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	<title>bedurfnis &amp;laquo; WordPress.com Tag Feed</title>
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	<description>Feed of posts on WordPress.com tagged "bedurfnis"</description>
	<pubDate>Sat, 11 Oct 2008 03:24:26 +0000</pubDate>

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<title><![CDATA[Das Männliche in Natur und Geschichte (Schluss): Das Kind ist der Vater des Mannes]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/?p=1585</link>
<pubDate>Thu, 09 Oct 2008 19:32:22 +0000</pubDate>
<dc:creator>ebmeierjochen</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/10/09/das-mannliche-in-natur-und-geschichte-schluss-das-kind-ist-der-vater-des-mannes/</guid>
<description><![CDATA[ 
 
L&#8217;enfant est le père de l&#8217;homme.
französische Redensart
 
Infantil nennen wir das ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><!--[if gte mso 10]&#62; &#60;!   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";} --> <!--[endif]--></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/donatello_david_1430.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1587" title="David mit dem Haupt Goliaths" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/donatello_david_1430.jpg" alt="" width="436" height="1010" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">L'enfant est le père de l'homme.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">französische Redensart</span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Infantil nennen wir das zur Schau gestellte Bedürfnis. Dabei können die Kinder gar nichts dafür. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Als der Mann aus seiner häuslichen Botmäßigkeit in die Öffentlichkeit floh und zum Weltbürger erwuchs, hat er Weib und Kinder als Unerwachsene zurückgelassen. Und so, wie es sich bei dem substantivierten Partizip ‚der Erwachsene’ deutlich hörbar um eine verlegene Spätschöpfung handelt, ist auch das Kind ein semantischer Neuerwerb. Ursprünglich bezeichnet <span style="color:#008080;"><em>daz kint</em></span> ein Verwandtschaftsverhältnis, nämlich Söhne und Töchter, unabhängig vom Alter. In Wolframs Parzival kann dann </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/wolfram.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1589" title="Wolfram von Eschenbach" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/wolfram.jpg?w=210" alt="" width="210" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">jeder Jüngere gegenüber jedem Älteren als <span style="color:#008080;"><em>kint</em></span> erscheinen - ein Genera- tionenverhältnis. Als Angehö- riger eines definierten gesell- schaftlichen Standes ist das Kind allerdings eine Kreation der bürgerlichen Gesellschaft. Denn weil die Frau ihre öffentliche Anerkennung schließlich durch Arbeit rechtfertigen konnte, bleibt das Kind in seiner Uner- wachsenheit alleine übrig. Und jetzt sieht es so aus, als bilde es den bestimmten (bedürftigen) Gegensatz zur Erwachsenheit. Es ist aber kein Gegensatz, sondern ein Residuum. Als solches steht es nicht nur dem gemeinsamen Ursprung, sondern ironischerweise auch der gemeinsamen Zukunft näher als manche andern.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ernsthafte Leute halten das Kindliche nämlich für die wahre Bestimmung des Menschen. „Neotenie“: so heißt die These, wonach sich der Evolutionsprozeß von Homo sapiens dadurch </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">auszeichnet, daß er im Lauf der Generationen zu solchen Gestaltformen zurückkehrt, die im Tierreich die spezifisch kindlichen waren. Die auffälligsten (aber nicht einzigen) Kennzeichen dieser „ewigen Unreife des Menschen“, wie sie Leszek Kolakowski nennt und die der Beitrag seines männlichen Anteils ist, sind die relative Übergröße des Kopfes, der Verlust des Haarkleids und die<span> </span>Überlänge der Gliedmaßen bei verkürztem Rumpf. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/evolution385_410799a.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1646" title="Evolution" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/evolution385_410799a.jpg" alt="" width="385" height="185" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Doch wäre das Morphologische alles - es wäre nur ein naturgeschichtliches Kuriosum. Ihren Sinn erhält die Kindlichkeit unserer Körperformen aber durch unsere spezifisch kindliche Zugewandtheit zur Welt: die Neugier. „Nur der Mensch behält - neben den körperlichen Merkmalen der Jugendlichkeit - auch die kindliche Neugier bis ins hohe Alter. Unsere permanente Wißbegier ist ein persistierendes Jugendmerkmal, unser exploratives Forschen ist dem Spiel des Kindes verwandt“, sagt Konrad Lorenz. „Dieses Kind im Manne ist ein echter Lausbub. In der Brust des normalen Erwachsenen leben zwei Seelen, eine, die den hergebrachten Traditionen treu ist, und daneben die Seele des Revolutionärs.“</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und daß der Volksmund das Kind im Manne ansiedelt und nicht in der Frau, hat einen offenbaren guten Sinn. Mutwille, Vergeudung von Material und Lebenskraft, Unrast und Ungeduld, ewiges Streben nach Lob und Anerkennung, Größentraum und der Blick in die Sterne - kaum ein Merkmal des spezifisch Kindlichen, das sich nicht auch als „typisch Mann“ verlästern ließe. Ein rein humaner Neuerwerb ist die charakteristische Nähe der Männlichkeit zum Kindlichen übrigens nicht. Sie ist in der Naturgeschichte vorgezeichnet. Quer durch die Tierwelt, </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/zenzmeierstier.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1605" title="Ruhender Stier" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/zenzmeierstier.jpg?w=300" alt="" width="300" height="250" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">mindestens jedoch bei den Säugern, scheint das Leis- tungsschema der weiblichen Orga- nismen auf eine konstante, durch- schnittliche Dauer- belastung angelegt zu sein, ohne dabei den kriti- schen Punkt zu erreichen. Dagegen strebt das männliche Individuum, wie es scheint, immer wieder bis an die Leistungsgrenze, aber „von Natur“ fehlt ihm die Ausdauer; er braucht Muße. Und das ist ein spezifisch kindlicher Zug - nämlich das energetische Prinzip eines Organismus, der noch wächst. Womöglich sind also Neotenie und Selbstbehauptung des Männlichen in der Gattungsgeschichte von Homo sapiens zwei Seiten desselben Vorgangs (und man verstünde, wie Michael Jackson zum Größten Star Aller Zeiten werden konnte).<a name="_ednref1" href="#_edn1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">[1]</span></span><!--[endif]--></span></span></a></span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">„Zweierlei will der echte Mann: Gefahr und Spiel“, heißt es in den <span style="color:#008080;"><em>Reden Zarathustras</em></span>. „Besser als ein Mann versteht das Weib die Kinder“, geht es zwar weiter, und nach nichts ringt (sagt Schiller) die weibliche Gefallsucht so sehr wie nach dem Schein des Kindlichen - von wegen der reinen Bedürftigkeit. „Aber der Mann ist kindlicher als das Weib. Im echten Manne ist ein Kind versteckt, das will spielen.“ Denn das Kind ist eben keine reine Bedürftigkeit: Es will ja auch Gefahr und Spiel. Körperkraft und biologische Fruchtbarkeit teilt es wohl nicht mit den Männern - aber dieses, worauf es viel mehr ankommt: das bestimmte Gefühl, daß etwas fehlt. „Ich bin, was ich bin“ ist so unkindlich wie unmännlich. Denn es gibt Eines, was das Kind auf jeden Fall will: größer sein. <em><span style="color:#008080;">L'enfant est le père de l'homme</span> </em>- der des Menschen sowieso, und der des Mannes erst recht. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">Ein Mann kann nicht wieder zum Kind</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">werden, oder er wird kindisch. Aber muß er</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">nicht selbst wieder auf einer höheren Stufe</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">bestrebt sein, seine Wahrheit zu reproduzieren? </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Marx</span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Natürlich sind nicht Frauen so und Männer so. Sondern manche Neigungen wurden durch das Spiel von Auslese und Anpassung unter den Geschlechtern ungleichmäßig verteilt. Es ist </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/image029.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1592" title="Terminator" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/image029.jpg?w=238" alt="" width="238" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">keine Sache von entweder-oder, sondern von mehr oder weniger, und auch das nur im breiten Durchschnitt. Was im einzelnen zutrifft, muß sich im einzelnen erweisen. Wieviel daran Natur ist und wieviel bloß Kultur, ist interessant, aber nicht wichtig, denn über Wert und Unwert sagt es nichts. Allerdings gibt es historische Momente, da sind gewisse Neigungen mehr gefragt als andere.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Der aktuelle Moment ist die Ablösung der Wirtschafts- und Arbeitsgesellschaft durch... was? Immerhin ist es, nach dem aufrechten Gang und der Erfindung der Arbeit, unser dritter großer Sprung. Da wird es noch einige Generationen brauchen, bis sich die Konturen des Werdenden abzeichnen. </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/mj6.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1593" title="größter Star aller Zeiten" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/mj6.jpg?w=242" alt="" width="242" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Es ist aber das erstemal, daß wir in vollem Bewußtsein springen. Darum wissen wir immerhin, was nicht wieder werden wird: ein Reich von Kreislauf und Gleichgewicht. Es wird eine Zeit der Umbrüche. Und dafür wird das Genügen am eignen Hiersein und seinen Notdürften weniger taugen als der Mutwille mit dem eingewachsenen Stachel, daß er seine Werke rechtfertigen muß.