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	<title>dreisigjahriger-krieg &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "dreisigjahriger-krieg"</description>
	<pubDate>Sun, 20 Jul 2008 08:24:37 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Die Sparrenburg: Bielefelds Wahrzeichen in Sepia]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2007/10/21/sparrenburg-in-sepia/</link>
<pubDate>Sat, 20 Oct 2007 22:57:41 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Mit dem Burgen-Fotografieren ist das so eine Sache. Auf den schönsten Bildern steht meistens ein M]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/sparrenburg.jpg" title="sparrenburg.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/sparrenburg.jpg" alt="sparrenburg.jpg" align="right" border="0" height="278" hspace="5" vspace="2" width="210" /></a>Mit dem Burgen-Fotografieren ist das so eine Sache. Auf den schönsten Bildern steht meistens ein Mülleimer, ein geparkter Lieferwagen und/oder eine Eisreklame in der Sichtachse. Gerne schickt auch eine Touri-Gruppe just in dem Moment ihren ersten neugierigen Kundschafter ins Bild.</p>
<p>Welch Glück, dass es Photoshop, Schnitt- und Pinselwerkzeuge &#38; den passenden Filter gibt. So wird doch gleich ganz schnell mystische Stimmung fühlbar. Sollte zumindest.</p>
<p>Ich habe das mal auf Bielefelds Wahrzeichen, der Sparrenburg, versucht. Diese ist auch deshalb zu empfehlen, weil man wirklich etwas für seine Gesundheit tut, wenn man der Burgberg raufkraxelt (ja, notfalls ist da oben auch ein Parkplatz).</p>
<p>Die Anlage wird 1256 erstmals erwähnt. Die Grafen von Ravensberg machten sie zum Verwaltungsmittelpunkt der gegend. Sie sollte einen Pass durch den Teutoburger Wald sichern und das kurz zuvor gegründete Bielefeld schützen. 1377 übernachtet hier sogar Kaiser Karl IV.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/tor.jpg" title="tor.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/tor.jpg" alt="tor.jpg" align="left" border="0" height="214" hspace="2" vspace="5" width="285" /></a>Die heute sichtbaren Bauten stammen aus der Mitte 16. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Burg musste durch Vorwerke ausgebaut werden, da sie sonst relativ leicht hätte sturmreif geschossen werden können.</p>
<p>Die neuen Rondelle wurden durch unterirdische Kasematten miteinander verbunden. Dabei wird auch eine als Scherpentier bezeichnete Bastion errichtet. Italienische Baumeister machten die Burg zur größten Festung Westfalens.</p>
<p>1614, mit dem Frieden von Xanten, der den Jülich-Klevischen-Erbfolgekrieg beendet, wird die Burg Brandenburg zugesprochen und 1615 von den verbündeten Holländern besetzt (die sich 1623 vor den anrückenden, übermächtigen Spaniern zurückziehen).</p>
<p><b>Die Zeit der Belagerungen </b></p>
<p>Der Ausbau der Burg war eine weise Entscheidung: Denn im Dreißigjährigen Krieg wechselte das Gemäuer zwar mehrfach<a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/kurfuerst1.jpg" title="kurfuerst1.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/kurfuerst1.thumbnail.jpg" alt="kurfuerst1.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="5" /></a> die Besitzer, wurde auch diverse Male belagert, jedoch nie erobert und gebrandschatzt.</p>
<p>1625 scheitert ein Angriff der Brandenburger. 1636 wird die Burg (gerade unter spanischer Besatzung) ein Jahr lang von Schweden und Hessen belagert. 1642 ziehen Franzosen ein.</p>
<p>1648 fällt die Burg endgültig an Brandenburg-Preußen. Mehrfach hält sich der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. hier auf. Zu Erinnerung wird ihm  im Jahr 1900 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. im Burghof ein Bronzedenkmal gesetzt wird (das heute in erster Linie durch seine Leibesfülle auffällt).</p>
<p>Die letzten Belagerungen verzeichnet die Chronik für 1673 und 1679 (münstersche, bzw. französische Truppen).</p>
<p>Der Verfall setzte dann erst nach 1750 ein, als die Burg militärisch sinnlos geworden war. Die Außenmauern wurden niedergelegt und teiweise als Straßenbelag verwendet.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/img_0621.jpg" title="img_0621.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/10/img_0621.thumbnail.jpg" alt="img_0621.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="5" /></a>Doch zu diesem Zeitpunkt war es nicht mehr lang, bis zur einsetzenden Burgenromantik. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich ein Verein für die Burg ein und begann mit dem Wiederaufbau des 37 Meter hohen Turms.</p>
<p>1879 kaufte die Stadt Bielefeld die Sparrenburg für 8934,90 Mark von Preußen und setzte sie wieder instand (das neue Pallas ist 1888 fertig).</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/kurfuerst3.jpg" title="kurfuerst3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/kurfuerst3.thumbnail.jpg" alt="kurfuerst3.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Im Zweiten Weltkrieg zog eine Flakstellung auf der Burg ein.  Bei einem Luftangriff 1944 werden die Burggebäude schwer beschädigt, nur der Turm bleibt unversehrt. Es dauerte bis 1987, bis die Kriegsschäden schließlich vollständig beseitigt waren.</p>
<p>Besichtigt werden können heute der Turm und - mit Führungen - die 285 Meter langen Kasematten. In der Sparrenburg gibt es auch ein Restaurant.</p>
<p>Nachdem Steine aus der Bastionsmauer herausgebrochen waren, begannen im Sommer 2006 erneute Sanierungsarbeiten. Ein Gutachten schätzt die Kosten der kompletten Sparrenburgsanierung auf etwa 7,5 Millionen Euro. Daher gibt es mittlerweile auch eine <a href="http://www.ein-stein-fuer-die-burg.de/">Spendeninitiative</a>.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/zinnen.jpg" title="zinnen.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/zinnen.thumbnail.jpg" alt="zinnen.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><b>Archäologie:</b> Bei einer Ausgrabung im November 2007 ist eine Verteidigungsplattform aus dem 16. Jahrhundert freigelegt worden, drei Meter unter dem heutigen Bodenniveau. Sie war von einer dicken Erdschicht bedeckt war. Das Rondell ist hervorragend</p>
<p>erhalten. Der WDR hat dazu einen <a href="http://www.wdr.de/mediathek/html//regional/2007/11/08/lokbi_02.xml;jsessionid=AC1E9739966D26AED1B4397EEE0E335F.mediathek2">einminütigen Video-Beitrag online gestellt</a>, in dem man das steinerne Rondell gut erkennen kann. Anlass der Grabung war die Entdeckung einer alten Treppe, die in die Katakomben führt. Sie endete unter einer Baumwurzel</p>
<p><b>Lage:</b> Am Sparrenberg 38 A,<br />
33602 Bielefeld</p>
<p><b>Links:</b> <a href="http://www.bielefeld.de/de/ti/sehenswuerdigkeiten/sparrenburg/">Sparrenburg-Seite</a> der Stadt Bielefeld und<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sparrenburg"> der Wiki-Eintrag</a>. Sehr informativ sind auch die Seiten des <a href="http://www.sparrenburg-bielefeld.de/">Arbeitskreises Burg und Festung Sparrenburg</a>.</p>
<p><b>Fotos:</b> Eigene</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Ruine Burg Wertheim: Wo eine weiße Flagge den Krieg beendete]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/?p=781</link>
<pubDate>Mon, 14 Jul 2008 21:25:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Während Touristen busladungsweise zum Heidelberger Schloss oder dem bayerische Disneyland-Schlössc]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim3.jpg"><img class="size-medium wp-image-782 alignright" style="border:0 none;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim3.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>Während Touristen busladungsweise zum Heidelberger Schloss oder <span style="text-decoration:line-through;">dem bayerische Disneyland-Schlösschen</span> Neuschwanstein gekarrt werden, sind diverse Anlagen, die einen ähnlichen Charme haben, außerhalb des eigenen Dunstkreises weitgehend unbekannt.</p>
<p>Wer ausser den Wertheimern kennt etwa die Burg Wertheim? Dabei kann sich diese, was Lage und Aussehen angeht, durchaus mit Heidelberg messen. Ich möchte daher eine Lanze für Wertheim brechen. Ich bin auch nur darauf aufmerksam geworden, weil ich den Tick habe, den Sehenswürdigkeiten-Schildern an den Autobahnen zu folgen (sofern es sich um Burgen handelt).</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim5.jpg"><img class="size-medium wp-image-783 alignleft" style="border:0 none;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim5.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>Die Ruine der Burg am Zusammenfluss von Main und Tauber sieht schon von weitem beeindruckend aus. Sie krönt (ja, das Verb passt hier mal) die malerische Altstadt von Wertheim, das mit allerlei herausgeputzten Fachwerkhäusern glänzt.</p>
<p>Einziger Nachteil: Man muss rauf laufen. Oder Treppen steigen. Und es sind viiiiele Treppen, wie man auf dem Foto ganz gut sieht. Die örtliche Politik diskutiert daher gerade den möglichen <a href="http://www.presse-service.de/data.cfm/static/699423.html">Bau eines Schrägaufzugs</a>. Ich halte das ja für komplett idiotisch, da</p>
<p>a) ein Shuttlebus es auch tun würde, nur billiger.</p>
<p>b) die Besucherzahlen mir eher mager erscheinen, was auch ein aufwendiger Schrägaufzug eher nicht ändern würde. Ein Teil des Geldes wäre in einer überörtlichen Werbekampagne für die Burg besser aufgehoben.</p>
<p>c) so ein Ding einen erheblichen Einschnitt in die Landschaft bedeutet.</p>
<p>Als ich also schweißgebadet oben ankam, hat mich erstmal die kolossale Aussicht mitgenommen. Toll! Man kann auch auf die Türme klettern und dann Ruine, Stadt und Main-/Taubertal überblicken.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim1.jpg"><img class="size-medium wp-image-784 alignright" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim1.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>Die ersten Befestigungen, wahrscheinlich eine Turmhügelburg, stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Ab etwa 1100 muss der 25 Meter hohe Bergfried staufische Bergfried entstanden sein. Die Stelle an der Mündung der Tauber in den Rhein war als Zollstation finanziell ertragreich. 1132 tauchen die Grafen von Wertheim in der Geschichte auf. Dies waren kulturbeflissene Leute, die auch gute Beziehungen zum Dichter und Minnesänger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_von_Eschenbach">Wolfram von Eschenbach</a> pflegten, dem die Aussicht von der Burg bestimmt auch gefallen hat.</p>
<p>1235 bis 1240 ließ sich Graf Beppo II. hier eine standesgemäße Burg errichten, deren Überreste zum Teil heute noch sichtbar sind (z.B. in einer dreiteiligen Fenstergruppe am Palas). Mitte des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts wurde die Anlage weiter ausgebaut.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim7.jpg"><img class="size-medium wp-image-785 alignleft" style="border:0 none;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim7.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>1556 stirbt das Grafengeschlecht mit Michael III. aus. Burg und Ort fallen an Graf Ludwig von Stolberg-Königstein. Der lässt erstmal im Renaissance-Stil umbauen und nochnals erweitern. Dabei entsteht als Verbindung zweier Gebäude der Achteckturm, die so genannte Schnecke (Foto links), der heute noch das Wappen der Familien Stolberg-Wertheim und Wied-Runkel trägt.</p>
<p>Nach dem Tod von Ludwig streiten sich die Erben die nächsten 20 Jahre um die Herrschaft. Schließlich setzt sich Ludwig III. von Löwenstein. Er errichtet in den kommenden Jahren den Löwensteiner Bau.</p>
<p>Es ist eine turbulente Zeit. Und die mächtige, durch massive Mauern mit der Stadtmauer verbundene Burg liegt an der Grenze der Territorien von Protestantischer Union und katholischer Liga. Auch die Zweige der fürstlichen Familien reichen in beide Lager hinein. 1619 explodiert ein Pulvermagazin und zerstört Teile der Anlage. Auch der Löwensteiner Bau wird beschädigt und muss bis 1627 wieder errichtet werden.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim8.jpg"><img class="size-medium wp-image-786 alignright" style="border:0 none;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim8.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>Natürlich wird ein Ort wie Wertheim in den Strudel des Dreißigjährigen Krieges hineingerissen. 1631 besetzen die Schweden die Burg. Eine Belagerung mitsamt schwerem Bombardement zwingt sie 1634 zum Rückzug. Dabei wird die Burg stark beschädigt. 1647 sind die Schweden erneut da und besetzen Ort und Burg.</p>
<p>Noch im Jahr des Westfälischen Friedens 1648 rannte ein bayerisches Regiment gegen die schwedische Besatzung an. Die Schweden konnten sich allerdings bis zum Friedensschluss halten. Lediglich die Burg wurde durch den Angriff weiter lädiert. Am Ende des Krieges war die einst stolze Burg eine traurige Ruine. 1668 stürzte ein mittelalterlicher Torturm ein.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim4.jpg"><img class="size-medium wp-image-787 alignleft" style="border:0 none;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim4.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>Die Zeiten überdauert hat das äußere Burgtor mit seinen beiden Hauben-Türmen. Es wurde 1742 bis 1745 zum Archiv umgebaut. Erst um 1900 fällt den Wertheimern auf, welches historisches Erbe da über ihren Köpfen thront - und sie beginnen die Ruine zu sichern. Der Weiße Turm wurde etwa wieder aufgebaut, zum Teil mit Fachwerk-Fassade.</p>
<p>Die weithin sichtbare Lage der Burg nutzen dann am 1. April 1945 Heinrich Herz und Anton Dinkel, die vom Bergfried aus die Weiße Fahne schwangen und den heranrückenden Amerikanern so die kampflose Übergabe von Wertheim signalisierten. Sie konnten tatsächlich Altstadt und Burg vor Beschuss retten und wurden auch nicht von den eigenen Leuten umgebracht. Die beiden mutigen Bürger konnten den Wiederaufbau miterleben - sie starben erst wenige Jahre vor der Jahrtausendwende. Heute erinnert eine 2005 angebrachte Tafel an die beiden.</p>
<p>Seit 1982 wird wieder saniert, 1995 kaufte das Land Baden-Württemberg den adeligen Besitzern die Burgruine ab. Heute kann sie (zum Teil gegen 50 Cent Eintritt) besichtigt werden. Im Weißen Turm befindet sich heute ein <a href="http://www.burg-wertheim.de/">Restaurant</a>.</p>
<p><strong>Links:</strong> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Wertheim">Wiki-Eintrag</a>. Eine Chronik findet sich bei <a href="http://www.burgenwelt.de/wertheim/gemeers.htm">Burgenwelt</a>. Eine empfehlenswert-ausführliche Beschreibung der Ruine steht bei <a href="http://www.burgtour.de/burgen2.htm?/burgen/burg-wertheim-bw.html">Burgtour.de</a>. Einen Rundgang zu den historischen Sehenswürdigkeiten der Wertheimer Altstadt gibt es <a href="http://www.realschule-wertheim.de/werth/rundgang.htm">hier</a>. Einen professionell aufbereiteten deutsch-englischen Burgführer als PDF kann man <a href="http://www.wertheimvillage.com/common/downloads/Burgf%C3%BChrer_Internetversion_30.04.2008.pdf">hier herunterladen</a>.</p>
