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	<title>das-leben-in-schonheit &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
	<link>http://wordpress.com/tag/das-leben-in-schonheit/</link>
	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "das-leben-in-schonheit"</description>
	<pubDate>Sun, 12 Oct 2008 02:03:59 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Fleisch bleibt Fleisch (030)]]></title>
<link>http://marcalexanderskibowski.wordpress.com/?p=195</link>
<pubDate>Sun, 10 Feb 2008 14:32:26 +0000</pubDate>
<dc:creator>skibowski</dc:creator>
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<description><![CDATA[
von Marc Alexander Holtz 
Die Verbesserung des menschlichen Körpers hin zur künstlichen Perfektio]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://marcalexanderskibowski.wordpress.com/kultur-gesellschaft/"><img src="http://marcalexanderskibowski.wordpress.com/files/2008/03/home.jpg" alt="home.jpg" align="absmiddle" /></a></p>
<p><span style="color:#999999;">von Marc Alexander Holtz </span></p>
<p>Die Verbesserung des menschlichen Körpers hin zur künstlichen Perfektion zeugt vom Versuch, die natürlichen Grenzen zu überwinden. Eine  natürliche Lust am Wunderbaren oder eher an der Konformität? An Mühen wird für die individuelle Flitterpracht nicht gespart und vor Leiden sich nicht gefürchtet.</p>
<p>Strebe nach Vollkommenheit; aber nicht nach dem Scheine der Vollkommenheit! (Adolph Freiherr von Knigge)</p>
<p>Über Laufstege hinaus erhalten, ob der Vollkommenheit ihrer Körper, Models internationale Aufmerksamkeit. Nofretete, die Venus oder Raffaels Madonnen leben bis heute vom Mythos ihrer modellhaften Körper fort. Die ewige Wiederkehr des Neuen, Besonderen, Inspirierenden, die immer neue Identität an der Oberfläche des Models Mensch, erinnert beinahe an die Geschichte von Barbie. Identität wird hier zu einer Frage des Designs.</p>
<p><a href="http://ulipforr.wordpress.com" target="_blank"><img src="http://marcalexanderskibowski.wordpress.com/files/2008/02/das-superweib.jpg" alt="das-superweib.jpg" align="absmiddle" /></a></p>
<p>Ist Schönheit Design? Sie ist Prägestempel und eine vieles bestimmende Dominante. Sie versetzt in Erstaunen, erweckt Gefühl und Begierde oder verschafft durch ihren Auftritt Freude. Anders als Design entzündet sie Kummer, närrische Eifersucht und andere Süchte. Schönheit existiert in der modernen Gesellschaft vordergründig an der Körperoberfläche und in Werbeanzeigen. Sie ist der Porno fürs Herz.</p>
<p>Das Verhältnis des Menschen zu seinem Körper entwickelt sich gemäß dem design-ästhetischen Diktat der Gegenwart. Kommuniziert durch Print- und audio-visuelle Medien. Schlankheit und andauernde Jugend bilden Versatzstücke der gegenwärtigen Götzenbilder, menschlicher Träume und Traumata. Die Sehnsucht nach eigener Schönheit führt in Versuchung an uns selbst gestalterisch Hand an zu legen.</p>
<p><strong>Das Fleisch hat seinen eigenen Geist.</strong></p>
<p>Da der Mensch nicht aus seiner Haut kann, ist er zunächst in ihr und seinem Körper gefangen und ihm in vielen Hinsichten ausgeliefert. Aus Unfrieden oder mangelnden Selbstwertgefühl strebt er nach Veränderbarkeit seiner selbst, die Überschreitung der natürlichen Gesetze, und sei es die Haarfarbe. Darum werden körperliche Defizite durch Kosmetik und zunehmend durch plastische ästhetische Chirurgie repariert, verändert, modernisiert – in den Medien rennt die Vollkommenheit digitaler Bildbearbeitung stets voraus. Doch stellt sich dort niemand den Zeit fressenden Diskussionen um Ethik und Menschenwürde.</p>