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ob auch die neue Welt aus sich heraus eine ‚Substanz’ generiert, die sich zum ‚Maß’ ihrer Werte eignet, steht in den Sternen. Die Emergenz neuer Werte ist gar nicht abzusehen, aber die alten verfallen. Was in der Zwischenzeit immer Geltung beansprucht, wird sich<span style="color:#008080;"> <em>foro publico</em></span> selber rechtfertigen müssen, jedes auf eigne Faust. Anders gesagt, an die Stelle </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/image031.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1594" title="image031" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/image031.jpg?w=214" alt="" width="214" height="300" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">der unter der Verkleidung von ‚ökonomischer Notwendig- keit’ um Befriedigung wett- eifernden Notdurften treten politische Entscheidungen im eminenten Sinn. Ob sich die weltliche Öffentlichkeit von der viralen Infektion durch nischige Privatismen reinigen kann, wird dabei zur Exis- tenzfrage. Das postmoderne Bedürfnisbefriedigungs- und Selbstverwirk-lichungsyndrom ist das Caput mortuum einer schon verflossenen Zeit. Freiwillig wird es nicht abtreten. So wird es nötig, im öffentlichen Raum eine Zulassungsordnung einzurichten: Öffentliches Auftreten läßt sich nur rechtfertigen durch die Abenteuer des Selberdenkens und den Stolz, für seine Resultate gradezustehn - immer eingedenk, daß noch was fehlt. Es ist eine Bildungsaufgabe;<em> <span style="color:#008080;">die</span></em><span style="color:#008080;"> </span>Bildungsaufgabe. Da trifft es sich gut, daß unsre Spezies darauf nicht erst wieder durch einen jahrtausendelangen Domestikationsprozeß schmerzhaft zugerichtet werden muß. Die Neigung dazu ist ihr doppelt gattungsgeschichtlich eingepflanzt, indem wir unter allen Lebensformen nicht nur die männlichste, sondern eben auch die kindlichste sind. Sie muß nur freigesetzt werden.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/bambi_edited.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1591" title="Bamberger Reiter" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/bambi_edited.jpg" alt="" width="460" height="575" /></a></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<div><!--[if !supportEndnotes]--></p>
<hr size="1" /><!--[endif]--></p>
<div id="edn1">
<p class="MsoEndnoteText"><a name="_edn1" href="#_ednref1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:10pt;font-family:&#34;">[1]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> s. J. Ebmeier, <em>Michael Jackson – Das Phänomen,</em> Mainz 1999</p>
<p class="MsoEndnoteText">
<p class="MsoEndnoteText">
<p class="MsoEndnoteText">
<p class="MsoEndnoteText">
</div>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Das Männliche in Natur und Geschichte V: Öffentlichkeit - eine männliche Dimension]]></title>
<link>http://ebmeierjochen.wordpress.com/?p=1527</link>
<pubDate>Fri, 03 Oct 2008 22:07:58 +0000</pubDate>
<dc:creator>ebmeierjochen</dc:creator>
<guid>http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/10/03/das-mannliche-in-natur-und-geschichte-v-offentlichkeit-ein-mannliche-dimension/</guid>
<description><![CDATA[


Das Prinzip der modernen Welt fordert, daß, was
jeder anerkennen soll, sich ihm als ein Berechti]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/image023.jpg"><br />
</a></p>
<p><a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/agora-attalos-stoa.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1529" title="Agora von Athen, Stoa des Attalos" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/agora-attalos-stoa.jpg" alt="" width="460" height="306" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">Das Prinzip der modernen Welt fordert, daß, was</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">jeder anerkennen soll, sich ihm als ein Berechtigtes zeige.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"><span style="color:#008080;">Hegel</span> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">All dem entgegen steht der Augenschein einer männlichen Vorherrschaft überall dort, wo Öffentlichkeit herrscht. Das kann auch gar nicht überraschen: Öffentlichkeit ist eine „welthafte“, mundane Dimension im Innern der selbstgezimmerten Nische Arbeitsgesellschaft. Sie ist gewissermaßen „das Außen nach innen gekehrt“. Ist sie eine männliche Erfindung? Jedenfalls konnte es nicht ausbleiben, daß sich Männer dort stets wohler gefühlt haben als die Frauen. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Allerdings ist die Öffentlichkeit erst ein Produkt der letzten zwei, dreihundert Jahre - mit der bürgerlichen Gesellschaft. Sie ist nicht zu verwechseln mit der politischen Macht. Die ist vor vielen tausend Jahren entstanden mit den Priesterköniginnen im Zeichen der Großen Mutter. Dabei ist semantische Vorsicht geboten. Politisch ist Herrschaft immer, wenn sie Macht </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/strettweg3.jpg"><img class="size-full wp-image-1536 alignright" title="Priesterkönigin im Freis ihrer Krieger; Fundort Strettweg, Österr." src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/strettweg3.jpg" alt="" width="227" height="200" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">von wenigen über die Vielen (<span style="color:#008080;"><em>polys</em></span>) ist. Aber darum ist sie noch nicht öffentlich; das ist sie erst, wenn die Vielen selber untereinander in Verbin- dung stehen; denn dann kann die Idee aufkommen, daß die Wenigen sich zu rechtfertigen hätten. Poli- tische Herrschaft wird erst unter der Prämisse des Re- präsentativstaats "öffentlich". Zu feudalen Zeiten haben die Familien der Großen die politische Macht wie ihre Privatsache behandelt - im Krieg, der von Männern durchgeführt, aber nicht nur von ihnen <span style="color:#008080;"><em>geführt</em></span> wurde. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Entstanden ist Öffentlichkeit als Exklave an den Rändern der Kunstnischen. </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/agorahephaistostemple03.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1544" title="Agora von Athen,  Hephaistostempel" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/agorahephaistostemple03.jpg?w=300" alt="" width="240" height="182" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">In Gesellschaften auf der Stufe einfacher Reproduktion sind die „getrennten Hauswirt- schaften“ (Marx-Engels) die ökonomischen Grund- gegebenheiten. Arbeits- teilung gibt es nur im Innern. Die Macht liegt im Haus. Und ob die Männer dort mächtiger sind als die Frauen, ist eine heikle Frage - weil keiner sagen kann, worauf sie sich bezieht. Im Haushalt </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">wiegt die Scheidung zwischen den Generationen schwerer als die zwischen den Geschlechtern, selbst im antiken Rom, wo die Mater familias politisch überhaupt keine Rechte hatte - wohl aber kultisch, was im Alltag der vom Politischen ausgeschlossenen Masse viel wichtiger war.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Im alten Europa besteht (selbst in den Städten) zwischen den Haushalten so wenig Kontakt wie in Asien zwischen den Dorfgemeinschaften - nämlich nur zufällig, beim Verprassen der Überschüsse, beim Spiel, beim Kult, beim Fest. ‚Das Politische’ greift nur gelegentlich ins Leben ein, als Krieg und Plünderung (und danach als Steuer). Doch nicht immer werden Überschüsse verpraßt. Manchmal tauscht man, was man übrig hat, gegen das, was der andere übrig hat. Das kann man ritualisieren. Dabei waren Männer aktiver. Wenn dann zum Zweck dieses Austauschs produziert wird, entsteht Arbeitsteilung zwischen den Haushalten, und die Männer gewinnen gesellschaftliche Macht - weil so Gesellschaft erst entsteht.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Der Handel schafft Öffentlichkeit - und durch verallgemeinerte Arbeitsteilung eine erweiterte Reproduktion.</span><a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/image023.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1545" title="Markthalle, Frankfurt a.M., ca. 1850" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/image023.jpg?w=300" alt="" width="216" height="148" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> Die Frauen bleiben bei Kindern, </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Küche, Kirche. Solange sie sich's leisten können: Denn mit der großen Industrie verlagert sich der wirtschaftliche Elementarprozeß nach außen, in den Markt, und die Öffentlichkeit greift in die Haushalte ein: Arbeit wird Lohnarbeit. Die Proletarierfrauen geraten in den Sog einer Arbeitsteilung, auf die sie gern verzichtet hätten. Gegenüber von Proletariern und Proletarierinnen stehen jetzt freilich fast nur Männer. Daß das Sprachgebaren des modernen Feminismus so reichlich aus dem Wortschatz des proletarischen Klassenkampfs schöpft, hat hier seine Ursache.</span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/walzwerk.jpg"><img class="size-full wp-image-1546 alignleft" title="Adolph Menzel, Eisenwalzwerk" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/walzwerk.jpg" alt="" width="274" height="305" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="color:#ffffff;">.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Aber keinen Grund. Mit der Öffentlichkeit hatten die Männer bei Spielen, Kult und Festen ‚die Welt’ in ihr sorglich gemau- ertes Loch zurück- geholt. In der Öffentlichkeit hatten sie sich eine mundane Art von Reife anerfunden. Der öffentliche Mann, der Welt-Bürger, ist der </span><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Erwachsene. Die große Masse wurde es nicht als Unternehmer, sondern als Lohnarbeiter, das ist wahr, aber besser so als gar nicht. Dies war die größte zivilisatorische Leistung der bürgerlichen Gesellschaft: die Schaffung eines offenen Raumes, zu dem prinzipiell Jeder Zutritt hat. Er ist aber ungewiß und fraglich - weil jeder dort vor jedem andern bestehen muß, denn sein Medium ist (wechselseitige) Anerkennung, und die ist problematisch. Sie versteht sich nicht von selbst, man muß sie rechtfertigen. Dort muß er, anders als in den agrarischen Umwelten, wo Blut und Boden gelten, etwas tun, um wer zu sein - konkurrierend. In der Öffentlichkeit gilt Keines an und für sich, sondern Alle nur vermittelt durch einander.