<p><strong>Lage: </strong>Burg Wertheim, Schlossgasse 11, 97877 Wertheim</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim6.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-788" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim6.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim9.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-789" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim9.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim5c.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-791" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim5c.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim5a.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-792" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim5a.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim2a.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-793" style="margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim2a.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim2b.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-795" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim2b.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim2c.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-796" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim2c.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim5b1.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-798" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim5b1.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/07/wertheim5d.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-799" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/07/wertheim5d.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a></p>
<p><em><strong>Fotos: </strong>Meine (zum  Vergrößern anklicken)</em></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Veste Otzberg: Wo die "Weiße Rübe" auf einem Vulkanschlot thront]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/?p=705</link>
<pubDate>Sun, 15 Jun 2008 18:50:19 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Was haben Burgen mit Vulkanen zu tun? Naja, auf einem aktiven Vulkan wird man schwerlich eine dauerh]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg13.jpg"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-709" style="float:right;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg13.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>Was haben Burgen mit Vulkanen zu tun? Naja, auf einem aktiven Vulkan wird man schwerlich eine dauerhafte Befestigung finden, aber auf dem extrem harten Gestein eines ehemaligen Lavaschlots lässt sich gut und massiv bauen. Ein Beispiel dafür ist die Veste Otzberg beim Ort Hering im hessischen Odenwald.</p>
<p>Wo heute satte grüne Wiesen, Äcker und Weinberge das Bild dominieren war vor 22 Millionen Jahren buchstäblich die Hölle los. Der <a href="eine über 1100 Grad Celsius heiße Basaltschmelze ihren Weg bis an die Erdoberfläche">Otzberg-Vulkan</a> brach aus. Mehr als 1100 Grad Celsius heiße Basaltschmelze bahnte sich ihren Weg bis an die Erdoberfläche.</p>
<p>Der feinkörnige Nephelinbasalt, der schließlich im Schlot erkaltete, ist besonders hart. 22 Millionen Jahre hessischer Nieselregen wuschen alle anderen Gestelne aus, aber große Teile des erkalteten Schlots blieben - als typische sechseckige Säulen - Säulen stehen. Und sie bilden noch heute das Fundament der Veste Otzberg.</p>
<p><!--more--></p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg2.jpg"><img class="alignleft alignnone size-medium wp-image-710" style="float:left;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg2.jpg?w=300" alt="" width="270" height="203" /></a>Am Parkplatz am Fuß des Burgbergs kann man eine Reihe dieser Basaltsäulen sehen (siehe Foto). Glücklicherweise ist hier seit 22 Millionen Jahren Ruhe. Ich hoffe mal das bleibt so, es wäre ansonsten schade für die Weine der Gegend.</p>
<p>Die ovale Burg, erbaut von der Abtei Fulda, wurde jedenfalls 1231 erstmals erwähnt. 1244 saßen hier vier Burgmannen mit ihren Knechten. Die Veste war für die Abtei ein beliebtes Pfandobjekt als Sicherheit für Kredite. 1390 kamen Veste, das benachbarte Kloster Otzberg und der im Schutz der Burg liegende Ort Hering (entstanden aus der Siedlung der Burgmannen) durch Kauf an die Pfalz.</p>
<p>Mit ihrem 17 Meter hohen, romanischen Bergfried (von den Einheimischen "Weiße Rübe" genannt) ist sie wohl schon seit dem 13. Jahrhundert die dominierende Landmarke der Gegend - und heute das Wahrzeichen des Dieburger Landes. Bei gutem Wetter kann man von oben bis Frankfurt schauen.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg3.jpg"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-711" style="float:right;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg3.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>Im Rahmen des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Landshuter_Erbfolgekrieg">Landshuter Erbfolgekrieg</a> nahm Wilhelm II. von Hessen die Veste 1504 ein, musste sie aber bereits drei Jahre später wieder an die Kurpfalz herausgeben. Mitte des Jahrhunderts wurde das Dorf Hering durch den Bau einer Mauer in die Verteidigung einbezogen.</p>
<p>Die Burg war wehrhaft und verfügte über einen der tiefsten Brunnen Hessens (50 Meter sind nachgewiesen, wahrscheinlich war er sogar 80 Meter tief durch den Basalt gegraben). Ein Jahr lang dauerte die Belagerung, bis bayerische, kaiserliche und spanische Truppen (weit mehr als 2000 Mann) die Burg 1622 einnahmen. Die Besatzung hatte kapituliert.</p>
<p>1623 annektierte Hessen Ort und Burg als "Entschädigung für Kriegsschäden". Die heutige Anlage spiegelt etwa den Zustand dieser Zeit wieder. Pech für den Ort war, dass kurz vor Kriegsende (1647) nochmal französische Truppen durchs Land zogen und sich in der Burg einquartierten und die Lebensmittelvorräte plünderten. Im Westfälischen Frieden kamen Ort und Burg dann wieder an die Kurpfalz.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg5.jpg"><img class="alignleft alignnone size-medium wp-image-712" style="float:left;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg5.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>In Kriegszeiten, wie beim Einfall der Franzosen lagerte die Kurpfalz hier ihr Archiv ein, das so erhalten blieb. Als die Zeiten Anfang des 18. Jahrhunderts wieder ruhiger wurden, ersetzte die Kurpfalz die aktive Garnison auf der Veste Otzberg 1711 durch Invaliden. Zu dieser Zeit befand sich hier ein von den Invaliden bewachtes Gefängnis. Ich nehme mal stark an, dass die Gefangenen auch das 1788 am Brunnen erbaute Tretrad betreiben mussten.</p>
<p>1803 fiel die Gegend an Hessen-Darmstadt (später das 1806 auf Betreiben der Franzosen gegründete <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fherzogtum_Hessen">Großherzogtum Hessen</a>). Die Hessen nutzten die Burg weiter als Staatsgefängnis und Garnison mit Soldatenschule.</p>
<p>Nach Napoleons endgültiger Niederlage exerzierten die hessischen Soldaten in aller Ruhe weiter und ließen es sich offenbar recht gut gehen, ohne sich allzusehr um ihr Gerät zu kümmern. Bei einer Revision 1818 stellte sich heraus, dass das hier lagernde Kriegsgerät in der Zwischenzeit <a href="http://www.schloesser-hessen.de/aktuelles/informationen/pdfmitteilungen/100307otzberg.pdf">völlig unbrauchbar geworden war</a>. Die Hessen zogen daraufhin ihre Garnison noch im gleichen Jahr ab und gaben die Burg, um die Erhaltungskosten zu sparen, zum Abriss frei. Glücklicherweise legte das hessische Finanzministrium 1826 fest, dass Bergfried und diverse Gebäude nicht demoliert werden durften.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg6.jpg"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-713" style="float:right;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg6.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>1926 bis zum Zweitern Weltkrieg diente das Bandhaus der Burg als Jugendherberge. 1996 zog dann das Museum <a href="http://www.museum-otzberg.de/">Sammlung zur Volkskunde in Hessen</a> ins Bandhaus (aus dem frühen 15. Jahrhundert) ein. Jetzt gibt es dort allerlei Wechselaus- stellungen, Kurse und Apfelwein- Verkostungen (<em>Liebe Hessen, wenn ihr Museen <strong>solche stinklangweiligen Namen</strong> gebt, müsst ihr euch natürlich nicht wundern, wenn die Besucherzahlen suboptimal bleiben! Wie wäre es statt dessen mit "Saurier-Sammlung auf dem Vulkan"? Na, besser, gell?</em>).</p>
<p>Das Haus ist allerdings nur 13 Stunden in der Woche geöffnet. Ein ziemlich apfelwein- lastiges Interview mit dem Museumsleiter (Titel: "Am Ende sind sie doch immer begeistert") findet sich <a href="http://www.oj.h-da.de/projekte/ws0304/ladadi/sue_int_grein.htm">hier</a>.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg93.jpg"><img class="alignleft alignnone size-thumbnail wp-image-720" style="float:left;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg93.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a>1996 wurde das ehemalige Korporalshaus wieder aufgebaut. Heute kann man sich dort trauen lassen. "Im Schatten der Weißen Rübe" sozusagen... Besondes eindrucksvoll ist - wie gesagt - der Blick über die Umgebung. Sei es nun vom Turm oder einem schmalen Aussichtspunkt an der Mauer.</p>
<p><strong>Link:</strong> Ausführlicher <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Veste_Otzberg">Wiki-Eintrag</a>. Weitere Infos auf der Seite des <a href="http://www.oj.h-da.de/projekte/ws0304/ladadi/sue_otzberg.htm">Landkreises Darmstadt-Dieburg</a><br />
<strong><br />
Lage: </strong>Veste Otzberg, 64853 Otzberg</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg8.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-714" style="border:0;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg8.jpg?w=127" alt="" width="127" height="92" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg7.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-715" style="border:0;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg7.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg91.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-717" style="border:0;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg91.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/06/vesteotzberg92.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-718" style="border:0;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/06/vesteotzberg92.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><br />
<strong><br />
Bilder:</strong> Meine</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Die reichen und schlauen Herren von Schloss Wiesenburg]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/?p=642</link>
<pubDate>Sat, 31 May 2008 10:40:07 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[
+++ Eilmeldung: Das Schloss ist vom Waldbrand in Wiesenburg nicht betroffen, Mehr zum kilometerlang]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg911.jpg"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-652" style="border:0 none;float:right;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg911.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a></p>
<p><strong>+++ Eilmeldung: </strong>Das Schloss ist vom Waldbrand in Wiesenburg nicht betroffen, Mehr zum kilometerlangen Brand, der durch defekte Bremsen eines Regionalzuges entstanden ist, erfahren Sie beim <a href="http://www.rbb-online.de/_/brandenburgaktuell/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_mini_7522972.html">RBB</a>.  Die Feuerwehr erhebt mittlerweile <a href="http://www.rbb-online.de/_/brandenburgaktuell/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_mini_7526962.html">Vorwürfe gegen die Bahn AG</a>. Meine Seite beschäftigt sich dagegen mit den historischen Hintergründen der Anlage...</p>
<p>Wer Jahrzehnte auf einer Burg lebte, kam kaum um schmerzende Erkrankungen des Bewegungsapparates kaum herum. Zu kalt, war's die meiste Zeit über in den hohen Räumen der Wehrbauten. Die Kamine reichten als Heizung einfach nicht aus. Diese Leiden, verbunden mit der Lust auf Repräsentation veranlasste viele Adelige, ihre kargen, kalten Burgen am Vorabend und nach Abschluss des Dreißigjährigen Krieges in fensterreiche Schlösser mit komfortablen (beheizbaren!) Wohntrakten umzubauen. So gut es eben ging, wurde die mittelalterliche Bausubstanz integriert.</p>
<p>Doch bei einigen Schlössern ist der militärische Kern trotz aller Prachtentfaltung von Renaissance und Barock noch zu erkennen. Zum Beispiel bei Schloss Wiesenburg im Hohen Fläming, die ihr wehrhaftes Erbe ja auch noch im Namen führt.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Im 14. Jahrhundert war die Gegend zwischen Brandenburgern, Magdeburgern und Kursachsen umkämpft. Und die Wiesenburg, um 1161 vom Ostkolonisator <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_I._(Brandenburg)">Albrecht dem Bären</a> als "Burgwardium" erbaut, lag mittendrin. Mehrfach wechselte sie die Besitzer. 1356 fiel sie an Sachsen.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg5.jpg"><img class="alignleft alignnone size-medium wp-image-645" style="border:0 none;float:left;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg5.jpg?w=235" alt="" width="235" height="300" /></a>Anfang des 15. Jahrhunderts konnten die sächsischen Kurfürsten den Hohen Fläming ganz unter ihre Kontrolle bringen. 1456 belehnte Kurfürst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._%28Sachsen%29">Friedrich der Sanftmütige</a> die Familie Brand (später Brandt) von Lindau mit der Burg und den umliegenden Dörfern. Den diversen Zweigen der Familien gelang es, die Anlage mehrere Jahrhunderte in ihrem Besitz zu halten. Die Brands machten aus der trutzigen Burg durch Anbauten einen bequemen Adels-Sitz. 1540 wurde der Ort protestantisch, was man sieben Jahre später bitter bereute und sich die Zeiten der Burg zurückwünschte.</p>
<p>Denn 1547 zogen im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schmalkaldischer_Krieg">Schmalkaldischen Krieg</a> spanische Söldner von Kaiser Karl V. durchs Land. Städtchen und Schloss wurden von der Soldateska - da von "teuflischen Protestanten" bewohnt - niedergebrannt. Die Brands von Lindau ließen ihren Sitz danach im Renaissance-Stil wieder aufbauen.</p>
<p>In der zweiten Hälfte des 16. und den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts erhielt er sein heutiges Aussehen: Eine geschlossene Anlage mit vier geräumigen Flügeln, in die der alte Bergfried (heute 48 Meter hoch) einbezogen wurde.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg3.jpg"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-646" style="border:0 none;float:right;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg3.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>Hier ließ es sich wahrhaft fürstlich leben. 42 Dörfer, ausgedehnte Wälder und Ländereien sowie eine Brauerei gehörten zur Herrschaft und durften den Luxus der Schlossherren finanzieren. Fünf Vorwerke schützten den Ort. Burgherr <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Friedrich_Brand_von_Lindau">Benno Friedrich Brand von Lindau</a> (1571-1625) gab sich nicht ohne Grund den Beinamen "der Reiche". Sympatischerweise machte er sich einen Namen, als er 1591 vor Gericht für die Abschaffung des Exorzismus stritt. Kurfürst <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_I._%28Sachsen%29">Johann Georg I.</a> kam in den Jahren vor dem Dreißigjährigen Krieg gerne zur Jagd hierher und ließ sich beköstigen.</p>
<p>Der Kurfürst soll so beeindruckt gewesen sein, dass er versucht habe, dem reichen Benno sein wohlhabendes Ländchen abzukaufen. Der schlaue Brand von Lindau forderte der Einfachheit halber für jeden Baum auf seinem Land ein Ei. Das war dem Kurfürsten dann aber doch zu teuer.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg7.jpg"><img class="alignleft alignnone size-medium wp-image-647" style="border:0 none;float:left;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg7.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>Dass so ein blühendes Gemeinwesen im Dreißigjährigen Krieg den Appetit durchziehender Truppen wecken würde, versteht sich von selbst. Drei schwedische Regimenter ließen es sich 1634 im Ort gutgehen. Die Brands von Lindau verliessen daraufhin das Schloss. Der reiche Benno bekam den Untergang seines Zeitalters nur noch am Rande mit. Er starb wie erwähnt 1625. Danach wurde sein Besitz durch Erbteilung auseinandergerissen - und geriet in die Kriegswirren.</p>