<p>Das ursprüngliche Ziel, gesellschaftsfähig zu bleiben, sich unter Menschen begeben zu können, ohne als abschreckend und Ekel erregend wahrgenommen zu werden, hatte ein Unfall oder eine Behandlung die menschliche Hülle entstellt und eine Korrektur notwendig werden lassen, ist in diesem Feld nicht mehr alleiniges Motiv wissenschaftlicher Forschung.</p>
<p>Die Entdeckung der medizinisch chirurgischen Eingriffsmöglichkeiten und die Verfeinerung der Fassadenkompetenzen zur Befriedigung der Luxusbedürfnisse wirkt kommerzialisiert. Künstlich erzeugte Schönheit ist bezahlbar oder anders: teuer für denjenigen, der sie sich nicht leisten kann. Die erfolgreiche Formbarkeit des menschlichen Körpers, wenn bisher auch nur in Teilschritten, schafft das Bewusstsein, Schönheit, Jugend oder Gesundheit seien käufliche Produkte. Innerer Frieden wird in Yogastunden abgerechnet, die Haut durch Cremes gestrafft, gebräunt oder gebleicht. Es gibt kaum mehr etwas, dass der Verbesserung nicht würdig wäre. Der unbeschränkte Wille reicht weiter als der beschränkte Verstand ihm folgen mag.</p>
<p>Medizin und Wissenschaft sowie die Konsumgüterindustrie erzeugen Vertrauen an die Schöpferkraft des Menschen selbst. Die Hoffnung wächst, dass Aussehen, Körper, Alter oder Gesundheit, Potenz oder Intelligenz nicht länger den Launen der Natur, dem Gesetz des Verfalls oder der Gravitation unterliegen. In den Fünfzigern fand die Gesichtsmaske aus radioaktiven Schlamm noch reißenden Absatz.</p>
<p>Der Kult um den schönen, perfekten Körper schafft eine Kultur des Mangels, einer Unzufriedenheit, die sich immer an neuen Einzelheiten entzünden kann. (Florian Rötzer)</p>
<p>Äußerliche Schönheit wird vielen Menschen in aller Regel nicht in reichlicher Summe zugeworfen. Da wir Menschen aber nach Schönheit streben, werden wir verstärkt in Versuchung geraten unsere Körper zu korrigieren. Der umgebaute Körper wird zum Muss für diejenigen, die am ästhetischen Wettbewerb teilnehmen möchten.</p>
<p>Schön ist, wer jung ist. Bis auf eine erhöhte soziale Absturzgefahr bietet das wirkliche Alter denen, deren charakteristische Eigenheit und Originalität geschliffen scheint, wenig Qualitäten oder kaum soziales Prestige. Wer alt ist, verhält sich jung oder besser: ist aktiv. Die äußere Verpackung, weil der erste Eindruck zählt, ist dem Volksmund nach maßgeblich. Traurig ist, wenn die Ungleichheit gar zu auffällig wird, künstlich, wenn nicht bereits hysterisch wirkt.</p>
<p>Wohlbefinden und Selbstsicherheit werden für das gesellschaftliche Impressionsmanagement künftig nötig bleiben, wie die Schönheit mit der man sie assoziiert. Es dient zur Steigerung der persönlichen Performance. Auch für die Zurschaustellung der sexuellen Fitness. Äußerlichkeiten werden zum Gütezeichen der erfolgreichen Persönlichkeit. Sie liefern Auskunft über sozialen Status, Herkunft, beruflichen Erfolg oder die körperliche Leistungsfähigkeit. Sie entscheiden letztendlich über Antipathie und Sympathie. Nicht nur beim Paarungsverhalten.</p>
<p><strong>Survival Of The Prettiest</strong></p>