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Und seither ist das Politische öffentlich schlechthin. Anerkennung findet es nur durch seine Leistung. Die bürgerliche Welt verdoppelt einen Jeden zu einer privaten und einer öffentlichen Person. Aber er ist das eine <span style="color:#008080;"><em>als</em></span> das andere: Ob er sich öffentlich hat rechtfertigen können, macht gerade auch privat den entscheidenden Unterschied. (Man erkennt es an der Hinterlassenschaft der DDR. In einer Kultur, wo keine Öffentlichkeit war, wuchsen Menschen auf, die nicht meinten, sich rechtfertigen zu sollen.)<a name="_ednref1" href="#_edn1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">[i]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> Die Verdoppelung hat ihm eine kritische Instanz selber eingebaut - "forum" <em><span style="color:#008080;">internum</span>.</em> Das ist es, was ihn erwachsen macht. Und es ist die sachliche Bedingung politischer Freiheit.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Ort der Vermittlung zwischen Privat und Öffentlich - zwischen individuellem Bedürfnis und gesellschaftlichem Wert - ist die große Industrie; für die Masse der Proletarier ein durchaus prekärer Boden der Anerkennung, nämlich nur für die, die Arbeit haben. Indem die Frauen dem Sog des Arbeitsmarkts folgten und sich von Kindern, Küche, Kirche lösten, sind auch sie erwachsen geworden. Anerkennung ist auch ihnen nicht zugefallen, sie mußten sie rechtfertigen. Es reichte nicht, wer zu sein, man und frau muß etwas tun, um was zu werden.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/kopie-von-falero_luis_ricardo_vision_of_faust_18781.jpg"><img class="size-full wp-image-1537 alignright" title="Fausts Vision (Luis Ricardo Falero, 1878)" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/kopie-von-falero_luis_ricardo_vision_of_faust_18781.jpg" alt="" width="244" height="392" /></a></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#ffffff;">.<br />
</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#ffffff;">.<br />
</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#ffffff;">.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">Das Private ist politisch.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Alice Schwarzer</span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">Ich will so bleiben, wie ich bin!</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">- Du darfst, du darfst. </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Aus der Werbung</span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;color:#008080;">Ihre Bedürfnisse: also ihre Natur.</span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:right;" align="right"><span style="color:#008080;"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Deutsche Ideologie </span></em></span></p>
<p class="MsoPlainText"><em><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></em></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Das war die Moderne. Die Postmoderne hat die Öffentlichkeit stattdessen zum Showplatz allgemeinen Infantilismus’ verflacht. Sie ist nicht mehr Forum der Rechtfertigung, sondern ein Brettl bloßen Auftritts. Da muß man nix können, nix wissen, da will man in Erscheinung treten. Küblböck, Westerwelle, Wowereit - ich bin, was ich bin, und muß mich nicht genieren. Das Politische wird zur Privatnummer. Daß das an der Medialisierung des Öffentlichen selber läge, ist eine optische Täuschung. Es liegt am Niedergang der industriellen Zivilisation; aber anders, als man denkt.</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Begonnen hat es '68 mit der Revolte gegen das „Leistungsprinzip“. Gegen das Prinzip, daß man etwas tun müsse, um was zu sein. Descartes’ Ego mußte zu dem Behuf immerhin denken. Das emergierende postmoderne Selbst rechtfertigte sich schon durch seine Notdurft, mal ökonomisch, mal triebökonomisch. Bedürfen setzt Identität, Zehren ersetzt Leistung. "Das Private ist politisch" ist in der Tat ein weibliches Prinzip; der moderne Feminismus hat nur auf die Spitze getrieben, was im Zug der Zeit lag, und das erklärt, warum er, minoritär wie sonstwas, dennoch ganz korrekt die öffentliche Meinung modelliert. Jedefrau ist schön, jedefrau ist klug, jedefrau ist begehrenswert (sogar Eva Mattes).</span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Das hat seine Vorgeschichte im wirklichen Leben. Die Arbeitsgesellschaft hat sich von innen überholt - durch die Überformung der produktiven Arbeit von der Verwaltung. An die </span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/ig-farben.jpg"><img class="size-medium wp-image-1548 alignleft" title="Sitz der IG Farben in Frankfurt a.M." src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/ig-farben.jpg?w=300" alt="" width="300" height="208" /></a><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Stelle des Arbeiters, dessen Handgriffe zusehends die Maschine über- nimmt, tritt der Angestellte, der die Realprozesse ver- mittelnd beglei- tet. Und an die Stelle der Unter- nehmer treten die Vollzugsbeamten des Kapitals. Ob man es, mit James Burnham, als <span style="color:#008080;"><em>the managerial revolution</em></span> beschreibt oder, mit Bruno Rizzi, als <span style="color:#008080;"><em>la bureaucratisation du monde</em> </span>- es ist derselbe Prozeß der Ersetzung lebendiger Arbeit durch fixes Kapital. Es ist gar nicht mehr das Individuum, das hier ‚leistet’, sondern die in die Maschinen eingebaute Intelligenz ihrer Konstrukteure. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">„In dem Maße aber, wie die große Industrie sich entwickelt, wird die Schöpfung des wahren Reichtums abhängig weniger von dem Quantum angewandter Arbeit, als von der Macht der Agentien, die während der Arbeitszeit in Bewegung gesetzt werden und die selbst wieder in keinem Verhältnis steht zur Arbeitszeit, die ihre Produktion kostet, sondern vielmehr abhängt vom allgemeinen Stand der Wissenschaft und dem Fortschritt der Technologie. Was Tätigkeit des Arbeiters war, wird Tätigkeit der Maschine“, heißt es in den <em><span style="color:#339966;">Grundrissen</span>.</em> „Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört auf und muß aufhören, die Arbeitszeit sein Maß zu sein und daher der Tauschwert das Maß des Gebrauchswerts.“ Das Wertgesetz verfällt, die Teilung der Arbeit erübrigt am Ende die Arbeit.</span><a href="http://ebmeierjochen.files.wordpress.com/2008/10/automatprod.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1549" title="automatische Fabrik" src="http://ebmeierjochen.wordpress.com/files/2008/10/automatprod.jpg?w=300" alt="" width="300" height="216" /></a></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText" style="text-align:justify;"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;">Wird die Arbeit von der intelligen- ten Maschine be- sorgt, <a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/2008/09/10/vom-ende-der-arbeitsgesellschaft/">verlieren die Werte ihr ange- stammtes Maß</a>. Alles Maß verliert auch das Bedürf- nis. Aber das macht ihm nichts. Es erhält sich als Esse a se, Causa sui, Begründung seiner-selbst. In einer Kultur, wo reduzierter Luxus wie Notdurft wirkt, muß es gar nicht erst als Leiden, sondern darf gleich als Selbstverwirklichung in die Welt treten. Wer oder was ist aber ein Selbst? Es ist, was es braucht. Sein Grund ist reinziehn, was Spaß macht, und darauf hat es seinen anteiligen Anspruch. Quote erübrigt Rechtfertigung - in den öffentlichsten Berufen, die es gibt: Staatsdienst und Medien. </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<p class="MsoPlainText"><span style="font-size:14pt;font-family:Garamond;"> </span></p>
<div><!--[if !supportEndnotes]--></p>
<hr size="1" /><!--[endif]--></p>
<div id="edn1">
<p class="MsoEndnoteText"><a name="_edn1" href="#_ednref1"><span class="MsoEndnoteReference"><span><!--[if !supportFootnotes]--><span class="MsoEndnoteReference"><span style="font-size:10pt;font-family:&#34;">[i]</span></span><!--[endif]--></span></span></a> Die proletarische Existenzweise ist charakterisiert durch Unsicherheit. Das erfordert Verantwortung. Was Jörg Schönbohm Zwangsproletarisierung nennt, war in Wahrheit Klientifizierung. Das ist ein feudales Verhältnis, kein industrielles.</p>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Zeit für eine neue Romantik]]></title>
<link>http://neuromantiker.wordpress.com/?p=141</link>
<pubDate>Thu, 25 Sep 2008 21:24:29 +0000</pubDate>
<dc:creator>ebmeierjochen</dc:creator>
<guid>http://neuromantiker.wordpress.com/2008/09/25/zeit-fur-eine-neue-romantik/</guid>
<description><![CDATA[


 

  
Dass Rüdiger Safranski mit seinem Buch Romantik. Eine deutsche Affäre auf die vorderen Pl]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div id="post-2" class="page hentry category-allgemeines entry entry-1">
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<p><a href="http://neuromantiker.files.wordpress.com/2008/09/safranski_romantik_260.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-109" title="&#34;Romantik. Eine deutsche Affäre&#34;" src="http://neuromantiker.files.wordpress.com/2008/09/safranski_romantik_260.jpg?w=260&#38;h=150" alt="" width="260" height="150" /></a></p>
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<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Dass Rüdiger Safranski mit seinem Buch <span style="color:#993300;">Romantik. Eine deutsche Affäre</span> auf die vorderen Plätze der Bestsellerliste gelangen konnte, ist ein Zeitzeichen. Nach der hemmungslosen Alberei der <span style="color:#993300;"><em>“Postmoderne”</em></span> ist es wieder Zeit für ein bissel mehr Ernst; der aber nach Lage der Dinge doch nur <span style="color:#993300;"><em>paradoxal</em></span> sein kann. Oder, wie die Romantiker sagten: “ironisch”.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Dass die Philosophie sinnvoller Weise nicht nach ewigen Wahrheiten suchen kann, ist die bleibende Einsicht jener Epoche, die wir rückblickend <span style="color:#993300;"><em><span>die Moderne</span></em></span> nennen und deren Vortrupp die <span style="color:#993300;"><em>Romantiker</em></span> waren: Wie gewiss ein Wissen ist, lässt sich nicht an seinem Gegenstand erweisen, sondern muss am Wissenden selbst geprüft </span><a href="http://neuromantiker.files.wordpress.com/2008/09/784941_edited.jpg"><img class="size-medium wp-image-110 alignright" title="Zwiespalt" src="http://neuromantiker.files.wordpress.com/2008/09/784941_edited.jpg?w=186&#38;h=210" alt="" width="186" height="210" /></a><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">werden. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Die „Postmoderne“ hat das überhöht zu der fröhlichen Parole: „is’ ja doch alles nur Konstrukt!“, und erweiterte sie zu der gemütlichen praktischen Konsequenz <em><span style="color:#993300;">Anything goes</span>.</em></span></p>