<p>Obwohl es sich bei den Schweden um Verbündete der Sachsen handelte, wüteten sie ähnlich wie die Spanier. Zu Kriegsende standen im Ort gerade mal noch zehn Häuser. In den Dörfern der Umgebung, sofern sie noch bewohnt waren, sah es ähnlich aus. Das Schloss blieb allerdings einigermaßen verschont, stand jedoch jahrelang leer und verfiel.</p>
<p>Bereits Ende des 17. Jahrhunderts hatte sich der Ort weitgehend erholt. Die Burggräben wurden zugeschüttet und teilweise mit einem Gutshof überbaut. Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert kam das Schloss in die Hände des Wittenberger Hofrichter (und Steuereinnehmers) <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_von_Watzdorf">Friedrich von Watzdorf</a>.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg92.jpg"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-654" style="border:0 none;float:right;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg92.jpg?w=300" alt="" width="300" height="225" /></a>Nach dem Ende der Befreiungskriege wurde Wiesenburg Preußen zugeschlagen. Die Aufhebung der Leibeigenschaft in Kombination mit der beginnenden Industrialisierung gaben dem Ort neue Impulse. Eine Porzellanmanufaktur und eine neue Brauerei siedelten sich an, später kam eine Druckerei hinzu. Bald hatte man auch Anschluss ans Eisenbahnnetz.</p>
<p>1863 bis 1880 ließ Kurt von Watzdorf das Schloss repräsentativ im Stil der Neo-Renaissance umbauen und die Fassaden und speziell die Giebel ausschmücken. Der Bergrfried war ihm wohl zu niedrig. In seinem Auftrag wurde er aufgestockt und mit der heute noch begehbaren umlaufenden Galerie versehen - sowie einer Uhr. Eine optisch sehr gelungene Lösung, wie ich finde. Auch der Park mit seinem Landschaftsgarten und dem großen Teich entstand in dieser Zeit: Eine der schönsten Parkanlagen der Mark Brandenburg.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg8.jpg"><img class="alignleft alignnone size-medium wp-image-649" style="border:0 none;float:left;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg8.jpg?w=225" alt="" width="225" height="300" /></a>Die neuen kommunistischen Herren enteigneten das Schloss. Man richtete bereits am 1. Januar 1946 ein Pädagogisches Institut zur Lehrerausbildung ein, später ein Internat mit Schwerpunkt Russisch. Die Schule schloss erst 1992. 1996 kaufte ein privater Investor die Anlage und restaurierte sie bis 2003. Heute präsentiert sich das brandenburger Schloss 50 Kilometer südwestlich von Potsdam als eine umfassend renovierte, <a href="http://www.schloss-wiesenburg.de">anspruchsvolle Wohnanlage</a>. Es stehen auch noch Schloss-Appartements zum Verkauf. Motto: "Leben, wo andere Urlaub machen".</p>
<p>Der Innenhof ist außerhalb von öffentlichen Veranstaltungen leider verschlossen. Besucher können allerdings die Heimatstube besuchen, auf den Turm klettern und durch den ausgedehnten Garten spazieren.</p>
<p><strong>Sage:</strong> In der Nacht zum 1. Mai soll der Rennaissancebrunnen des Schlosses anfangen zu wandern. Er läuft zu einem mittelalterlichen Schachbrett, in das man einsteigen und wo man große Schätze finden kann...</p>
<p><strong>Das Drei-Burgen-Land im Flämning</strong><br />
Schloss Wiesenburg ist eine der Burgen des so genannten Drei-Burgen-Lands im hügeligen Hohen Fläming. Die anderen beiden Anlagen sind <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2008/06/26/burg-eisenhardt-dicke-kanonenturme-an-sachsens-grenze/">Burg Eisenhardt</a> und <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2008/05/13/burg-rabenstein-flaming-wo-die-traurige-geister-dame-im-turm-sitzt/">Burg Rabenstein</a>. Man kann sich alle drei Komplexe übrigens bequem an einem Tag ansehen.</p>
<p><strong>Links/Quellen: </strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Wiesenburg">Wiki-Eintrag</a>, Eintrag beim <a href="http://www.flaeming-burgen.de/wiesenburg/">Fremdenverkehrsverein "Hoher Fläming"</a>. Weitere Infos habe ich von der Tafel im Schlosspark.</p>
<p><strong>Literatur: </strong>Einen 28-Seiten-Band mit dem Titel <a href="http://www.kai-homilius-verlag.de/vp/1.5/index.php">Schloss Wiesenburg</a> hat Peter Feist in der Reihe "Der historische Ort" des Kai Homilis-Verlags geschrieben. Er kostet 2,60 Euro.</p>
<p><strong>Lage:</strong> Schloss Wiesenburg, Schlossstr. 1a, 14827 Wiesenburg</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg9.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-650" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg9.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg4.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-653" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg4.jpg?w=72" alt="" width="72" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg61.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-655" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg61.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/05/wiesenburg94.jpg"><img class="alignnone size-thumbnail wp-image-656" style="border:0 none;margin:2px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/05/wiesenburg94.jpg?w=127" alt="" width="127" height="96" /></a></p>
<p><strong>Fotos:</strong> Meine (Anklicken zum Vergrößern)</p>
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<title><![CDATA[Wasserburg Heldrungen: Bürgermeister blockiert Sanierung]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/?p=520</link>
<pubDate>Sat, 05 Apr 2008 17:32:58 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Sollten sich Kommunen an der - zugegebenermaßen - teuren Sanierung von Burgen beteiligen, auch wenn]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/04/heldrungen1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-521" style="float:right;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/heldrungen1.jpg?w=497" alt="Schloss Heldrungen" width="286" height="195" /></a>Sollten sich Kommunen an der - zugegebenermaßen - teuren Sanierung von Burgen beteiligen, auch wenn sie nicht deren Eigentümer sind? Diese Frage wird aktuell im thüringischen Heldrungen (Kyffhäuserkreis) heiß diskutiert.</p>
<p>Leider hat der Streit dazu geführt, dass die für sechs Millionen Euro geplante Sanierung der historisch bedeutsamen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Heldrungen">Wasserburg Heldrungen</a> erstmal auf Eis liegt. Das berichtet der <a href="http://www.mdr.de/thueringen/nord-thueringen/5389925.html">MDR auf seiner Internetseite</a>.</p>
<p>Das Problem: Die Burg gehört dem Land Thüringen. Erbächter ist das Jugendherbergswerk, das dort eine Jugendherberge mit 52 Betten betreibt. Was die Verantwortung für die Erhaltung angeht, ist die Stadt somit rein rechtlich "fein raus".</p>
<p><!--more--></p>
<p>Land und Jugendherbergswerk haben denn auch angekündigt, den Löwenanteil der 6 Millionen Euro (verteilt auf fünf Jahre) zu übernehmen. Für die Kommune, deren Aushängeschild die Wasserburg ist, blieben 300.000 Euro. Diese Summe aufzubringen, sieht der CDU-Bürgermeister laut MDR nicht ein. Im Rat der Stadt ist seine Blockade höchst umstritten.</p>
<p><strong>Zur Geschichte:</strong><br />
<a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/538px-mansfeldwappen.gif"><img class="alignright alignnone size-medium wp-image-525" style="float:right;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/538px-mansfeldwappen.gif" alt="" width="111" height="125" /></a>Im ersten Drittel des 12. Jahrhunderts entstand auf dem Areal zunächst eine hölzerne Fluchtburg (erste Erwähnung 1126). 1190 kamen die Herren von Heldrungen auf die Idee, dass eine steinerne Burganlage doch wohl etwas dauerhafter sei. 1479 kauft Graf Ernst II. von Mansfeld die Anlage. Sie wurde für die nächsten 140 Jahren zur Stammburg eines Zweigs der gräflichen<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Grafen_von_Mansfeld"> Familie von Mansfeld</a> (siehe Wappen).</p>
<p>Der Mansfelder erwies sich als ausgesprochen baubegeistert. Nach der Renovierung der Burg (1501) ließ er 1512-1518 das vierflügliglige Renaissance-Schloss errichten. Um seinen Reichtum zu schützen, folgte nach 1519 der Bau von zwei Festungsgürteln mit zwölf Rondellen und zwei Wassergräben. Diese mussten "seine" Bauern ausheben.</p>
<p>Auch mehrere Häuser des Orts mussten den Arbeiten weichen. Ihre Steine wurden kurzerhand in den Festungsbau integriert. Es sollte sich schon bald zeigen, dass die auf den ersten Blick paranoid-übertrieben wirkende Befestigung ihre Berechtigung hatte.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/04/800px-burg_heldrungen_3.jpg"><img class="alignleft alignnone size-medium wp-image-522" style="float:left;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/800px-burg_heldrungen_3.jpg?w=497" alt="" width="296" height="199" /></a>Die Gegend lag wenige Jahre später im Brennpunkt des Bauernkrieges. Und auf den bauwütigen Mansfelder hatten die geschundenen Bauern einen besonderen Hass. Die örtlichen Adeligen zogen sich auf dem Höhepunkt des Aufstands auf die Festung zurück, während das von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCntzer">Thomas Müntzer</a> geführte Bauernheer heranzog, das die Anlage schleifen wollte.</p>
<p>Die von den Adeligen erhoffte Wende kam spätestens am 15. Mai 1525 - ganz in der Nähe - mit der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Frankenhausen">Schlacht bei Frankenhausen</a>.</p>
<p>Den gefangenen Müntzer brachten die Söldner des Fürtstenheeres für zwölf Tage auf die Festung Heldrungen, wo er gefoltert wurde. Übrigens auf Befehl eines anderen Ernst II. von Mansfeld. Hier verfasste Müntzer seine letzten Schriften. Der Bergfried heißt heute Müntzerturm. Am 27. Mai 1525 starb der Theologe im nahen Mühlhausen durch das Schwert.</p>
<p><a href="http://burgerbe.files.wordpress.com/2008/04/wappen_heldrungen1.png"><img class="alignright size-thumbnail wp-image-524" style="border:0;float:right;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/wappen_heldrungen1.png" alt="" width="66" height="96" /></a>In den folgenden Religionskriegen war die Festung immer wieder umkämpft. Bereits im Schmalkaldischen Krieg kam es hier 1546 und 1547 zu Gefechten. 1621, der Dreißigjährige Krieg hatte schon begonnen, kaufte Kurfürst Georg I. von Sachsen Burg und Amt Heldrungen (siehe Wappen) den verschuldeten Mansfelder Grafen ab und besetzte es mit seinen Soldaten.</p>
<p>1632 waren die Kaiserlichen unter Graf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_de_Merode">Jean de Merode</a> am Zug und eroberten die Festung. 1641 kam es erneut zu Kämpfen, bei denen der Ort bis auf sechs Häuser zerstört wurde. Im Januar 1645 belagerten die Schweden die Festung und nahmen sie nach heftigem Bombardement ein. Die Eroberer ließen die Gräben von 2000 Bauern zuschütten.</p>
<p>Nach den Wirren des Krieges ließ Herzog August von Sachsen von 1664 bis 1668 durch den Festungsbaumeister Johann Moritz Richter moderne, sternförmige Bastionen nach dem Vauban'schen System errichten, ähnlich der <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2008/01/08/13-millionen-fur-die-spandauer-zitadelle-die-ab-sofort-450-euro-eintritt-kostet/">Spandauer Zitadelle</a>. Schon wenige Jahrzehnte später begann die Anlage allerdings zu verfallen.</p>
<p>Nach dem Wiener Kongress fiel die Wasserburg an Preußen. Die Preußen wussten nicht allzuviel mit dieser Festung mitten im Land anzufangen und gaben sie 1860 auf. 1930 begannen dann erste Sanierungs-Maßnahmen.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/thomasmuntzerddr5mark.jpg"><img class="alignleft alignnone size-thumbnail wp-image-527" style="float:left;border:0;margin:2px 5px;" src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/04/thomasmuntzerddr5mark.jpg" alt="" width="76" height="96" /></a>Die DDR rettete ab 1974 Bastionen und Festungsringe vor dem Untergang. Das dürfte vermtlich zu einem großten Teil mit dem Thomas-Müntzer-Kult im Arbeiter- und Bauernstaat zu tun haben. Der Theologe wurde als früher Revolutionär gesehen, was an sich sicher richtig ist. Er prangte auf dem 5-Mark-Schein der DDR (Bild). Mühlhausen trug zwischen den siebziger Jahren und der Wende den Beinamen "Thomas Müntzer-Stadt".</p>
<p>Nach 1990 folgte dann die nächste Sanierung. Heute ist vor allem das Innere der Anlage sanierungsbedürftig. Ein Zustand, durch den sich durch die Blockade des Heldrunger Bürgermeisters leider so schnell nichts ändern wird.</p>
<p>Mittlerweile gibt es auf dem Gelände ein Burgcafé, eine Thomas-Müntzer-Gedenkstätte und eine <a href="http://www.wasserburg-heldrungen.de/html/frame-jugend.html">Jugendherberge</a>.</p>
<p><strong>Mein Kommentar:</strong><br />
Sich jetzt hinzustellen und zu sagen: "Soll die Kommune das bisschen doch bitte bezahlen, ist doch ein Klacks!" wäre mir zu billig. 300.000 Euro sind für eine strukturschwache Stadt viel Geld, dafür könnte man auch X Plätze in Jugendeinrichtungen finanzieren, und und und.</p>
<p>Aber man muss natürlich auch die Gegenrechnung aufmachen. Mit 300.000 Euro, verteilt auf fünf Jahre, könnte die Kommune 5,7 Millionen Euro Investitionen bewegen. Die kämen auch wieder lokalen Firmen zugute, es flössen Steuern zurück.</p>
<p>Die Burg und die Jugendherberge sind ein Anziehungspunkt, von dem die Stadt in hohem Maße profitiert. Sich hier hinzustellen und zu sagen: Touristen ja, Sanierung nein, ist kurzsichtig. Offenbar in der Hoffnung, dass das Land "noch ein bisschen drauflegt", verbaut der Bürgermeister der Gemeinde eine Perspektive: Nämlich Standort einer sanierten Wasserburg zu sein. Dass das Projekt am Starrsinn eines Politikers scheitert, finde ich heftig.</p>
<p>Vorschlag: Man sollte über Alternativen nachdenken. Eine Spendenaktion wäre eine gute Idee. Mobilisiert die Öffentlichkeit! Lasst Euch das nicht gefallen!</p>
<p>So machen es viele Burgen-Vereine. Und bei der nächsten Kommunalwahl kann man die politischen Verhältnisse ja sicherlich auch verändern.</p>
<p><strong>Lage:</strong> Wasserburg Heldrungen, Schlossstraße 13, 06577 Heldrungen</p>
<p><strong>Links: </strong><a href="http://www.wasserburg-heldrungen.de/index1.html?a=1">Burgseite</a>, eine nützliche Chronik findet sich bei <a href="http://blaues-band.de/unstrut/index.htm?heldrungen.htm">Ein blaues Band durch Sachsen-Anhalt</a>. Ein Beitrag mit vielen Fotos steht bei <a href="http://www.harz-saale.de/Impressionen/Burgen_Schloesser/Heldrungen/heldrungen.html">Harz-Saale.de</a></p>
<p><strong>Bilder: </strong>Wikipedia/lizensfrei. Die Wappen (v. Mansfeld und Heldrungen) stammen ebenfalls aus Wiki.</p>
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</item>
<item>
<title><![CDATA[Landesburg Kempen: Nach dem Umbau kamen die Hessen]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/?p=506</link>
<pubDate>Thu, 20 Mar 2008 18:36:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Von Burgen, die sich in ein mittelalterliches Stadtbild einfügen, geht ein besonderer Reiz aus. Ein]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a title="schloss_kempen4.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen4.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen4.jpg" border="0" alt="schloss_kempen4.jpg" hspace="5" vspace="2" width="310" height="236" align="right" /></a>Von Burgen, die sich in ein mittelalterliches Stadtbild einfügen, geht ein besonderer Reiz aus. Eine solche Burg steht im beschaulichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kempen">Kempen</a> am Niederrhein.</p>
<p>Die schwer kriegszerstörte Stadt ist glücklicherweise behutsam und mit viel Sinn für den Denkmalschutz wiederaufgebaut worden, so dass sich ein Bummel durch die Gassen auf jeden Fall lohnt. Ich weiß nur nicht, was diese Ballung an Bäckereien soll.</p>