<p>Mit in Säure getränktem Katzenkot, um den Haaransatz wegzuätzen und dem Gesicht dadurch ein madonnenhaften Ausdruck zu verleihen, bandagierten nächtens die Frauen des Mittelalters ihre Stirnen. Die digitalisierte Kulturindustrie leitet Bedürfnisse und ästhetische Selbstwahrnehmung in dem sie die Möglichkeiten des Selbstdesigns heute in Echtzeit um den Globus kommuniziert. Desto mehr genutzte Empfangsgeräte ein Haushalt, desto stärker ihr Einfluss auf Verhalten und Leben der darin lebenden Individuen. Die Medien erlauben keine Auflehnung gegen die Übermacht ihrer vorgegebenen Schönheitsideale. Zwar entwickeln Menschen individuellen Schönheitsgeschmack, der wiederum ist aber geprägt vom Zeitgeist. Das Schöne ist durch weltweite Vernetzung allgegenwärtig, es drängt durch Glasfaserkabel und Satellitenstationen in die Privatsphäre und frisiert die globale Gesellschaft in unbekannter Form und Geschwindigkeit. Fernanwesenheit, Selbstvermarktung, Karmakapitalismus oder Sinnsuche verändern unsere Beziehungen, auch uns selbst.</p>
<p>Das Survival of the Prettiest wird künftig noch stärker das soziale Überlebensprinzip. Der menschliche Körper wird zu einer neuen sozialen Dimension. Wer den ästhetischen Vorgaben widerspricht, korrigiert, dem Geldbeutel entsprechend, die Abweichung. Cyberspace oder Second Life waren Kostproben. Ein Körper nach Maß für den der es sich leisten kann. Viele Möglichkeiten eröffnen das Abenteuer einer offenen Expedition zum Eigenen, zum Ich.</p>
<p>Am unteren Ende der sozialen Hierarchie entsteht ein steigendes Interesse an Psychotherapie. Wer die Ansprüche und Ideale der Gesellschaft nicht erfüllt, gilt mitunter, kann er keine anderweitigen Qualitäten vorzeigen, als ein Versager. Wer modern und erfolgreich sein will, muss nach westlichen Standards schlank sein. Das finden manche gar zum kotzen.</p>
<p>Schönheitschirurgien verfolgen einen paradoxen Trend: den Einzelnen, der für sich nach einer individuellen Verbesserung strebt, dem Ideal einer Massenschönheit anzugleichen. Beliebt ist das Fettabsaugen, die Beseitigung störender Falten und die Straffung der Haut. Unvollkommenheit wird zum Zeichen von Armut. Impotenz und Falten werden kurzum, im Ausland heute schon, mit Stammzellentherapie behoben. Noch mehr als zuvor werden wir zuerst Körper sein, der innerhalb der sozialen Interaktion abgescannt wird und erst danach Charakterwesen.</p>
<p>In Amerika nutzen 25jährige derzeit das Nervengift Botox, um sich wieder ein jugendliches Äußeres zu verschaffen. Das frühere Bakteriengift macht Karriere als Lifestyle-Medikament, lähmt mimische Nerven oder verhindert starkes Schwitzen. Zur Körpermodifikation gehört in den USA auch das Stimmbandlifting. In China lassen sich Frauen die Unterschenkel zersägen und im Anschluss bis zu zehn Zentimeter strecken um ihre Karrierechancen und den Erfolg bei der Partnerwahl zu steigern. Nachgefragt werden auch Lidkorrekturen entsprechend dem europäischen Schönheitsideal. Da man in Brasilien Ende der neunziger Jahre kleine Brüste noch mit der überwiegend weißen und wohlhabenden Oberschicht assoziierte, ließen sich ungezählte vollbusige Frauen ihre Brüste entsprechend korrigieren. Der Trend hat sich inzwischen umgekehrt.</p>
<p>Schönheit wird ein individuelles Merkmal bleiben. Der Körper ist vorübergehend und nicht für die Ewigkeit geschaffen. Ein allgemeingültiges Urteil über die körperliche, uns allen liebste Schönheit rückt nur scheinbar in greifbare Nähe. Schönheit erscheint dem, der sie zu sehen vermag. Eine Kunst ist es, sie sichtbar zu machen. Hierbei mag ein Ausspruch Frank Wedekinds einen strategischen Tipp bieten: „Fleisch bleibt Fleisch – im Gegensatz zum Geist.“.</p>
<p>Marc Alexander Holtz</p>
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