<p class="MsoNormal"><em><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;"> </span></em></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Mit andern Worten: <em><span style="color:#993300;">Nix gilt</span>.</em> Doch noch ist es nicht Abend, da hat sich schon gezeigt: Das war ja auch wieder nur das selbstbequeme Bekenntnis des <em><span style="color:#993300;">Philisters</span>: </em>Wahr ist, was nützt. Am Ende bleibt als Prüfstein aller Qualitäten nur „das Bedürfnis“. <span style="color:#993300;"><em>Wessen</em></span> Bedürfnis? Nicht die Sachen müssen sich bewähren, sondern die Subjekte. Denn dem kritischen, <span style="color:#993300;"><em>ironischen</em></span> Blick des Romantikers bleibt es nicht verborgen: Wir alle haben…</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><em><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;"><span style="color:#008080;"><span style="color:#993300;">…</span><span style="color:#993300;">unser Sach auf Nichts gestellt</span><span style="color:#000000;">.</span></span></span></em></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Es ist Zeit für die Rückkehr zur Moderne. Ist es...</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">I. <a href="http://neuromantiker.wordpress.com/2008/09/19/herzlich-willkommen/">...Zeit für eine neue Romantik?</a></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">II. <a href="http://neuromantiker.wordpress.com/2008/09/19/ironie-ist-das-wesen-des-romantischen/">Ironie ist das Wesen es Romantischen</a></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">III. <a href="http://neuromantiker.wordpress.com/2008/09/21/zwiespalt-ist-unser-nationalcharakter/">Zwiespalt ist unser Nationalcharakter</a></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">IV. <a href="http://neuromantiker.wordpress.com/2008/09/23/der-philister-zu-deutsch-der-spieser/">Der Philister</a>, zu deutsch: der Spießer.</span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p><a href="http://neuromantiker.files.wordpress.com/2008/09/egox10001_edited.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-65 alignnone" title="ego" src="http://neuromantiker.files.wordpress.com/2008/09/egox10001_edited.jpg?w=69&#38;h=96" alt="" width="69" height="96" /></a></p>
<p><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Dies ist ein Weblog von <a href="http://www.jochen-ebmeier.de/">Jochen Ebmeier</a>.</span></p>
<p><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;">Besuchen Sie auch <a href="http://ebmeierjochen.wordpress.com/">Ebmeier’s Weblog</a> bei WordPress!</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size:16pt;font-family:&#34;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align:justify;">
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[schreibpädagogik und lust am schreiben]]></title>
<link>http://schreibschrift.wordpress.com/?p=766</link>
<pubDate>Mon, 15 Sep 2008 16:34:12 +0000</pubDate>
<dc:creator>christof</dc:creator>
<guid>http://schreibschrift.wordpress.com/2008/09/15/schreibpadagogik-und-lust-am-schreiben/</guid>
<description><![CDATA[in den letzten beiträgen zur schreibpädagogik in diesem blog ging es immer wieder um mögliche kon]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>in den letzten beiträgen zur schreibpädagogik in diesem blog ging es immer wieder um mögliche konflikte und schwierigkeiten in schreibgruppen. es ist an der zeit, mal die andere seite zu zeigen. denn schreibgruppen bergen tolle chancen in sich.</p>
<p>einer der wichtigsten gründe für die teilnehmerInnen, eine schreibgruppe aufzusuchen, besteht sicherlich darin, andere menschen zu treffen, die auch große lust am schreiben haben. ist das schreiben eigener texte doch eine sehr interessante form, sich selbst auszudrücken. und einmal "blut geleckt", lässt es sich schwer wieder aufgeben. es mögen zwar schreibblockaden dazwischen kommen, aber der drang schreiben zu wollen verschwindet bei vielen nie mehr vollständig.</p>
<p>gleichzeitig werden menschen, die gern schreiben, von ihrer umwelt nicht selten kritisch beäugt. das war hier schon einmal thema, als es darum ging, wieweit das ständige schreiben eine beziehung belasten kann. das kreative schreiben wird nicht selten in die schublade "kunst und kultur" gesteckt. und das ist eine höchst verdächtige schublade in den augen vieler. auf der einen seite liest man zwar gern bücher, aber selber schreiben, da muss jemand nicht ausgelastet sein. es wird gern abwertend über das schreiben gesprochen, vielleicht auch, weil man es gern selber können möchte. ein hauch von neid kann mit im spiel sein.</p>
<p>der vorteil des kreativen schreibens besteht jedoch darin, dass alle, die lust haben, für sich einen weg und die entsprechenden techniken finden können, um ins schreiben reinzukommen. von außen betrachtet werden die möglichkeiten unterschätzt, welche fähigkeiten in diesem zusammenhang alle menschen besitzen. viele glauben nicht an ihre eigenen ideen. das kreative schreiben kann helfen, diese freizulegen und auf papier oder in den computer zu bringen. allein es fehlt die traute. hier kann nur empfohlen werden, einfach mal eine schreibgruppe aufzusuchen. es steht einem ja frei, wenn man merkt, dass es doch nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat, alles wieder sein zu lassen. doch der erste schritt wird gern selbst eingeschränkt, in dem glauben, die anderen, die in den schreibgruppen anwesend sind, seien sehr viel versierter. es braucht seine zeit, bis menschen erkennen, dass die ideen beim schreiben so verschieden sind, dass man gar nicht groß in konkurrenz zueinander treten muss. außerdem ist es ein sehr angenehmes gefühl, den eigenen bedürfnissen und der eigenen lust am schreiben zu folgen. und selbst wenn daraus nicht das erträumte schriftstellerInnen-leben wird, so kann es doch zu texten führen, die guten freundInnen gefallen oder dem eigenen urteil standhalten. allein dafür lohnt sich ein versuch.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[18 | Sexuelle Energie]]></title>
<link>http://syncommmanagement.wordpress.com/?p=88</link>
<pubDate>Wed, 18 Jun 2008 19:39:16 +0000</pubDate>
<dc:creator>Admin</dc:creator>
<guid>http://syncommmanagement.wordpress.com/2008/06/18/18-sexuelle-energie/</guid>
<description><![CDATA[



Wirksames Management ist ein Aufmerksamkeitskatalysator.
Der Schlüssel jeglicher Existenz ist E]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align:justify;">
<table border="0" width="480" align="center">
<tbody>
<tr>
<td><strong>Wirksames Management ist ein Aufmerksamkeitskatalysator.</strong></p>
<p>Der Schlüssel jeglicher Existenz ist Energie. Wer Energie fokussiert, führt, steuert, hat Macht und Einfluss, entscheidet über Erfolg und Misserfolg, wirkt anziehend. Mag-(net)-isch. Oft sogar unbemerkt. Wer über (die) Energie [Potential] verfügt, ist wahrhaft mächtig.</p>
<p>Wir sehen das in der Ernährung, dem körperlichen Aspekt, als auch in der Bildung und psychosozialen Gesundheit, dem mentalen Aspekt. Darüber hinaus der spirituelle Aspekt, um die Dreieinigkeit von Körper, Geist und Seele herzustellen.</p>
<p>Produzieren wir also positive Gefühle, sind wir reich, ausgeglichen, wohlhabend, zufrieden. Tun wir das Gegenteil, bleibt eine gefühlsarme, leere, leblose Hülle zurück, nur noch bemüht, ihre <em>Form</em> beizubehalten. Leichenstarre tritt ein. Energiearmer Sexismus ohne Erotik ist dafür ein Beispiel.</p>
<p>Das völlige Fehlen einer flirtenden Leichtigkeit, insbesondere, aber nicht ausschließlich, im Business, ist ein alarmierender Beleg für mentale wie körperliche Unfreiheit und destruktive, zynische Selbstbeschränkung. Diese ist zum Teil soweit gediehen, eine <em>natürliche</em> Sexualität zu verreißen. Um dieser irrationalen Doppelfalle zu entkommen, bedarf es eines nicht lediglich oberflächlichen Wissens über Kopulation und der ihr innewohnenden Kraft.</p>
<p>Werfen wir einen Blick hinter den Vorhang einer energetischen Realität und beobachten, was Management mit sexueller Energie zu tun hat.</p>
<p></p>
<hr width="33%" />
</p>
<p><strong>«Echte Frauen sind nur noch schlechte Pornografie»</strong></p>
<p><em>Je mehr nackte Haut gezeigt wird, desto weniger Sex wird praktiziert. Die Verhüllung der Reize fördert knisternde Erotik, schreibt die New Yorker Publizistin Naomi Wolf.</em></p>
<p>Die Schleusen stehen kurz davor, geöffnet zu werden, die Pornografie entwickelt sich zum Mainstream. Dies behauptete in den Achtzigerjahren die Feministin Andrea Dworkin. Würden der Pornografie keine Grenzen gesetzt, so Dworkin weiter, dann nähmen Männer Frauen nur mehr als Objekte und Pornodarstellerinnen wahr. Die geballte Ladung an Schweinereien würde dazu führen, dass Männer alle Frauen als sexuell minderwertige Wesen betrachteten und erniedrigend behandelten. Die unausweichliche Folge: ein massiver Anstieg von Vergewaltigungen.</p>
<p>Der erste Teil ihrer Vorhersage hat sich bewahrheitet: Pornografie ist in unserem Leben allgegenwärtig geworden. Von Spam-Mails, die nichts ahnenden Computerbenutzern anzügliche Sexbilder auf den Bildschirm bringen, bis hin zum Porno in Reinkultur am TV. Sogar die zweifache Mutter Madonna trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift «Porn Star». Klubs, in denen nackte Frauen auftreten, schießen wie Pilze aus dem Boden, und Starlets rühmen sich in Boulevardzeitungen damit, wie sie von Profis strippen gelernt haben.</p>
<p>Dworkin hatte Recht: Die Schleusen der Pornografie haben sich geöffnet. Aber in Bezug auf die Folgen irrte sie sich. Jungen Männern und Frauen wird durch Pornofilme tatsächlich beigebracht, was Sex ist, wie er aussieht, was seine Regeln und Erwartungen sind - und das hat einen enormen Einfluss darauf, wie sie miteinander umgehen. Die Folge ist aber nicht, dass sich Männer in hirnlose Bestien verwandeln, die in jeder Frau einen Pornostar sehen und über sie herfallen.