<p>Nunja, der Bummel endet jedenfalls in der Regel an der Burg, inmitten eines Parks (heute Sitz des Krei- und Stadtarchivs). Das Gemäuer kann man leider nicht besichtigen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Aus einem befestigten Hof des Kölner Erzbischofs, der schon im 11. Jahrhundert belegt ist, entstand zunächst die Siedlung Kempen (Stadtrecht 1294). Die Siedlung an Kurkölns Nordwest-Grenze musste verteidigt werden. 1347 wird erstmals eine Burg erwähnt, die Ritter Reinhart von Schönau zum Lehen erhielt. Der Grundstein stammt von 1316.</p>
<p><a title="schloss_kempen3.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen3.jpg" border="0" alt="schloss_kempen3.jpg" hspace="5" vspace="2" width="221" height="289" align="left" /></a>Die bis heute erhaltene Burg ließ dann Erzbischof <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_III._von_Saarwerden">Friedrich III. von Saarwenden</a> von 1396 bis 1400 durch den Baumeister Johann Hundt errichten. Das Wappen des Erzbischofs prangt noch heute über dem Eingang. Ein kölnischer Amtmann zog ein.</p>
<p>Als die Anlage im 16. Jahrhundert zu verfallen drohte, ließ Erzbischof <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Salentin_von_Isenburg">Salentin von Isenburg</a> sie 1570 instand setzen. Die Einwohner hatten nicht viel davon. Neun Jahre später raffte die Pest die Hälfte der Bevölkerung hinweg.</p>
<p>Kennzeichnend sind die drei runden Türme, die die Backstein-Anlage bis heute überragen. Ringsum war das Areal von Wasser umgeben. Nach Nordosten hin war die Flanke der Burg durch eine halbmondförmige Bastion gesichert.</p>
<p>1634, mitten im Dreißigjährigen Krieg, ließ Erzbischof <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_Bayern">Ferdinand von Bayern</a> sie schlossartig umbauen. Aus den Schießscharten wurden großzügige Fenster. Nun konnte der kölnische Amtmann dort bequem residieren. Und auch der Erzbischof selbst schaute gern vorbei, wenn er im Kempener Land zur Jagd unterwegs war.</p>
<p>Im nachhinein stellte sich diese Idee jedoch als etwas hirnrissig heraus, denn 1642 marschierten die Hessen ein und belagerten Kempen. Nach schwerer Beschießung eroberten die hessischen Söldner Stadt und Burg. Sie waren an der der Burg entgegengesetzten Stadtmauerseite durchgebrochen, neben der noch heute erhaltenen Mühle. Die Hessen hielten Kempen dann sieben  Jahre lang besetzt. Kein Wunder, dass der Ort anschließend völlig ausgeplündert zurück blieb. Noch heute soll die Straße Hessenring daran erinnern.</p>
<p><a title="schloss_kempen2.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen2.jpg" border="0" alt="schloss_kempen2.jpg" hspace="5" vspace="2" width="277" height="208" align="right" /></a>Dann war erstmal 150 Jahre Ruhe. Erst 1794 tauchten wieder Invasoren auf. Diesmal die französische Revolutionsarmee. Damit war Kurkölns Herrschaft beendet. Stadt und Burg kamen zu Frankreich. Die französische Regierung enteignete die Burg als ehemaligen kurkölnischen Besitz und ließ sie verkaufen (genau wie <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2008/01/13/burg-linn-der-grose-traum-von-kreuzfahrer-otto/">Burg Linn in der Nachbarstadt Krefeld</a>).</p>
<p>Den Zuschlag bekam 1807 der Krefelder Seidenfabrikant Peter von Löwenich. Er betrachtete die Landesburg in erster Linie als Kapitalanlage und hatte nicht viel mit Denkmalschutz im Sinn. Der Industrielle ließ die nördlich vorgelagerte Bastion und den Nordflügel abbrechen. Die Burg verkam und wurde zur Ruine.</p>
<p>Der Wiener Kongress sprach die Stadt nach der Niederlage Napoleons Preußen zu. An den Besitzverhältnissen der Burg änderte sich nichts. 1851 verwüstete ein Brand die Anlage.</p>
<p><a title="schloss_kempen1.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen1.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/03/schloss_kempen1.jpg" border="0" alt="schloss_kempen1.jpg" hspace="5" vspace="2" width="224" height="284" align="left" /></a>Als das Kempener Gymnasium <a href="http://www.thomaeum.de/">Thomaeum</a> dann Mitte des 19. Jahrhunderts immer weiter wuchs, kaufte die Stadt 1857 schließlich die ausgebrannte Burg. Die Stadtväter ließen sie 1861 bis 1863 von August Stüler komplett umbauen. Die Gebäude wurden entkernt und auch die Fassaden neugotisch gestaltet. Besonders gut sieht man das heute noch an den Zinnen.</p>
<p>Die Stadt machte aus der Burg die <a href="http://ims2.bkg.bund.de/ak-ausbildung/ravenstein/2007/azubi_2/anwendung/druckversion-html/kempen/dvlandesburg.html">Burg-Schule</a>. Das Gymnasium hatte dann von 1863 bis 1925 dort seinen Sitz. Weil ein Gymnasium auch einen Schulhof braucht, wurde 1868 auch die Vorburg abgerissen.</p>
<p>1930 zog das Kreishaus ein und mit ihm der preußische Landrat. 1939 ging die Anlage dann auch ins Eigentum des Kreises (heute Kreis Viersen) über. Bis 1984 war in dem herrschaftlichen Gebäude - in einem Park mit hohen Edelkastanien - die Kreisverwaltung untergebracht. Bis 2001 nutzte die Volkshochschule noch Räume. Heute sind hier nur noch die Archivare tätig.</p>
<p>Besonders schön sieht das Ganze abends aus, wenn die Burg durch Scheinwerfer in warmes Licht getaucht wird.</p>
<p><strong>Quelle:</strong> Ludger Fischer: <a href="http://homepages.compuserve.de/DrLudgerFischer/Kempen.html">Die schönsten Schlösser und Burgen am Niederrhein</a>, Gudensberg-Gleichen 2004. Der oben erwähnte Wiki-Eintrag zu Kempen ist auch ganz nützlich.</p>
<p><strong>Lage:</strong> Burgwall, 47906 Kempen</p>
<p><strong>Fotos:</strong> Meine</p>
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<title><![CDATA[Kaiserpfalz Wimpfen: Wo die Staufer auf den Neckar schauten]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/?p=187</link>
<pubDate>Sun, 03 Feb 2008 23:32:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[
Das Städtchen hat Charme. Das liegt wohl auch daran, dass Bad Wimpfen zu den wenigen Fachwerk-Orte]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen-filter2.jpg" title="wimpfen-filter2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen-filter2.jpg" alt="wimpfen-filter2.jpg" align="top" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a></p>
<p>Das Städtchen hat Charme. Das liegt wohl auch daran, dass Bad Wimpfen zu den wenigen Fachwerk-Orten zählt, die den Zweiten Weltkrieg fast völlig unbeschadet überstanden haben.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen93.jpg" title="wimpfen93.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen93.jpg" alt="wimpfen93.jpg" align="right" border="0" height="292" hspace="5" vspace="2" width="224" /></a>Stolze Türme prägen seine Silouette. Dafür hätte der Dreißigjährige Krieg die Stadt im Schutz der Staufer-Pfalz allerdings fast ausgelöscht.</p>
<p>Ursprünglich hat die Siedlung keltische Wurzeln. Die Römer bauten hier bereits um das Jahr 98 n.Chr. das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kastell_Wimpfen_im_Tal">Kastell Wimpfen im Tal</a> als Teil des Neckar-Odenwald-Limes.</p>
<p>Eine hölzerne Römerbrücke kündete noch im frühen Mittelalter von der nachhaltigen Ingenieurskunst des Imperiums - lange nach seinem Untergang.</p>
<p>Ihr wurde schließlich nach den Jahrhunderten ein besonders starker Eisgang des Neckar zum Verhängnis.</p>
<p><!--more--></p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/wimpfen3.jpg" title="wimpfen3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/wimpfen3.thumbnail.jpg" alt="wimpfen3.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Der Ort, 829 als Wimpia erstmals erwähnt, entwickelte sich um die erste Jahrtausendwende prächtig. Um das Jahr 1200 entstanden oberhalb des Orts auf dem Eulenberg genannten Bergrücken die heute noch sichtbaren Bauten der Staufer-Pfalz. 1227 ging der Ort als Lehen an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Staufer">Staufer</a>.</p>
<p>Die Staufer-Kaiser planten großzügig: Die Wimpfener Pfalz ist mit 215 x 88 Metern die größte erhaltene Pfalzanlage nördlich der Alpen. Das Foto links zeigt die Mauer der Pfalz an der Neckarseite.</p>
<p>Höchstes Bauwerk der Pfalz war der heute der 58 Meter hohe Blaue Turm: ein Bergfried, der heute Wahrzeichen der Stadt ist. Seit 650 Jahren amtiert dort ein Türmer. Er brannte bislang drei Mal: 1674, 1848 und 1981. Nach dem ersten Brand erhielt er eine barocke Haube, 1848 bekam er seine heutige Form.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen5.jpg" title="wimpfen5.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen5.jpg" alt="wimpfen5.jpg" align="right" border="0" height="338" hspace="5" vspace="2" width="222" /></a>Zweiter Bergfried ist der Rote Turm: Ein kleinerer Fluchtturm für die königliche Familie, der reich ausgestattet war. 1647 brannte er völlig aus. Der erhaltene Stumpf ist 23 Meter hoch.</p>
<p>Von den Wohngebäuden der Pfalz hat sich das Steinhaus erhalten (heute Museum). Hier wohnten vermutlich die jeweiligen Staufer-Königinnen.</p>
<p>Die staufische Siedlung wurde bald bedeutender als das alte Wimpfen im Neckar-Tal.</p>
<p>Friedrich Barbarossa soll hier 1182 schon logiert haben (für den Aufenthalt seines Hofstaats kam freilich die Stadt auf). Von seinem Nachfolger Heinrich VI. sind drei von Friedrich II. sogar acht Aufenthalte belegt. In diesen Zeiten war die Wimpfener Pfalz Mittelpunkt des Reiches. In diesen Mauern wurde die zeitweise die "Weltpolitik"  der damaligen Zeit entschieden.</p>
<p>So am 12. Juli 1235, als Friedrich II. hier seinen ungestühmen, 24-jährigen Sohn <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_%28VII.%29">Heinrich VII.</a>, der für den ständig in Italien weilenden Kaiser über Deutschland herrschte, zur öffentlichen Unterwerfung zwang.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen8.jpg" title="wimpfen8.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen8.thumbnail.jpg" alt="wimpfen8.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a></p>
<p>Heinrich hatte sich vorher mit diversen Fürsten gegen seinen Vater verbündet und wurde anschließend von diesem in Worms zu lebenslänglicher Haft verufteilt.</p>
<p>Heute erinnert hier unter anderem das empfehlenswerte Bad Wimpfener Steinhausmuseum (Foto links, das Gebäude mit dem roten Dach) an die Stauferzeit.</p>
<p>Es beherbergt unter anderem die auf natürlich Weise entstandene <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2007/11/20/die-totenmaske-der-staufer-stammmutter/">Totenmaske der Hildegard von Egisheim</a>, der Stamm-Mutter der Staufer-Kaiser - das einzige lebensechte Abbild eines mittelalterlichen Menschen, den wir namentlich kennen.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen6.jpg" title="wimpfen6.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen6.thumbnail.jpg" alt="wimpfen6.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Nach dem Untergang der Staufer war es allerdings mit der Kaiser-Herrlichkeit vorbei. Aber immerhin war Wimpfen ab 1300 freie Reichsstadt.</p>
<p>Die Reformation fiel in Wimpfen auf fruchtbaren Boden. 1588 lebten hier nur noch 30 Katholiken. Diese wurde allerdings toleriert und durften die - nunmehr protestantischen - Kirchen weiter nutzen.</p>
<p>Die schlimmste Zeit ihrer Geschichte erlebte die Stadt mit dem Dreißigjährigen Krieg. Eine der blutigsten Schlachten des Krieges vom Mai 1622 mit rund 5000 Toten ist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Wimpfen">nach Wimpfen benannt</a>. Stadt und Pfalz wurden mehrfach besetzt und geplündert.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen2.jpg" title="wimpfen2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen2.jpg" alt="wimpfen2.jpg" align="left" border="0" height="286" hspace="5" vspace="2" width="218" /></a>Am Ende des Krieges hatte Wimpfen neun Zehntel seiner Einwohner verloren. Es verarmte und brauchte rund 150 Jahre, um sich von diesem Blutzoll zu erholen.</p>
<p>Der Bau-Boom des Barock ging daher an Wimpfen fast völlig vorbei, und es behielt sein  von Fachwerk geprägtes mittelalterliches Stadtbild.</p>
<p>Aus heutiger Sicht ein Vorteil...</p>
<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der ehemals hessische Ort nach einer Volksabstimmung zu Baden-Württemberg, was das Bundesland Hessen bis heute nicht so recht akzeptiert hat.</p>
<p>Es toleriert lediglich die baden-württemberg- ische Verwaltung.</p>
<p>Sollte die Bundesrepublik irgendwann mal zerfallen, dürften sich die beiden Länder noch heftig um die historischen Stätten zanken.</p>
<p>Der beschauliche Ort macht richtig Lust zum Flanieren. Auf Blauen und Roten Turm kann man hinaufkraxeln, was einen hervorragenden Überblick bietet. Ich kann einen Besuch wirklich nur empfehlen.</p>
<p><b>Quellen/Links:</b> Ausführtlicher <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Wimpfen">Wiki-Eintrag</a>. Mehr zur Geschichte von <a href="http://www.michls.de/mauern-von-wimpfen/kaiser.html">Wimpfen und den Staufern</a> bei Michls.de. Viele Fotos von Bad Wimpfener Fachwerkhäusern gibt es <a href="http://www.aphforum.de/forum/viewtopic.php?t=2082">hier</a>.</p>
<p>Und hier noch ein paar Fotos:<br />
<a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen4.jpg" title="wimpfen4.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen4.thumbnail.jpg" alt="wimpfen4.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen7.jpg" title="wimpfen7.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen7.thumbnail.jpg" alt="wimpfen7.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen911.jpg" title="wimpfen911.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen911.thumbnail.jpg" alt="wimpfen911.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen92.jpg" title="wimpfen92.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen92.thumbnail.jpg" alt="wimpfen92.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen94.jpg" title="wimpfen94.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen94.thumbnail.jpg" alt="wimpfen94.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen941.jpg" title="wimpfen941.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/02/wimpfen941.thumbnail.jpg" alt="wimpfen941.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a></p>
<p><i>Bilder: Meine </i></p>
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<title><![CDATA[Honburg: Computermodell lässt Tuttlingens Wahrzeichen neu erstehen ]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2008/01/18/honburg-3d-computermodell-lasst-tuttlingens-wahrzeichen-neu-erstehen/</link>
<pubDate>Fri, 18 Jan 2008 00:12:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
<guid>http://burgerbe.wordpress.com/2008/01/18/honburg-3d-computermodell-lasst-tuttlingens-wahrzeichen-neu-erstehen/</guid>
<description><![CDATA[Das Dumme an Burgruinen ist, dass man sich das einst prächtige Gesamtbild der Anlagen kaum vorstell]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/05_schloss_final_0200.jpg" title="05_schloss_final_0200.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/05_schloss_final_0200.jpg" alt="05_schloss_final_0200.jpg" align="right" border="0" height="187" hspace="5" vspace="2" width="293" /></a>Das Dumme an Burgruinen ist, dass man sich das einst prächtige Gesamtbild der Anlagen kaum vorstellen kann.</p>
<p>Ein paar efeuumrankte, abbröckelnde Mauern, gähnend leere Fensteröffnungen und ein einsames Kaminsims aus Sandstein. Das ist es dann häufig alles, was geblieben ist.</p>
<p>Zum Glück gibt es Computersimulationen. Und die werden immer besser...</p>
