermütig schauen und viel Schnee um sich herum haben, der ihre Stimmung nicht gerade verbessert. Da wird man ja ganz rammdösig vor lauter Schnee, zumindest aber schneeblind und melancholisch – eine Kombination, die das tägliche Leeren von mindestens drei Flaschen Wodka obligatorisch macht.<br />
Wer jetzt so infam ist und sagt: „Das sind jetzt aber lauter Klischees!“, der hat den Film nicht verstanden und dem verbiete ich hiermit das Weiterlesen! Es gibt nämlich keinerlei Klischees in diesem Film. NULL. Und ich muss es ja wissen, denn ich habe ihn gesehen. Als Einzige.</p>
<p>Also. Wo war ich. Der russische Präsident ist ein melancholischer Schöngeist, der vor seiner Politkarriere als Bohèmeluder in den Moskauer Kneipen gemodelt hat und sich von ausländischen Touristen für eine Kopeke ablichten ließ, natürlich nur in ganz züchtigen Posen, nix Rotlichtmilieu. Ohne es zu wollen, wurde er Präsident.<br />
Dabei sitzt er am Liebsten des Nächtens mit einer Kerze im Kreml und schreibt Gedichte, wobei seine größte Sorge ist, dass es so wenige Reime auf „Kreml“ gibt, so ein Mist aber auch. „Kreml – Schemel“, und das war’s auch schon.</p>
<p>Neben dieser traurigen Tatsache sind alle Atomprobleme mit dem Präsidenten der USA doch nur ein lästiges Intermezzo, und genau dies versteht er zwecks Demoralisierung der westlichen Welt auch durch seine gelangweilten und vor Poetologenschmerz nur so triefenden Blicke auszustrahlen.<br />
Verblüffenderweise trägt er eine Frisur, bei der ich mich gefragt habe, ob sie aus Plastik ist oder mit einem schwarzen Edding aufgemalt. Zumindest aber ist sie tot. Also in diesen Haaren herrscht keinerlei Leben mehr!<br />
Hmm, was noch. Zur Einstimmung des Zuschauers werden bei Berichten über Russland stets russische Melodien eingespielt, die mindestens 350 Balalaikas, 47 knirschende Schneetritte und unzählige klirrende Wodkaflaschen enthalten. Gesanglich wird diese Geräuschkulisse von Ivan Rebroff untermauert, manchmal auch vom Chor der Domkosaken, manchmal auch vom Chor der Kosakenzipfel, manchmal auch von allen gleichzeitig.<br />
Da wird man auch ganz wehmütig, sieht sich selbst schon durch die meterhohen Schneeverwehungen laufen, die praktisch überall sind, bekleidet mit einer Pelzkappe. Die Pelzkappen sind sehr praktisch, da sie dem Zuschauer eine blitzschnelle Identifizierung der Schauspieler ermöglichen: Ein Pelzkappenträger ist mit 180%iger Sicherheit immer ein Russe. Auf Seiten der Amis wird mit Baseballkappen gekontert.<br />
Verblüffenderweise werden die ganz Bösen durch Hakenkreuze entlarvt, die sich praktisch überall tummeln, wo die Bösen gerade auftauchen, auf der Toilette, Toilettenpapier mit Hakenkreuzen, auf ihren Designerklamotten, Knöpfe mit Hakenkreuzen, und auch auf ihren Stretchlimousinen, Autokennzeichen mit Hakenkreuzen. Insgesamt ist das eine sehr schöne Idee vom Regisseur, durch Symbole den Handlungsablauf klarer zu machen. Man muss dann auch gar nicht so wirklich mitdenken.</p>
<p>Was mir auch sehr gefallen hat, war die Kennzeichnung der einzelnen Gruppen durch ihre Sprache, vielmehr durch den für sie typischen Sprachakzent:<br />
So sprechen die Russen deutsch (!) mit russischem Akzent, was sich in etwa so anhört:<br />
Russischer Präsident: „Icccccch chlaube, micccch macht ches nocch chanz verccchückt, dass die Amis immerch chso Chauchummi chauen, Nasdrowje! Chommm, Brüdercccchen, wir tanzen cheinen chrrrrussischen Vochlkstanz!“<br />
Die Bösen, die die Welt zerstören wollen, sprechen ein sehr gepflegtes Deutsch mit einem sehr hässlichen Naziakzent, der ihre Schaurigkeit und Bösartigkeit noch um Längen potenziert. Sensible Leser überspringen bitte die nächste Textzeile:<br />
„ Wirrrrrr werrrrrrrrden die Werrrrrlt zerrrrstörrrrrrrrrrrrren, harrrr harrrrrrrrr!“<br />
Unlogischerweise sprechen die Amis aber einfach nur deutsch und ich habe mich gefragt, warum diesen kein amerikanischer Akzent zugestanden wird und auch wie dieser sich anhören würde? Vielleicht in etwa so?<br />
„Well, [Kaugummischmatzer] nun, [schmatz, schmatz], we können [schmatz..mümmel] save the [schlurpsschmatz] World, who [mjam mjam] else sonst [Kaugummiausspuck]?”<br />
Ein, wie ich finde, unentschuldbares Versäumnis des Regisseurs!</p>
<p>Etwas getröstet wurde ich aber durch den wirklich neckischen Akzent eines der Mitstreiter auf Seite der Bösen, die, weil das Böse immer und überall lauert, sich aus vielen Nationen zusammensetzen müssen.<br />
Vielleicht erraten ja gewitzte Leser die Abstammung dieses Herrn?<br />
Monsieur Baguette: „Ohlàlà, ische binne nischte so ganz glück’lisch mit die Weltzerstörung, nest-ce pas? Könnte es vielleischt möglisch sein, dass dann unsere schöne Eiffel-Türm auch wird werden zerstört und sein ganz kapütt? Das würden misch machen très unglücklisch, meine 'Ärren. Isch glauben, isch musse machen eine flotte Abgang aus dieser Porte und Eusche verlassen, bonjour?“<br />
Darauf entgegnet der Chef der Bösen: “Harrrharrr, Monsieur!!! Harrrrrald wird Sie zurrrr Türrrrrrr begleiten! HAR HAR HAR!“ und dann wird der arme Monsieur Baguette einfach so abgemurkst, so elend und mies kann die Welt sein und nicht mal die Bösen untereinander halten zusammen!</p>
<p>Tja, am Ende wird die Welt natürlich gerettet, was auch sonst. Aber so wirklich freuen kann man sich darüber nicht, wenn man sieht, wie der Russische Präsident, gramgebeugt, melancholischen Blickes und mit seiner toten Eddingfrisur, in nostalgischen Erinnerungen an seine Modelzeit im Moskauer Hafen schwelgend, in seinen Palast zurückschlurft.<br />
Und man weiß genau, für ihn gibt es kein Happy End, niemals! Denn auf „Kreml“ reimt sich immer noch nur „Schemel“. Und das ist schlimmer als alles andere.</p>
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