</p>
<p>Ganz im Gegenteil. Gemäß meinen Beobachtungen sind Pornos verantwortlich dafür, dass sich die männliche Libido im Umgang mit realen Frauen in Luft auflöst. Keine Rede davon, dass junge Frauen sich gegen Horden von pornoverrückten jungen Männern zur Wehr setzen müssten. Frauen sorgen sich vielmehr, dass sie als reale weibliche Wesen aus Fleisch und Blut das Interesse von jungen Männern kaum mehr wecken, geschweige denn längerfristig aufrechterhalten können.</p>
<p>Ich habe kürzlich mit jungen Studentinnen gesprochen, und sie haben mir gesagt, dass sie mit dem vermittelten Frauenbild schlicht nicht mithalten könnten. Es sind echte Frauen - Frauen mit Poren und vielleicht auch Cellulite, mit Brüsten, die ihnen von Natur aus gegeben sind, und mit einem Wortschatz, der über «O ja, mach weiter, mein Hengst!» hinausgeht, Frauen mit Gefühlen und mit eigenen sexuellen Bedürfnissen.</p>
<p>Wie könnten sie mit der vollkommenen Cyberfrau konkurrieren, die bei Bedarf heruntergeladen werden kann und unterwürfig ganz nach dem Geschmack des Benutzers daherkommt?</p>
<p>Erotische Bilder waren in der Geschichte der Menschheit fast immer ein Abbild, eine Verherrlichung oder ein Ersatz für echte nackte Frauen. Jetzt aber hat zum ersten Mal der Reiz dieser Bilder denjenigen einer realen Frau verdrängt. Heutzutage sind echte nackte Frauen mit ihren menschlichen Zügen und Unzulänglichkeiten nichts weiter als schlechte Pornografie. Während zweier Jahrzehnte habe ich beobachtet, wie junge Frauen ihren reellen und hypothetischen sexuellen Wert aufgrund der Pornografie herabgesetzt haben.</p>
<p>Als ich in den Siebzigerjahren volljährig wurde, war es noch immer ziemlich cool, wenn man sich einem jungen Mann tatsächlich als nackte, bereitwillige Frau anbieten konnte. Mehr junge Männer wollten mit nackten Frauen zusammen sein, als es nackte Frauen auf dem Markt gab.</p>
<p>Vorausgesetzt, eine Frau hatte nichts wirklich Furcht erregendes an sich, konnte sie mit einer ziemlich begeisterten Reaktion rechnen, wenn sie sich nur schon blicken ließ. Gut möglich, dass der Freund sich den «Playboy» zu Gemüte führte, aber das war nichts im Vergleich zu einer warmen, echten Frau, die tatsächlich da war.</p>
<p>Vor 30 Jahren galt Geschlechtsverkehr in der Missionarsstellung in der Pornografie für die Massen noch als erotisch. Als 1972 der Pornofilm «Behind the Green Door» erschien, wurden Sexszenen in dieser nüchternen Stellung noch als enorm stimulierend betrachtet.</p>
<p>Ich bin mittlerweile 42, und meine Generation ist die letzte, die selbstbewusst an das glaubte, was wir in sexueller Hinsicht zu bieten hatten. In den Achtziger- und Neunzigerjahren habe ich miterlebt, wie unsere jüngeren Geschlechtsgenossinnen mit den heißen Eskapaden von Lesben und tiefgebräunten Pornostars auf Video konkurrieren mussten.</p>
<p>Unterdessen ist es noch schlimmer geworden. Viele junge Frauen in meinem Fitnesscenter wirken mit ihren künstlich prallen Brüsten und dem sorgfältig enthaarten Intimbereich wie Darstellerinnen in einem Pornofilm. 40-Jährige haben die Schambehaarung von erwachsenen Frauen - die 20-Jährigen hingegen sind alle gestylt wie Pornostars.</p>
<p>Aber bedeutet all das nun, dass die Sexualität freier geworden ist? Oder verhält es sich mit der Beziehung zwischen Pornoindustrie, Zwanghaftigkeit und sexueller Lust ähnlich wie mit der Landwirtschaft, verarbeiteten Nahrungsmitteln, extragroßen Portionen und Fettleibigkeit? Wenn Ihr Appetit ständig angeregt und mit Waren von schlechter Qualität gestillt wird, dann braucht es viel mehr von diesem Junkfood, bis Sie satt sind.</p>
<p>Die Menschen sind sich wegen der Pornografie nicht näher gekommen, sondern sie haben sich weiter voneinander entfernt. Wir werden in unserem täglichen Leben nicht mehr stimuliert, sondern weniger.</p>
<p>Die jungen Studentinnen, die mit mir über die Auswirkungen der Pornografie auf ihr Intimleben gesprochen haben, haben das Gefühl, nie gut genug zu sein. Sie glauben, nie das verlangen zu können, was sie wirklich wollen. Und wenn sie nicht bieten, was Porno bietet, können sie auch nicht erwarten, einen Kerl an sich zu binden.</p>
<p>Die jungen Männer hingegen sprechen darüber, wie es ist, erwachsen zu werden und alles über Sex aus Pornos zu lernen. Und sie sagen, dass Pornos ihnen nicht dabei geholfen haben, herauszufinden, wie man mit einer echten Frau umgeht - geschweige denn, wie man ihre Bedürfnisse befriedigt.</p>
<p>Auf die Frage, wie es denn mit der Einsamkeit stehe - ob Pornobilder nicht dazu führten, dass man ein bisschen weniger Intimität verspüre -, schwiegen die jungen Männer und Frauen meist traurig. Sie wissen, dass sie einsam sind, auch wenn sie zusammen sind. Und sie spüren, dass die Pornografie und ihre Bilder für einen großen Teil dieser Einsamkeit verantwortlich sind. Was sie nicht wissen, ist, wie sie einander auf einer erotischen Ebene wiederfinden können - von Angesicht zu Angesicht.</p>
<p>Demnach ist möglicherweise nicht die Moral der Grund, weshalb der Pornografie der Kampf angesagt werden soll. Vielmehr sind es Bedenken in Bezug auf die körperliche und emotionale Gesundheit. Der ständige Zugang zu pornografischem Material sollte hinterfragt werden: Wer ein Sportler sein will, tut schließlich auch gut daran, aufs Rauchen zu verzichten. Und eine übermäßige Zufuhr von Stimulanzien bedeutet eine verminderte Leistungsfähigkeit - das ist erwiesen.</p>
<p>Bei der Pornografie kommt eine pawlowsche Reaktion zum Tragen: Ein Orgasmus ist einer der wirkungsvollsten Stimuli. Wenn Sie einen Orgasmus vorwiegend mit Ihrer Frau, einem Kuss, einem Duft oder einem Körper assoziieren, dann kommt es mit der Zeit so weit, dass diese Faktoren ausreichen, um Sie sexuell zu erregen.</p>
<p>Wenn Sie hingegen einen Orgasmus nur mit einem endlosen Strom von unpersönlichen, immer tabuloseren Bildern von Cybersex verbinden, dann brauchen Sie solche Bilder schließlich, um überhaupt erregt zu werden. Indem die Sexualität in Bildern allgegenwärtig ist, wird Eros nicht befreit, sondern geschwächt.</p>
<p>Anderen Kulturen ist dies bewusst. Ich befürworte keineswegs die Rückkehr in eine Zeit, als die weibliche Sexualität noch versteckt wurde. Aber ich verstehe heute, dass die Kraft und die Energie der Sexualität nur erhalten bleiben, wenn ihr etwas Heiliges, Unantastbares anhaftet.</p>
<p>Das Gefühl, dass Sex nicht einfach ständig nach Belieben verfügbar ist, kommt einer Beziehung zugute. Deshalb verurteilen viele Kulturen die übermäßige Verbreitung von sexuellen Darstellungen. Viele traditionellere Kulturen scheinen die männliche Sexualität besser zu verstehen als wir.</p>
<p>Diese Kulturen warnen Männer vor Pornografie, weil sie der Erotik in einer Ehe einen hohen Stellenwert beimessen. Sie wissen, dass eine starke erotische Bindung zwischen den Eltern ein Schlüsselelement einer gesunden Familie ist.</p>
<p>Der Sexualtrieb ist für sie vergleichbar mit dem Druck, der in einer Leitung herrscht: Wenn man einen Mann oder eine Frau unzähligen sexuell freizügigen Bildern von anderen Menschen aussetzt, dann ist das, wie wenn diese Leitung zahlreiche Löcher bekommt. Auf diese Weise kann die sexuelle Energie entweichen, sodass letztlich weniger davon für die bestehende Beziehung übrig bleibt.</p>
<p>Diese Kulturen behandeln Frauen vielleicht nicht nett - aber sie verstehen etwas von der Macht von Eros. Wir können ihnen etwas über Gleichberechtigung beibringen, und sie können uns etwas über Heiligkeit lehren.</p>
<p>Ich werde meinen Besuch bei Devorah nie vergessen, einer alten Freundin, die zum orthodoxen Judentum konvertiert ist und jetzt in Jerusalem lebt. Als ich sie traf, trug sie statt Jeans und T-Shirt einen langen Rock und ein Kopftuch. Ich konnte das nicht begreifen. Devorah hat goldblonde, wilde Locken, die ihr bis an die Taille reichen.</p>
<p>«Kann nicht einmal ich deine Haare sehen?», fragte ich vergeblich und versuchte, in dieser Frau meine alte Freundin wiederzuerkennen. Sie lehnte ab. «Aber warum nicht?», wollte ich wissen, «ich bin doch eine Frau!» «Nur mein Ehemann darf meine Haare sehen», sagte sie mit ruhiger Stimme, in der ihre sexuelle Selbstsicherheit spürbar war.</p>
<p>Später zeigte sie mir ihr kleines Haus in einer Siedlung auf einem Hügel und auch ihr Schlafzimmer, das mit Stickereien aus dem Nahen Osten dekoriert war. In diesem Zimmer, das nicht einmal ihre Kinder betreten dürfen und zu dem auch ihr Ehemann nur Zutritt hat, wenn die Zeit dafür richtig ist, war die sexuelle Intensität geradezu archaisch und überwältigend zu spüren.</p>
<p>Die erotische Spannung, die ich in diesem Raum fühlte, war intensiver und tiefer als alles, was ich je zwischen weltlichen Paaren im befreiten Westen erlebt habe. Und ich dachte: Unsere Ehemänner sehen tagtäglich auf der Strasse oder auf dem Internet nackte Frauen. Devorahs Ehemann bekommt nicht einmal die Haare einer andern Frau zu Gesicht. Sie muss sich so was von sexy fühlen!</p>