<p>Mit der geballten Rechenkraft von bis zu 50 PCs der Stuttgarter <a href="http://www.hdm-stuttgart.de">Hochschule der Medien</a> haben die beiden Studentinnen Petra Riesemann und Cornelia Egger für ihre Diplomarbeit die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Honberg">Burg Honberg</a>, Wahrzeichen der schwäbischen Stadt Tuttlingen, wieder auferstehen lassen.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Heraus kamen viele eindrucksvolle Bilder und ein professioneller, sechsminütiger Kurzfilm über die südlichste Festung Württembergs. Diese reine Computersimulation kann man sich auf Ihrer im Rahmen der Arbeit angelegten <a href="http://www.honberg-tuttlingen.de/virtuelle_festung.html">Honburg-Homepage</a> anschauen.</p>
<p>Die Illustrationen in diesem Artikel sind Einzelbilder aus dem Film. Außerdem haben die Studentinnen noch eine neunminütige Dokumenation über die heutige Ruine <a href="http://www.honberg-tuttlingen.de/dokumentation.html">online gestellt</a>.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/honburg_saal.jpg" title="honburg_saal.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/honburg_saal.jpg" alt="honburg_saal.jpg" align="left" border="0" height="176" hspace="5" vspace="2" width="314" /></a>Mir hat speziell der Computerfilm ausgesprochen gut gefallen: Anschaulich, schlüssig und detailreich. Auch das Knarzen der Bohlen und das Quietschen der Türen wurde nicht vergessen, wenn die Kamera sich auf die virtuelle Reise durch die Gemäuer begibt.</p>
<p>Ich hoffe, die Filme werden auch an den umliegenden Schulen gezeigt...</p>
<p><b>Geschichte:</b><br />
Die Burg auf dem Honberg war eine der letzten deutschen Burgen überhaupt. Errichtet wurde sie erst um 1460 von Graf Eberhard V. als württembergische Landesfestung zum Schutz der südlichen Landesgrenze und des Donau-Übergangs.</p>
<p>Sie bestand aus Wohnschloss und vorgelagertem Sammelplatz, der Platz für die Zelte von bis zu 2000 Soldaten bot. Dieser war von einer Wehrmauer mit Türmen umgeben.</p>
<p>Entlang der Mauer führte ein Wehrgang mit reichlich Schießscharten in alle Richtungen (<a href="http://www.honberg-tuttlingen.de/pdfs/baugeschichte.pdf">Baugeschichte als PDF</a>). Das Ganze war noch durch Gräben gesichert. Vor dem Wohnschloss stand noch eine Extra-Mauer mit Wassergraben. Einer der massigen Türme des Schlosses diente als Zisterne. Von allen Etagen aus ließen sich Eimer in das Reservoir im Keller hinablassen. Eine gute Idee.</p>
<p>Alles in allem eine State-of-the-art-Festung des 15. Jahrhunderts.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/honburg_finale.jpg" title="honburg_finale.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/honburg_finale.jpg" alt="honburg_finale.jpg" align="right" border="0" height="185" hspace="5" vspace="2" width="323" /></a>Bereits 1679/80, in der Friedinger Fehde, dient die Honburg erstmals als Truppensammelplatz der Württemberger.</p>
<p>Auch im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schwabenkrieg">Schweizer- (bzw. Schwaben-) Krieg</a> nach der Lossagung der Eidgenossenschaft 1499 vom Heiligen Römischen Reich lagen 2000 Knechte mit zehn Hakenbüchsen unter Graf Wolfgang von Fürstenberg in der Festung. Die Burg wurde jedoch nicht in die Kampfhandlungen einbezogen.</p>
<p>Nach der Absetzung und Ächtung von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_%28W%C3%BCrttemberg%29">Herzog Ulrich von Württemberg</a> 1518/19 fiel Tuttlingen mitsamt Burg für einige Jahre an Habsburg. Nach dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Kaaden">Friedensvertrag von Kaaden</a> erhielt sie der Herzog 1534 jedoch zurück. Der Merian-Stich (Bild unten) stammt etwa aus dieser Zeit.</p>
<p>In der Anfangszeit des Dreißigjährigen Krieges konnte sich die ziemlich heruntergekommene, aber dennoch starke Festung gut behaupten. Erst 1633 brannte sie bei der Vertreibung der Österreichischen Besatzung durch die Württemberger nieder und war danach unbewohnbar.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/tuttlingen-merian.jpg" title="tuttlingen-merian.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/tuttlingen-merian.jpg" alt="tuttlingen-merian.jpg" align="left" border="0" height="192" hspace="5" vspace="2" width="357" /></a>Durch die Schlafmützigkeit einer französischen Besatzung in der Endphase des Krieges kamen die Überreste der Burg Honberg dann um eine Belagerung herum.</p>
<p>Im November 1643 lag die französische Armee in Tuttlingen im Winterquartier, als sie von einem Angriff der kaiserlichen Reiterei unter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Werth">Jan von Werth</a> völlig überrascht wurde ("<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Tuttlingen">Schlacht bei Tuttlingen</a>").</p>
<p>Einer der vielen Angriffe, die den legendären Ruf des Neusser Reitergenerals als "Franzosenschreck" begründeten.</p>
<p>Nachdem die Angreifer handstreichartig die Kanonen der Franzosen in ihren Besitz gebracht hatten, konnten sie Stadt und Burgberg in einem schnellen Angriff nehmen. Besonders der Fall der Burg <a href="http://www.rainerknoerle.de/tuttlingen/honberg.html#Anchor-Di-14822">verblüffte die Zeitgenossen</a>.</p>
<p>7000 Soldaten nebst ihrem Oberbefehlshaber <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Josias_Rantzau">Josias Rantzau</a>, späterer Marschall von Frankreich, gerieten in Gefangenschaft. Nur die französische Reiterei konnte sich retten.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/tuttlingen-ruine-honberg-1911.jpg" title="tuttlingen-ruine-honberg-1911.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/tuttlingen-ruine-honberg-1911.thumbnail.jpg" alt="tuttlingen-ruine-honberg-1911.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Danach verfiel die Anlage weiter. Tuttlinger Bürger nutzten sie als wohlfeilen Steinbruch. Speziell nach einem Stadtbrand 1803 erwiesen sich die Steine der Burg als willkommenes Wiederaufbau-Material.</p>
<p>1883 und 1893 wurden dann Zinnen- und Haubenturm wieder aufgenaut, was der Anlage ihr heutiges Aussehen gibt.</p>
<p><b>Spuk &#38; Co.:</b><span><br />
Im Zinnenturm der Honburg geht der Sage nach noch heute der Geist des geizigen <a href="http://www.honberger.de/Brauchtum/sage.html">„Kischtä-Männles”</a> um. Der Sage nach soll es sich um einen geldgierigen Vogt handeln, der zu Lebzeiten die Bevölkerung ausgepresst hat und seine Gefangenen leiden ließ. </span></p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/burgruine_honberg_web.jpg" title="burgruine_honberg_web.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/burgruine_honberg_web.thumbnail.jpg" alt="burgruine_honberg_web.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><span>Auf seiner Geldkiste im untersten Verlies sitzend, soll ihm dann eine zugeschlagene Tür zum Verhängnis geworden sein. Die ließ sich von innen nämlich nicht mehr öffnen. </span></p>
<p><span>Er war nun selbst gefangen und musste trotz Goldschatz verhungern. Nun geht er also bis heute um und versucht Armen Geld zu geben, um erlöst zu werden. Da er aber immer noch geizig ist, will das nicht so recht klappen. Blöde Situation...</span></p>
<p><b>Quellen/Links: </b>Mehr zum Projekt der Studentinnen in einem <a href="http://www.szon.de/lokales/tuttlingen/stadt/200801150366.html?apage=0">Artikel der Schwäbischen Zeitung</a>. Auch die <a href="http://www.nrwz-online.de/v4/region/00019181/">Neue Rottweiler Zeitung</a> berichtet.</p>
<p>Eine äußerst ausführliche Darstellung der Burg-Geschichte findet sich auf der Seite von <a href="http://www.rainerknoerle.de/tuttlingen/honberg.html">Dr. Rainer Knoerle</a>.</p>
<p><b>Lage:</b> Am Honberg, 78532 Tuttlingen<i><b></b></i></p>
<p><i><b>Fotos:</b> Drei Computer-Bilder von der <a href="http://www.honberg-tuttlingen.de/">Burg-Homepage</a>, mit freundlicher Genehmigung der Erstellerinnen. Der Stich stammt von Merian (16. Jahrhundert). Das Urheberrecht der Postkarte von 1911 ist verfallen. Foto Ruine: Wiki/Sebastian Kirschberg.</i></p>
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</item>
<item>
<title><![CDATA[Burg Linn: Der große Traum von Kreuzfahrer Otto]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2008/01/13/burg-linn-der-grose-traum-von-kreuzfahrer-otto/</link>
<pubDate>Sun, 13 Jan 2008 19:55:54 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die Kreuzzüge waren nicht nur eine ziemlich blutige Angelegenheit, sondern sorgten auch für einen ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn1.jpg" style="width:295px;height:222px;" alt="linn1.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" />Die Kreuzzüge waren nicht nur eine ziemlich blutige Angelegenheit, sondern sorgten auch für einen intensiven Austausch von neuen Ideen. Das kann man an <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Linn">Burg Linn</a> in Krefeld sehen, einer der größten Wasserburgen des Niederrheins.</p>
<p>Schon um das Jahr 1000 stand an dieser Stelle ein von Wasser und Holzpalisaden umgebener Wehrturm aus Holz, der hundert Jahre später durch einen Turm aus Stein ersetzt wurde...</p>
<p><!--more--></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Linn">Otto von Linn</a> verkaufte die Anlage 1186 an den Kölner Erzbischof und erhielt sie als Lehen zurück. Mit dem Erlös finanzierte er seine Teilnahme am <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dritter_Kreuzzug">Dritten Kreuzzug</a> mit Kaiser Friedrich Barbarossa. Die Burgen des Orients müssen ihn mächtig beeindruckt haben, denn er kehrte mit großen Plänen nach Linn zurück...</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn2.jpg" title="linn2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn2.thumbnail.jpg" alt="linn2.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Otto gab der Anlage ihren heutigen Grundriss. Inspiriert von byzantinischen Burgen wurde aus der ovalen Wallanlage ein Sechseck mit Flankierungstürmen. Moderne, dicke Backsteinmauern ersetzten die erste Umwallung aus Tuffstein und Holzpallisaden. Das Ganze war natürlich teuer und ließ sich nur Schritt für Schritt realisieren.</p>
<p>Heute sind die verschiedenen Bauabschnitte noch gut zu unterscheiden. Anfangs versuchten die Bauleute auch noch Backsteine und Tuffquader zu kombinieren, was sie bald aber bleiben ließen. Dadurch sehen die unteren Stockwerke der Burg etwas gesprenkelt aus.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn_entwicklung.jpg" title="linn_entwicklung.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn_entwicklung.jpg" alt="linn_entwicklung.jpg" align="right" border="0" height="784" hspace="5" vspace="2" width="247" /></a>Im <a href="http://www.krefeld.de/kommunen/krefeld/41MBL.nsf/85e3f7ba8b89f33ec1256bd4003e666a/03f1ffec40daef1bc1256dba0035910d?OpenDocument&#38;node=\Kultur\Krefelder%20Museen&#38;knotenid=K0203&#38;mnn=krefeldErleben">Burgmuseum</a> steht ein schönes Modell, das den Umbau deutlich macht. Den Abschluss um 1250 erlebte Otto dann nicht mehr. Sein Sohn Gerhard ließ die Mauern noch um drei Meter erhöhen.</p>
<p>Für die Burg folgten stürmische Jahre. Durch die Zugehörigkeit zur Grafschaftg Kleve und ab etwa 1388 zum Kurfürstentum Köln wurden Burg und Stadt immer wieder in Streitigkeiten der umliegenden Mächte hineingezogen.</p>
<p>Vom Dreißigjährigen Krieg blieb Burg Linn weitgehend verschont - bis im Januar 1642 Söldnerheere der mit Frankreich verbündeten Gräfin von Hessen-Kassel und des Herzogs von Weimar die Burg vier Wochen lang belagerten.</p>
<p>Kaiserliche Truppen zogen ihnen entgegen, wurden jedoch in der <a href="http://www.geismuehle.oppum.net/index.php?area=3&#38;p=static&#38;page=drei%DFigj%E4hrigen_krieg">Winterschlacht an der Hückelsmay</a> am Rand von Krefeld geschlagen. Daraufhin fiel auch Burg Linn.</p>
<p>Die hessischen Söldner unter ihrem Oberbefehlshaber <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Rabenhaupt">Carl von Rabenhaupt</a> blieben noch jahrelang am Niederrhein und verbreiteten Angst und Schrecken. Sie bauten aber auch die Befestigungen der Burg weiter aus.</p>
<p>Im Burgmuseum finden sich allerlei Briefe aus dieser Zeit, unter anderem ein <a href="http://www.geismuehle.oppum.net/index.php?area=3&#38;p=static&#38;page=kurf%FCrstklage">Bericht vom Müller der nahen Geissmühle</a>, dem die fremden Truppen arg zusetzten und ihn zeitweise in seiner Mühle belagerten. Als marodierende Truppen versuchten, die Tür anzuzünden, löschte er mit Bier (was ihm aber letztlich auch nicht half)...</p>
<p>Noch weit schlimmer ging es dann im Spanischen Erbfolgekrieg zu. Zunächst nahmen die Franzosen die Burg ein. 1702 wurden sie von kaiserlichen Truppen belagert, die Burg sturmreif geschossen.</p>
<p>Es war derselbe Feldzug, der auch der wenige Kilometer entfernten <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2007/11/24/kaiserswerth-wie-man-einen-kleinen-konig-entfuhrt/">Kaiserpfalz Kaiserswerth</a> den Garaus machte. Weitere Feuer 1704 und 1715 gaben dem Linner Gemäuer den Rest.</p>
<p>1758, im Siebenjährigen Krieg, bei der zweiten Schlacht auf der Hückelsmay (auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Krefeld">Schlacht von Krefeld</a> genannt), war die nahe Linner Burg schon Ruine. Da war es herzlich egal, dass die Preußen ihre französischen Gegner zum Rückzug zwangen.</p>
<p><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn5.thumbnail.jpg" alt="linn5.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" />Nachdem die neugegründete französische Republik den Niederrhein besetzt hatte, übernahme die neuen Machthaber die Ruine als ehemaligen kurfürstlichen (und damit feindlichen) Besitz selbst und verkauften sie 1806 an den Seidenfabrikanten Isaak de Greiff.</p>
<p>Genau so verfuhren die französischen Besatzer übrigens auch mit der benachbarten kurkölnischen <a href="http://burgerbe.wordpress.com/2008/03/20/burg-kempen-nach-dem-umbau-kamen-die-hessen/">Landesburg Kempen</a>, die auch ein Krefelder Seidenfabrikant kaufte.</p>
<p>Von de Greiffs Erben erwarb die Stadt Krefeld die Ruine und das daneben stehende Jagdschloss (von 1740) schließlich 1926 für 506.000 Mark. Danach (und erneut nach dem Krieg) wurden die Anlage restauriert. Heute gibt sie einen guten Einblick vom Aufbau einer hochmittelalterlichen Burg.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn_verlies.jpg" title="linn_verlies.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn_verlies.thumbnail.jpg" alt="linn_verlies.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Der Bergfried "Butterturm" kann erklettert werden. Durch einen Gitterrost (siehe Foto)  ist auch ein Blick ins Verlies im unteren Turmgeschoss möglich.</p>
<p>Zu Pfingsten läuft rund um die Burg ein riesiger Mittelaltermarkt ab, der <a href="http://www.flachsmarkt.de/">Flachsmarkt</a>.</p>
<p>Neben dem Museum in der Burg und dem im Biedermeiser-Stil engerichteten kurfürstlichen Jagdschloss gibt es noch das vor der Burg entstandene <a href="http://www.archaeologie-krefeld.de/leiste/museum/museum.htm">Niederrheinische Landschaftsmuseum</a> mit vielen interessanten Fundstücken.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/429px-krefeld_014.jpg" title="429px-krefeld_014.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/429px-krefeld_014.thumbnail.jpg" alt="429px-krefeld_014.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Unter anderem werden hier auch Skelett und Schädel des glücklich heimgekehrten Kreuzfahrers Otto aufbewahrt (siehe Foto), die Archäologen 1989 bei Ausgrabungen interessante Ergebnisse zu Tage.</p>
<p>So hat der junge Otto als Kreuzfahrer unter deutlicher Mangelernährung gelitten, die sich in seinem Knochenbau niederschlug.</p>
<p>Vom 20. Januar bis zum 3. August läuft im Landschaftsmuseum die Ausstellung <a href="http://www.diekelten.de/">"Das Geheimnis der Kelten"</a>.</p>
<p align="center"><i>Hier mal ein Video-Blick auf die Burg:</i></p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/UAFZh0nXJyk'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/UAFZh0nXJyk&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p align="center"><i>Und noch ein Rundblick im Innenhof und ein paar Fotos: </i></p>
<p><span style='text-align:center; display: block;'><object width='425' height='350'><param name='movie' value='http://www.youtube.com/v/SgnapPF3YRg'></param><param name='wmode' value='transparent'></param><embed src='http://www.youtube.com/v/SgnapPF3YRg&rel=0' type='application/x-shockwave-flash' wmode='transparent' width='425' height='350'></embed></object></span></p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn3.jpg" title="linn3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn3.thumbnail.jpg" alt="linn3.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn4.jpg" title="linn4.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn4.thumbnail.jpg" alt="linn4.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn6.jpg" title="linn6.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2008/01/linn6.thumbnail.jpg" alt="linn6.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a></p>
<p><b>Lage:</b> Rheinbabenstr. 84, 47809 Krefeld</p>
<p><b>Fotos: </b>Meine / Die vier Baustadien sind im Durchgang zum Burghof abfotografiert / Das Schädel-Foto stammt von Wikipedia/Rosebud23</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Schloss Wolfsburg und die Stiftung des "reichen Hans"]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2007/12/25/schloss-wolfsburg-und-die-stiftung-des-reichen-hans/</link>
<pubDate>Mon, 24 Dec 2007 23:57:35 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Zu den langlebigsten Dingen, die Menschen so produzieren - neben Baudenkmälern, Literatur und Kunst]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg2.jpg" title="wolfsburg2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg2.jpg" alt="wolfsburg2.jpg" align="right" border="0" height="184" hspace="5" vspace="2" width="244" /></a>Zu den langlebigsten Dingen, die Menschen so produzieren - neben Baudenkmälern, Literatur und Kunst -, zählt der Müll. So sehen das zumindest Archäologen, die in den Hinterlassen- schaften verflossener Generationen herumstochern.</p>
<p>Gerade das niedere Volk, über dessen Situation kaum schriftliche Quellen stichhaltige Auskünfte geben, teilt uns in seinen Abfallgruben so einiges mit.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Bei Ausgrabungen in Schloss Wolfsburg stieß man auch auf so einen Müllhaufen, genauer  gesagt auf ein ehemaliges Abort (ca. 18. Jahrhundert). Den Fund kann man jetzt im <a href="http://www.wolfsburg.de/verwaltung/kultur_bildung/historischemuseen/stadtmuseum/index.html">Wolfsburger Stadtmuseum</a>, in der Remise neben dem Schloss, in Augenschein nehmen.</p>
<p>Keine Angst, wer die entsprechende Schublade aufzieht, braucht nicht befürchten, unter dem Glas auf etwas Unappetitliches zu stoßen. Dort liegt nur ein Sammelsurium von weißen Tonpfeifen, so ähnlich wie die, die an St. Martin den Weckmännern mitgegeben werden.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_karte.jpg" title="wolfsburg_karte.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_karte.thumbnail.jpg" alt="wolfsburg_karte.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a></p>
<p>Das mit der Schublade ist ganz witzig, hat man doch so den Eindruck, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen. Schlau, diese Museumspädagogen. Im ersten Stock findet sich noch ein Raum mit Zeugnissen der Zwangsarbeiter aus dem gegenüberliegenden VW-Werk.</p>
<p>Außer dem Museum (neben dem Schloss) gibt es im Schloss noch die städtische Galerie. Wer schlau ist, kauft sich die Kombikarte. Die sieht nett aus, und man kann sich gut damit fotografieren.</p>
<p><b>Zur Geschichte:</b><br />
<a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg11.jpg" title="wolfsburg11.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg11.jpg" alt="wolfsburg11.jpg" align="right" border="0" height="167" hspace="5" vspace="2" width="229" /></a> Im 13. Jahrhundert entstand auf dem Gelände an der Aller zunächst ein hölzerner Wohnturm, um die Besitzungen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bartensleben_%28Adelsgeschlecht%29">Familie v. Bartensleben</a> zu sichern (erste Erwähnung der Anlage: 1302).  Daraus entwickelte sich ein 23 Meter hoher Bergfried mit ca. 2,5 Meter dicken Mauern, der heute Teil des Schloss- ensembles ist.</p>
<p>Auf dem Foto ist er als fensterlose Fassade ohne Giebel in der rechten Bildhälfte zu erkennen. Sein Eingang lag hofseitig in 12,50 Meter Höhe (heute ein Fenster). Der Wolf in "Wolfs"burg stammt übrigens aus dem Wappen besagter Familie.</p>
<p>Die zunächst hufeisenförmige Anlage, bis zur Aller-Regulierung 1840 von Wasser umflossen, gehörte zu einer Burgenkette, die sich längst der Flüsse Aller, Ohre und Speetze bis an die Elbe bei Wolmirstedt erstreckte. Sie wurde Zentrum der Bartenslebischen Herrschaft.</p>
<p>Schon früh (1437) ist von Kanonen in ihren Mauern die Rede. Knapp 30 Jahre später trug sie dennoch erheblichen Schaden davon, als die v. Bartenslebens sich mit dem Herzog von Lüneburg herumstritten.</p>
<p>Mit der Zeit erschien die Wasserburg der Familie nicht mehr repräsentativ genug. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_von_Bartensleben">Hans "der Reiche" von Bartensleben</a> (1512-1583), im Getreidehandel zu Geld gekommen, begann damit, die Burg im 16. Jahrhundert zum Renaissance-Schloss umzubauen. Ihre heutige Form erhielt die geschlossene, vierflüglige Anlage allerdings erst 1620, lange nach seinem Tod. Das Schloss ist der nordöstlichste Vertreter der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weserrenaissance">Weserrenaissance</a>. Der alte, schmucklose Bergfried passte da nicht mehr so ganz ins Bild, wurde aber kurzerhand als Gefängnisturm weiter genutzt.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg31.jpg" title="wolfsburg31.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg31.jpg" alt="wolfsburg31.jpg" align="left" border="0" height="177" hspace="5" vspace="2" width="227" /></a>Der reiche Hans zeichnete sich in den stürmischen Reformationsjahren durch eine erstaunliche Glaubenstoleranz aus. Per Vertrag garantierte er der eigenen Familie und sogar dem Gesinde die freie Religionswahl.</p>
<p>1581 rief er eine üppig ausgestattete Stiftung zugunsten Armer und Kranker ins Leben, die bis 1919(!) Bestand haben sollte. So ziemlich die sinnvollste Einrichtung, die ein norddeutscher Adeliger je zustande gebracht hat.</p>
<p>Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Burg einigermaßen glimpflich. Lediglich der Westflügel wurde zerstört. Dieser Umstand lag allerdings nicht an der Toleranz der Familie, sondern schlicht daran, dass die Gebäude ständig von einer der beiden Seiten besetzt waren, der Wechsel aber kampflos vonstatten ging.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_turm.jpg" title="wolfsburg_turm.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_turm.thumbnail.jpg" alt="wolfsburg_turm.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Den schwedischen Truppen gefiel es im Schloss jedoch so gut, dass sie nach dem Friedensschluss nicht so recht abziehen wollten. Auf Anweisung der Landesherren wurden daraufhin die Befestigungen der Wolfsburg vor den Augen der Besatzer geschleift, bis diese sich schließlich 1650 bequemten, die Anlage zu räumen.</p>
<p>Die schlauen Herren von Bartensleben schafften es danach jedoch innerhalb von sechs Jahren, die Mauern wieder aufzurichten und das Schloss erneut wehrhaft zu machen.</p>
<p>Nach dem Erlöschen der Familie ging ihr Besitz mitsamt Schloss 1746/47 an das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schulenburg_%28Adelsfamilie%29">Geschlecht derer von der Schulenburg</a> über. Ihr Wolfsburger Zweig machte das Schloss 200 Jahre lang zu seinem repräsentativen Sitz. Um 1750 legte Gebhard Werner von der Schulenburg an der Nordseite des Schlosses einen barocken Lustgarten an.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_gewoelbe.jpg" title="wolfsburg_gewoelbe.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_gewoelbe.thumbnail.jpg" alt="wolfsburg_gewoelbe.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Der NS-Staat enteignete große Teile der gräflichen Besitzungen, um darauf das Volkswagen-Werk zu errichten. 1943 erwarb die Stadt (die damals "Stadt des KdF-Wagens" hieß) das Schloss für 560.000 Reichsmark.</p>
<p>Nach einer kurzen Zeit unter niedersächsischer Landesherrschaft gehört Schloss Wolfsburg seit 1961 der nun gleichnamigen Stadt. Es wird als kulturelles Zentrum genutzt, einige Säle kann man mieten. Geführte Rundgänge gibt es nur auf vorherige Anfrage.</p>
<p><b>Spuk &#38; Co.:</b><br />
<a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_seite.jpg" title="wolfsburg_seite.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_seite.thumbnail.jpg" alt="wolfsburg_seite.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a> So einige Geschichten sind vom Spuk im Schloss überliefert. Als ein Nachfolger von Hans dem Reichen mit dem Stiftungs- gedanken brechen und am Todestag des Patrons keine Witwen und Waisen beschenken wollte, soll es so furchtbar zu spuken begonnen haben, dass man den Brauch eiligst wieder aufnahm.</p>
<p>Eine andere Geschichte handelt von einer weiß verschleierten Frau, die stets auftauchte, wenn Unheil anstand. Den Schleier soll sie getragen haben, weil sie sich das Gesicht mit Substanzen verätzt hatte, die ihr die ewige Jugend bringen sollten.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_wappen.jpg" title="wolfsburg_wappen.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/wolfsburg_wappen.thumbnail.jpg" alt="wolfsburg_wappen.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Im Nordflügel soll der Geist eines Jesuitenpaters spuken, der vergeblich versucht haben soll, einen der protestantischen Schlossherrn vom Katholizismus zu überzeugen. Kennzeichen des Geistes: Besonders haarige Hände.</p>
<p>Einer der Grafen soll sich sogar vor Schreck in den Fuß geschossen haben, weil er einen Moment lang glaubte, den Mönch vor sich zu haben.<br />
(Quelle zum Spuk: <a href="http://www.newsclick.de/index.jsp/menuid/6523639/artid/6566190">Newsklick.de</a>, Regional-Portal u.a. der Wolfsburger Nachrichten)</p>
<p><b>Ansonsten</b> gibt es an historischen Gemäuern in Wolfsburg noch die <a href="http://www.wolfsburg.de/verwaltung/kultur_bildung/historischemuseen/burgneuhaus/">Wasserburg Neuhaus</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Fallersleben">Schloss Fallersleben</a> mit dem <a href="http://www.wolfsburg.de/verwaltung/kultur_bildung/historischemuseen/hvfa_museum/">Hoffmann-von-Fallersleben-Museum</a> zu sehen.</p>
<p><b>Quellen:</b> Ausführlicher Eintrag zu Schloss Wolfsburg bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfsburg_%28Schloss%29">Wikipedia</a>. Weitere Informationen bei Wolfsburg.de: <a href="http://www.wolfsburg.de/stadtportrait/chronik/burg_mittelalter/">Teil 1</a> und <a href="http://www.wolfsburg.de/stadtportrait/chronik/burg_wird_schloss/">Teil 2</a>.</p>
<p><b>Lage:</b> Schlossstr. 8, 38448 Wolfsburg</p>
<p><i><b>Fotos:</b> Meine</i><br />
<a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/schloss_fallersleben2.jpg" title="schloss_fallersleben2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/schloss_fallersleben2.thumbnail.jpg" alt="schloss_fallersleben2.jpg" border="0" hspace="2" vspace="2" /></a> <a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/schloss_fallersleben1.jpg" title="schloss_fallersleben1.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/schloss_fallersleben1.thumbnail.jpg" alt="schloss_fallersleben1.jpg" border="0" hspace="2" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/schloss_fallersleben3.jpg" title="schloss_fallersleben3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/schloss_fallersleben3.thumbnail.jpg" alt="schloss_fallersleben3.jpg" border="0" hspace="2" vspace="2" /></a><br />
<i>Winterliche Impressionen von Schloss Fallersleben in Wolfsburg (fertiggestellt 1551)</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Katlenburg: Neue Herren auf der Bücherburg]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2007/12/22/katlenburg-neue-herren-auf-der-bucherburg/</link>
<pubDate>Sat, 22 Dec 2007 14:08:03 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
<guid>http://burgerbe.wordpress.com/2007/12/22/katlenburg-neue-herren-auf-der-bucherburg/</guid>
<description><![CDATA[Gerüchte, nach denen eine rechte Gruppierung den historischen Burgbergkomplex von Katlenburg (Kreis]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/140px-katlenburgwappen.jpg" title="140px-katlenburgwappen.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/140px-katlenburgwappen.thumbnail.jpg" alt="140px-katlenburgwappen.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Gerüchte, nach denen eine rechte Gruppierung den historischen Burgbergkomplex von Katlenburg (Kreis Northeim/südl. Niedersachsen) übernehmen könnte, haben sich nicht bestätigt.</p>
<p>Zum 1. Januar 2008 wird eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Gästehäusern, die Eichsfelder Hütte, Pächter des Areals. Das meldet die <a href="http://www.hna.de/northeimsolobig/00_20071221170927_Neue_Herren_auf_der_Burg.html">Hessisch/Niedersächsische Allgemeine</a> in ihrer Online-Ausgabe.</p>
<p>Die Katlenburg soll unter neuer Regie für die nächsten 15 Jahre als Bildungs- und Freizeitstätte weitergeführt werden. Auch eine Gaststätte sei geplant.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Die Anlage war vorher 40 Jahre lang von der Hannoveraner Schreberjugend betrieben worden, die jedoch im Frühjahr Insolvenz angemeldet hatte. Die Gemeinde unterstützt die geplanten Umbauten mit zunächst 47.000 Euro, die der neue Pächter später zurückzahlen soll.</p>
<p>Die Katlenburg ist durch die Aktion "Bücher aus der DDR für Brot für die Welt" als <a href="http://www.buecherburg.de">Bücherburg</a> auch überregional bekannt geworden. Pfarrer Martin Weskott (Zitat: "Literatur gehört nicht auf den Müll") hatte nach der Wende hunderttausende Bücher aus DDR-Beständen vor der Vernichtung gerrettet und sammelt seitdem überschüssige Exemplare aus ganz Deutschland.</p>
<p>Mittlerweile lagern ca. eine halbe Million Bände in Magazinen auf der Katlenburg, die dadurch zur "Bücherburg" wurde. Sachbücher, Triviales, so ziemlich alles, was der Buchmarkt hergibt.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/buecherburg.jpg" title="buecherburg.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/buecherburg.thumbnail.jpg" alt="buecherburg.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Der Pastor hat seit 1991 etwa 300.000 Bücher verkauft und spendet die Gewinne an die Aktion "Brot für die Welt". Die Initiative brachte ihm das Bundesverdienstkreuz ein. Sie brachte dem Ort aber auch literarisches Flair. Seit 1993 finden dort Lesungen und Vorträge statt, speziell zur Förderung ostdeutscher Autoren. Bis 2007 waren es schon 150.</p>
<p>Im November war gerade die Cheflektorin des Aufbau-Verlags zu Gast. Der Pächterwechsel soll auf die Bücherburg keine Auswirkung haben.</p>
<p><b>Geschichte:</b><br />