<p>Und jetzt vergleichen Sie diese hocherotische Stimmung mit dem, was mir ein junges Pärchen erklärt hat. «Wieso immer gleich Sex?», hatte ich gefragt. Er antwortete: «Alles ist immer ein wenig gespannt, wenn man sich erst seit kurzem mit jemandem trifft. Ich habe lieber gleich Sex, dann hat man es hinter sich. Es wird ja sowieso geschehen und so ist zumindest diese Spannung weg.»</p>
<p>«Aber ist es denn nicht Spannung, die den Spass ausmacht?», hakte ich nach, «ist nicht das Geheimnisvolle, das Unbekannte wichtig?» Verständnisloser Blick: «Das Geheimnisvolle?» Ohne Zögern kommt: «Ich weiss nicht, was Sie meinen. Sex hat nichts Geheimnisvolles.»</p>
<p>© Naomi Wolf, «The Sunday Times», London; Originaltitel: «The more you see the less you want», Übersetzung: Irene Bisang.<br />
Wolfs Buch «Mythos Schönheit» wurde 1990 zum internationalen Bestseller. Zuletzt erschien von ihr auf Deutsch «Vom Ende der Unschuld. Oder das sexuelle Drama, eine Frau zu werden».</p>
<p>«Zum ersten Mal in der Geschichte hat der Reiz erotischer Bilder denjenigen einer realen Frau verdrängt» - Naomi Wolf</p>
<p>«Traditionellere Kulturen behandeln Frauen vielleicht nicht nett - aber sie verstehen etwas von der Macht von Eros» - Naomi Wolf</p>
<p>30. Juni 2004</p>
<p></p>
<hr width="33%" />
</p>
<p><em>Und nun schauen Sie mal auf die Art und Weise, wie das Thema mit einer deutschen Mentalität aufgegriffen und dargestellt wird. Der Unterschied ist fundamental:</em></p>
<p>GMX am 16.06.08 &#124; <a title="Sex und Energiegesetz" href="http://portal.gmx.net/de/themen/gesundheit/sex/6117500-Deutsche-verlieren-Lust-auf-Sex,articleset=5291494,cc=000000185900061175001kyG2A.html" target="_blank">Deutsche verlieren Lust auf Sex</a> &#124; Hamburg (dpa)</p>
<p>Die kontinuierliche Enttabuisierung von Sex seit dem letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts, seine Allgegenwart in der Öffentlichkeit, in der Werbung, im Fernsehen, in der Presse und in der Literatur, hat nicht etwa dazu geführt, dass mehr Sex praktiziert wird, sondern dazu, dass den Menschen die Lust darauf offensichtlich mehr und mehr vergeht.</p>
<p>Das Magazin für Psychologie und Hirnforschung "Gehirn &#38; Geist" (Heidelberg) verzeichnet Expertenbefunde, wonach die sexuelle Aktivität der Deutschen seit den 1980er und 1990er Jahren stetig abnimmt. Eine Studie der Universität Göttingen, für die 13 483 Männer und Frauen in festen Beziehungen befragt wurden, ergab, dass 17 Prozent während des Untersuchungszeitraums von vier Wochen überhaupt keinen Geschlechtsverkehr hatten. 57 Prozent, also die Mehrheit der Paare, gab an, im fraglichen Monat einmal mit dem Partner verkehrt zu haben. Nur rund jeder Vierte tat dies regelmäßig ein- bis zweimal pro Woche, hält der Bericht fest, über den es auf der Titelseite heißt "Keine Lust auf Sex? Warum die Liebe Tabus braucht".</p>
<p>Singles haben noch seltener Sex. Eine Untersuchung des Sexualwissenschaftlers Gunter Schmidt an knapp 800 Hamburgern und Leipzigern ergab, dass 60 Jahre alte Partner im Durchschnitt sexuell aktiver sind als 30 Jahre alte Singles.</p>
<p>Der Forscher Peter Fiedler, der klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Heidelberg lehrt, schreibt dazu in "Gehirn &#38; Geist": "In dem Maß, wie die traditionelle Sexualmoral mit ihren Verboten, Sanktionen und Schuldgefühlen verschwand, machte sich scheinbar Langeweile breit. Offensichtlich besaßen gerade die unerfüllten, oft verbotenen oder tabuisierten sexuellen Wünsche und Bedürfnisse eine große Triebkraft."</p>
<p>Die früher nur heimlich mögliche Sexualität hat nach Fiedlers Deutung erheblich zur wechselseitigen Anziehung der Geschlechter beigetragen und war auch ein Kernelement jeder guten schöngeistigen Literatur und auch von Operette oder Oper. Es sehe fast so aus, als seien gerade Tabus eine notwendige Voraussetzung für eine "Kultur der Lüste". Heute hingegen scheine in Sachen Sex fast alles möglich. "Die öffentlichen, teils banalen Dauerdarstellungen von und über Sexualität in den Medien tragen ihr Übriges dazu bei, dass ein wichtiges Element sexueller Lust und Begierde verloren geht."</p>
<p>Das Editorial des Magazins veranschaulicht das unter der Überschrift "Überall Sex - Sex über alles" mit alltäglichen morgendlichen Eindrücken in der Rush-Hour: "Hinter den plumpen Domina-Plakaten einer regionalen Erotikmesse grüßt von einer Hauswand eine überdimensionale Bierflasche, an deren Kurven sich ein Nacktmodel lasziv schmiegt. An der Bushaltestelle prangt in fetten Lettern der Slogan einer Boulevardzeitung: "Nein, ich bin nicht gekommen". Untertitel: "Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht." Soso...</p>
<p>Im Zuge der sexuellen Liberalisierung scheinen zwar früher typische Probleme psychischer Verdrängung weniger geworden zu sein, auch neurotische Phänomene infolge von Konflikten zwischen Verbotseinhaltung und sexuellem Trieb. Doch Psychotherapeuten stellen fest, dass Probleme mit der Sexualität weiterhin ein Konfliktthema sind, das ratsuchende Menschen belastet. Zwar sind viele äußere Zwänge mittlerweile verschwunden, doch gilt das keineswegs für die inneren Zwänge, die Menschen im Privaten aufbauen.</p>
<p>Schon vor der Jahrhundertwende waren negative Auswirkungen der Allgegenwart des Themas Sex in der Öffentlichkeit deutlich absehbar. So heißt es zum Beispiel in einem Buch des Soziologie-Professors Reimer Gronemeyer (Gießen) mit dem Titel "Die neue Lust an der Askese" ( Berlin 1998 ) im Kapitel über den öffentlichen Sex: "In der Treibhausschwüle des sexualisierten Alltags scheint die erotische Phantasie nicht mehr Tat werden zu können. Der öffentliche Sex tötet den privaten Eros". Die starken Gefühle stürben und die leidenschaftlichen Sehnsüchte verdämmerten, heißt es da auch. Man wolle nur noch wissen: Wer schlief mit wem."</p>
<p>Welche <span style="text-decoration:underline;">Kraft der Freude, Kreativität, Inspiration und Imagination</span> entfaltet diese Mitteilung? Sind Deutsche tatsächlich nur in der Lage, roboterhaft zu analysieren, nahezu unbeteiligt zu referieren und selbst den emotionalsten Teil ihres Lebens staubtrocken abzuhandeln?</p>
<p>
Die vielbeschworene "schönste Nebensache der Welt" führt ein Schattendasein als nebulöse Erinnerung.<br />
<br />
<strong>Kein Wunder also, wenn schon im Geist jegliche Vorstellung und Fühlfähigkeit derart verkümmert und deformiert ist.</strong>
</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[17 | Multidimensionalität]]></title>
<link>http://syncommmanagement.wordpress.com/?p=85</link>
<pubDate>Tue, 17 Jun 2008 16:06:59 +0000</pubDate>
<dc:creator>Admin</dc:creator>
<guid>http://syncommmanagement.wordpress.com/2008/06/17/17-multidimensionalitaet/</guid>
<description><![CDATA[




Syncomm Managemententwicklung trägt aktiv dazu bei, Lebensqualität nachhaltig zu erhöhen. Da]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align:justify;">
<table border="0" width="480" align="center">
<tbody>
<tr>
<td>
<p>Syncomm Managemententwicklung trägt aktiv dazu bei, Lebensqualität nachhaltig zu erhöhen. Dazu gehört Wissen und die Bereitschaft, sich auf bislang unbekanntes, zumindest weitgehend unbeleuchtetes Terrain zu begeben. Dazu gehört auch und vor allem die Öffnung, sich komplexen Prozessen zu widmen - um diese aus ihrer Komplexität mittels geistiger Durchdringung vom Knäuel zum Faden zu überführen.</p>
<p>Syncomm Managemententwicklung ist dabei Begleiter und geistiger Wegbereiter, ganz ohne den Anspruch auf Perfektion und vermeintliche Sicherheit. Dafür in der Absicht, Wohlbefinden zu kreiieren, das sich nicht aus linearen Kausalitäten speist. Es gilt anzuerkennen, dass der Fluss des Lebens nicht dem Willen folgt, sondern der Absicht. Aus dieser Absicht, diesem "Wirks" oder "Passierchen", wie es Prof. Dr. Hans-Peter Dürr und andere nennen, entfaltet sich das, was wir Realität nennen.</p>
<p>Daraus ergibt sich unmittelbar, dass holistische Unternehmensführung aus Kenntnis von energetischen Prozessabläufen und -zusammenhängen sowie ihrer Erschaffung selbst und ohne Zeit(verzögerung) erfolgt. Damit ist das eine Bewusstseinsfrage, der sich kein Unternehmen verschließen kann.</p>
<p>Erfolg ist keine Frage der Strategie, solange Strategie undefiniert ist. Und genau das ist der Grundzustand. - Das erstaunt den prozessorientierten, dahin gebildeten, fokussierten und erkenntnisaffinen Zeitgenossen nicht.</p>
<p>Dennoch existiert mehrheitlich die Direktive eines allgemeinverbindlichen Verständnisses für die Prozesszusammenhänge menschlicher Handlung und ihrer Impulse. Erkennbar ist, dass multiple Realitäten sich ergänzen, nicht ausschließen. In der Konsequenz heißt das Integration anstatt Differenzierung.</p>
<p>Ausgehend von der Vorstellung einer materiellen Welt als Bezugsrahmen müssen wir angesichts anderslautender Beobachtungen einen Perspektivwechsel vornehmen. Dieser Perspektivenwechsel führt uns auf eine Strukturebene, welche nicht-kondensierten Charakter aufweist. Daraus leiten sich Wahrscheinlichkeiten ab, die sich in jeder beliebigen Weise manifestieren [können].</p>
<p>Diese Strukturebene führt von linear-kausaler, dualer Logik zu einer Metaperspektive, in der sich Widersprüche aufheben. Das Ergebnis ist eine dynamische Konvergenz und Harmonie, wie sie das kosmische Gleichgewicht kennzeichnet.</p>
<p>Das Gleichgewicht der Kräfte ist ein sich selbst regulierendes, intelligentes System, das der Mensch nicht erkennt, sondern <strong>ist</strong>. Tätigsein ist ein Erfahrungsvorgang, welcher keiner Bewertung unterliegt. Insoweit ist der Mensch als System gut beraten und intelligent darin, sein Gleichgewicht beizubehalten. Das heißt in erster Linie, Kräfte zu "verstehen", um ein Prozessverständnis über sich selbst zu entfalten.</p>
<p>Es existieren unzählige Methoden zur Ablaufsteuerung. Die Erkenntnis, selbst eine Methode zu sein ist außerordentlich hilfreich, um das zu erreichen, wozu Existenz da ist: Selbsterkenntnis. Dies ist keineswegs ein philosophischer Exkurs, sondern Teil einer Wahrheit, dessen Zeugen wir selbst sind.</p>
<p>Immer wieder entstehen die (gleichen) Fragen, welche in ihrer Grundstruktur [weitgehend] identisch sind: linear. Entwicklung und Evolution haben jedoch morphischen Charakter, weshalb Verweilen (Kondensieren) in einer Position unweigerlich Unschärfe hervorbringt.</p>
<p>Viele Fragen beantworten sich und sind transparent, werden dann transzendent, wenn mentale Fixierungen gelöst werden und jene Dynamik anerkannt, welche zu kontrollieren einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. - Jede Realität ist möglich, und wir schaffen sie, tauchen darin ein, wenn wir das Unmögliche möglich sein lassen.</p>
<p>Dies spiegelt sich wider im Wandel des gegenwärtigen Bewusstseins, das auf dem Verstand nicht zugänglichen Ebenen neue Realitäten schafft. "Träume sind Schäume" ist daher eine nach NLP negative Programmierung, da somit das Potential selbst negiert wird. Selbstverständlich bleibt es vorhanden, jedoch ist seine Form statisch dynamisch und umgekehrt.</p>
<p>Diesen gedanklichen Schritt zu vergegenwärtigen, dass Sicherheit ebenso Illusion ist wie Angst, entfaltet aus sich heraus diejenige Kraft, wahrhaft schöpferisch und produktiv zu sein.</p>
<p>Für jegliche Ansätze der Steuerung, deren Instrument Management ist, gilt daher die resonante Beobachtung, Empfindungsfähigkeit, Verarbeitungskapazität und Integrität der Rückkoppelung als Seismograph der Verwirklichung einer Absicht: <a title="Lastenverteilung" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lastverteilung" target="_blank">des Zieles.</a></p>
<p>Die Beziehung Geist-Materie wird in der Adaption Mensch-Maschine offensichtlich. Eine multidimensionale und insoweit integrale Betrachtung erweist sich durch Iteration des Erreichten als Ausgangsbasis für Neues und Veränderliches dienlich, hilfreich und nützlich.</p>
<p>Die (bisher) wahrnehmbaren Effekte transformieren sich zu einer neuen Qualität - einer anderen Form. Somit ist sie <strong>sofort änderbar</strong> und keineswegs Schicksal.</p>
</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Nonverbale Kommunikation - nonverbal communication]]></title>
<link>http://reichweite.wordpress.com/?p=23</link>
<pubDate>Sun, 18 May 2008 09:17:17 +0000</pubDate>
<dc:creator>Caroline Schneider</dc:creator>
<guid>http://reichweite.wordpress.com/2008/05/18/nonverbale-kommunikation-nonverbal-communication/</guid>
<description><![CDATA[Mein Lieblingsbeispiel zum Thema &#8216;Nonverbale Kommunikation&#8217;
Im gestrigen Beitrag schrieb]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mein Lieblingsbeispiel zum Thema 'Nonverbale Kommunikation'</strong></p>
<p>Im gestrigen Beitrag schrieb ich, dass Neapolitaner Meister der nonverbalen Kommunikation seien. Vielleicht ist das eine grobe Verallgemeinerung. Sicher meine ich damit nicht wildes Gestikulieren! Die Kunst liegt im nonverbalen Verstehen, nicht Senden.</p>
<p>Das Beispiel, das mir einst widerfuhr, zeugt davon, dass zumindest ein Süditaliener es verstand, mir einen Wunsch von den Augen abzulesen. Szene: Hotelrestaurant. Man konnte aus sechs verschiedenen Speisen am Vortag auswählen. Alle neun Tischnachbarn hatten ihre Hauptspeise schon auf dem Tisch stehen, als der Kellner mit meinem Teller aus der Küche kam. Aus etwa 10 Meter Entfernung sah er meinen Gesichtsausdruck: Skepsis und Enttäuschung. Total daneben gelegen mit meiner Wahl. Er machte auf dem Absatz kehrt und verschwand wieder in der Küche. OK. Das hätte ein nordeuropäischer Mann vielleicht auch noch hingekriegt. Aber dann... Er kam wieder aus der Küche und setzte mir einen Teller mit dem Essen vor, von dem ich selbst eigentlich nicht gewusst hatte, dass es mir am Besten schmecken würde. Sehr zufrieden stellte er später fest, dass ich natürlich brav aufgegessen hatte. Völlig beglückt.</p>
<p>Und die Moral von der Geschicht'? Keine Ahnung. Aber offensichtlich gibt es Menschen, die sehr feine Rezeptoren dafür haben, was Ihre Mitmenschen bewegt. Und die sich trauen, den Bedürfnissen dieser Mitmenschen - in diesem Fall ja Kunden - zu entsprechen, auch wenn sie sich nicht sicher sein können, dass diese schon wissen, was ihr Bedürfnis ist. Hat wohl auch 'was mit Bauchgefühl zu tun. Besonders, wenn's ums Essen geht.</p>
<p><strong>English version: My favourite example of 'nonverbal communication'<br />
</strong></p>
<p>In yesterday's post I wrote that Neapolitanians are masters of nonverbal communication. That maybe generalising too much. And I surely don't mean lively gestures only. What impressed me in one special case was the art of nonverbal understanding, not speaking.</p>
<p>So here's the story of how at least one south-italian man knew how to read my wishes from my eyes... in a Hotel-restaurant. We had chosen from six different dishes the night before and on this day all of the others already had their main dish in front of them. The waiter appeared in the kitchen door with my plate. But from far he noticed the look on my face - a look of delusion, scepticism. I had chosen some food I didn't like! He turned around an disappeared into the kitchen. OK. Any male from northern Europe might have done that, too. But then he reappeared and put some food in front of me. The dish of which I hadn't known that I would have liked it most. He was very glad that I ate up. So was I.</p>
<p>And what does this story tell us? Well, I don't know. But I think it's a good thing to meet someone with antennae that sensitive for other people's wishes. Someone who dares to act according to the needs of others - in this case his guest, client, customer - even if he can't know if they are already aware of those wishes and needs. So intuition needs a bit of courage, obviously.</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Vergessen ist notwendig]]></title>
<link>http://kaltric.wordpress.com/?p=64</link>
<pubDate>Sat, 17 May 2008 21:34:50 +0000</pubDate>
<dc:creator>kaltric</dc:creator>
<guid>http://kaltric.wordpress.com/2008/05/17/vergessen-ist-notwendig/</guid>
<description><![CDATA[&#8220;Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlasse]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>"Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlassen kann[..]wird nie wissen, was Glück ist und noch schlimmer: er wird nie etwas thun, was Andere glücklich macht.<br />
[..]<br />
es ist möglich, fast ohne Erinnerung[..]glücklich zu leben, wie das Thier[..]aber ganz und gar unmöglich, ohne Vergessen überhaupt zu leben.<br />
[..]<br />
Es giebt Menschen die diese Kraft so wenig besitzen, dass sie an einem einzigen Erlebniss, an einem einzigen Schmerz[...]wie an einem ganz kleinen blutigen Risse unheilbar verbluten.<br />
[..]<br />
jedes Lebendige kann nur innerhalb eines Horizontes gesund, stark und fruchtbar werden; ist es unvermögend einen Horizont um sich zu ziehen und zu selbstisch wiederum, innerhalb eines fremden den eigenen Blick einzuschließen, so siecht es matt[..]dahin."<br />
[..]<br />
[jeder]muss das Chaos in sich organisiren,[..]auf seine ächten Bedürfnisse[zurückbesinnen]."</p>
<p>- F. Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Grauer Alltag]]></title>
<link>http://therufus.wordpress.com/?p=903</link>
<pubDate>Mon, 31 Mar 2008 07:09:53 +0000</pubDate>
<dc:creator>the rufus</dc:creator>
<guid>http://therufus.wordpress.com/2008/03/31/grauer-alltag/</guid>
<description><![CDATA[Ich sehe sehr gut - also Brille brauche ich aber schon sicher keine. Trotzdem ist sie jetzt da, die ]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sehe sehr gut - also Brille brauche ich aber schon sicher keine. Trotzdem ist sie jetzt da, die Neue ...</p>
<div style="text-align:center;"><img src="http://therufus.wordpress.com/files/2008/03/klobrille.gif" alt="Die Klobrille" /></div>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[Gute Verstecke]]></title>
<link>http://therufus.wordpress.com/?p=788</link>
<pubDate>Wed, 12 Mar 2008 07:01:04 +0000</pubDate>
<dc:creator>the rufus</dc:creator>
<guid>http://therufus.wordpress.com/2008/03/12/gute-verstecke/</guid>
<description><![CDATA[Wenn Du 3 Frauen und eine Putzfrau hast, brauchst nichts mehr  .