Entstanden ist die Burg wohl Ende des 10., Anfang des 11. Jahrhunderts, genaue Daten fehlen. Die Katlenburger Grafen hatten überregionale Bedeutung und griffen auch in die Reichspolitik ein. Dietrich II. (der seine eigenen Münzen prägte), unterstützte einen Fürstenaufstand gegen den "Canossa-Pilger" Heinrich IV.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/140px-karte_deutschland-copy.jpg" title="140px-karte_deutschland-copy.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/140px-karte_deutschland-copy.jpg" alt="140px-karte_deutschland-copy.jpg" align="right" border="0" height="128" hspace="5" vspace="2" width="105" /></a>Da Graf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_III._von_Katlenburg">Dietrich III.</a> ohne Erben war, wandelte er die Burg 1105 in ein Kloster um und ließ eine Schloßkirche bauen. Aus jener Zeit sind heute der steinerne Altartisch und die Krypta erhalten. Dort ist Dietrich III. auch beigesetzt. Er starb dann 1106 bei der Belagerung von Köln, vermutlich an einer Seuche. Er unterstützte gerade Heinrich V. gegen seinen Vater Heinrich IV. 1346 brannten die Klosteranlagen wohl durch Brandstiftung nieder.</p>
<p>Das Kloster ist heute noch bekannt durch das Katlenburger Klosterbuch. 1517, als die Bauernunruhen in diese Gegend überzugreifen drohten, ließ die Äbtissin eine Übersicht über die umfangreichen Besitzungen des Klosters niederschreiben. Sie reichten bis nach Thüringen. Das Buch ist im Staatsarchiv Hannover erhalten. In der Reformation wurde die Klosterburg dann 1534 säkularisiert.</p>
<p>1560 zog der Welfe Philipp v. Grubenhagen in die Gebäude auf dem Burgberg ein und brachte seine junge Frau Clara von Wolfenbüttel mit. Sie ließen die Klostergebäude zu einem Renaissance-Schlösschen umbauen, in dem sie 35 Jahre lang lebten.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/444px-1599_christian.jpg" title="444px-1599_christian.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/444px-1599_christian.thumbnail.jpg" alt="444px-1599_christian.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Im Dreißigjährigen Krieg geriet die Katlenburg in die Kämpfe zwischen dem kaiserlichen Feldherrn <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_t%E2%80%99Serclaes_von_Tilly">Tilly</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_von_Braunschweig-Wolfenb%C3%BCttel">Herzog Christian von Wolfenbüttel</a> (Bild), dem "tollen Halberstädter". 1625 musste sich der unter protestantischer Kontrolle stehende Burgberg nach längerer Belagerung zunächst den Katholiken unter Tilly ergeben. Wenige Monate später, im April 1626, erschien dann Herzog Christian, plünderte Schloß und Kirche und ließ alles in Brand stecken. Glück brachte ihm der Frevel nicht: Zwei Monate später starb der Feldherr an einem Fieber.</p>
<p>Im Siebenjährigen Krieg rückten dann 1761 Franzosen und Sachsen ein, die sich in der Kirche häuslich niederließen, und das Gotteshaus entweihten.</p>
<p>Seit 1964 betrieb die Schreberjugend Niedersachsen auf der Burg eine Freizeit- und Bildungsstätte<font size="-1"><b>.</b></font></p>
<p>Es wäre natürlich eine tolle Sache, wenn der neue Pächter auch ein bisschen was für die Bücherburg-Aktion tun könnte.</p>
<p>Ich wünsche jedenfalls viel Glück!</p>
<p><b>Quellen:</b> Zur Geschichte der Katlenburg steht einiges bei <a href="http://www.buecherburg.de/katlenburg/diekatlenburg/diegeschichte/index.html">Buecherburg.de</a>, mehr auf der ehemaligen Seite <a href="http://209.85.129.104/search?q=cache:y_gcqCjp8OIJ:www.katlenburg.de/035b2598ef0ee920e/index.php+Katlenburg+rechte&#38;hl=de&#38;ct=clnk&#38;cd=4&#38;gl=de&#38;client=firefox-a">Katlenburg.de</a>, die aber nur noch über den Google Cache zu finden ist.</p>
<p><b>Lage:</b> Burgberg, 37191 Katlenburg-Lindau</p>
<p><i><b>Bilder:</b> Wappen von Katlenburg, Screenshot von www.buecherburg.de, Deutschlandkarte aus Wikipedia und Porträt von Christian v. Wolfenbüttel (Wikipedia/Gemeinfrei).<br />
</i></p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Festung Marienberg: Wo Bauern und Preußen scheiterten]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2007/12/10/festung-marienberg-wo-die-bauern-scheiterten/</link>
<pubDate>Mon, 10 Dec 2007 11:15:37 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
<guid>http://burgerbe.wordpress.com/2007/12/10/festung-marienberg-wo-die-bauern-scheiterten/</guid>
<description><![CDATA[Die Festung Marienberg thront über Würzburg und erinnert an die weltliche Macht der Fürstbischöf]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg1.jpg" title="marienberg1.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg1.jpg" alt="marienberg1.jpg" align="right" border="0" height="297" hspace="5" vspace="2" width="224" /></a>Die Festung Marienberg thront über Würzburg und erinnert an die weltliche Macht der Fürstbischöfe. Diese Macht hätten die Untertanen gerne beschnitten. Doch der aussichtsreichste Versuch städtischer Bürger, die Fürstbischöfe in die Schranken zu weisen, endete 1525 im Desaster.</p>
<p>Der Würzburger Stadtrat unter Bürgermeister <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tilman_Riemenschneider">Tilmann Riemenschneider</a> hatte sich mit einem einem Heer aufständischer fränkischer Bauern verbündet. Bischof <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_II._von_Th%C3%BCngen">Konrad II. von Thüngen</a> floh nach Heidelberg. Die Burgbesatzung hielt weiter zu ihm und verschanzte sich.</p>
<p>Doch selbst für den etwa 15.000 Mann starken Bauernhaufen erwies sich die mit knapp 400 Mann besetzte Festung "Unserfrauenberg" als uneinnehmbar. Mehrere Versuche scheiterten. Die Burg wurde im Mai 1525 mehrfach von der Stadt aus beschossen. Die Belagerten erwiederten das Feuer</p>
<p><!--more--></p>
<p>Der Fürstbischof drohte den Aufständischen die Zerstörung der Stadt an. Auch der Versuch, durch Bergleute Stollen unter die Festung treiben zu lassen, misslang.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg2.jpg" title="marienberg2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg2.thumbnail.jpg" alt="marienberg2.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Die Geduld der Belagerten zahlte sich aus. Das Blatt wendete sich am 4. Juni 1525. Angesichts des heranrückenden, gut ausgebildeten Söldnerheeres des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Truchsess_von_Waldburg-Zeil">Georg Truchsess von Waldburg-Zeil</a> (der "Bauernjörg") hatte der Befehlshaber der Bauern <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_von_Berlichingen">Götz von Berlichingen</a> (ja, <i>der</i> Götz) am Tag zuvor das Kommando niedergelegt.</p>
<p>Die führerlosen Bauern wurden daraufhin vor den Toren des nahen Ingolstadt vernichtend geschlagen und zum großen Teil niedergemetzelt. Man spricht von 4000 bis 8000 Toten. In Würzburg wurden anschließend 75 Bürger enthauptet.</p>
<p>Riemenschneider (1460-1531) wurde für zwei auf die Festung gebracht und dort gefoltert. Dass man dem Bildschnitzer beide Hände gebrochen habe, ist aber wohl Legende.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg3.jpg" title="marienberg3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg3.thumbnail.jpg" alt="marienberg3.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Wer über die Mainbrücke geht, hat die Festung immer im Blick. Über verdammt viele Stufen geht es dann hinauf. Ein gutes Training, für das man auch noch mit einer tollen Aussicht über Stadt und Main belohnt wird. Oben angekommen, musste ich übrigens einmal komplett um die Anlage herumgehen, bis ich den Eingang gefunden habe. Es gibt nämlich nur einen öffentlichen (rechts, er liegt rechts...). Hat sich aber gelohnt.</p>
<p>Der Marienberg war schon in keltischer Zeit Kultstätte und Ort einer Fluchtburg. Um 1000 v.Chr hatten Kelten hier bereits einen Mauerring errichtet. Die ältesten noch heute erhaltenen Teile der Festung stammen aus der Zeit um das Jahr 1000.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg4.jpg" title="marienberg4.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg4.thumbnail.jpg" alt="marienberg4.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Um 1200 begannen unter Bischof Konrad von Querfurt die Arbeiten an einer Burg mit Bergfried und dem 105 Meter tiefen Brunnen. Es sollte eine ungewöhnlich große Anlage werden. Der Bischof konnte  jedoch noch nicht von ihr profitieren: 1202 wurde er nahe des Doms ermordet.</p>
<p>Ab 1253 wurde es den Bischöfen in der Stadt zu unsicher und sie verlegten ihre Residenz in die Burg. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1600 ging auch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn mit der Zeit und wandelte die Burg in ein Rennaissanceschloss um.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienbergmauer.jpg" title="marienbergmauer.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienbergmauer.thumbnail.jpg" alt="marienbergmauer.jpg" align="right" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Was den Bauern 1525 verwehrt blieb, erledigten die Schweden im Dreißigjährigen Krieg eher nebenbei. Sie eroberten die Festung im Oktober 1631. Die Truppen Gustav Adolfs II. brachen durch das Michaelstor in die Anlage ein. Am Ende des Krieges wurde dieses Tor dann durch Graben und Zugbrücke gesichert, die Festung bekommt eindrucksvolle Bastionen. Die Mauern haben nun eine Gesamtlänge von zwölf Kilometern.</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg5.jpg" title="marienberg5.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg5.thumbnail.jpg" alt="marienberg5.jpg" align="left" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a>Aus dem Rennaissance- wurde ein Barockschloss. 1719 trauten sich die Fürstbischöfe wieder in die Stadt und ziehen in ihre neue, äußerst prachtvolle Residenz (heute Unesco-Weltkulturerbe). 150 Jahre später donnerten erneut die Kanonen. 1866, im preußisch-österreichischen Krieg, beschossen preußische Truppen die damals zum Königreich Bayern gehörende Festung. Das Zeughaus brannte ab. Die königl.-bayerische Festungsartillerie schoss zurück, und die Festung blieb in bayerischer Hand.</p>
<p>Nach schweren Bombenschäden im März 1945 wurde die Festung 1950 wieder aufgebaut.</p>
<p>Sie beherbergt heute das <a href="http://www.mainfraenkisches-museum.de/">Mainfränkische Museum</a> und das Fürstenbaumuseum. Letzteres ist der Festungs- und Stadtgeschichte gewidmet.</p>
<p><b>Quellen: </b><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Marienberg">Wiki-Eintrag zur Festung</a>, <a href="http://www.wuerzburg-justfeelit.de/geschichte.php">Würzburger Chronik als PDF</a>, umfangreiche <a href="http://www.traumaland.de/downloads/chr-0001.pdf">Chronik des fränkischen Bauernkriegs als PDF</a> bei Traumaland.</p>
<p><b>Lage:</b> Festung Marienberg, 97082 Würzburg</p>
<p><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg6.jpg" title="marienberg6.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg6.thumbnail.jpg" alt="marienberg6.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg7.jpg" title="marienberg7.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg7.thumbnail.jpg" alt="marienberg7.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a><a href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg8.jpg" title="marienberg8.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/12/marienberg8.thumbnail.jpg" alt="marienberg8.jpg" border="0" hspace="5" vspace="2" /></a></p>
<p><b>Fotos:</b> Meine</p>
]]></content:encoded>
</item>
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<title><![CDATA[Soll das Heidelberger Schloss wieder aufgebaut werden?]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2007/11/29/soll-das-heidelberger-schloss-wieder-aufgebaut-werden/</link>
<pubDate>Thu, 29 Nov 2007 21:35:25 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die Frage stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, als sich Prinzen und Magnaten die gute alte Ritter]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a title="ottheinrichsbau.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/ottheinrichsbau.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/ottheinrichsbau.jpg" border="0" alt="ottheinrichsbau.jpg" hspace="5" vspace="2" width="321" height="243" align="right" /></a>Die Frage stammt aus dem späten 19. Jahrhundert, als sich Prinzen und Magnaten die gute alte Ritterzeit durch historisiernde Rekonstruktionen herbeizubauen trachteten. Warum nicht auch in Heidelberg?</p>
<p>Wie das in Deutschland nun mal so ist: Es wird lange geredet und am Ende entscheidet ein Arbeitskreis.</p>
<p>Nach 22-jähriger Diskussion stimmte ein Gremium aus Fachleuten 1890 gegen den Wiederaufbau und für den Erhalt der Ruine in ihrem damaligen Zustand. Nur der weitgehend erhaltene Friedrichbau wurde wieder aufgebaut.</p>
<p><!--more--></p>
<p><a title="friedrichsbau.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/friedrichsbau.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/friedrichsbau.thumbnail.jpg" border="0" alt="friedrichsbau.jpg" hspace="5" vspace="2" align="left" /></a>Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig. Die ausgedehnte, malerische Ruine, die schon Goethe und Mark Twain begeisterte, trägt maßgeblich dazu bei, jährlich rund 3,5 Mio Besucher in die Neckar-Stadt zu locken. Nur an wenigen Orten (Hofbräuhaus, Neuschwanstein...) kann man so viele japanische Reisegruppen sehen wie hier.</p>
<p><a title="heidel1.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/heidel1.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/heidel1.thumbnail.jpg" border="0" alt="heidel1.jpg" hspace="5" vspace="2" align="right" /></a>Eine Burg wird hier erstmals 1225 erwähnt. 1303 ist dann bereits von zwei Burgen die Rede (Obere und Untere Burg). Über die mittelalterliche Burg auf dem Areal des heutigen Schlosshofes ist praktisch nichts bekannt.</p>
<p>1415 diente die Stadt kurzzeitig als Gefängnis für den abgesetzten Papst Johannes XXIII., möglicherweise saß der Kirchenfürst im Gefängisturm des Schlosses ein, der den Beinamen "Seltenleer" trug. Im Gegensatz zum Gegenpapst hat es Luther hier recht gut gefallen.</p>
<p>Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Burg zur Festung ausgebaut. Die heute noch sichtbaren Gebäude stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert.</p>
<p>Bis zur Zerstörung 1689/93 war das Schloss Residenz der Pfälzer Kurfürsten. Nun ja. Mit Unterbrechungen. Wie etwa 1622, als der kaiserliche General Tilly Burg und Stadt nach kurzer Beschießung einnahm.</p>
<p><a title="pulverturm.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/pulverturm.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/pulverturm.jpg" border="0" alt="pulverturm.jpg" hspace="5" vspace="2" width="227" height="301" align="left" /></a>Kurfürst Friedrich V. war vorher auf die desaströse Idee gekommen, sich gegen den Willen des Kaisers zum König von Böhmen krönen zu lassen. Aufgrund der kurzen Regierungszeit brachte ihm das den Spitznamen Winterkönig ein - und zog die Pfalz in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Der Kurfürst weilte derweil in Holland im Exil.</p>
<p>1633 übernahmen dann die Schweden die Stadt und - nach dreiwöchiger Beschießung - auch das Schloss. Nach mehreren Versuchen konnten die Kaiserlichen das Schloss dann 1635 zurückerobern und bis zum Friedensschluss halten. Das Areal wurde dabei erstmals weitgehend zerstört.</p>
<p>Die nächste Katastrophe brach dann im Pfälzer Erbfolgekrieg über die Burg herein: In Form der Armee Ludwigs XIV., die 1688 in das vom Kurfürsten verlassene Heidelberg einrückte. Als die Truppen 1688 wieder abzogen, steckten sie Stadt und Schloss in Brand.</p>
<p><a title="ruinen.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/ruinen.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/ruinen.thumbnail.jpg" border="0" alt="ruinen.jpg" hspace="5" vspace="2" align="right" /></a>Kurfürst Johann Wilhelm ließ die Festungswerke wieder herstellen und konnte die Franzosen 1691 und 1692 dadurch nochmals zum Abzug bewegen. 1693 waren die Angreifer entschlossener.</p>