Des Nächtens beschloß mein feines]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Du 3 Frauen und eine Putzfrau hast, brauchst nichts mehr :) .</p>
<p>Des Nächtens beschloß mein feines Näschen transparent gegenüber dem sie durchströmenden Blutfluß zu werden. Ich greife in das Fach, wo die Watte liegt ..... und <strong>NICHTS</strong>, grrr. Ich suche das Badezimmer ab - jeden Winkel - und <strong>NICHTS</strong>, grrrrr. Ich suche die Geheimverstecke der Kinder ab - und <strong>NICHTS</strong>, grrrrrrrr. So, noch ein paar Platzerln, wo sFrauli verschiedene Sachen archiviert, die nicht weiter gefunden werden wollen -  und <strong>NICHTS</strong>, grrrrrrrrrrrr.</p>
<p>Wo die Putzfrau Sachen unwiderbringlich hin versorgt - keine Ahnung :evil: .</p>
]]></content:encoded>
</item>
<item>
<title><![CDATA[2a. Das Bedürfnis für Unterhaltung]]></title>
<link>http://ergebung.wordpress.com/2007/09/26/2a-das-bedurfnis-fur-unterhaltung/</link>
<pubDate>Wed, 26 Sep 2007 19:12:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>Mark</dc:creator>
<guid>http://ergebung.wordpress.com/2007/09/26/2a-das-bedurfnis-fur-unterhaltung/</guid>
<description><![CDATA[2. Advent (Dec 5, 1943) from Tegel  [85]
[Lieber Eberhard]

Das Bedürfnis, mich an einem stillen So]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>2. Advent (Dec 5, 1943) from Tegel<span>  </span>[85]<span></span></p>
<p><span>[Lieber Eberhard]</span></p>
<p><span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Das Bedürfnis, mich an einem stillen Sonntagvormittag mit Dir zu unterhalten, ist so groß, und der Gedanke, daß so ein Brief vielleicht auch Dir eine einsame Stunde unterhaltsamer machen könnte, so verlockend, daß ich, ohne zu wissen, ob, wie und wo Dich diese Zeilen erreichen, Dir schreiben will . . . Wie und wo mögen wir beide diesmal Weihnachten feiern? <span></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span></span><strong><span style="font-size:10pt;">das Bedürfnis</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>need, necessity (für, nach for);</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">der Brief<span>  </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">letter</span><span style="font-size:10pt;"></span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">der Gedanke</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>thought</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">die Unterhaltung</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>conversation</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">der Weihnachten</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>Christmas (<strong>feiern </strong>celebrate)</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">die Zeile<span>  </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">line</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">stillen Sonntagvormittag</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span><em>Take this one apart; clue: think of the Christmas hymn Stille Nacht.<span>  </span>What would a stille Sonn-tag-vor-mit-tag be?(See "A Little Phonetics" for help)</em></span></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="font-size:10pt;"></span></strong><strong><span style="font-size:10pt;">erleben <span> </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">experience</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">erreichen</span></strong><span style="font-size:10pt;"> <span> </span><em>v.t.<span>  </span></em>reach, catch</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">feiern</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span><em>v.t.</em><span>  </span>celebrate</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">mögen</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>may</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">schreiben</span></strong><span style="font-size:10pt;"> write</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">unterhalten</span></strong><span style="font-size:10pt;"> <em>v.t.</em>: entertain</span><span style="font-size:10pt;">; <em>v.r.</em> support, converse with; <strong>sich u</strong></span><strong><span style="font-size:10pt;">nterhalten (mit</span></strong><span style="font-size:10pt;">) talk (to, with); <strong>sich (gut) unterhalten</strong> enjoy oneself, have a good time; <strong>eine Stunde unterhaltsamer machen</strong>, "pass an hour (in conversation)"</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">verlocken </span></strong><em><span style="font-size:10pt;">v.t. </span></em><strong><span style="font-size:10pt;"><span> </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">tempt (ptc <strong>verlockend</strong> = tempting; enticing)</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">wissen</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>to know (the inf here may be translated "knowing")</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">diesmal</span></strong><span style="font-size:10pt;"><span>  </span>this time</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">einsam<span>  </span></span></strong><em><span style="font-size:10pt;">adj</span></em><span style="font-size:10pt;"> lonesome</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">groß<span>  </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">great</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">ohne<span>  </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">without</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;">veilleicht <span> </span></span></strong><span style="font-size:10pt;">perhaps</span><br />
<strong><span style="font-size:10pt;"></span></strong></p>
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<title><![CDATA[Was macht die Kunst?]]></title>
<link>http://frauvonwelt.wordpress.com/2007/08/20/was-macht-die-kunst/</link>
<pubDate>Mon, 20 Aug 2007 20:57:43 +0000</pubDate>
<dc:creator>frauvonwelt</dc:creator>
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<description><![CDATA[Neulich sah ich sie. Etwas verloren wirkte sie, so als wüsste sie nicht, wo sie hin will. Entmutigt]]></description>
<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich sah ich sie. Etwas verloren wirkte sie, so als wüsste sie nicht, wo sie hin will. Entmutigt, als hätte sie schon zu lange auf irgendwas gewartet. Sie schlich die wenig belebte Straße entlang, blieb dann und wann stehen, schaute sich um, und ging weiter. Ich sehe sie fast immer hier in dieser Straße. Noch nie habe ich mich getraut sie anzusprechen oder ihr zuzunicken, wie man das so tut, bei Leuten, die man eigentlich nicht kennt, aber ständig sieht. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn sie nicht mehr da wäre, würde ich sie vermissen.</p>
<p>Als Kinder haben wir uns über sie lustig gemacht. Wenn wir auf dem Bordstein saßen oder Steine durch die Gegend kickten, stolzierte sie mit ihren roten Stiefeln, eingehüllt in einen schwarzen Mantel, aus dem Haus, warf uns einen kühlen Blick zu und verschwand hinter der nächsten Häuserecke. Einmal sind wir ihr hinterher gerannt, bis zur Bushaltestelle, haben dumme Sprüche gerufen, dann baute sie sich vor uns auf, öffnete ihren Mantel und zeigte uns, wofür manch einer Höchstpreise zu zahlen bereit war. Wir waren fortan kuriert.</p>
<p>Die nun einsetzende, heimliche Bewunderung wandelte sich mit heranreifender Jugend zu verstecktem Begehren. Sie war der Grund für all meine unruhigen und schlaflosen Nächte. Meine Mutter gab mir Baldrian, mein Vater eines seiner Magazine. Nichts half. Ich sparte jeden Pfennig und machte mich in Gedanken schon auf den Weg zu ihr. Allein - ich bin diesen Weg nie gegangen. Mir fehlte der Mut.</p>
<p>Immer saß ich am Fenster und wartete. Wenn ich sie dann endlich sah, ging es mir keineswegs besser. Ihr Anblick bereitete mir Schmerzen. Sie brachte mich körperlich und emotional in einen äußerst bedenklichen Zustand. Ich wurde krank.</p>
<p>Die Genesung dauerte lange. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass sie unerreichbar war. Es genügte mir, sie dann und wann die Straße entlang schreiten zu sehen. Ich verlor mich in Träumereien, tauchte ein in eine Welt fern jener fahlen Wirklichkeit. Um meine billigen Bedürfnisse zu befriedigen, fand ich Ersatz. Sie jedoch war mir teuer. Sie geisterte durch meinen Kopf. War mir ewiges Geheimnis. Sie änderte ihre Gesichter, ihre Kleidung, ihre Schuhe.</p>
<p>Mein bester Freund war mutiger. Er war bei ihr. Als er zurückkam, sagte er nur, er habe mehr erwartet. Ja, man erwartet immer eine Offenbarung.</p>
<p>Neulich sah ich sie. Ich weiß, die glänzenden Spuren, die ich noch an ihr zu entdecken glaube, sind nur die trügerischen Fährten meiner Erinnerung. Ihre Schuhe sind abgelaufen, ihre Kleider getragen, ihr Gesicht verlebt, die Augen umrändert, der Mund trocken. Sie ist eine traurige Gestalt. Alles an ihr ist so vertraut, ist wie ein Teil von mir. Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn ich damals mutiger und bei ihr gewesen wäre. Es hätte alles zerstört. Fast schäme ich mich für mein jugendliches Verlangen. Heute schaue ich ihr mit stillem Blicke hinter her und frage mich noch immer, nach wem sie sich umschaut, wenn sie so verstohlen ihren Kopf wendet und den Blick in ihre verlorenen Augen frei gibt. Seit so vielen Jahren.</p>
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