<p>Die Stadt fiel nach fünf, das Schloss nach einem weiteren Tag. Nun sprengten die Franzosen Türme und Mauern mit Minen. Auch die sieben Meter starken Mauern des "Dicken Turms" hielten dem nicht stand.</p>
<p><a title="statue2.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/statue2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/statue2.thumbnail.jpg" border="0" alt="statue2.jpg" hspace="5" vspace="2" align="left" /></a>Die tonnenschweren Trümmer der mächtigen Bastionen liegen heute noch so, wie sie damals zusammenkrachten. Gehalten von Schuttkegeln. Es ist ein beeindruckender Anblick, die trutzigen Türme so praktisch im Querschnitt zu sehen, als hätte sie ein Riese mal eben aufgebrochen.</p>
<p>Die folgende notdürftige Wiederherstellung brachte auch nicht mehr viel. 1720 zog die Residenz nach Mannheim um. Pläne von Kurfürst Karl Theodor, das Schloss doch wieder aufzubauen, wurden 1764 durch einen Brand infolge Blitzschlags vereitelt. Von da an blieb das Schloss Ruine.</p>
<p>Doch das Thema Wiederaufbau lässt die Heidelberger nicht los und gesitert immer mal wieder gerne durch die Gazetten. Dabei ist es umstritten, ob ein originalgetreuer Wiederaufbau überhaupt machbar ist, da sich das genau Aussehen und die Standorte aller Bauwerke gar nicht exakt nachvollziehen lässt. Weil aber doch irgendetwas wiederentstehen soll, geht man aktuell an die Rekonstruktion eines Renaissance-Gartens (vom dem man auch nicht genau weiss, wie er aussah). Mehr dazu in einem interessanten <a href="http://www.zeit.de/2007/50/Heidelberg-Schloss">"Zeit"-Artikel</a>.</p>
<p><a title="ritterblaukl.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/ritterblaukl.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/ritterblaukl.thumbnail.jpg" border="0" alt="ritterblaukl.jpg" hspace="5" vspace="2" align="right" /></a><strong>Sagen:</strong> Diverse Sagen kursieren rund um das Schloss. Erwähnt sei hier nur der eiserne Ring am Tor des Schlosshofs. Der Sage nach bekommt derjenige das Schloss geschenkt, der es schafft, den Ring zu durchbeißen. Eine Hexe soll mehrmals versucht haben, den Ring zu durchzubeißen. Aber ihre Zauberkräfte versagten. Nur eine kleine Vertiefung blieb in dem Klopfring zurück, der so genannte „<em>Hexenbiss</em>“.</p>
<p><strong>Foto 1</strong> Ottheinrichbau (1556, erstes Renaissance-Bauwerk auf deutschem Boden)<strong><br />
</strong><strong>Foto 2</strong> Friedrichbau<strong><br />
</strong><a title="truemmer.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/truemmer.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/truemmer.thumbnail.jpg" border="0" alt="truemmer.jpg" hspace="5" vspace="2" align="left" /></a><strong> Foto 3 </strong>Karen schaut von der Fürstenterrasse aus auf die Stadt<br />
<strong>Foto 4 </strong>Der gesprengte Puverturm<br />
<strong>Foto 5 </strong>Ruinenlandschaft<br />
<strong>Foto 6 </strong>Figur an der Fassade des Ottheinrichbaus<br />
<strong>Foto 7</strong> Torwächter-Figur<br />
<strong>Foto 8 </strong>Trümmer-Fassaden</p>
<p><strong>Lage: </strong>Schloss 1, 69117 Heidelberg</p>
<p><strong>Quelle:</strong> Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Schloss">Wiki-Eintrag</a> ist umfassend und empfehlenswert.</p>
<p><strong>Fotos:</strong> Meine</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Menschliches Elende]]></title>
<link>http://vorblog.wordpress.com/2007/11/25/menschliches-elende/</link>
<pubDate>Sun, 25 Nov 2007 10:52:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>vordichtung</dc:creator>
<guid>http://vorblog.wordpress.com/2007/11/25/menschliches-elende/</guid>
<description><![CDATA[Meine Freundin sollte in Deutsch eine Interpretation von Andreas Gryphius&#8217; Menschliches Elende]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Freundin sollte in Deutsch eine Interpretation von Andreas Gryphius' <i>Menschliches Elende</i> machen....</p>
<p>jedenfalls hier gedicht und eine mögliche interpretation:</p>
<p class="poem">&#160;</p>
<address>Andreas Gryphius</address>
<address>Menschliche Elende</address>
<address>XI.</address>
<p class="vers">&#160;</p>
<address>WAs sind wir Menschen doch? ein Wohnhauß grimmer Schmertzen</address>
<address>Ein Ball des falschen Glücks / ein Irrlicht diser Zeit.</address>
<address>Ein Schauplatz herber Angst / besetzt mit scharffem Leid /</address>
<address>Ein bald verschmeltzter Schnee und abgebrante Kertzen.</address>
<p class="vers">&#160;</p>
<address>Diß Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Schertzen.</address>
<address>Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid</address>
<address>Vnd in das Todten-Buch der grossen Sterblikeit</address>
<address>Längst eingeschriben sind / sind uns aus Sinn und Hertzen.</address>
<p class="vers">&#160;</p>
<address>Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt /</address>
<address>Vnd wie ein Strom verscheust / den keine Macht auffhält:</address>
<address>So muß auch unser Nahm / Lob / Ehr und Ruhm verschwinden /</address>
<p class="vers">&#160;</p>
<address>Was itzund Athem holt /muß mit der Lufft entflihn /</address>
<address>Was nach uns kommen wird / wird uns ins Grab nachzihn</address>
<address>Was sag ich? wir vergehn wie Rauch von starcken Winden.<!--more--></address>
<p style="margin:0;">&#160;</p>
<p class="MsoNormal">Das Sonnet von Andreas Gryphius „Menschliches Elende“ ist als sechshebiger Jambus verfasst. Nach den ersten drei Hebungen scheint oft eine Zäsur auf – somit handelt es sich bei dem vorliegenden Gedicht um einen elegischen Alexandriner mit der, für Sonette typische Reimform: a-b-b-a in den Quartetten und c-c-d bzw. e-e-d in den Terzetten. Die Versenden (für den ersten Vers klingend-stumpf-stumpf-klingend) spiegeln diesen Reim wieder.</p>
<p class="MsoNormal">Auffällig ist vor allem Gryphius Verwendung der Zäsuren: In der ersten und vierten Strophe haben alle Verse Zäsuren bis auf der Letzte, während es in Strophe Zwei und Drei umgekehrt ist.</p>
<p class="MsoNormal">Inhaltlich herrscht ein Sujet vor: die Gegenüberstellung zwischen dem Menschen und seiner Vergänglichkeit. Stilistisch schlägt sich das in einer oft antithetischen Satzstruktur nieder: So beispielsweise in ersten Vers, wo es heißt „Was sind wir Menschen doch? ein Wohnhauß grimmer Schmerzen“ (Vers 1) oder „Ein Ball <i>falschen Glücks</i> … besetzt mit <i>scharfem Leid</i>“(Vers 2/3; Hervorhebung von mir). Die Zäsur wird hier zum stärksten Ausdruck dieser Spannung.</p>
<p class="MsoNormal">Gleich im zweiten Vers bringt Gryphius die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges ins Spiel mit den Worten „ein Irrlicht dieser Zeit“ und im nächsten Vers fortgesetzt: „Ein Schauplatz herber Angst“ (Vers 3), eine Anspielung auf die Schlachtfelder in ganz Europa seiner Zeit. Diese Erfahrung des Krieges, hat Gryphius sicherlich stark geprägt und wird in diesem Gedicht von ihm thematisiert. Der Krieg als etwas, das dem Menschen des Lebens beraubt, ihn in die Irre führt, foltert, schmerzt. Wer nicht von feindlichen Kugeln getroffen und getötet wird,<span>  </span>siecht dahin, von den Erfahrungen (der Angst) des Krieges gebrochen und stirbt zuletzt als „abgebrannte Kerze“(Vers 4).<span>  </span>Auch scheint es mir, als würde Gryphius mit den Worten „Irrlicht dieser Zeit“ (Vers 2) die Heerführer, Adeligen, Diplomaten und Politiker Europas attackieren: Der <i>Feind </i>sei in Wirklichkeit kein Feind, sondern nur die Hetze der Kriegsführer, die uns mit „Nahm / Lob /Ehr und Ruhm“(Vers 11) locken.</p>
<p class="MsoNormal">In der zweiten Strophe wechselt der Schauplatz vom Schlachtfeld in die Wohnzimmer der Zurückgebliebenen. Den Übergang bildet das Scherzen. Dieses kann man entweder verstehen, als Persiflieren der Leichtigkeit, mit der die Führer der verschiedenen Nationen ihre Völker in den Krieg treiben, oder als das Scherzen der jungen Männer, bevor sie in den Krieg ziehen. Sie wissen nicht, was sie am Schlachtfeld erwarten wird, nehmen es auf die leichte Schulter, „ich bin bald zurück“ sagt da vielleicht einer…aber statt ihm kommt eine Todesmeldung nach Hause zurück. In diesem Krieg sterben so viele und die Zurückgebliebenen verhärten. Der Krieg, bzw. die Kriege hören nicht auf und mit der Zeit vergisst man die Toten. Hier (Vers 7) fallen das Enjambement<span>  </span>und die darauf folgende Versteilung besonders stark auf. Auf den Spannungsaufbau von Vers 7 und Anfang Vers 8, die von der Umkehrung der normalen Satzstruktur unterstrichen wird folgt unweigerlich die Ernüchterung und Banalisierung durch „aus Sinn und Hertzen“(Vers 8).</p>
<p class="MsoNormal">Wie man hier sieht, darf man nicht den Fehler begehen, zu glauben, Gryphius schreibe einzig und allein über den Krieg. Nein, Gryphius wählt das Motiv des Krieges um von der Situation des Menschen zu schreiben. In modernen Worten gesagt: Er setzt die Kontingenz der menschlichen Existenz mithilfe des Bildes vom Krieg um. Dies wird spätestens mit Beginn der Terzette klar: In der dritten Strophe identifiziert er den Tod als Naturgewalt<span>  </span>bzw.<span>  </span>–gesetz. Aber doch: Der Ton des Gedichts ändert sich mit Ende der Quartette: Nicht nur setzt Gryphius mit der zweiten Strophe eine „klingende“ Grenze zwischen den beiden Teilen des Sonnets, er setzt plötzlich auch Vokale gezielt ein: ei, au, eu, ah, o, eh, und u sind Vokale (bzw. Kombinationen mit h), die einem Leser das Gefühl geben, einen langsamen Text zu lesen. Gryphius verlangsamt also das Tempo des Gedichts und das ganz bewusst, wie man schnell erkennt:</p>
<p class="MsoNormal">Die finale Strophe beginnt mit den Worten „Was itzund Athem holt / muss mit der Luft entflihn“ . Der Gegensatz zwischen dem ersten Vers des Gedichts und diesen Vers (Vers 12) könnte nicht krasser sein. Während dort und in den folgenden Versen der Mensch jeder Hoffnung beraubt wird, spricht Gryphius plötzlich von etwas wie Erlösung – was anderes sollte „mit der Luft entflihn“ bedeuten? Er benutzt hier eine, dem Menschen ureigene Heils- bzw. Hoffnungsphantasie: die des (ent-)fliegens. Während zu Beginn der Tod als etwas Schmerzhaftes, Angstvolles, Dunkles und Unabwendbares dargestellt wird, wandelt sich dieses Bild vom Tod in etwas zwar Notwendiges aber Akzeptables und im Grunde Schönes. <i>Und ja…auch nach uns werden die Menschen sterben</i>, scheint Gryphius im vorletzten Vers zu sagen, <i>es geht ja nicht anders</i>.</p>
<p class="MsoNormal">Um diesen Gedankengang vorzubereiten, verlangsamt er in der dritten Strophe das Tempo.</p>
<p class="MsoNormal">Ein letztes Augenmerk muss aber noch auf den letzten Vers gelenkt werden: „wir vergehn wie Rauch von starcken Winden“. Dies kann man entweder im Interpretationsschema der Quartette lesen – wir sterben in Massen und schnell – oder aber dem gegenübergestellt: Gerade wenn man vom Bild des Krieges ausgeht, bindet sich Rauch sehr schön in ein: Rauch von brennenden Hütten und Häusern, Gewehrfeuer, Kanonen,…dieser Rauch ist es nun, der von starken Winden davon geweht wird. Ich würde es so lesen, dass im Leben nach dem Tod keinen Krieg mehr geben wird, aber es könnte auch sein, dass er von einem Ende des Krieges in der hiesigen physischen Welt spricht.</p>
<p class="MsoNormal">&#160;</p>
<p class="MsoNormal">Menschliches Elende ist also ein Gedicht über das Leiden der Menschen im Krieg einerseits, und andererseits ein Gedicht über die Hoffnung der Menschen. Beides wird sehr einfühlsam und subtil ein Gedicht eingebaut, das einen mit seiner Fülle an Metaphern beinahe erschlagen will.</p>
<p class="MsoNormal">&#160;</p>
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<title><![CDATA[Kaiserswerth: Wie man einen kleinen König entführt]]></title>
<link>http://burgerbe.wordpress.com/2007/11/24/kaiserswerth-wie-man-einen-kleinen-konig-entfuhrt/</link>
<pubDate>Sat, 24 Nov 2007 18:26:47 +0000</pubDate>
<dc:creator>Jan</dc:creator>
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<description><![CDATA[Die beschauliche Ruine der Kaiserpfalz im Norden von Düsseldorf war vor gut 950 Jahren Schauplatz e]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a title="kaiserswerth2.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth2.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth2.jpg" border="0" alt="kaiserswerth2.jpg" hspace="5" vspace="2" width="215" height="284" align="right" /></a>Die beschauliche Ruine der Kaiserpfalz im Norden von Düsseldorf war vor gut 950 Jahren Schauplatz eines Staatsstreichs. Das ganze ähnelte dem Szenario eines Actionfilms.</p>
<p>Der minderjährige König Heinrich IV. (der spätere <em>Canossa-Heinrich</em>) weilte im April 1062 zusammen mit seiner Mutter in der damals neu errichteten Pfalz auf einer Rheininsel.</p>
<p>Gerade war ein Festmahl mit dem Kölner Erzbischof Anno II. zu Ende gegangen. Der Bischof hatte ein prächtiges Schiff direkt an der Burg anlegen lassen, und dem zwölfjährigen König  davon vorgeschwärmt.</p>
<p>Der junge Salier war natürlich neugierig, das Gefährt näher in Augenschein zu nehmen. Man ging an Bord, und die Dramatik entfaltete sich.</p>
<p><!--more--></p>
<p>Lassen wir mal den zeitgenössischen Chronisten Abt Lampert von Hersfeld zu Wort kommen:</p>
<blockquote><p><em>Kaum aber hatte er das Schiff betreten, da umringten ihn die vom Erzbischof angestellten Helfershelfer, rasch stemmen sich die Ruderer hoch, werfen sich mit aller Kraft in die Riemen und treiben das Schiff blitzschnell in die Mitte des Stroms. Der König, fassungslos, dachte nichts anderes, als dass man ihm Gewalt antun und ihn ermorden wolle, und stürzte sich kopfüber in den Fluss, und er wäre in den reißenden Fluten ertrunken, wäre dem Gefährdeten nicht Graf Ekbert nachgesprungen und hätte er ihn nicht mit Mühe und Not aufs Schiff zurückgebracht.</em> (zitiert nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Staatsstreich_von_Kaiserswerth">Wiki</a>)</p></blockquote>
<p><a title="kaiserswerth1.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth1.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth1.thumbnail.jpg" border="0" alt="kaiserswerth1.jpg" hspace="5" vspace="2" align="left" /></a>Nachdem die Entführer von Heinrichs Mutter die Herausgabe der Reichsinsignien erpresst hatte, konnten Anno und seine Verbündeten drei Jahre lang das Reich regieren. Dann wurde der junge König mit 15 für volljährige erklärt und konnte bei der Schwertleite nur mühsam davon abgehalten werden, die Klinge sofort gegen den verhassten Erzbischof zu führen.</p>
<p>Heinrich kam nur noch ein weiteres Mal nach Kaiserswerth: Zu einer Fürstenversammlung im Jahr 1101. Wer will es ihm verdenken?</p>
<p><a title="kaiserswerth3.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth3.jpg"><img src="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth3.thumbnail.jpg" border="0" alt="kaiserswerth3.jpg" hspace="5" vspace="2" align="right" /></a>Aufgrund der schlechten Quellenlage bleiben die Motive der Entführer im dunkeln. Man kann aber davon ausgehen, dass sich der "Königsraub von Kaiserswerth" in etwa so abgespielt hat, wie Lampert von Hersfeld es beschreibt. Anno II. ist 1183 übrigens <a href="http://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Anno_von_Koeln.html">heilig gesprochen worden</a>. Seine Anrufung soll gegen Gicht helfen...</p>
<p>Schon um 700 befand sich auf einer künstlich von der Rheininsel Kaiserswerth abgetrennten Insel ein durch Wall und Palisaden geschützter fränkischer Hof.  Der Mönch Suitbertus gründete hier in diesem Jahr ein Kloster. Aus dem Hof entwickelte sich die spätere Zollfeste. 1016 wird hier erstmals eine Burg erwähnt, die König Heinrich III. (der Vater des entführten Heinrich) zur Pfalz erweitern ließ.</p>
<p><a title="kaiserswerth5.jpg" href="http://burgerbe.wordpress.com/files/2007/11/kaiserswerth5.jpg">